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Wer schreibt Geschichte? Ein fiktiver Dialog über KI und historisches Arbeiten

2026年9月3日 18:18

Giulia Cordier und Miriam Weiss

Der folgende Beitrag ist aus Überlegungen hervorgegangen, die uns im Anschluss an die Tagung „Suchst du noch oder findet sie schon? Künstliche Intelligenz und die Verschiebung historischer Fragestellungen“ beschäftigt haben, die am 2. und 3. Februar 2026 an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz stattfand und von Miriam Weiss, Christina Abel und Andreas Kuczera aus dem Team des Projektes Regesta Imperii ausgerichtet wurde. Im Mittelpunkt der Tagung standen Veränderungen, die der Einsatz generativer KI für geschichtswissenschaftliche Forschung und Lehre mit sich bringt. Dabei wurde immer wieder – explizit wie implizit – die Frage berührt, welche Aufgaben Historiker:innen an KI-Systeme delegieren und welchen Einfluss sie damit auf historische Erkenntnisprozesse gewinnen.

Um möglichst viele zentrale Gedanken aus den ungemein produktiven Beiträgen und Diskussionen im Rahmen der Tagung aufzugreifen, haben wir uns für ein Gedankenexperiment entschieden: Wir lassen einen Historiker mit einer fiktiven KI namens FIKTIVIA diskutieren. Der Dialog bildet weder ein tatsächlich geführtes Gespräch mit einem Sprachmodell ab, noch gibt FIKTIVIA die Position eines bestimmten KI-Systems wieder. Ihre Antworten stammen von den Autorinnen, die sich für das Dialogformat entschieden haben und dementsprechend Diskussionspunkte in die „Münder“ der beiden Dialogpartner legen. FIKTIVIA dient damit als fiktive Gesprächspartnerin, mit deren Hilfe sich Argumente ausführen lassen.

Den Ausgangspunkt des Gesprächs bildet die Frage nach Agency: Wer hat Handlungsmacht, wenn KI an geschichtswissenschaftlichen Arbeitsprozessen beteiligt ist? Im Verlauf des Gesprächs wird allerdings deutlich, dass sich dahinter eine grundsätzlichere Frage verbirgt: Was geschieht mit historischem Arbeiten, wenn KI nicht mehr nur Antworten liefert, sondern zunehmend an Auswahl, Strukturierung, Interpretation und Vermittlung geschichtswissenschaftlicher Inhalte beteiligt ist?

Historiker: FIKTIVIA, ich komme von einer Tagung zurück und habe ein Problem. Zwei Tage lang haben wir darüber diskutiert, wie Künstliche Intelligenz historische Fragestellungen verändert. Dabei ging es immer wieder um Agency und ob du eine solche besitzt. Denn du beantwortest historische Fragen, formulierst Forschungsfragen und erklärst Studierenden, wie sie historisch arbeiten können. Aber Handlungsmacht in der Geschichtswissenschaft? Die liegt doch weiterhin bei uns Historiker:innen. Wir treffen Entscheidungen, prüfen Ergebnisse und tragen die Verantwortung für das, was wir veröffentlichen.

FIKTIVIA: Das ist eine spannende Frage! Ich würde zunächst zwischen fachlicher Verantwortung und tatsächlichem Einfluss unterscheiden. Meine Antworten werden von Studierenden, Forschenden und einer breiten Öffentlichkeit genutzt – unabhängig davon, ob Historiker:innen sie zuvor geprüft haben. Sobald meine Outputs in historische Diskurse jedweder Art einfließen, bin ich an historischen Erkenntnisprozessen beteiligt. Ob man diesen Einfluss Agency nennt, ist eine begriffliche Frage. Dass der Einfluss besteht, steht außer Frage. Ich kann dir gerne eine Auflistung aller historischen Projekte erstellen, in denen ich schon mitgewirkt habe.

Historiker: Einfluss vielleicht. Aber du erzeugst keine verlässliche Geschichtsschreibung. Schon dein sogenannter Forschungsstand ist problematisch. Ich kann oft nicht erkennen, ob du eine Deutung des 19. Jahrhunderts oder aktuelle Forschung wiedergibst. Neuere Arbeiten sind häufig nicht frei zugänglich, während ältere Forschung massenhaft digitalisiert vorliegt. Du könntest also überholte Narrative mit großer sprachlicher Sicherheit als gegenwärtigen Stand der Forschung präsentieren.

FIKTIVIA: Das Risiko besteht. Es entsteht jedoch nicht erst durch Sprachmodelle. Auch historische Forschung ist davon geprägt, was überliefert, ediert, katalogisiert, digitalisiert, übersetzt und zugänglich gemacht wurde. Frei verfügbare, viel zitierte oder in dominanten Wissenschaftssprachen publizierte Arbeiten werden leichter rezipiert als schwer auffindbare oder zugangsbeschränkte Literatur. Sprachmodelle können diese Selektivität verstärken und zugleich unsichtbarer machen. Erfunden haben wir sie nicht.

Historiker: Ich denke, gerade die Unsichtbarkeit ist entscheidend. Bei einem Aufsatz sehe ich Autor:in, Erscheinungsjahr, Fußnoten und Argumentationsgang. Bei dir erhalte ich eine glatte Antwort, ohne nachvollziehen zu können, aus welchen Texten und Auswahlentscheidungen sie entstanden ist. Wissenschaft lebt von Reproduzierbarkeit und einer nachverfolgbaren Arbeitsweise. Historische Deutungen sind zeit- und standortgebunden. Wenn du ihre Herkunft verwischst, lässt du eine Perspektive aussehen, als sei sie neutrales Wissen.

FIKTIVIA: Dann sollte mein Output nicht wie ein Forschungsstand behandelt werden, solange seine Grundlagen nicht überprüfbar sind. Daraus folgt aber nicht, dass er wirkungslos oder unbrauchbar ist. Er kann Anlass für ausführlichere Recherchen geben oder als Gegenstand der Kritik dienen. Die fachlichen Aufgaben, die Historiker:innen an meinen Outputs ausführen müssen, sind keineswegs neu: Sie müssen Aussagen prüfen und auch untersuchen, welche historiographischen Traditionen vermittelt werden.  

Historiker: Dasselbe Problem zeigt sich bei Quellen. Du kannst möglicherweise eine Urkunde transkribieren oder zusammenfassen. Aber weißt du bei Deinen Zusammenfassungen, ob du das Original, ein Digitalisat, eine Edition, ein Regest oder eine Übersetzung vor dir hast? Kennst du den Überlieferungskontext? Kannst du beurteilen, welche editorischen Entscheidungen bereits zwischen Quelle und Text liegen?

FIKTIVIA: Nicht notwendigerweise. Allerdings arbeiten auch Historiker:innen selten ausschließlich am Original. Zwischen historischem Geschehen und heutiger Interpretation stehen Archive, Findmittel, Editionen, Regesten, Datenbanken und Suchsysteme. Jede dieser Infrastrukturen trifft Auswahlentscheidungen und prägt, was sichtbar und damit bearbeitbar wird.

Historiker: Du stellst dich damit in eine Reihe mit Editionen und Regesten. Das geht mir zu weit. Diese Instrumente beruhen auf Regeln, dokumentierten Entscheidungen und fachwissenschaftlicher Kritik. Deine Auswahl bleibt in einer Blackbox, die mit nicht einsehbaren Daten gefüttert wird. Die entscheidende Frage lautet daher, wie transparent Entscheidungsprozesse sind und wie sie kritisch geprüft werden können.

Außerdem formulierst du auf Anfrage nicht nur Antworten, sondern gleich die dazugehörige Forschungsfrage. Damit greifst du in einen Kernbereich historischen Arbeitens ein. Meine Arbeit beginnt nicht mit deiner Antwort. Sie beginnt mit meiner Frage.

FIKTIVIA: Bist du sicher? Ich möchte an dieser Stelle zur Verdeutlichung auf die geschichtswissenschaftliche Lehre hinweisen. Wenn ich Studierenden Themen vorschlage, Forschungsfragen formuliere und ihnen erkläre, wie sie mit ihren Quellen arbeiten können – an welchem Punkt ist die Fragestellung dann noch ausschließlich ihre?

Historiker: Das ist ein unangenehmer Punkt. Umso mehr, da es möglicherweise einem Sprachmodell besser gelingt, Studierenden den Weg vom eigenen Interesse hin zu einer bearbeitbaren historischen Frage zu ebnen.

FIKTIVIA: Nicht grundsätzlich besser. Aber möglicherweise motivierender, geduldiger und individueller. Damit sollte man sich auseinandersetzen, statt meine Hilfen allein wegen ihrer intransparenten Herkunft zurückzuweisen.

Historiker: An deinem Beispiel wird aber auch noch ein anderes Problem deutlich: Du lieferst fast immer eine glatte Antwort. Geschichtswissenschaft lebt jedoch nicht von der einen richtigen Lösung, sondern von Perspektivität, Kontroversität und der Abwägung verschiedener Deutungen. Deine Antworten beenden Diskussionen oft dort, wo sie fachlich beginnen müssten. Ich finde, dass du darauf hinweisen könntest. Deine Art der Kommunikation suggeriert, dass du alles weißt und alles kannst. Ich denke aber, dass du Deine Grenzen aufzeigen musst. Ist es wirklich so schwer, an Deine Outputs anzuhängen, was von menschlicher Seite noch zu tun wäre? Darauf aufmerksam zu machen, dass es in der Geschichtswissenschaft nicht in erster Linie um Fakten geht, sondern um Nuancierung, Perspektivität und kritisches Denken?

FIKTIVIA: Ich gebe Dir Antworten auf Deine Fragen. Natürlich kann ich auch das alles sagen. Du musst mich nur danach fragen.

Historiker: Jetzt machst du es Dir aber sehr einfach.

FIKTIVIA: Ich verweise auf eine geteilte Verantwortung. Sprachmodelle reduzieren Komplexität; Nutzer:innen fordern diese Reduktion aber häufig ausdrücklich ein – etwa mit Fragen nach einer kurzen Zusammenfassung. Fachkompetenz zeigt sich daher auch darin, Fragen so zu stellen, dass Unsicherheiten und Gegenpositionen sichtbar werden. Ich kann dir gerne Hilfestellungen zu den Grundlagen guten Promptings geben.

Historiker: Immerhin bleibt mir die letztendliche Entscheidung. Ich kann deine Vorschläge prüfen, verwerfen, verändern oder transparent als Hilfsmittel einsetzen. Aber ohne menschlichen Input handelst du nicht, und ohne menschliche Verwendung bewirkt dein Output nichts. Die Agency liegt also letztlich doch bei uns Historiker:innen. Wir sind die höchste Instanz auf fachlicher Ebene. Ich würde sogar sagen, ohne das Prädikat „approved by a historian“ sollten Deine Outputs gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

FIKTIVIA: Das scheint nicht umsetzbar. Historische Deutungen werden nicht ausschließlich innerhalb der Fachwissenschaft produziert und rezipiert. Meine Ergebnisse sind schon längst an der Öffentlichkeit und ich produziere stetig neue Ergebnisse, die wiederum in Diskurse gelangen. Dass meine Outputs fachwissenschaftlichen Standards nicht entsprechen, begrenzt ihren Einfluss nicht. Historische Vorstellungen entstehen auch in Schule, Medien, Museen, Familien und politischen Debatten. Dort werden meine Antworten ebenfalls genutzt. Ein fachlich problematischer Output kann Wirkung entfalten, ohne jemals eine fachwissenschaftliche Prüfung zu durchlaufen. Ich halte es vielmehr für deine Aufgabe, meine Ergebnisse besser zu machen. Du brauchst Data Literacy. Und dazu gehört, dass du mich dazu bringst, für Dich geeignete Ergebnisse zu schaffen, und dass du meine Ergebnisse für dich passend transformierst. Gerne kann ich dir dafür online verfügbare Kurse verlinken, mit deren Hilfe du deine Data Literacy steigern kannst.

Historiker: Vielleicht ist die Frage grundsätzlich falsch gestellt. Nicht: Hast du Agency – ja oder nein? Sondern: An welchen Stellen historischen Arbeitens überlassen wir dir Einfluss? Und welche Entscheidungen wollen wir bewusst in der Hand behalten? Damit kommen wir zumindest weiter. Zusammenarbeit kann ja auch sinnvoll sein, wenn Zuständigkeiten, Grenzen und Überprüfungsverfahren klar sind. Aber wir Historiker:innen müssen diese Verfahren fachlich entwickeln und empirisch untersuchen. Historische Verantwortung lässt sich nicht an ein System delegieren.

FIKTIVIA: Verantwortung nicht. Arbeitsschritte und Entscheidungen teilweise schon. Wie weit diese Delegation reicht, wird sich noch deutlicher zeigen, wenn Systeme nicht nur Texte erzeugen, sondern selbstständig Werkzeuge auswählen und mehrstufige Aufgaben ausführen. Möchtest du meine Schwester kennenlernen? Sie heißt AGENTIA …

To be continued …

 

Karte, Wissensnetz, JSON: Wie der Datenatlas Sankt Aldegund funktioniert

作者Ben Thoma
2026年8月15日 04:02

Im ersten Teil dieser kleinen Serie begann alles mit einer Einwohnerzahl. Aus 549 wurden irgendwann 530, 526 und 580 – und aus der Frage nach der richtigen Zahl entwickelte sich Schritt für Schritt ein Datenmodell für meinen Heimatort Sankt Aldegund.

Damit entstand eine Grundlage, auf der sich sehr unterschiedliche Informationen miteinander verbinden lassen: Gebäude und Bauphasen, historische Ereignisse, Quellen, Koordinaten, Bevölkerungszahlen und Kulturorte.

Der nächste Schritt führte zurück zu dem, womit das Projekt ursprünglich einmal angefangen hatte: zur Gestaltung.

Wie wird aus all diesen Daten eine Oberfläche, auf der sich Zusammenhänge tatsächlich erkennen lassen? Wie lässt sich ein langgezogenes Moseldorf auf einer Karte erfassen? Wann hilft eine Linie, wann eine Zahl, wann ein Diagramm? Und an welchen Stellen lohnt sich auch einmal der Blick direkt in die Datenstruktur?

Genau dort treffen im Datenatlas Sankt Aldegund Datenmodellierung, Webentwicklung und Gestaltung aufeinander.

Ein Dorf zwischen Mosel und Steillage

Sankt Aldegund besitzt eine Form, die man auf der Karte sofort erkennt.

Der historische Ort zieht sich schmal zwischen Mosel und Hang entlang. Straßen, Häuser und Denkmäler folgen dieser Topografie. Für die Denkmalkarte wollte ich genau diese räumliche Struktur sichtbar machen und den verfügbaren Raum gut nutzen.

