Autor*innen: Ulrike Wuttke (Fachhochschule Potsdam), Timo Steyer (UB Braunschweig), Yuliya Fadeeva (Helmholtz Open Science Office)
Raschelnde Karten, laut angeregte Gespräche, sind wir hier während der BiblioCon in einer Skatrunde gelandet? Nein, im Workshop “Digital Footprint – Choose your own adventure” – Datentracking in der Wissenschaft spielerisch verstehen”!
Dieser wurde von Yuliya Fadeeva, Timo Steyer und Ulrike Wuttke als Hands-on Lab bei der 114. BiblioCon “Analog trifft Algorithmus” 2026 in Berlin angeboten. Zu dieser fanden zwischen 19. – 22.05.2026 im ESTREL Berlin wieder Bibliotheksmenschen aus dem DACH-Raum und darüber hinaus zusammen, um die neuesten Entwicklungen und Erkenntnisse aus Praxis, Forschung und Transfer zu diskutieren.
Nach zwei Hands-On Labs zum Datentracking bei der BiblioCon 2023 und der BiblioCon 2024 gab es nun wieder auf vielfachen Wunsch der Community eine weitere Auflage. Diese stand ganz im Zeichen eines analogen Spiels dessen Prototyp von Studierenden der FH Potsdam unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrike Wuttke entwickelt und dann zusammen mit einem Graphikdesigner und einer Comiczeichnerin sowie Ulrike Wuttke weiterentwickelt wurde.
Im Fokus des Spiels steht als tierischer Protagonist ein ‘Wissensschaf’ auf dem Weg zum PhD, dem ein ‘Forensiker-Flamingo’ im Kampf gegen den fiesen ‘Datentracker-Vampir’ zur Seite steht. Das Spiel wurde für die Zielgruppe internationale Early Career Researcher (ECR) als Teil eines Workshops entwickelt. Es ist deswegen auf Englisch gehalten. Es lädt zur Diskussion zum Hinterlassen und der kommerziellen Verwendung von Datenspuren beim Erstellen einer wissenschaftlichen Publikation ein. Es beleuchtet dieses Phänomen vor dem Hintergrund des radikalen Wandels der globalen Verlagshäuser zum Geschäftsmodell Data Analytics (siehe DFG 2021 https://doi.org/10.5281/zenodo.5900759). Einige dieser Global Player bieten inzwischen alle Phasen des wissenschaftlichen Forschungsprozesses umfassende Workbenches an, tracken aktiv das Verhalten der User auf diesen Plattformen und verwerten die Daten kommerziell weiter (engl. data tracking, science tracking).
Nach Impulsen zu den Hintergründen des Datentrackings in der Wissenschaft von Yuliya Fadeeva und der Motivation zur Spielentwicklung von Ulrike Wuttke und Timo Steyer wurde das Spiel in mehreren Gruppen gespielt und der Workshop mit einer Feedbackrunde abgeschlossen.
Positiv wurde das Potenzial des Spiels hervorgehoben, verschiedene Zielgruppen auf das Thema aufmerksam zu machen sowie seine visuelle Gestaltung und dass es sich um ein kollektives Spiel handelt (es gibt keinen Einzelgewinner). Verbesserungspotenzial wurde bezüglich der didaktischen Aufgleisung des begleitenden Workshops diskutiert und der präziseren Kommunikation des Spielziels. Auch wurde angeregt, über eine digitale Umsetzung nachzudenken.
Der Austausch war für die Hands-On-Gebenden sehr wertvoll und wir danken den Teilnehmenden sehr. Leider konnten die Studierenden selbst nicht an dem Hands-On teilnehmen, sie bekamen aber von Ulrike Wuttke persönlich die fertigen Spieleboxen überreicht.
Die Studierenden mit der fertigen Spielebox.
Neugierig geworden? Das Spiel steht unter einer freien Lizenz als Open Education Resource (OER) zum Download zur Verfügung:
Ioanna Danai Katsougiannopoulou, Nadja Hartwich, Ha Thao Suong Vu, Ulrike Wuttke, Katja Diederichs, Niko Ripka (2026): “Digital Footprint – Choose Your Own Adventure“: Data Tracking in Scientific Journals – Game and Workshop. CC BY-NC 4.0. DOI https://doi.org/10.5281/zenodo.17912053
Zusätzlich gibt es gleich zwei Episoden des Podcasts Die Wissensarchitekt*innen zum Spiel, eine Kurzepisode direkt vom Workshop auf der BiblioCon mit Manuel Bärwald und eine lange Episode zum Spieletest mit Claudia Frick.