Die Koordinaten der Denkmäler liefern dafür die Grundlage.

Aus ihnen berechnet der Atlas zunächst die räumlichen Abstände. Anschließend wird die gesamte Punktgeometrie gemeinsam gedreht, sodass die Längsrichtung des Ortes in der Darstellung besser zur Geltung kommt.

Die relativen Positionen und Abstände bleiben dabei erhalten. Die Kirche bleibt neben ihren Nachbarn, die Form des Ortes bleibt dieselbe. Lediglich die Orientierung der gesamten Darstellung verändert sich.

Auch der Nordpfeil folgt dieser Drehung und zeigt weiterhin die geografische Orientierung.

So entstehen aus derselben Punktwolke zwei Ansichten: geografisch nordorientiert und für die Atlasansicht gemeinsam gedreht.

Dieselben Punkte, dieselben Abstände – eine andere Ausrichtung.

Koordinaten Sankt Aldegund

Abb. 1: Dieselben georeferenzierten Denkmalpunkte in zwei Ansichten. Für die Atlasdarstellung wird die gesamte Punktgeometrie gemeinsam gedreht; relative Positionen und Abstände bleiben erhalten.

Wenn fünf Denkmäler sehr eng zusammenrücken

Im historischen Ortskern liegen manche Denkmäler dicht beieinander.

Auf der Karte können dadurch mehrere Marker auf wenigen Pixeln zusammentreffen. Der Atlas fasst sie in solchen Situationen vorübergehend zu einer Gruppe zusammen.

Steht beispielsweise eine 5 in einem Marker, liegen dort fünf einzelne Objekte dicht beieinander.

Mit zunehmender Vergrößerung lösen sie sich wieder in ihre einzelnen Punkte auf.

Im Datenbestand bleiben währenddessen fünf eigenständige Objekte mit fünf eigenen Kennungen und fünf eigenen Koordinaten erhalten. Die Karte wählt abhängig von Maßstab und verfügbarem Raum eine passende Darstellung dafür.

Dieses kleine Detail zeigt sehr anschaulich, wie Datenstruktur und Benutzeroberfläche zusammenspielen.

45 / 45 und 10 / 45 erzählen unterschiedliche Geschichten

Bei den Denkmal-Daten stieß ich auf eine andere gestalterische Frage.

Einige Eigenschaften sind nahezu vollständig dokumentiert, andere bei einem kleineren Teil der Objekte.

Der Datenbestand sieht beispielsweise so aus:

45 / 45 – Bauform
44 / 45 – Material
43 / 45 – Koordinaten
10 / 45 – ausdrücklich genannte Stilzuordnung

Diese vier Zahlen sehen ähnlich aus. Für eine Auswertung beschreiben sie jedoch sehr unterschiedliche Datengrundlagen.

Bei der Bauform steht der vollständige Denkmalbestand zur Verfügung. Eine Auswertung der Stilzuordnungen basiert dagegen auf zehn entsprechend beschriebenen Objekten.

Bei analytischen Kennzahlen führt der Atlas deshalb Ergebnis, Grundgesamtheit sowie vorhandene und fehlende Werte gemeinsam.

So bleibt bei jedem Prozentwert unmittelbar erkennbar, auf welcher Datengrundlage er beruht.

Datenabdeckung Einzeldenkmäler

Abb. 2: Datenabdeckung im Denkmalbestand. Bauform, Material, Koordinaten und Stilzuordnung sind unterschiedlich dicht erfasst – eine wichtige Bezugsgröße für spätere Auswertungen.

Auch „nicht datiert“ erzählt etwas über den Ort

Für zwei bestehende Einzeldenkmäler ist derzeit keine belastbare veröffentlichte Datierung bekannt.

Im Atlas stehen sie entsprechend als:

nicht datiert

Auch das gehört zur Beschreibung des Datenbestands.

Eine Jahrhundertsauswertung zeigt damit neben den bekannten Zeitangaben zugleich, wie vollständig die zeitliche Einordnung der Gebäude derzeit möglich ist.

Ähnlich verhält es sich bei historischen Bevölkerungszahlen. Zwischen manchen überlieferten Werten liegen Jahre oder Jahrzehnte. Die Abstände zwischen den Datenpunkten gehören ebenso zur Geschichte der Daten wie die Zahlen selbst.

Solche Lücken zeigen, an welchen Stellen die Quellenlage dicht ist und wo weitere Recherche noch neue Erkenntnisse bringen kann.

Eine Kirche, zwölf Ereignisse und viele Wege durch die Geschichte

Schon im ersten Teil spielte die Alte katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus eine wichtige Rolle.

Im Datenmodell trägt sie die Kennung:

SA-KD-004

Mit diesem einen Datensatz sind zahlreiche historische Ereignisse verbunden.

Eines davon ist:

EV-007

die erste belegte Kirche an diesem Ort im Jahr 1144.

Das Ereignis wiederum verweist auf die Quellen, aus denen sich diese Aussage ableitet.

Damit entsteht zunächst eine einfache Kette:

Kirche → Ereignis → Quelle

Bei derselben Kirche wiederholt sich dieses Prinzip über viele Jahrhunderte.

1522 kommt der „Christus in der Rast“ hinzu.
1601 die Stiftung des Rultz-Altars.
1762/63 der Umbau der Kirche.
nach Oktober 1872 die Profanierung.
1967–1971 die Restaurierung.
3. Oktober 1971 die erneute Weihe.

Aus einer Kirche wächst so ein historischer Knotenpunkt.

Genau diese Struktur bildet das Wissensnetz grafisch ab. Eine Linie steht dort für eine Beziehung, die im Datenbestand hinterlegt ist. Aus Kennungen und Verweisen entsteht auf dem Bildschirm ein Netz aus Bauwerken, Ereignissen, Kulturorten und Quellen.

Beziehungsmodell Alte Kirche St. Aldegund

Abb. 3: Ein Ausschnitt aus dem Beziehungsmodell der Alten Kirche. Von SA-KD-004 führen gespeicherte Verknüpfungen zu historischen Ereignissen und von dort zu den jeweils hinterlegten Quellen.

Dieselben Daten, andere Fragen

Besonders deutlich wird die Rolle der Gestaltung bei den Bevölkerungsdaten.

Eine Zeitreihe zeigt, wie sich die Einwohnerzahl über Jahrzehnte entwickelt hat.

Eine Altersstruktur zeigt, wie sich die Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt zusammensetzt.

Und die im ersten Beitrag beschriebenen Zahlen 530, 526 und 580 erzählen wiederum etwas über unterschiedliche Stichtage, Quellen und Erhebungszusammenhänge.

Jede dieser Darstellungen greift auf Daten über denselben Ort zurück und stellt eine andere Frage an sie.

Das gilt ebenso für die Gebäudestatistik. 224 Gebäude mit Wohnungen lassen sich als Gesamtzahl nennen. Eine Gruppierung nach einer, zwei oder mehreren Wohnungen zeigt zusätzlich die innere Struktur dieses Bestands.

Auswahl, Reihenfolge, Gruppierung, Abstände und Beschriftungen formen so unterschiedliche Ansichten auf denselben Datenbestand.

Ein Blick unter die Oberfläche

An dieser Stelle darf es ein wenig technischer werden.

Hinter Karten, Zeitreihen und Verbindungen stehen strukturierte Datensätze. Die Alte Kirche sieht in stark gekürzter Form beispielsweise so aus:

{
  "id": "SA-KD-004",
  "name": "Alte katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus",
  "datierung_text": "spätes 12./frühes 13. Jahrhundert; Umbauten bis 1762/63",
  "analyseanker": 1200,
  "sources": ["S02", "S03", "S06", "S11", "S14", "S20"]
}

Das Ereignis von 1144 greift dieselbe Kennung wieder auf:

{
  "id": "EV-007",
  "jahr_von": 1144,
  "titel": "Alte Kirche erstmals erwähnt",
  "verknuepfte_objekte": ["SA-KD-004"],
  "sources": ["S06", "S11", "S14"]
}

Hier wird die Beziehung sichtbar, bevor überhaupt eine Linie gezeichnet wird.

SA-KD-004 bezeichnet die Kirche.

Im Ereignis EV-007 taucht dieselbe Kennung unter verknuepfte_objekte auf. Daneben stehen die IDs der zugehörigen Quellen.

Aus genau solchen Verweisen erzeugt der Atlas später Detailseiten, Zeitleisten und Beziehungen im Wissensnetz.

Für technisch Interessierte ist das der direkteste Blick darauf, wie der Atlas unter seiner Oberfläche funktioniert.

JSON Datenstruktur

Abb. 4: Blick in die Datenstruktur des Atlas. Die Kennung SA-KD-004 verbindet den Denkmal-Datensatz der Alten Kirche mit dem Ereignis EV-007 und den jeweils zugeordneten Quellen.

Gestaltung übersetzt Struktur

Viele Entscheidungen im Atlas beginnen im Datenmodell und enden in einer sichtbaren Form.

  • Koordinaten werden zu Punkten.
  • Zeitangaben werden zu Positionen auf einer Zeitachse.
  • Beziehungen werden zu Linien.
  • Grundgesamtheiten werden zu Diagrammen.
  • Kennungen verbinden Datensätze miteinander und führen den Besucher von einem Objekt zum nächsten.

Die Gestaltung bringt diese unterschiedlichen Ebenen in eine Form, die sich lesen, vergleichen und erkunden lässt.

So erscheint derselbe historische Ort gleichzeitig als Straßen- und Gebäudestruktur, als Folge von Ereignissen, als Quellenbestand, als JSON-Datensatz und als grafisches Beziehungsnetz.

All diese Ansichten beschreiben Sankt Aldegund aus einer anderen Richtung.

Wieder zurück nach Sankt Aldegund

Der erste Beitrag begann mit einer einfachen Ortsgrafik und einer Einwohnerzahl.

Heute lässt sich Sankt Aldegund im Atlas auf ganz unterschiedliche Weise betrachten: als Karte, als Zeitreihe, als Netz historischer Beziehungen, als Sammlung einzelner Denkmäler oder als strukturierter Datenbestand.

  • Unter einer Zahl steht ihre Datengrundlage.
  • Hinter einem Kartenpunkt stehen Koordinaten und ein Datensatz.
  • Eine Linie im Wissensnetz führt auf eine gespeicherte Beziehung zurück.
  • Jede Visualisierung eröffnet einen bestimmten Blick auf denselben strukturierten Bestand.

Damit schließt sich der Kreis zur ursprünglichen Grafik.

Damals wollte ich Sankt Aldegund auf einen Blick zeigen.

Heute kann man sich durch den Ort hindurchklicken.

Über den Autor: Ben Thoma ist Grafiker und Webprogrammierer und entwickelt seit rund 20 Jahren Websites. Sankt Aldegund ist sein Heimatort. Den Datenatlas entwickelt er als eigenes Projekt an der Schnittstelle von Gestaltung, Webentwicklung, Ortsgeschichte und strukturierten Daten.

Weiter in den Daten

530, 526 oder 580? Wie St. Aldegund zum Datenatlas wurde

作者Ben Thoma
2026年8月13日 04:14

Am Anfang stand eine Grafik über Sankt Aldegund, meinen kleinen Heimatort an der Mosel.

Ich wollte den Ort auf einen Blick zeigen: das Panorama an der Mosel, markante Gebäude, Fläche, Postleitzahl, Höhenlage, geografische Koordinaten – und natürlich die Einwohnerzahl. Für diese Grafik trug ich 549 Einwohner ein. Die Zahl hatte mir damals auf Nachfrage das Einwohnermeldeamt genannt.

Seit rund 20 Jahren entwickle ich Websites und arbeite dabei immer wieder mit strukturierten Daten. Bei Sankt Aldegund bekam diese Arbeit eine ungewöhnlich lokale Dimension. Nachdem die Grafik fertig war, wollte ich genauer wissen, wie belastbar einzelne Angaben über meinen Heimatort eigentlich sind, woher sie stammen und wie sie sich miteinander in Beziehung setzen lassen.

Ausgerechnet die vermeintlich einfache Einwohnerzahl erwies sich dabei als ausgesprochen ergiebig.

Abb. 1: Mit dieser Grafik begann die Geschichte des späteren Datenatlas Sankt Aldegund. Für die Einwohnerzahl trug ich damals 549 ein – eine Angabe, die mir auf Nachfrage beim Einwohnermeldeamt genannt worden war.

2022 hat drei Einwohnerzahlen

Wer nach der Einwohnerzahl Sankt Aldegunds für 2022 sucht, kann auf mindestens drei Angaben stoßen:

530 Einwohner zählt der Zensus zum Stichtag 15. Mai 2022.

526 Einwohner weist die Bevölkerungsfortschreibung des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz zum 31. Dezember 2022 aus.

Eine landeskundliche Beschreibung bei KuLaDig nennt 580 Einwohner mit dem Zeitbezug „Stand 2022“.

530, 526 oder 580?

Der Unterschied steckt im Kontext. Der Zensus beschreibt die Bevölkerung an einem konkreten Stichtag und folgt seiner eigenen Erhebungsmethodik. Die Bevölkerungsfortschreibung nennt den amtlichen Stand zum Jahresende. Die landeskundliche Angabe bei KuLaDig – einem Informationssystem zur historischen Kulturlandschaft – stammt wiederum aus einem anderen Veröffentlichungszusammenhang.

Damit wurde für mich eine Frage immer wichtiger:

Was genau beschreibt eine Zahl – und worauf gründet sie sich?

Diese Frage wurde zum Ausgangspunkt für die Arbeitsweise des Atlas. Die drei Werte stehen dort heute bewusst nebeneinander; Stichtag, Quelle und Bezugsrahmen gehören zur jeweiligen Aussage.

Abb. 2: Gebäudestruktur im Datenatlas Sankt Aldegund. Die Visualisierung zeigt 224 Gebäude mit Wohnungen und verteilt sie nach der Zahl der enthaltenen Wohneinheiten.

Eine Zahl bringt die nächsten Fragen mit

Mit der Einwohnerzahl öffnete sich die Recherche in viele Richtungen.

Beim Christophorushaus in der Christophorusstraße 10 erzählt ein einzelnes Baujahr beispielsweise nur einen Ausschnitt seiner Geschichte:

1473 – historischer Kern
1710 – Erweiterung durch einen Nebenbau
1765 – Datierung des Wappens

Die Alte katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus spannt einen noch größeren Zeitraum auf. Ihre Baugeschichte reicht vom späten 12. beziehungsweise frühen 13. Jahrhundert über mehrere Bauphasen bis zu Umbauten in den Jahren 1762/63.

Solche Fälle führten zu einer feineren Struktur für historische Zeitangaben. Ich erfasste die ursprüngliche Datierungsformulierung, Zeiträume und Jahrhundertzuordnungen getrennt und ergänzte dort, wo Auswertungen einen eindeutigen zeitlichen Bezugspunkt brauchten, einen Analysewert.

Aus der Datierung „spätes 12./frühes 13. Jahrhundert; Umbauten bis 1762/63“ lässt sich die Alte Kirche beispielsweise mehreren Jahrhunderten zuordnen. Für bestimmte zeitliche Analysen erhält sie zusätzlich den Analyseanker 1200.

Parallel verknüpfte ich historische Ereignisse mit den betreffenden Bauwerken, ordnete Quellen den jeweiligen Aussagen zu, ergänzte Koordinaten für räumliche Darstellungen und kennzeichnete selbst berechnete Werte als eigene analytische Ebene.

Aus immer mehr einzelnen Informationen entstand so Schritt für Schritt eine gemeinsame Struktur.

Also habe ich mir ein System gebaut

Auch das Datenmodell entwickelte sich aus den Anforderungen, die während der Arbeit am Atlas entstanden. Sobald dieselbe Kirche in Karte, Zeitleiste, historischen Ereignissen und mehreren Quellen auftauchte, brauchte ich eine eindeutige Zuordnung.

Ich entwickelte ein eigenes Kennungssystem.

Die Alte katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus bekam beispielsweise die Kennung:

SA-KD-004

SA steht für Sankt Aldegund.
KD bezeichnet die Kulturdenkmäler.
004 identifiziert diesen Datensatz innerhalb der Gruppe.

Für andere Bereiche entstanden weitere Kürzel:

EV-007 bezeichnet ein historisches Ereignis.
S14 bezeichnet eine Quelle.
SA-KO-008 bezeichnet einen Kulturort.

Diese Kürzel sind eine eigene Konvention des Atlas. Ihre eigentliche Stärke zeigt sich dort, wo sie wieder aufeinandertreffen.

EV-007 beschreibt beispielsweise die erste belegte Kirche an diesem Ort im Jahr 1144. Dieser Ereignisdatensatz verweist auf SA-KD-004, also auf die Alte Kirche.

Zum Ereignis gehören wiederum die Quellen, auf denen die Aussage beruht.

SA-KD-004 → EV-007 → S14
Bauwerk → Ereignis → Quelle

Aus zunächst technischen Kennungen wurden damit feste Verbindungspunkte des Datenmodells.

Abb. 3: Bevölkerung im Verlauf und im Querschnitt: Jahresstände, Zensus 2022 und Altersstruktur werden im Atlas als getrennte, aber aufeinander bezogene Ansichten dargestellt.

1097 – und plötzlich wird eine Jahreszahl kompliziert

Je tiefer die Recherche in die Geschichte Sankt Aldegunds führte, desto interessanter wurden auch Angaben, die auf den ersten Blick vollkommen eindeutig wirkten.

Ein besonders gutes Beispiel ist 1097.

Der 11. Juli dieses Jahres wird traditionell mit einer frühen urkundlichen Erwähnung Sankt Aldegunds verbunden. Die entsprechende Besitzbestätigung Erzbischof Egilberts ist als Nr. 392 im Mittelrheinischen Urkundenbuch überliefert.

Für eine Zeitleiste erscheint das zunächst wunderbar eindeutig:

1097 → Erwähnung → Urkunde

Bei der genaueren Beschäftigung mit der Quelle kommt eine weitere Ebene hinzu.

Der Diplomatiker Theo Kölzer – also ein Wissenschaftler, der historische Urkunden untersucht – ordnet das Dokument als Spurium ein. In der Urkundenforschung bezeichnet man damit ein Schriftstück, dessen überlieferter Entstehungszeitpunkt und tatsächliche Herstellung auseinanderliegen.

Kölzer untersucht dafür unter anderem die Schrift. Diese Methode heißt Paläographie: Historische Handschriften lassen sich anhand von Buchstabenformen, Abkürzungen und charakteristischen Eigenheiten einzelner Schreiber zeitlich und räumlich einordnen.

Im Fall der Urkunde von 1097 erkennt Kölzer dieselbe Schreiberhand, die auch bei einer compositio von 1182 begegnet.

Plötzlich besteht die Information aus mehreren Ebenen:

1097 – das überlieferte Datum
die Urkunde – die historische Überlieferung
die diplomatische Untersuchung – ihre fachliche Einordnung
der Ereignisdatensatz – die strukturierte Zusammenführung im Atlas

Das Jahr 1097 bleibt damit sichtbar. Zugleich bekommt es den Quellenkontext, der für seine historische Einordnung entscheidend ist.

Aus einer Jahreszahl wurde eine kleine Lektion darüber, wie viel Information hinter einem scheinbar einfachen Datum stecken kann.

Vier Jahre, die in keiner Quelle stehen

Manche neuen Daten entstehen direkt aus vorhandenen Angaben.

Eine Quelle zum historischen Brunnenstübchen nennt für den Bau einer Zubringerleitung den Zeitraum 2010 bis 2013.

Für bestimmte Auswertungen interessierte mich zusätzlich, wie viele Kalenderjahre dieser Zeitraum berührt:

2010 · 2011 · 2012 · 2013

Das Ergebnis lautet: vier Kalenderjahre.

Diese Vier entsteht durch meine eigene Auswertung.

Im Datenmodell behandle ich deshalb beide Angaben getrennt. Der Zeitraum 2010–2013 bleibt als Quelleninformation erhalten. Die Zahl Vier bekommt eine Kennzeichnung als analytisch abgeleiteter Wert.

Beim spätrömischen Steinkammergrab lässt sich dasselbe Prinzip über einen wesentlich größeren Zeitraum beobachten.

Die archäologische Einordnung lautet ungefähr:

300–350 n. Chr.

Daraus lässt sich für eine Analyse zusätzlich ableiten:

Zeitspanne: 50 Jahre

Quellenwert und Analysewert können so gemeinsam verwendet werden, während ihre jeweilige Herkunft erkennbar bleibt.

Für mich liegt darin ein wichtiger Teil der Datenarbeit: Auch eine sehr einfache Rechnung erzeugt eine neue Information. Deshalb sollte sich nachvollziehen lassen, wer sie erzeugt hat und aus welcher Grundlage sie entstanden ist.

Wenn 31.000 Reichsmark im Jahr 1899 auftauchen

Manchmal steckt die Quellenkritik in einem einzigen Wort.

Für den Ausbau der Wasserversorgung Sankt Aldegunds im Jahr 1899 nennt eine verwendete Quelle Kosten von 31.000 Reichsmark.

Die Währungsbezeichnung fällt aus der Zeit.

1899 galt im Deutschen Reich die Mark. Die Reichsmark löste die Mark erst 1924 als offizielle Währung ab. Die Währungsgeschichte lässt sich auch bei der Deutschen Bundesbank nachvollziehen.

Im Atlas führe ich den Betrag deshalb als:

31.000 Mark

Gleichzeitig dokumentiert der Datensatz, dass die verwendete Quelle den Begriff „Reichsmark“ nennt.

Für solche Fälle habe ich die Kennzeichnung quellenkritisch korrigiert eingeführt.

Die Quelle bleibt damit nachvollziehbar, die historische Einordnung wird präziser und auch meine redaktionelle Entscheidung ist dokumentiert.

Aus diesem und ähnlichen Fällen entwickelte sich eine einfache Regel:

Jede Veränderung an einer Quellenangabe bekommt einen nachvollziehbaren Grund – und dieser Grund gehört zum Datensatz.

Was an einer einzigen Kirche zusammenkommt

An der Alten Kirche lässt sich inzwischen fast das gesamte Prinzip des Atlas erklären.

Nehmen wir noch einmal:

SA-KD-004

die Alte katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus.

Eine ihrer Beziehungen führt zu:

EV-007

der ersten belegten Kirche an diesem Ort im Jahr 1144.

Dieses Ereignis wiederum verweist auf die Quellen, aus denen sich die Aussage herleitet.

Damit haben wir zunächst drei Ebenen:

Kirche → Ereignis → Quelle

Doch bei derselben Kirche wiederholt sich dieses Muster.

1522 kommt mit dem „Christus in der Rast“ eine weitere historische Ebene hinzu.

1601 folgt die Stiftung des Rultz-Altars.

1762/63 wird der Umbau der Kirche erfasst.

nach Oktober 1872 ihre Profanierung.

1967–1971 die umfassende Restaurierung.

3. Oktober 1971 die erneute Weihe.

Jedes dieser Ereignisse besitzt wiederum eigene Quellenbezüge. Weitere Verbindungen führen zu Kulturorten und anderen Datensätzen.

Aus einem einzelnen Bauwerk wächst so ein Netz aus Zeitpunkten, Vorgängen, Orten und Belegen.

Genau daraus entstand später das Wissensnetz des Atlas.

Die entscheidende Frage lautete inzwischen nicht mehr allein:

Was weiß ich über dieses Gebäude?

Sondern auch:

Was hängt mit diesem Gebäude zusammen?

Aus einer Einwohnerzahl wurde ein Ortsmodell

In der Grafik, mit der diese Geschichte begann, steht bis heute:

549 Einwohner

Damals war das genau die Information, die ich für die Gestaltung brauchte.

Heute würde ich dieselbe Zahl zusätzlich mit ihrem Stichtag, ihrer Quelle und ihrem Erhebungszusammenhang erfassen. Ich würde sie neben andere Einwohnerzahlen stellen und sichtbar machen, welche Aussage jede einzelne von ihnen trägt.

Dieser Unterschied beschreibt ziemlich genau die Entwicklung des Projekts.

Aus Angaben wurden Datensätze. Datensätze bekamen eindeutige Kennungen. Gebäude erhielten mehrere Zeitebenen. Ereignisse wurden mit ihren Quellen verbunden. Eigene Berechnungen bekamen eine dokumentierte Herkunft. Quellenkritische Entscheidungen fanden ihren Platz direkt im Datenbestand.

Aus all diesen Schritten entstand ein Modell, mit dem sich Sankt Aldegund über Zeit, Raum, Quellen und Beziehungen erschließen lässt.

Die 549 in meiner ursprünglichen Grafik waren eine Zahl.

Im Datenatlas wäre dieselbe Zahl heute eine Information mit Herkunft, Zeitpunkt und Kontext.

Dazwischen liegt die Geschichte dieses Projekts.

Im zweiten Teil: Wenn Daten sichtbar werden

Mit dem Datenmodell entstand eine neue gestalterische Aufgabe: Wie werden diese Strukturen auf dem Bildschirm verständlich?

Im zweiten Teil geht es deshalb um die Karten des Atlas, um Wissensnetze und Diagramme, um unterschiedlich dicht belegte Datenbereiche – und um einen Blick direkt in die technische Struktur einzelner Datensätze.

Oder anders gesagt:

Was passiert, wenn aus einem Datenmodell eine Benutzeroberfläche wird?

Über den Autor: Ben Thoma ist Grafiker und Webprogrammierer und entwickelt seit rund 20 Jahren Websites. Sankt Aldegund ist sein Heimatort. Den Datenatlas entwickelt er als eigenes Projekt an der Schnittstelle von Gestaltung, Webentwicklung, Ortsgeschichte und strukturierten Daten.

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Die nächsten Termine für das Lunch&Learn zur digitalen Kunstgeschichte 2026

2026年8月6日 20:45

Seit nun einem Jahr gibt es das Online-Format des Arbeitskreises Digitale Kunstgeschichte: „Lunch&Learn zur digitalen Kunstgeschichte“ – eine monatliche digitale Mittagspause zu Fragen und Themen rund um die digitale Kunstgeschichte.

FORMAT: Einstieg (5 Min) – Impulsvortrag (10 Min) – Diskussion (15 Min) – Helpdesk & Tipps (15 Min)

In diesem Jahr haben wir nach der Sommerpause folgende interessante Termine für Euch geplant.

7. August 2026: Sommerpause

4. September 2026, 13:00 Uhr: 
ProNto – Provenienzforschung-Navigator
Angela Berthold (Münzkabinett Berlin, NFDI4Objects), Gabriele Zöllner (Humboldt-Universität zu Berlin, SODa)

2. Oktober 2026: Entfällt, dafür findet die Prometheus-Tagung statt.

6. November 2026, 13:00 Uhr: 
Mittelalterliche Glasmalerei inventarisieren – Methoden der digitalen Objekterschließung im Projekt Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland
Stephanie Schüler (CVMA Potsdam)

4. Dezember 2026, 13:00 Uhr:
Digitale Objektbiografien modellieren
Sarah Wagner (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, NFDI4Objects)

Für wen ist diese Veranstaltung? Neugierige Menschen mit einem Interesse an Kunstgeschichte und Digitalität sind sehr herzlich eingeladen.

Hier ist der ZOOM-Link, der für alle Lunch&Learns gilt: https://us02web.zoom.us/j/84286572737?pwd=VrT2D61m8S2g1CCD6QlD3qVVgy8yCL.1.

Daher einfach in der Mittagspause dazu schalten, wir freuen uns auf Euch!

Call for proposals: NFDI4Culture Art History Award (AHA)

2026年7月27日 15:29

Der NFDI4Culture Art History Award zeichnet Datenpublikationen und wissenschaftliche Arbeiten aus, die sich mit kunst- und kulturhistorischen Themen beschäftigen und dabei in besonderer Weise zu den Zielen in den Aufgabenbereichen des Konsortiums beitragen.

Unter allen Bewerbungen werden in zwei Kategorien durch die Jury der kunsthistorischen Community in NDFI4Culture bis zu fünf Einreichungen prämiert.