Das Spiel wurde von Ulrike Wuttke im Rahmen ihrer Transferprofessur mit dem Projekt T.R.A.C.K.S. – Training on Analytics, Compliance, Knowledge, and Security, dem Movetia-Projekt „Datenkompetenzen vermitteln an Hochschulen im D-A-CH Raum“ (Fördernummer 2024-1-CH01-IP-0018) und im Kontext der Task Force der Allianz der Wissenschaftsorganisationen “Datentracking und Digitale Nutzungsspuren: Schritte zur Transparenzschaffung” entwickelt und soll kontinuierlich mit der Praxis Community weiterentwickelt werden.
Last but not least, ein großer Dank an Movetia und den Fachbereich Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam für die Unterstützung der Spielentwicklung.
Am 25. Februar 2026 fand bei der DHd 2026 in Wien das Panel “KI als Belastungsprobe für das offene Internet” (Link zum Abstract auf Zenodo: https://doi.org/10.5281/zenodo.18696199) statt. Organisiert wurde das Panel von Ulrike Wuttke (Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Informationswissenschaften, SeDOA), David Maus (Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg), Fabian Rack (FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur, NFDI4Culture), Klaus Rettinghaus (Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden), Sarah Oberbichler (Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History (C²DH), und Cindarella Petz (Digital Historical Research | DH Lab, Leibniz-Institute of European History (IEG)). Moderiert wurde das Panel von Ulrike Wuttke, Klaus Rettinghaus und Cindarella Petz. Da Fabian Rack zum Termin leider verhindert war, nahm an seiner Stelle für die NFDI4Culture Grischka Petri (FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur) neben David Maus und Sarah Oberbichler einen Sitz als Panelist*in ein.
Im Mittelpunkt des Panels stand der Umgang mit den durch die momentanen KI-Entwicklungen verursachten Herausforderungen für offene Informationsinfrastrukturen, wie z. B. KI-Bot-Aktivitäten, sowie der Umgang mit aktuellen rechtlichen Herausforderungen und methodische Implikationen, insbesondere für die Digital Humanities (Shearer und Walk 2025 (COAR-Umfrage), Berg-Weiß 2025, COAR 2026). Die Paneldiskussion adressierte neben technischen und rechtlichen Lösungsansätzen Chancen und Herausforderungen des aktuellen Paradigmenwechsels im Umgang mit offenen Informationsinfrastrukturen und hinterfragte, wie sich der aktuelle KI-Trend mit den Prinzipien offenen Wissens und ethischen Prinzipien in den Digital Humanities und darüber hinaus vereinbaren lässt. Dabei wurden von den Panelist*innen technische, ethische und rechtliche Aspekte beleuchtet.
Einleitung KI und offenes Internet
Eingeleitet wurde das Panel durch Klaus Rettinghaus mit einer thematischen Einführung zum Thema KI und offenes Internet. Er führte aus, dass als OpenAI im November 2022 ChatGPT vorstellte, einerseits das Interesse an dieser neuen Technologie auf Benutzerseite groß war; andererseits die Sorgen bei den Tech-Giganten viel größer waren, nun unter Zugzwang gesetzt zu sein, um schnell zu handeln. Dies führte dazu, dass viele eifrig mit dem Training eigener Modelle begannen, um nicht den Anschluss zu verlieren (Hao 2026).
Ein Problem bei dieser Entwicklung ist, dass die KI-Modelle immer mehr Trainingsdaten benötigen, die sie sich ungefragt und oftmals ohne Erlaubnis überall besorgen und damit den Internet-Traffic in ungeahnte Höhen treiben (Heise 2025a). Das führt dazu, dass inzwischen zahllose KI-Bots das gesamte World Wide Web “abgrasen” und sich dabei als „normale“ Benutzer tarnen (Heise 2025b). Viele „Hüter“ des freien Wissens (wie z.B. Bibliotheken, Wikipedia) werden von Stiftungen oder der öffentlichen Hand finanziert und sind technisch weder für diesen gigantischen Anstieg des Verkehrs ausgelegt noch vorbereitet (Bsp. Thread Fitzpatrick 2026). Sie versuchen, dem Treiben Herr zu werden, indem sie Schranken aufbauen und sich immer mehr abschotten. Klaus Rettinghaus stellte diese Punkte dem Plenum und den Panelist*innen zur Diskussion, denn noch ist kein Ende dieses “Spuks” vorhersehbar und wirft diese neue Realität viele Fragen auf.