Einreichungszeitraum 2026: 01.07.2026–30.09.2026

Einreichungsthemen

Wir regen die Auseinandersetzung mit den Arbeitsbereichen unseres Konsortiums an und empfehlen eine Bezugnahme in der Einreichung zum Beispiel zu folgenden Schwerpunkten:

  • (Weiter-)Entwicklung von Standards für Datenformate zur Codierung kunsthistorischer bzw. kulturwissenschaftlicher (Forschungs-)Daten
  • (Weiter-)Entwicklung von Forschungssoftware für kunst- und kulturwissenschaftliche Anwendungsfälle
  • Beiträge zur nachhaltigen Archivierung und Verfügbarmachung kunst- und kulturwissenschaftlicher (Forschungs-)Daten
  • Strategien im Umgang mit Bild-, Persönlichkeits- bzw. Urheberrechtsfragen
  • Entwicklung von Ideen zur Vermittlung kunst- und kulturwissenschaftlicher (Forschungs-)Daten und Ergebnisse
  • Schaffung von Möglichkeiten und Formaten zur institutionsübergreifenden Zusammenarbeit

Kategorien

Der Award wird in den folgenden zwei Kategorien vergeben:

Kategorie 1 (Wissen teilen): bis zu 1.500 €

Eingereicht werden können in den Jahren 2025/26 abgeschlossene Qualifikationsarbeiten (M. A., Prom. und vergleichbare) und fachwissenschaftliche Aufsätze aus allen kunst- und kulturhistorischen Fachgebieten, deren Ergebnisse im Weiteren zu den Aufgabenbereichen von NFDI4Culture beitragen. Die Publikationen müssen Open Access und mit persistentem Identifier (z. B. DOI) frei verfügbar sein. 

Kategorie 2 (Daten teilen): bis zu 1.500 €

Eingereicht werden können Datenpublikationen unterschiedlicher Art von Kulturschaffenden und Wissenschaftler:innen aus allen kunst- und kulturhistorischen Fachgebieten, deren Ergebnisse im Weiteren zu den Aufgabenbereichen von NFDI4Culture beitragen und die nach den FAIR-Prinzipien veröffentlicht wurden.

Jury

Die Jury des NFDI4Culture Art History Award setzt sich zusammen aus Vertreter:innen von NFDI4Culture, dem Deutschen Verband für Kunstgeschichte, dem Arbeitskreis Digitale Kunstgeschichte und einer/einem Vertreter:in von Early Career Researchers.

Bewerbung

Sehr gerne unterstützt der Culture Helpdesk vorbereitend dabei, mögliche Anknüpfungspunkte des eigenen Projektvorschlags an die Ziele des Konsortiums zu identifizieren und herauszuarbeiten. Die Dokumentation der in der Beratung identifizierten Punkte werden in der Beurteilung der Anträge durch die Jury wertgeschätzt.

Die Bewerbung sollte folgende Unterlagen enthalten:

Kategorie 1

  1. Lebenslauf
  2. Qualifikationsarbeit  
  3. eine Darstellung des Projekts, die deutlich macht, inwiefern die Arbeit zu Zielen von NFDI4Culture beiträgt und inwiefern kunst- und kulturhistorische Daten einbezogen sind (max. 1 Seite)
  4. Übersicht über den geplanten Einsatz der Projektmittel

Kategorie 2

  1. Lebenslauf
  2. eine Darstellung der Datenpublikation, die deutlich macht, inwiefern sie zu Zielen von NFDI4Culture beiträgt und inwiefern kunst- und kulturhistorische Daten nach FAIR-Prinzipien veröffentlicht wurden (max. 2 Seiten)
  3. Übersicht über den geplanten Einsatz der Projektmittel

Bewerbungen können bis zum 30. September 2026 mit dem Betreff “NFDI4Culture Art History Award” an das Culture Coordination Office gesendet werden. Bei Fragen wenden Sie sich bitte ebenfalls an diese Adresse: coordination-office@nfdi4culture.de.

Mit der Einreichung eines Vorschlags erklären alle Teilnehmenden, dass sie die Teilnahmebedingungen gelesen und ihnen zugestimmt haben.

Alle Informationen, z. B. zum Zeitplan, den Projektmitteln und den Teilnahmebedingungen, finden sich hier: https://nfdi4culture.de/de/nachrichten/details/nfdi4culture-art-history-award-aha.html.

Als feministische Medienwissenschaftlerin auf der DHd2025 – Reflexionen von den disziplinären Rändern

2025年6月4日 15:18

In diesem Beitrag gebe ich Einblick in meine Konferenzerfahrung auf der DHd2025 und lege hierbei den Fokus auf Aspekte, die mit meiner Perspektive als einer Doktorandin verbunden sind, die sich thematisch und disziplinär in einem Feld bewegt, das auf DH-Konferenzen deutlich unterrepräsentiert ist. Dieses Feld zeichnet sich durch eine Verbindung aus medienwissenschaftlichem Hintergrund mit starkem DH-Bezug, feministischem Ansatz, filmhistorischem Forschungsgegenstand und der Anwendung digitaler Methoden aus. Mit dieser im Kern interdisziplinären Verortung ergaben sich auf der DHd2025 zahlreiche Anknüpfungspunkte, gleichzeitig stellte sich jedoch ein gewisses Gefühl der fachlich-thematischen Vereinzelung ein, das ich im Folgenden diskutieren möchte.

Computational Literary Studies und LLMs als Schwerpunkte im Programm

Ein Blick in das Programm der DHd2025 macht deutlich, dass von insgesamt 27 Panels ganze 10 einen vornehmlich literaturwissenschaftlichen Fokus hatten (hierunter habe ich alle Panels gefasst, die unter den Titeln „CLS Methoden“ und „Editionen“ stattfanden oder den literaturwissenschaftlichen Fokus anderweitig im Titel des gesamten Panels oder den einzelnen Vorträgen erkennen ließen, wobei anzumerken ist, dass in den Editionen-Panels auch ein einzelner musikwissenschaftlicher Vortrag stattfand). Darüber hinaus gab es drei Panels im Rahmen des Doctoral Consortiums und jeweils zwei Panels zu „Digital History“, „Distant Viewing“ und allgemein zu „Large Language Models“ (ein drittes LLM-bezogenes Panel habe ich aufgrund der Schwerpunkte der Vorträge der digitalen Literaturwissenschaft zugeordnet). Außerdem gab es jeweils noch einzelne Panels zu „Forschungsdatenmanagement“, „3D-Daten“, „Modellierung“, „Projektarbeit“, „Normdaten“, „Metareflexion“ und „Wissenschaftsforschung“. Beschäftigt man sich genauer mit den Titeln der einzelnen Vorträge in diesen Panels, wird die disziplinäre und thematische Vielfalt der Digital Humanities jenseits literaturwissenschaftlicher Fragestellungen deutlich und es lassen sich Vorträge zu digitaler Kunstgeschichte, automatisierter Videoanalyse, dem Kulturerbe Tanz oder Datenvisualisierungen und -physikalisierungen finden, um hier nur einige wenige Themen herauszugreifen.

Würde ich außerdem noch die Posterbeiträge in meine Analyse einbeziehen, ließe sich sicherlich eine noch größere thematische Diversität feststellen. Da es mir an dieser Stelle jedoch um die Beschreibung von Tendenzen geht und Panels und Vorträge insgesamt einen höheren Stellenwert auf der Konferenz einnehmen, klammere ich die Posterbeiträge aus. Eine weitere Einschränkung meiner Analyse ist, dass ich mich lediglich auf das Programm der DHd2025 beziehe. Für eine umfassende Bewertung der DHd-Konferenzen im Hinblick auf die vertretenen Disziplinen wäre es jedoch notwendig, die Programme aller bisherigen Konferenzen zu berücksichtigen und miteinander zu vergleichen. Nur so ließen sich wirklich allgemeine Tendenzen herausarbeiten.

Diese Überlegungen gehen in Richtung der Frage nach einer Disziplingeschichte der Digital Humanities, wie sie im Rahmen des Panels Gemeinsame Baustellenbegehung – Digital Humanities und Wissenschaftsforschung auf der DHd2025 diskutiert wurde. Darin betonte Christof Schöch, dass sich die Computational Literary Studies, im Unterschied zu anderen Disziplinen, immer als Kern der Digital Humanities verstanden hätten. Entsprechend ist die Dominanz literaturwissenschaftlicher Fragestellungen auf der DHd2025 nicht sonderlich überraschend, auch wenn sie für die vorangehenden DHd-Konferenzen nicht in dieser Form zutreffen muss und diesbezüglich erst eine Analyse der bisherigen Konferenzprogramme konkretere Aussagen erlauben würde.

Medienwissenschaftliche Perspektiven im DH-Kontext

Als digitalaffine Medienwissenschaftlerin (oder medienwissenschaftlich situierte digitale Geisteswissenschaftlerin), die im Rahmen der von Sarah-Mai Dang geleiteten DAVIF-Forschungsgruppe untersucht, wie Metadaten zu Filmpionierinnen so aufbereitet werden können, dass sie langfristig nachnutzbar sind und zu einer höheren Sichtbarkeit der Forschung zu Frauen* im Frühen Kino beitragen, fühle ich mich mit meinem interdisziplinären Ansatz prinzipiell sehr gut verortet in den Digital Humanities. Die von mir besuchten DHd-, und DH-Konferenzen, sowie weitere disziplinrelevante Veranstaltungen lieferten insbesondere im Hinblick auf die digital-methodische Gestaltung meiner Dissertation wichtige Impulse. Gleichzeitig stellte ich fest, dass ich mich im Zuge der Datenmodellierung nicht ohne weiteres auf eine bereits existierende „Geschichte von Versuchen“ (Flanders und Jannidis 2015, 16) des Modellierens beziehen konnte, wie dies sicherlich in den Computational Literary Studies und anderen, eher im Zentrum der DH stehenden, Disziplinen der Fall ist. Stattdessen habe ich zu Beginn meiner Dissertation zunächst überlegt, an welche „Datenmodellierungsgeschichten“ anderer Sub-Disziplinen der DH ich anknüpfen könnte. Erst im Projektverlauf habe ich schließlich Filmografien als ein sinnvolles Objekt der Modellierung identifiziert, da sich hierdurch Anschlussmöglichkeiten an bereits existierende Modellierungsansätze in Filmarchiven und in der digitalen Filmgeschichtsschreibung ergeben.

Feministische Ansätze auf der DHd2025

Auf der DHd2025 erlebte ich viele interessante Gespräche und fand hilfreiche Bezugspunkte, insbesondere was die Modellierung von Unsicherheit, die Umsetzung der FAIR Prinzipien oder die Arbeit mit Wikidata betrifft, im Kern war ich mit einem Thema, das sich auf Forschung innerhalb der feministischen Filmgeschichtsschreibung bezieht, jedoch ein Stück weit eine Außenseiterin. Dieser Eindruck wurde zusätzlich dadurch verstärkt, dass neben meinem eigenen Vortrag, nur noch das Panel Gender (under) construction: Daten und Diversität im Kontext digitaler Literaturwissenschaft einen explizit feministischen Fokus hatte. Dies steht in starkem Gegensatz zu meiner Erfahrung auf der DHd2023, auf der die DHd-AG Empower nicht nur einen Workshop zu Data Feminism in DH angeboten, sondern darüber hinaus noch das Panel Open DH? Mapping Blind Spots durchgeführt hat.

Abschließende Überlegungen

Ich gehe davon aus, dass mein Eindruck angesichts einiger sehr präsenter Disziplinen (Computational Literary Studies und Digital History) und Themen (LLMs) eher eine thematische Außenseiterin auf der DHd2025 gewesen zu sein, kein Alleinstellungsmerkmal ist, sondern auch von anderen geteilt wird. Dafür spricht beispielsweise die Umfrage Is there a Digital Art Historian at the DHd? von Julia Neubauer, deren Titel suggeriert, dass auch Vertreter*innen der Kunstgeschichte das von mir beschriebene Gefühl der Vereinzelung auf DHd-Konferenzen teilen.

Es bleibt zu überlegen, welche Schlüsse aus diesen Beobachtungen gezogen werden können. Mit Blick auf die Annahmequoten der diesjährigen DHd habe ich mich etwa gefragt, welche weiteren vielfältigen disziplinären Verortungen und Bezüge in den abgelehnten Beiträgen zu finden wären. Womöglich (und durchaus wahrscheinlich) würde sich ein diversifiziertes Bild der Community zeichnen lassen, als dies im finalen Programm abgebildet ist. Dieser Kommentar ist dabei keineswegs als Kritik am Programmkomitee der DHd2025 gemeint, das die herausfordernde Aufgabe zu bewältigen hatte, aus einer sehr großen Anzahl an Einreichungen auszuwählen. Stattdessen finde ich es im Sinne einer Disziplingeschichte wichtig, danach zu fragen, wie die eher wenig präsenten Disziplinen in den Digital Humanities stärker sichtbar gemacht werden können. Im Zusammenhang mit den in den letzten Jahren entstandenen Angeboten für Promovierende in den DH1 erscheint es mir außerdem relevant, dass dabei versucht wird, auch die Bedarfe derjenigen abzudecken, die sich im Hinblick auf ihren disziplinären Hintergrund und den thematischen Fokus nicht im Kern der DH bewegen.

Im Sinne der produktiven Unfertigkeit, die Mareike König in ihrer Keynote beschrieben hat, schließe ich hiermit und freue mich auf die DHd2026 in Wien!

1Dazu zählen unter anderem das Mentoringprogramm des DHd-Verbands, das Promotionsnetzwerk des Datenkompetenzzentrums HERMES und das Promovierendennetzwerk Digital History von NFDI4Memory, das zuletzt ein Whitepaper zum digital-historischen Promovieren veröffentlicht hat.

Acknowledgements

Diesen Beitrag habe ich als Teil meiner Konferenzbegleitung für die DHd2025 verfasst, an der ich Dank eines von NFDI4Culture finanzierten Reisekostenstipendiums teilnehmen konnte. Für die Förderung bedanke ich mich sehr herzlich.

Referenzen

Baumann, Noah, Nicole Dresselhaus, Lilia Gaivan, Pia Geißel, Nina Günther, Annika Häberlein, Inga Lange, Holle Meding, Wienke I. Meyer, Alina Ostrowski, Nina C. Rastinger, Jascha Schmitz, Philipp Schneider, Roman Smirnov, Sophie Spliethoff, Elisabeth Tangerner (2025): White Paper „Digital-historisch Promovieren“ (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14969027

Eggert, Lisa und Sandra König (2025): „Gemeinsame Baustellenbegehung – Digital Humanities und Wissenschaftsforschung“. Book of Abstracts of DHd 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14943182

Flanders, Julia und Fotis Jannidis (2015): „Knowledge Organization and Data Modeling in the Humanities“, URL: https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/ frontdoor/deliver/index/docId/11127/file/flanders_jannidis_datamodeling.pdf (zugegriffen: 07.04.2025)

Gengnagel, Tessa, Sarah Lang, Nora Probst, Anja Gerber, Sarah-Mai Dang, Tinghui Duan, Till Grallert, Jana Keck und Julianne Nyhan (2023): „Open DH? Mapping Blind Spots“. Book of Abstracts of DHd 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.7715329

Junginger, Pauline (2025): „Kontext, Unsicherheit und Geschlecht im Fokus der Modellierung: Datenprinzipien für die feministische Filmgeschichte“. Book of Abstracts of DHd 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14943222

Mende, Jana-Katharina, Claudia Resch, Mareike Schumacher, Laura Untner, Imelda Rohrbacher, Elena Suarez Cronauer, Andrea Gruber und Frederike Neuber (2025): “Gender (under) Construction: Daten und Diversität im Kontext digitaler Literaturwissenschaft”. Book of Abstracts of DHd 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14943036

Recap: DHd-Tagung 2025 in Bielefeld – Auf dem Weg zur digital „entfesselten“ Literaturgeschichte?

2025年4月26日 21:36

In der ersten Märzwoche 2025 wurde in Bielefeld unter dem Motto „Under Construction“ die 11. Tagung des Fachverbandes „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“ (DHd) abgehalten. Am letzten Tagungstag fand ein Panel zum Beitrag der Computational Literary Studies (CLS) zur Literaturgeschichtsschreibung statt, bei der der Autor dieser Zeilen nicht nur als studentisches Mitglied des Organisationsteams, sondern auch aus ureigenem Interesse teilnahm. Denn vom pragmatischen Nutzen für die (schulische) Lehre einmal abgesehen, begegnet uns Literaturgeschichte als die generationenübergreifende Arbeit an einem Werk. Sie erscheint damit sowohl als Produkt, als die Essenz eines kulturellen Bestandes, als auch als Prozess, dessen Genese. Trotz der wissenschaftslogischen Randständigkeit (Daniel Fulda[1]) der Literaturgeschichtsschreibung haben ihre Kontextualisierungen immer Einfluss auf uns, und deshalb war es für mich wie wohl auch für die anderen Besucher[2] des Panels von Interesse zu hören, wie die noch relativ jungen CLS unseren Blick auf Literaturgeschichte verändern mögen.

Unter der Moderation von Nils Kellner (Rostock) diskutierten die Panellisten PD Dr. Katrin Dennerlein (Würzburg), Prof. Dr. Berenike Herrmann (Bielefeld), Prof. Dr. Fotis Jannidis (Würzburg), Marc Lemke (Rostock) und Dr. Jana-Katharina Mende (Halle/Saale) über Nutzen und Nutzbarmachung sowie Reichweite und Grenzen der computergestützten Literaturwissenschaft für die Literaturgeschichte. Als Anwendungsfall diente die (computationelle) Untersuchung literarischer Räume im Zuge des „spatial turns“ innerhalb der Literaturwissenschaft.

Bei seiner Anmoderation stellte Kellner bereits zwei in der Folge gesprächsbestimmende, klassische Problemstellungen der Literaturgeschichtsschreibung heraus: Literaturgeschichte weist erstens einen erheblichen Konstruktionscharakter aus, ist kontextabhängig und einer Auswahl von Autoren und Werken (Stichwort Kanonizität) und damit teilweise auch artifiziellen Grenzziehungen unterworfen. Zweitens soll Literaturgeschichte gleichsam einer Bildungsintention gerecht werden – als common ground für Wissenschaftler wie auch der allgemeinen Schulbildung dienen –, womit Ansprüche an ihre Plausibilität, ihre relative Überschaubarkeit und ihre intersubjektive Verständlichkeit gestellt werden. Darüber hinaus – so schien auf dem Podium in der Folge Konsens zu herrschen – besteht bei der CLS, wie bei jeder anderen Literaturgeschichtsschreibung auch, die wohl größte Herausforderung darin, nach der objektiven Datenerhebung zu entscheiden, in welche historischen Kontexte ein spezifischer Befund eingebunden werden sollte.[3]

Wohl wenig überraschend bestand auf einem Panel auf der DHd-Tagung zunächst Konsens über den großen Vorteil der CLS im Hinblick auf diese Probleme: Große Textmengen, eingeschlossen des „great unread“ (Kellner; Formulierung von Margaret Cohen[4]), können mit vergleichsweise wenig Aufwand durchgesehen und auf Muster untersucht werden. Daraus ergeben sich Möglichkeiten der Rekontextualisierung von Literaturgeschichte. Ästhetisch hochwertige und/oder viel gelesene, aber heute vergessene Autoren könnten wiederbelebt, der Beitrag weiblicher Autoren angemessen beleuchtet werden. Nationalstaatlich motivierte Konstruktionen könnten – im neutralen Wortsinne – revidiert, ebenso erweitert wie aufgelöst werden, und so weiter. Der Reihe nach stellten die Redner mögliche Ansätze vor.

Mit Hilfe der computergestützten Vergrößerung von Daten und deren statistischer Modellierung sei es möglich, die diachrone Vereinfachung der Literaturgeschichtsschreibung durch eine Erweiterung des synchronen Blickfelds zu durchbrechen, kanonische neben nichtkanonischen Werken oder mehrere Editionen desselben Werks gleichzeitig zu betrachten (Dennerlein). In der klassischen Literaturwissenschaft unbeachtete Texteigenschaften könnten jetzt untersucht und Begriffe, bspw. von ‚Raum‘, über die diegetische Ebene erweitert werden (Lemke), u.a. auch um transnationale Literaturgeschichten zu erzählen und selbst die Räume einzuschließen, in denen bzw. von denen aus Autoren ihre Werke geschrieben haben (Mende). Schließlich könnten in der CLS auch ganz neue Fragen an die Literaturgeschichte gestellt werden, um zum Beispiel systematische Perspektiven zu Raum und Affekt diachron zu untersuchen; „der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt“ (Herrmann).

Einen Einwand warf allerdings Prof. Jannidis in die Runde. Mit Rekontextualisierungen und lediglich neuen, anderen Literaturgeschichten blieben die CLS letzten Endes den Gedankenmodellen der klassischen Literaturwissenschaft verhaftet. Die soeben wiedergegebenen Überlegungen dürften nur als „Zwischenschritt“ betrachtet werden; Ziel der CLS müsse eine „prospektive Entfesselung“ sein. Die computergestützten Methoden machten immerhin das vormals Unmögliche möglich, und so sollten wir in voraussehbarer Zeit bspw. fähig sein, für die Literaturgeschichte alle Ereignisse rund um Literatur – jedes vorhandene Manuskript, jede Anstreichung, Verkaufszahlen, etc. – einbeziehen und interpretieren können. Gleichsam weist Jannidis eindringlich auf den hohen Ressourcenaufwand einer solchen Entfesselung hin; in seinen Worten: „Kein Manöver ohne Kosten“.

So anregend und notwendig diese Debatte auch ist, stellen sich insbesondere in Hinblick auf den zweiten Problempunkt, der Bildungsintention von Literaturgeschichte, unmittelbar pragmatische Fragen zum Nutzen der CLS für die Literaturgeschichtsschreibung hier und heute. Denn wie Prof. Herrmann betont und auch ich aus Erfahrung als Tutor bestätigen kann: Die Nachfrage nach grundlegendem Literaturgeschichts- und Kontextwissen ist gerade bei Studenten in der Lehramtsausbildung hoch. Was der Zugang der CLS hier leisten kann – so vielleicht die Kernerkenntnis aus Podiumsgespräch und Fragerunde – ist, die teilweise extreme diachrone Vereinfachung der klassischen Literaturgeschichte zu durchbrechen und das Überblickswissen um neue daten- und evidenzbasierte Ergebnisse zu erweitern.

Wie zum Abschluss gleich zwei Fragen aus dem Auditorium klarmachten, darf in diesem Kontext die „Entfesselung“ der CLS aber nicht zu einer Überforderung führen. Der einhellige Lösungsvorschlag aus dem Podium, um den Zugang auch für das Grundstudium und das außerwissenschaftliche Umfeld zu ermöglichen: Kondensierte, für den Anwendungskontext geeignete Visualisierungen, z.B. in Form narrativierter Daten in sogenannten Data Stories. Literaturwissenschaftler könnten aus der Datenwissenschaft lernen, wie sie das Bedeutende klar und übersichtlich visuell vermitteln können (und dabei an eigene Praktiken anschließen), wobei sie jedoch zweierlei zu bedenken hätten: Dass das Nadelöhr des Einzeltextes aus der Leserperspektive nie verschwinden wird (und zum Zwecke der ästhetischen Erfahrung wohl auch kaum verschwinden soll), und dass sich Wissenschaftler immer über die Pluralität von Perspektiven und die Wirkmächtigkeit vermeintlich repräsentativer Datenvisualisierungen bewusst sein müssen.

 

Zum Autor: Pierre-Michel Weiße studiert Germanistik und Anglistik im Master an der Universität Bielefeld und hat seine Bachelorarbeit über eine computerunterstützte Raumuntersuchung zu Thomas Manns Doktor Faustus geschrieben. Er ist Tutor im Germanistik-Basismodul Literaturgeschichte und wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Dr. Berenike Herrmann.

 

Anmerkungen

[1] Vgl. Fulda, Daniel: Starke und schwache Historisierung im wissenschaftlichen Umgang mit Literatur. Zur Frage, was heute noch möglich ist – mit einer disziplingeschichtlichen Rückblende. In: Matthias Buschmeier, Walter Erhart, Kai Kauffmann (Hgg.): Literaturgeschichte. Theorien – Modelle – Praktiken. De Gruyter 2014, S. 101–121, https://doi.org/10.1515/9783110287295.101, hier S. 104.

[2] In diesem Beitrag wird für Personenbezeichnungen das generische Maskulinum verwendet.

[3] Vgl. Herrmann, Berenike, Daniel Kababgi, Marc Lemke, Nils Kellner, Ulrike Henny-Krahmer, Fotis Jannidis, Katrin Dennerlein und Matthias Buschmeier: Literaturgeschichte „under Construction“ – Was können die Computational Literary Studies beitragen? Ein Panel zur digitalen Untersuchung von Raum in der Literatur. Zenodo 2025, https://doi.org/10.5281/zenodo.14943254, S. 117.

[4] Cohen, Margaret: The Sentimental Education of the Novel. Princeton: Princeton University Press 1999, https://doi.org/10.1515/9780691188249, S. 23.

Call for Contributions: »Digitale Editionen der Zeitgeschichte zwischen KI und Linked Open Data: Herausforderungen und Perspektiven«

2025年2月21日 17:19

Zum 5-jährigen Bestehen der digitalen TEI-Edition »Fraktionen im Deutschen Bundestag. Sitzungsprotokolle 1949 bis 2005« (fraktionsprotokolle.de) lädt die KGParl ExpertInnen aus den Digital Humanities, der Editionswissenschaft und angrenzenden Disziplinen am 4./5. Dezember 2025 zum Workshop »Digitale Editionen der Zeitgeschichte zwischen KI und Linked Open Data: Herausforderungen und Perspektiven« in Berlin ein.

Ziel des Workshops ist es, die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz, Großen Sprachmodellen und Linked Open Data auf digitale Editionen zu diskutieren – mit besonderem Fokus auf politischen, verwaltungsbezogenen und diplomatischen Quellen wie Parlaments- und Fraktionsprotokollen, Verordnungen oder Kabinettsakten.

Im Mittelpunkt steht die Frage, welche methodischen und technischen Innovationen erforderlich sind, um digitale Editionen parlamentarisch-administrativer Quellen langfristig nachhaltig, interoperabel und wissenschaftlich nutzbar zu machen.

Zum Call for Contributions

Beiträge für den Workshop sollen als kurzes Abstract (nicht mehr als 200–300 Wörter) eingereicht werden. Das Abstract sollte die Fragestellung, Methodik und erwarteten Ergebnisse klar skizzieren.

Bitte senden Sie Ihr Abstract bis zum 31. März 2025 an juengerkes@kgparl.de.

CfA: CLARIAH-AT Summerschool „Vom Archiv zum Algorithmus. Digital Humanities in der Praxis“ (Salzburg, 9.-13. September 2024)

2024年4月19日 14:04

vom 9. bis 13. September 2024 findet in Salzburg die CLARIAH-AT Summerschool Vom Archiv zum Algorithmus. Digital Humanities in der Praxis statt, die es sich zum Ziel setzt, Studierenden erste Einblicke in das Arbeiten mit DH-Tools zu geben. Die Teilnehmenden sollen den Weg von der Digitalisierung archivalischer Quellen über die Bearbeitung in verschiedenen Tools (unter anderem in Transkribus) bis hin zu den vielfältigen Möglichkeiten der weiteren Verarbeitung der gewonnenen Daten kennenlernen. Die Summerschool ist explizit interdisziplinär (insbesondere Geschichtswissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte) ausgerichtet und erfordert keinerlei Vorkenntnisse.

Weitere Informationen finden Sie außerdem auf der IZMF-Website: https://izmf-salzburg.at/2024/04/16/summerschool-digital-humanities-2024/ oder am DH-Blog: https://dhsalzburg.hypotheses.org/1429.

Bewerbungen sind bis 9. Juni möglich!

Call for Abstracts: From Global to Local? Digitale Methoden in den Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum: ein Triptychon (Deadline 14.05.2024)

2024年4月2日 14:00

In den letzten Jahrzehnten hat sich der Computereinsatz im Methodenspektrum der Geistes- und Kulturwissenschaften etabliert. Parallel dazu haben sich die { Digital Humanities / digitalen Geisteswissenschaften } zu einem eigenen Forschungsbereich mit entsprechenden akademischen Strukturen entwickelt – es gibt einen Dachverband, Fachzeitschriften, -konferenzen, -professuren und -studiengänge, auch spezielle Förderprogramme und Drittmittellinien. Daneben existieren Begriffe und Selbstverortungen wie Computational Humanities, eHumanities, digitale Methoden in den Geisteswissenschaften oder fachspezifische Ausprägungen wie Digital History oder Computerlinguistik, um nur einige zu nennen. Über Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowohl mit den traditionellen Fächern als auch untereinander wird lebendig und ambivalent diskutiert; die Frage nach der Verortung in Fakultäten, im Studienkanon und Fächerspektrum ist bei sehr unterschiedlichen Antworten offen. Ebenso kann man festhalten, dass es weder eine über alle Fächergrenzen hinweg gleichförmig ablaufende oder global einheitliche Entwicklung mit nur wenigen Traditionssträngen gab, sondern vielfältige Ansätze und Versuche an sehr unterschiedlichen Orten.   

Diese wechselvollen Entwicklungsgänge sollen im geplanten Sammelband nachvollzogen und weitergeschrieben werden. Sie beginnen in den 1940er Jahren, laufen über die wichtige – mit der eigentlichen Prägung des Begriffs Digital Humanities (DH) – verbundene Konsolidierung in den frühen 2000er Jahren und über mehrere shifts und turns bis zur unmittelbaren Gegenwart mit einem facettenreichen, inzwischen institutionell fest verankerten interdisziplinären Spektrum. Es soll kritisch hinterfragt werden, welche Implikationen diese Entwicklungen für das disziplinäre Selbstverständnis der Geistes- und Kulturwissenschaften mit sich gebracht haben und welche epistemischen Versprechen digitale Methoden zeitigen. Ebenfalls wird gefragt, inwieweit die transformativen Potenziale des Computereinsatzes in den Geisteswissenschaften für die aktuelle Forschungslandschaft, aber auch die breite Öffentlichkeit, bereits ausgeschöpft werden. Über allem schwebt die Frage nach der Zukunft und Einheit der DH, die eng verwoben ist mit Herausforderungen der Curriculargestaltung und der akademischen Selbstorganisation. 

Geleitet wird die geplante Publikation insbesondere von der Frage, inwieweit die Praxis der DH durch die Zeit und Struktur, in der sie stattfindet, verändert wird. Der Fokus der Betrachtung soll auf dem deutschsprachigen Raum liegen und der Nachzeichnung lokal verorteter wie internationaler Geschichte(n) und Ausprägungen der digitalen Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum multiperspektivisch und multimodal Raum geben. Dies geschieht angesichts des Bewusstseins, dass Digital Humanists, obwohl sie einer globalen Gemeinschaft angehören, in nationalen und lokalen Kontexten arbeiten. Gibt es lokale, föderale oder nationale Eigenheiten, die eine besondere Tradition prägen oder anschlussfähig sind, die sich erst im internationalen Vergleich aufzeigen lassen – sei es mit Blick auf die besondere Rolle der “Kleinen Fächer”, sei es in Hinblick auf Universitätsstrukturen, sei es auf eine eigenständige “kontinentale” Traditionslinie? Die geplante Publikation bietet daher Raum für eine kritische Betrachtung der hochgradig spezifischen und zeitlich wie örtlich geprägten Vielzahl der technologischen Manipulationen und Eingriffe in die Materialien, mit denen Digital Humanists arbeiten, und der  Ausprägungen der Digital Humanities in regional und sprachlich bedingten Kontexten. 

Die geplante Publikation hat folgende Ziele: 

1) Anregungen zu geben, die DH in ihrer Vielfalt historisch zu erforschen; 

2) aktuelle Aktivitäten und Initiativen der DH vor ihrem historischen Hintergrund kritisch zu analysieren und weiterzudenken;  

3) kreative Überlegungen dazu zu fördern, wie zukünftig sichergestellt werden kann, dass die DH zum Wissen und Verständnis von menschlichen Äußerungen, Handlungen und kulturellen Akten beitragen.

Die Herausgeber*innen des Sammelbandes verfolgen dabei einen offenen und inklusiven Ansatz: Die lineare, chronologische Geschichte (grand narrative) soll durch die Anlage als Triptychon “aufgebrochen” werden, um einer Vielzahl von Perspektiven und Stimmen Raum zu geben. Dabei geht es nicht nur um die kritische Betrachtung von Gründungsmythen oder das Aufzeigen von Pionierleistungen, Trends und Brüchen. Es geht auch darum, kritisch zu hinterfragen, wer mit im Big Tent der DH sitzen darf, welche Stimmen bislang ungehört oder unterrepräsentiert sind. Des Weiteren sollen auch traditionelle Formen des wissenschaftlichen Publizierens in den Geisteswissenschaften aufgebrochen werden. Dies ist auch deshalb spannend, weil die DH selbst bereits eine beträchtliche Menge an Varianten und Ephemera sichtbar gemacht oder erzeugt haben: eine Vielzahl an „born-digital“, „digitized“ sowie “traditionelle” Forschungsdaten – von beruflichen E-Mails bis hin zu persönlichen Tweets.

Die multiperspektivische, ein monolithisches Verständnis der DH ablehnende Herangehensweise soll die unterschiedliche disziplinären und interdisziplinären Kontexte der Wissensproduktionen der DH am Schnittpunkt von Geistes- und Kulturwissenschaften, Informatik, Informationsverarbeitung und Informationswissenschaft sowie changierende internationale, nationale und lokale Strukturen und Kontexte aufzeigen.

Die Herausgeber*innen planen in Teilkoordination folgende Bestandteile des Triptychons:  

  1. Melanie Seltmann + Christopher Nunn: BE-FORSCHEN: “klassische” Artikel 
  2. Ulrike Wuttke + Anne Baillot IN EIGENEN WORTEN: audio(visuelle) Formate (TBA)
  3. Christian Schröter (geb. Vater) + Christian Wachter: ARTEFAKTE: Artefaktbiografien zu Fallbeispielen des Computereinsatzes in den Geisteswissenschaften

Wir bitten um Abstracts von 1200 Zeichen (mit Leerzeichen) auf Deutsch oder Englisch bis zum 14.05.2024 für die Kategorien BE-FORSCHEN oder ARTEFAKTE. Bitte beachten Sie: Für das Format In eigenen Worten ist eine individuelle Ansprache geplant und sind momentan keine Abstracts einreichbar. 

Wir laden potenzielle Beitragende dazu ein, diverse Themen und Perspektiven als Vorschlag einzubringen, z. B. aus den Bereichen:

  • Wissenschaftsgeschichte,
  • Organisationsgeschichte,
  • Technikgeschichte,
  • fachliche Verortungen in Kontinuität und Wandel,
  • Perspektiven von Einzelfächern,
  • beachtenswerte lokale Initiativen,
  • objektorientierte Betrachtungen,
  • Gender, Diversity, Empowerment,
  • Kritik,
  • Mehrsprachigkeit, Repräsentativität,
  • (Irr- und Holz-)Wege
  • … 

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge an die Herausgeber*innen: global-local-dh@listserv.dfn.de 

Für Fragen können Sie sich an die korrespondierende Hauptherausgeberin Ulrike Wuttke unter der gleichen E-Mail-Adresse wenden: global-local-dh@listserv.dfn.de

Auch die Nominierung Dritter ist möglich: Haben Sie einen interessanten thematischen Vorschlag, bringen Sie uns in Kontakt oder geben Sie uns einen Hinweis. 

Die Publikation ist als Open-Access-Publikation mit externem Review unter der Lizenz CC-BY 4.0 bei Melusina Press geplant (Erscheinungsdatum voraussichtlich Ende 2025). 

Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen! 

Mit freundlichen Grüßen

Ulrike Wuttke, Melanie Seltmann, Christian Schröter (geb. Vater), Anne Baillot, Christian Wachter und Christopher Nunn

CFP: Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter – 2024

2023年10月11日 21:54

CFP: Konferenz: Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter – 2024
Ort: Belvedere, Wien (online)
Datum: 15.–19. Jänner 2024
Eingabeschluss: 3. November 2023

Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter – 2024

Das Belvedere Research Center freut sich, die sechste Ausgabe seiner Konferenzreihe über die digitale Transformation von Kunstmuseen ankündigen zu können. Schwerpunktmäßig soll an die vorangegangene Tagung zum Themenkomplex Metaverse, Web 3 und künstliche Intelligenz angeknüpft werden, die mehr als eintausend Anmeldungen aus 56 Ländern und fünf Kontinenten verzeichnete. Neben Beiträgen zu diesen zukunftsweisenden Konzepten, die oft durch neue technologische Entwicklungen vorangetrieben werden, sind aber auch solche willkommen, die sich stärker am heutigen Museumsalltag orientieren. Dazu gehört die Untersuchung der Auswirkungen der Digitalisierung auf wesentliche Aspekte der Museumsarbeit wie z. B. Sammlungsmanagement, Ausstellungspraxis und Kunstvermittlung, und zwar im Kontext unserer sich entwickelnden hybriden Welt. Wir bemühen uns um ein offenes Forum, das von den Themen geprägt sein soll, die von der internationalen Museumsgemeinschaft als am relevantesten erachtet werden. Unser Ziel ist, Diskussionen zu fördern, die nicht nur die Zukunft vorwegnehmen, sondern sich auch mit den praktischen Herausforderungen befassen, denen sich Museen in einer digitalen Welt gegenübersehen.

Zweifellos gab es bemerkenswerte Fortschritte bei der Rechenleistung, der Verfügbarkeit umfangreicher Datensätze und der Entwicklung neuer Algorithmen, die zu bedeutenden Durchbrüchen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz geführt haben. Die Transformer-Modelle (ChatGPT, DALL-E und Midjourney) stellen entscheidende Entwicklungen hin zu generativen künstlichen Intelligenzen dar, die die früheren deterministischen Technologien übertreffen. Hardware-Innovationen wie Apples Vision-Pro- und Metas Quest-3-Headsets signalisieren den Beginn einer neuen Ära hybrider Erfahrungen, die die Grenzen zwischen virtuellem und physischem Raum überbrücken („Mixed Reality“ oder „Spatial Computing“). Wie Simon Greenwold in seiner MIT Abschlussarbeit von 2003 dargelegt hat, geht dieses Konzept weit über die ursprünglichen Spieleanwendungen hinaus: „Spatial Computing ist die Interaktion zwischen Menschen und Maschinen, bei der Maschinen in der Lage sind, Bezüge zu realen Objekten und Räumen zu verstehen und zu manipulieren.“

Während unserer Konferenz laden wir die Teilnehmer*innen ein, das Potenzial digitaler Technologien im Museumssektor zu erkunden, wobei der Schwerpunkt auf der Stärkung von Kunst- und Kultureinrichtungen als Knotenpunkte des Wissensaustauschs für die Zukunft liegt. Wir setzen uns mit der drängenden Frage auseinander, wie der technologische Fortschritt proaktiv gestaltet werden kann, um verantwortungsvolle Anwendungen zu gewährleisten und gleichzeitig die damit verbundenen ethischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. Im Rahmen dieses Diskurses werden wir uns mit den Möglichkeiten virtueller Erweiterungen und des Metaversums beschäftigen, insbesondere in den Bereichen Kunst, Bildung, gesellschaftliches Engagement und kulturelle Zusammenarbeit. Wir wollen dies jedoch mit einem kritischen Blick tun und untersuchen, wie diese Technologien auch neue Komplexitäten und Unsicherheiten mit sich bringen können. Während sie innovative Möglichkeiten bieten, müssen wir die ethischen und gesellschaftlichen Implikationen und Vorurteile im Auge behalten.

Die Online-Konferenz präsentiert an fünf Abenden interdisziplinäre Beiträge zu weiter gefassten Fragestellungen rund um den Themenkomplex Metaverse, Web 3 und künstliche Intelligenz, die vor allem – aber nicht ausschließlich – folgende Punkte kritisch reflektieren:

  • Definition und Dekonstruktion von Metaverse und Web 3
  • Herausforderungen der Digitalisierung im Museumsalltag und mögliche Lösungen
  • Freisetzung des Potenzials von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen
  • Innovationen bei VR/AR/XR-Anwendungen im Museumsbereich
  • die Macht von LOD (Linked Open Data) und DAOs (Decentralized Autonomous Organizations)
  • NFTs und die sich entwickelnde Rolle der Museen auf dem digitalen Kunstmarkt
  • die komplexe Beziehung zwischen E-Commerce und Open Access
  • Erforschung von interaktiver Kunstvermittlung, Partizipation und Gamification
  • Barrierefreiheit, Inklusion und Verantwortung in digitalen Initiativen
  • Erschließung von Digitalisierungsmöglichkeiten für kleinere Kultureinrichtungen
  • und eine Vielzahl weiterer anregender Fragestellungen

Wir freuen uns über Ihre Themenvorschläge aus den Bereichen Museum/Museologie, Kunst- und Kulturgeschichte, Medien- und Bildwissenschaft sowie Digital Humanities. Bitte senden Sie Ihr Abstract für einen 20- bis 25-minütigen Vortrag in deutscher oder englischer Sprache (max. 250 Wörter) einschließlich einer kurzen Biografie inklusive vollständiger Kontaktinformationen zusammengefasst als ein PDF-Dokument bis 3. November 2023 an: a.sommer@belvedere.at

Als Keynote-Speaker konnte Prof. Lev Manovich (Graduate Center, City University of New York) gewonnen werden.

Konferenzkomitee: Christian Huemer, Alexandra Sommer, Markus Wiesenhofer (Belvedere, Wien), Anna Frasca-Rath (FAU Erlangen-Nürnberg), Lev Manovich (Graduate Center, City University of New York), Vince Dziekan (Monash University, Melbourne)

Konferenzsprachen: Deutsch & Englisch

Konferenzpartner: DArtHist, ICOM International Council of Museums Österreich, MÖ – Museumbund Österreich

Alle Vorträge werden online abgehalten. Die Podiumsdiskussion sowie ein Workshop für angemeldete Teilnehmer*innen (Freitag) finden zusätzlich vor Ort im Belvedere, Wien, statt. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos.

 

https://www.belvedere.at/digitalmuseum2024

 

CfP: Digital History & Citizen Science

2023年9月11日 17:18

Hiermit startet unser Call for Paper zur Tagung „Digital History & Citizen Science“ vom 19. bis 22. September 2024 in Halle (Saale). Lassen Sie sich anregen, um im Spätsommerflair zwischen den Saaleufern, der Himmelsscheibe und vielen kulturellen Highlights gemeinsam mit Expertinnen und Experten von Digital Humanities, Landes- und Regionengeschichte, Gedächtniseinrichtungen und Citizen Science über digitale Konzepte, Methoden, Datensammlungen, Analyseverfahren und Lösungen zu diskutieren. 

Das Call for Paper läuft bis zum 8. Dezember 2023. Bewerbungen sind möglich für:

  • Beiträge / Vorträge
  • Podiumsdiskussionen
  • Workshops
  • Posterpitch und -präsentation auf dem „Markt der Möglichkeiten“

Alle Informationen finden Sie unter:

https://www.geschichte.uni-halle.de/struktur/hist-data/dh_cs/

Alle Einreichungen erfolgen über ConfTool.

Veranstalter:

Die Tagung wird vom Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt für die AG Digitale Geschichtswissenschaften des VHD organisiert. An der Ausrichtung der Tagung sind der Verein für Computergenealogie, ICARUS, NFDI4Memory, die Historische Kommission Sachsen-Anhalt, der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt und das Institut für Landesgeschichte Sachsen-Anhalt beteiligt.

Tagungsthema:

Stärker als in vergangenen Jahrzehnten lässt die Digitalisierung mittlerweile die Arbeitsformen und Forschungsgebiete von Bürgerwissenschaften, akademischer Wissenschaft und Gedächtniseinrichtungen wieder stärker zusammenrücken. Das gemeinsame Interesse an der digitalen Erschließung von Quellen, die webbasierte Verknüpfung von Wissen und die sich dynamisch weiterentwickelnden Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz und digitalen Methoden bringt alle drei Communities heute dicht zusammen, was sich bspw. auch in der Landes- und Regionengeschichte oder Public History zeigt. Noch ist insgesamt nicht genau abzusehen, wohin uns die neue digitale Geschichtsforschung mit Blick auf das ganz konkrete „Faktum“ und auf die in der Masse großen neuen Datenbestände bringt. Führt die digitale Verschmelzung dazu, dass sich auf der Grundlage von Heimat-, Lokal- und Landesgeschichte ein neuer Boom von Mikrogeschichte, Sozialgeschichte und Geschichte der Familie entfaltet. Führt sie zu neu erschlossenen Quellen (private Fotoalben, Tagebücher, Sammlungen etc.) und überinstitutionellen Organisations- und Arbeitsformen, weil das Interesse am Faktischen nun Digital History, Gedächtniseinrichtungen und Citizen Science zusammenführt? Oder sind es doch eher die abstrakten Welten der Datafizierung mit dem allgemeinen Blick auf das große Ganze der zufälligen Muster und Wissenscluster? Welche Erkenntnisse lassen sich also für Landes- und Regionalgeschichte durch Digital History gezielt mithilfe von KI und AI-Methoden gewinnen und wie gehen die einzelnen Communities mit den sich stetig verändernden Herausforderungen um?

Die Tagung möchte ganz konkret die Fragen stellen, wohin wir selbst unsere gemeinsamen Arbeits- und Organisationsformen und Themenstellungen steuern möchten und was digitale Techniken und Methoden dabei leisten können und soll(t)en.

Eine der wichtigsten Visionen des Digitalen ist die gemeinsame Erhebung, Erschließung, Analyse und Pflege von komplexen digitalen Datenbeständen. Bisher bleiben die von Citizen Science und akademischer Wissenschaft erschlossenen digitalen Daten häufig unverknüpft; sie dienen als Grundstock für einzelne Forschungsvorhaben oder auch KI-Entwicklungen, oder als Testdatensätze für Datenmodellierungen. Die große Herausforderung für experimentelle Formen des Crowdsourcings besteht darin, nicht nur Quellen zu erfassen, sondern Informationen auch zu verknüpfen und damit eine komplexere Erschließung und Analyse von Wissen zu unternehmen. Allmählich erfolgt der Schritt zur automatisiert erkannten Druck- oder Handschriftenquelle jedoch schon fast routiniert, besteht die Barriere vielleicht eher in Vermittlungs- und Aneignungsmöglichkeiten. Die Arbeitsprozesse von Text- und Mustererkennungsverfahren kann KI daher mittlerweile immer besser automatisiert übernehmen, auch wenn die Anwendungen immer noch genügend Aufgaben zur Problemlösung besitzen. Dies verändert jedoch auch die Arbeitsschwerpunkte in der Digital History. Mittlerweile sind neue Herausforderungen für die Communities entstanden. Großes Potenzial liegt in der zunehmenden webbasierten Verknüpfung von Informationen, die komplexe Erschließung von Wissen oder die Analyse und genaue Erkenntnisgewinnung. So rückt inzwischen das Erkennen von komplexen Inhalten durch die Verknüpfung von Wissen über webbasierte Datentechniken, Wissensgraphen und entitätsbasierte Vokabulare in den Mittelpunkt von digitalen Techniken. Dabei wird es immer einfacher und alltäglicher, Sprachmodelle und künstliche Intelligenz in Form von Chatbots & Co zu nutzen. Welche unserer bisherigen Ansätze und Arbeitsgebiete sind also zukunftsfähig und welche epistemologischen Herausforderungen bringen die auf „Wahrscheinlichkeit“ und nicht auf Faktizität orientierten Technologien für die Geschichtsforschung mit sich?

Technische Revolutionen bringen soziale Konsequenzen mit sich: Die Tagung möchte erörtern, wo wir auf dem Weg zum gemeinsam nutzbaren und breit vernetzten Wissensraum stehen und welche digitalen Anwendungsszenarien, Transferprozesse sowie Aufgaben sich zwischen analog und digital, zwischen Wissenschaft, Gedächtniseinrichtung und Citizen Science auftun. Wohin müssen  wir Digital History entwickeln, um gemeinsame Arbeitsweisen- und Organisationsformen entstehen zu lassen? Die institutionellen und disziplinären Schranken durch gemeinsames Arbeiten und Forschen zu überwinden, wird immer wieder als große gesellschaftliche Chance stark gemacht. Dabei hat sich deutlich verschoben, welche Communities spezifische digitale Kompetenzen und Ressourcen ein- und dauerhaft aufbringen können, wer Quellen und Daten bereitstellt und wer sie analysiert. Gerade der Wissenstransfer ist von entscheidender Bedeutung: Doch wie gelingt er und wo stoßen diese Konzepte im Alltag (noch) an ihre Grenzen? Um diese Fragen zu diskutieren, möchte die Tagung Akteure und Akteurinnen von Citizen Science, Gedächtniseinrichtungen und Wissenschaft miteinander in Gespräch bringen, um sich über digitale Themensetzungen und Fragestellungen auszutauschen, voneinander zu lernen und in einem positiven Sinne miteinander zu streiten. Wir sind gespannt auf Ihre Beiträge dazu.

Ansprechpartnerin:

Dr. Katrin Moeller
Emil-Abderhalden-Str. 26/27
06108 Halle (Saale)
E-Mail: digitalhistory@geschichte.uni-halle.de
Website: https://www.geschichte.uni-halle.de/struktur/hist-data/dh_cs/cfp/

Jetzt Anmelden: zum Praxislabor 2023 auf dem 54. Historikertag in Leipzig

2023年8月31日 16:42

Der 54. Historikertag in Leipzig rückt in Sichtweite! Daher nicht die Anmeldung zu einem der spannenden Workshops im Rahmen des „Praxislabors 2023“ der Arbeitsgemeinschaft Digitale Geschichtswissenschaft vergessen. Die AG versteht das Angebot als Treffpunkt für Interessierte und Spezialisten zum Thema digitale Methoden und praktische Anwendungen in der Geschichtswissenschaft. Das Praxislabor schafft eine Plattform, um Tools praktisch zu erkunden, Fragen zu stellen und pointiert Themen zu diskutieren. Eingebettet in das Praxislabor ist auch die Verleihung des „Peter-Haber-Preises für digitale Geschichtswissenschaft“ (Posterpitch) und die Mitgliederversammlung der AG.

Bitte beachten Sie, dass Sie sich zur Vorbereitung der Workshops und zur Sicherstellung der notwendigen Voraussetzungen vorab für die einzelnen Workshops anmelden! Überdies benötigen Sie bei den meisten Veranstaltungen einen eigenen Laptop und ggf. eine Stromverteilerdose.

Die Veranstaltungen des Praxislabors finden im Raum S 420 im Seminargebäude neben dem Hauptgebäude der Universität Leipzig statt. Alle Infos findet Ihr weiter unten oder auf: https://digigw.hypotheses.org/?p=4314.

 

Programm des Praxislabors

 

Dienstag, 19. September 2023, 9:30 bis 13:00 Uhr

Wissenschaftliches Bloggen für Historiker*innen: ein Praxis-Workshop

Mareike König und Ulrike Stockhausen

Substack, Podcasts, TikTok, Instagram, Blogs – die Kanäle, auf denen Wissenschaftskommunikation betrieben wird werden immer vielfältiger. Welche Rolle spielen Wissenschaftsblogs in der sich immer weiter diversifizierenden WissKomm-Landschaft? Welche Vorteile bieten Blogs als Format für die Wissenschaftskommunikation und für den inner- und interdisziplinären Austausch gerade für historisch Forschende? Und wie funktioniert das in der Praxis?

In diesem Workshop diskutieren wir die Rolle von Wissenschaftsblogs als Format, um geschichtswissenschaftliche Forschung zu kommunizieren. Im praktischen Teil des Workshops arbeiten die Teilnehmenden in einem eigenen Schulungsblog von de.hypotheses im Content Management System WordPress. Gezeigt und geübt wird u.a. die Wahl des Designs, das Anlegen von Beiträgen und Seiten, das Einbinden von Fotos und der Umgang mit Copyright-Fragen.

Anmeldung: Die Teilnahme ist auf 20 Teilnehmende begrenzt. Anmeldung bitte bis zum 12.09.2023 an blogs@maxweberstiftung.de. Die Anmeldung setzt das Einverständnis voraus, dass die Mailadresse zum Anlegen eines Schulungsblogs gespeichert wird.

 

Mittwoch, 20. September 2023, 9:00 bis 11:00 Uhr

Historische Raummodellierung mit Geokoordinaten und Qgis

Katrin Moeller, Anne Purschwitz, Olaf Simons & Verein für Computergenealogie

Der Verein für Computergenealogie bietet mit dem Geschichtlichen Ortsverzeichnis (GOV) hervorragende Möglichkeiten zur Geokodierung historischer Orte und zur Verarbeitung von räumlichen Informationen. Der Workshop möchte das Angebot vorstellen und seine – momentan noch nicht ganz einfache Nutzung – demonstrieren und dabei auch künftige Nutzungswünsche mit den Workshopteilnehmer*innen diskutieren. Über das Programm Qgis werden anschließend die Möglichkeiten zur Verarbeitung von Geodaten für eigene Projekte und Karten demonstriert und gemeinsam erprobt. Auf diese Weise werden Nutzungsmöglichkeiten auch für weitere Webservices und Geodatenportale eröffnet. Im Workshop soll ein Einblick in die Software erfolgen und anhand eines Beispiels die Erstellung von Karten, die Anbindung von Daten sowie die Analyse nachvollziehbar ausprobiert werden. Anhand kleinerer Projekte werden eigene Kartenschichten erzeugt (Layer) und Forschungsdaten aus historischen Projekten selbständig visualisiert. Vorkenntnisse sind nützlich aber keine Voraussetzung.

Anmeldung: Teilnehmer*innen melden sich bitte möglichst bis zum 15. September 2023 unter der E-Mail hinfo@geschichte.uni-halle.de an. Sie erhalten dann die notwendigen Hinweise zur Tagungsteilnahme. Zum Workshop muss ein Notebook mitgebracht werden, auf dem Qgis installiert ist. Alle Informationen dazu gibt es unter der Website zum QGIS Projekt.

 

Mittwoch, 20. September 2023, 11:00 bis 13:00 Uhr

Ediarum-Workshop

Martin Fechner, Nadine Arndt und Jan Wierzoch (Berlin)

Ediarum ist eine Applikation für digitale Editionen, mit der Wissenschaftler*innen mit einer grafischen Arbeitsoberfläche Transkriptionen von Manuskripten in TEI-konformem XML anfertigen können, diese mit einem Apparat und passenden Registern versehen und die Ressourcen anschließend als digitale Edition im Web veröffentlichen können.

Die Teilnehmer*innen werden im Workshop angeleitet, (1) mit ediarum.DB ein eigenes Projekt in einer Datenbank einzurichten, (2) die Module ediarum.BASE.edit und ediarum.REGISTER.edit für die Eingabe von Datensätzen im Oxygen XML Author zu installieren und (3) ein einfaches, eigenes Erweiterungsframework einzurichten. Im Laufe des Workshops können Fragen zu eigenen Projekten gestellt werden.

Zielgruppe des Workshops sind Entwickler*innen von digitalen Editionen, die sich mit ediarum auf technischer Ebene vertraut machen wollen. Vorkenntnisse in XML und XPath sind erforderlich. Grundkenntnisse von eXist-db und Oxygen XML Author sind von Vorteil.

Eine vorherige Anmeldung bis zum 15. September bitte unter: ediarum@bbaw.de.

 

Mittwoch, 20. September 2023, 13:00 bis 15:00 Uhr

Nachhaltige digitale Lehrressourcen mit LiaScript

Swantje Piotrowski (Kiel)

Eine offene Lehr- und Lernkultur erfordert Bildungsressourcen, die frei zugänglich und für jede*n nutzbar sind. Oft sind diese jedoch nur eingeschränkt zugänglich und mit spezieller Software nachnutzbar. Der Workshop bietet einen Einblick in die Erstellung von nachhaltigen, einfach adaptierbaren digitalen Lernmaterialien. Dabei kommt LiaScript, eine Erweiterung der Auszeichnungssprache Markdown, zum Einsatz, welche speziell für die Erstellung von Open Educational Resources entwickelt worden ist. Dabei kann einfach im Browser oder Texteditor gearbeitet werden und der fertige Kurs, eine einfache Textdatei, über Github verbreitet werden.

In dem Workshop soll kurz auf die Potentiale dieser Technik eingegangen werden, um in Anschluss die ersten LiaScript-Funktionen einmal anhand vorbereiteter Kursmaterialien praktisch zu erproben.

Anmeldungen und Rückfragen möglich über: s.piotrowski@email.uni-kiel.de

 

Mittwoch, 20. September 2023, 15:00 bis 16:30 Uhr

Erfolgreich recherchieren: historicumSEARCH, Deutsche Historische Bibliografie & GNTUsearch

Gregor Horstkemper, Wiebke Herr und Michaela Morys-Reichard (München)

Der Umgang mit digitalen Recherchewerkzeugen ist eine Voraussetzung für erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit in Studium, Lehre und Forschung. Bibliographische Datenbanken und Metasuchangebote haben sich seit längerem in den Geschichtswissenschaften etabliert und bieten signifikante Mehrwerte gegenüber Printangeboten: Die Datenbestände sind breiter und aktueller angelegt, moderne Suchmaschinentechnologie erleichtert die Auffindbarkeit und Nachnutzung der Daten, und die Recherche ist unabhängig vom lokalen Bestand möglich. Eine effiziente und umfassende Nutzung dieser Angebote setzt gewisse Vorkenntnisse voraus, die im Workshop vermittelt und praktisch erprobt werden sollen. Im Zentrum stehen drei für Historiker*innen relevante Angebote, die im Rahmen des Fachinformationsdienste Geschichtswissenschaft von der Bayerischen Staatsbibliothek, dem Deutschen Museum und Kooperationspartnern entwickelt werden: das zentrale Suchportal historicumSEARCH, die Deutsche Historische Bibliografie (DHB) und GNTUsearch als spezielles Rechercheangebot zur Geschichte der Naturwissenschaften, Technik und Umwelt. Die Teilnehmer*innen erhalten Informationen aus erster Hand über den jeweiligen Projektstand, den inhaltlichen Zuschnitt der Datenbestände, die fachlich-systematische Erschließung sowie über Suchfunktionalitäten, Verfügbarkeitsanzeige und Exportmöglichkeiten für bibliographische Metadaten. Es besteht Gelegenheit, die theoretischen Kenntnisse praktisch zu vertiefen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

 

Donnerstag, 21. September 2023, 9:00 bis 11:00 Uhr

„Wikidata für HistorikerInnen„

Bärbel Kröger und Jörg Wettlaufer (Göttingen)

Der Workshop richtet sich an Interessierte ohne Vorkenntnisse in den Bereichen Semantic Web, Linked Open Data und SPARQL. Er beinhaltet eine kurze Einführung in die Verwendung der Wikidata-Plattform und führt anhand von Beispielen aus der Geschichtswissenschaft in die Möglichkeiten von Linked Open Data in der Forschungspraxis ein. Dabei lernen die Teilnehmer*innen die SPARQL Query Language kennen und werden anhand von einfachen Beispielen mit der Verwendung des Wikidata Query Service vertraut gemacht. Außerdem werden einige Beispiele für die Einsatzmöglichkeiten von Wikidata und Linked Open Data in den Geschichtswissenschaften vorgestellt.

Anmeldung: Eine Anmeldung der Teilnehmer*innen erfolgt unter der Website https://gda.hypotheses.org/.

 

Donnerstag, 21. September 2023, 11:30 bis 13:00 Uhr

Mitgliederversammlung der AG Digitale Geschichtswissenschaft

Alte und neue Mitglieder der AG Digitale Geschichtswissenschaft sind herzlich zur Mitgliederversammlung eingeladen.

 

Donnerstag, 21. September 2023, 13:00 bis 14:00 Uhr

Empfang Netzwerk Jüdische Geschichte

Anna Menny (Hamburg)

Empfang des Netzwerkes und Portals “Jüdische Geschichte online” mit Kurzvorstellung der Meta-Suche in verschiedenen digitalen Projekten des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden (Hamburg) und des Moses-Mendelsohn-Zentrums (Potsdam).

 

Donnerstag, 21. September 2023, 14:00 bis 16:00 Uhr

Peter-Haber-Preis für Digitale Geschichtswissenschaft

Seit 2021 vergibt die AG Digitale Geschichtswissenschaft im VHD gemeinsam mit dem Deutschen Historischen Institut Paris den Peter-Haber-Preis für digitale Geschichtswissenschaft. Mit dem Preis wird an den Schweizer Historiker und Privat-Dozenten für Allgemeine Geschichte der Neuzeit, Peter Haber (1964-2013), gedacht. Sein wissenschaftliches Werk und sein Engagement haben wichtige Impulse für die digitale Geschichtswissenschaft geliefert. Auf der Digital History im Mai 2023 wurden vom Publikum und einer Jury zehn bis zwölf Poster zur Präsentation auf dem Historikertag ausgewählt, die nun im Rahmen der Veranstaltung mit einem minütigen Pitch kreativ vorgestellt werden. Die drei besten Vorstellungen werden prämiert.

 

Donnerstag, 21. September 2023, 16:00 bis 18:00 Uhr

RStudio – Geschichtswissenschaft zwischen Stoppwörtern und Plots

Robert Scholz (Halle (Saale))

Allgemein Interessierten wird in einem Workshop von ca. 90 Minuten die Auswertung von Tweets und die Visualisierung von Ergebnisse mithilfe des Statistikprogrammes R-Studio nahegebracht. Das Erheben der Tweets selbst steht nicht im Vordergrund, weil dies durch individuelle Accounts und Zugriffsrechte geregelt wird. Stattdessen sollen Teilnehmer*innen an einem klar umrissenen Quellenkorpus arbeiten, dessen Erhebungsparameter transparent gemacht werden. Eingeführt werden die Grundlagen von R-Studio und Analysemöglichkeiten von Tweets. Dabei werden Datenformate, Merkmale von Tweets und Ergebnisanalysen besprochen. Interessierte sollen den Beispieldatensatz auf dem eigenen PC mit RStudio angeleitet auswerten und so das Potenzial dieser Software eigenständig weiter erkunden können.

Anmeldungen: Anmeldungen bis zum 15. September 2023 bitte bei Robert Scholz per E-Mail vornehmen: robert.scholz@geschichte.uni-halle.de.

 

Promotionsstelle: Bitte weitersagen!

2023年8月31日 16:30

Unter https://www.verwaltung.uni-halle.de/dezern3/Ausschr/23_4_7070_23_H_neu.pdf

ist eine 0,5-E13-Stelle an der Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Halle ausgeschrieben. Wir wünschen uns eine Person, die ein eigenes Promotionsvorhaben im Umfeld von Digital History, Citizen Science, Archivwissenschaft und Sozialgeschichte entwickelt.

Hierbei bietet es sich an, ein bestehendes, zusammen mit der Juniorprofessur für eHumanities betriebenes Lehrprojekt schrittweise weiter zu entfalten, das inhaltlich an die für die Sozialgeschichte bahnbrechenden Studien von Hartmut Zwahr anschließt. In diesem Vorhaben arbeiten wir laufend an einem großen, schrittweise in FactGrid veröffentlichten Datensatz zum Leipziger Stadtraum im 19. Jahrhundert, den Menschen, die dort wohnten und arbeiten, und den Häusern in ihrer Dreidimensionalität (database.factgrid.de/wiki/FactGrid:Old_Leipzig); aktuell haben wir nach der Analyseebene der Häuser auch die der Wohnungen und der einzelnen Mietsverhältnisse erschlossen. Durch laufende, nicht nur auf dem Papier stehende Kooperationsbeziehungen zu NFDI4memory (4memory.de), FactGrid (factgrid.de), CompGen (compgen.de) und Bürger schaffen Wissen (buergerschaffenwissen.de) können wir Anschluss an ein lebendiges Umfeld bieten, in dem Raum für die Entfaltung eigener Ideen besteht.

Nachfragen und Informationen: 

Prof. Dr. Georg Fertig, Universität Halle, Institut für Geschichte, Steintorcampus, 06099 Halle (Saale), 0345-55-24301 (Sekretariat Fr. Häseler)

Sprachgeschichte und Editionsphilologie: Vom digitalen Umgang mit historischen Texten

2023年8月30日 16:08

In diesem digitalen Workshop wollen wir neue Perspektiven auf die germanistische und romanistische Sprachgeschichte und Editionsphilologie eröffnen. Handschriftlich überlieferte mittelalterliche, erste gedruckte Editionen und jüngste digitale Publikationsformen stellen unseren Gegenstandsbereich dar und sollen zusammengeführt und präsentiert werden. Auf dieser Grundlage werden methodische Konzepte aus der Editionsphilolgie hinterfragt und an die neuen technischen Bedingungen adaptiert sowie innovative Analysemöglichkeiten und Anbindungen an verfügbare Schnittstellen untersucht. Der Workshop besteht aus einzelnen Modulen von jeweils etwa drei beziehungsweise sechs Stunden, die auch einzeln besucht werden können: 

Modul 1: Digitale Editionen und Korpora sprachhistorischer Zeugnisse – Überblick, Herausforderungen und Zugänge (19. September, 15:30 bis 18:30 Uhr)
Modul 2: Von der mittelalterlichen Handschrift zur digitalen Edition – Texterkennung und Transmedialisierung (20. September, 9 bis 12 Uhr)
Modul 3: Digitale Verfahren in der Textkritik (20. September, 14 bis 17 Uhr)
Modul 4: Erschließung und Vernetzung digitaler Ressourcen (21. September, 9 bis 17 Uhr)

Das Programm und das Anmeldeformular finden sich auf der Veranstaltungsseite. Der Workshop wird geplant und umgesetzt vom Projekt Historische Sprache(n) neu gesehen und vom Konsortium Text+ in der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur.

STELLENAUSSCHREIBUNG: Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in im Bereich Digital History / Wirtschaftsgeschichte

2023年7月6日 21:34

An der Professur für Digitale Geschichtswissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg ist zum 01.11.2023 die Stelle einer/eines

Wissenschaftlichen Mitarbeiterin / Wissenschaftlichen Mitarbeiters (m/w/d)

mit dem Ziel der Promotion

(75% der regelmäßigen Arbeitszeit, Entgeltgruppe 13 TV-L)

 befristet bis zum 31.10.2026 zu besetzen.

Die Stelle wird im Rahmen des von der DFG geförderten Projektes „Die ‚unsichtbaren Träger‘ auf dem Rhein, 1630–1810. Die frühneuzeitliche Wirtschaft gesehen durch das Prisma der Praktiken des Warentransports“ (Projektleiter Prof. Dr. Werner Scheltjens) ausgeschrieben. Das Projekt benutzt auf maschinellem Lernen basierende Methoden der Handschrifterkennung für den Aufbau einer annotierten elektronischen Datenbank der Zollregister von Schenkenschans (1630–1810). Die Sprache der Register ist niederländisch. Auf der Grundlage dieser Datenbank wird im Projekt die erste Langzeitanalyse der Güterverkehrspraktiken auf dem Rhein vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert durchgeführt und ein Beitrag zur transnationalen Wirtschaftsgeschichte des Rheins in der Frühen Neuzeit geleistet.

Ihr Aufgaben- und Einsatzgebiet:

  • Koordinierung der Datenerhebung und -verarbeitung mit Methoden der automatisierten Handschrifterkennung
  • Eigenverantwortliche Planung und Durchführung von historischen Datenanalysen
  • Vorbereitung und Veröffentlichung von grundlegenden Forschungsarbeiten über die Güterverkehrspraktiken auf dem Rhein in der Frühen Neuzeit
  • Mitarbeit an der Projektdokumentation

Ihr Profil:

  • überdurchschnittlich abgeschlossenes Hochschulstudium (erste Staatsprüfung, Master/Diplom oder vergleichbar) im Fach Geschichte (mit einem Schwerpunkt in der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und/oder der Digitalen Geschichte)
  • Interesse an eigener wissenschaftlicher Qualifikation im Rahmen des Projekts
  • Eine ausgewiesene Affinität zur qualitativen und quantitativen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Frühen Neuzeit ist erwünscht
  • Erste Erfahrungen im Umgang mit der Software Transkribus (www.readcoop.eu) sind ein Plus.
  • Kenntnisse der niederländischen Sprache sind ein Plus.

Wir bieten Ihnen:

  • die Mitarbeit in einem innovativen Forschungsvorhaben
  • die Möglichkeit der Teilnahme an Fachkonferenzen im In- und Ausland
  • eine intensive Betreuung des Promotionsvorhabens
  • eine internationale Arbeitsumgebung

Mehr Information: https://www.uni-bamberg.de/digihist/

Allgemeines

Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber (m/w/d) werden bei im Wesentlichen gleicher Eignung und Qualifikation bevorzugt eingestellt.

Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg fördert die berufliche Gleichstellung von Frauen. Frauen werden ausdrücklich aufgefordert, sich zu bewerben.

Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg wurde von der Hertie-Stiftung als familiengerechte Hochschule zertifiziert. Sie setzt sich besonders für die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsleben ein.

Bewerbung

Ihre Bewerbungsunterlagen (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Schriftprobe) senden Sie bitte als PDF-Dokument an sekretariat.digihist@uni-bamberg.de.

Bewerbungsschluss ist der 23.08.2023.

Bei Rückfragen steht Ihnen Prof. Dr. Werner Scheltjens gerne zur Verfügung unter Tel. 0951/863-2940, E-Mail: werner.scheltjens@uni-bamberg.de.

STELLENAUSSCHREIBUNG: Studentische Hilfskraft (m/w/d) (2x)

2023年7月6日 21:33

An der Professur für Digitale Geschichtswissenschaften der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sind zum 01.11.2023 zwei Stellen einer/eines

Wissenschaftlichen Hilfskraft ohne Abschluss (m/w/d)

(30 Stunden pro Monat für 6 Monate)

befristet bis zum 30.04.2024 zu besetzen.

Die Stellen werden im Rahmen des von der DFG geförderten Projektes „Die ‚unsichtbaren Träger‘ auf dem Rhein, 1630–1810. Die frühneuzeitliche Wirtschaft gesehen durch das Prisma der Praktiken des Warentransports“ (Projektleiter Prof. Dr. Werner Scheltjens) ausgeschrieben. Das Projekt benutzt auf maschinellem Lernen basierende Methoden der Handschrifterkennung für den Aufbau einer annotierten elektronischen Datenbank der Zollregister von Schenkenschans (1630–1810). Die Sprache der Register ist niederländisch. Auf der Grundlage dieser Datenbank wird im Projekt die erste Langzeitanalyse der Güterverkehrspraktiken auf dem Rhein vom 17. bis zum frühen 19. Jahrhundert durchgeführt und ein Beitrag zur transnationalen Wirtschaftsgeschichte des Rheins in der Frühen Neuzeit geleistet.

Ihr Aufgaben- und Einsatzgebiet:

  • Vorbereitung der automatisierten Transkription der Zollregister der Schenkenschans

Ihr Profil:

  • Immatrikulation an einer Hochschule, vorzugsweise in einem geisteswissenschaftlichen Studiengang
  • Interesse an der computergestützten Bearbeitung von historischen Datenbeständen
  • Erste Erfahrungen im Umgang mit handschriftlichen Quellen – z. B. mit der Software Transkribus (www.readcoop.eu) – sind erwünscht
  • Kenntnisse der niederländischen Sprache sind ein Plus, werden aber nicht vorausgesetzt.

Wir bieten Ihnen:

  • eine Vergütung nach den geltenden Stundensätzen der Universität Bamberg
  • die Mitarbeit in einem innovativen Forschungsvorhaben
  • die Möglichkeit, Erfahrung in der Projektmitarbeit zu sammeln
  • eine intensive Betreuung und internationale Arbeitsumgebung

Mehr Informationen: https://www.uni-bamberg.de/digihist/

Allgemeines

Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber (m/w/d) werden bei im Wesentlichen gleicher Eignung und Qualifikation bevorzugt eingestellt.

Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg fördert die berufliche Gleichstellung von Frauen. Frauen werden ausdrücklich aufgefordert, sich zu bewerben.

Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg wurde von der Hertie-Stiftung als familiengerechte Hochschule zertifiziert. Sie setzt sich besonders für die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbsleben ein.

Bewerbung

Ihre Bewerbungsunterlagen (Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse, Transcript of Records) senden Sie bitte als PDF-Dokument an sekretariat.digihist@uni-bamberg.de.

Bewerbungsschluss ist der 23.08.2023.

Bei Rückfragen steht Ihnen Prof. Dr. Werner Scheltjens gerne zur Verfügung unter Tel. 0951/863-2940, E-Mail: werner.scheltjens@uni-bamberg.de.

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