Paneldiskussion
Ziel der Paneldiskussion war es, grundlegende Aspekte der aktuellen KI-Entwicklungen in Bezug auf das offene Internet zu diskutieren. Mit Sarah Oberbichler, David Maus und Grischka Petri waren drei Expert*innen der Einladung auf das Panel gefolgt, um die verschiedenen Perspektiven der Akteursgruppen Forschung, Infrastruktur/Bibliothek, Rechtswissenschaft, zu vertreten.
Mit kurzen Referaten von jeweils 5 Minuten und den jeweils anschließenden Gelegenheiten zur direkten Nachfragen und Kommentaren stellten die drei Panelist*innen ihre Sichtweisen vor.
Sarah Oberbichler (C²DH, Luxemburg) näherte sich der Problematik aus der Perspektive der Forschungsdatenpraxis in den Digital Humanities und stellte dabei eine grundlegende begriffliche Unterscheidung in den Mittelpunkt: Was bedeutet „offen“ überhaupt? Und für wen? Offene Daten umfassen mindestens zwei Dimensionen, die in der Praxis nicht immer klar unterschieden werden: öffentliche Verfügbarkeit (technische Offenheit) im Sinne des freien Internetzugangs und rechtliche Offenheit durch Lizenzen, die Weiterverwendung für Forschung und Lehre erlauben, auch wenn Inhalte hinter einem Login liegen. Eine wesentliche Frage für Forschende lautet deshalb nicht: Sind die Daten zugänglich? Sondern: Sind sie auffindbar, nutzbar und nachnutzbar?
Am Beispiel des Internet Archive lässt sich zeigen, wie das massenhafte Scraping das offene Internet selbst verändert, und damit die Archivierung historisch bedeutsamer Quellen gefährdet. Da KI-Unternehmen das Internet Archiv als kostenlose Datenquelle nutzen, hatten im April 2026 241 Medienhäuser den Zugang für das Archiv blockiert, gleichzeitig schließen dieselben Häuser aber Lizenzdeals mit KI-Firmen ab (Muno 2026). Das Ergebnis ist eine strukturelle Verzerrung des digitalen Gedächtnisses: Qualitätsjournalismus verschwindet aus dem Archiv, während Blogs, Verschwörungsseiten und Content Farms übrig bleiben. Und da Medienhäuser nicht immer selbst archivieren und das Internet Archive blockiert wird, archiviert am Ende niemand.
In diesem Kontext gibt es keine klare Lösungen, jedoch mögliche Neuausrichtungen: (1) ethische KI-Implementierung statt Massenscraping; (2) öffentliche Dokumentation von Datensätzen statt unbegrenztem Datenzugang, etwa durch sogenannte Data Envelopes (Luthra & Eskevich, 2024), die Auffindbarkeit gewährleisten, ohne unkontrollierten Zugriff zu erzwingen; und (3) gemeinsame KI-Entwicklung, bei der Kultureinrichtungen, Forschende und KI-Entwickler:innen zusammenarbeiten und einen Paradigmenwechsel von Quantität zu Qualität vollziehen.
David Maus nahm eine Einschätzung aus der Perspektive eines Infrastrukturanbieters vor. Aus der praktischen Arbeit an forschungsnaher Infrastruktur, den Bibliothekskatalogen und den daran angeschlossenen Informationssystemen, stellen sich die massenhaften Zugriffe auch als Angriff auf die Infrastruktur dar. Weil die Bots die etablierten Steuerungsmechanismen (Robots Exclusion Protocol, aka robots.txt) schlicht ignorieren und gnadenlos aus allen Richtungen die verfügbare Bandbreite verbrauchen, legen sie regelmäßig Teile der Infrastruktur lahm. Sei es, dass die Systeme unter der Last zusammenbrechen oder sei es, dass die Betreibenden ihre Dienste einstellen oder nur noch restriktiv zugänglich machen.
Als Konsequenz drückte er seine Erwartung einer stärkeren Zentralisierung und Homogenisierung der online verfügbaren Angebote aus. Der Schutz vor aggressiven Bots erfordert eine Infrastruktur, die Angebote von engagierten Einzelpersonen oder kleinen Facharbeitsgruppen nicht aufbringen können. Infrastrukturanbieter wiederum skalieren ihre Dienste darüber, dass sie Plattformen mit einer einheitlichen Grundstruktur anbieten. Angebote, die selbst keine Ressourcen für einen Bot-Schutz haben, verschwinden aus dem Netz oder müssen sich den Plattformen der Infrastrukturanbieter anpassen.
Grischka Petri führte aus, dass es aus rechtlicher Perspektive ernüchternd ist, nach Maßnahmen zu suchen, mit denen man gegen die Verursacher der Server-Sonderbelastung juristisch vorgehen könnte. Die Auswirkungen gleichen einem DoS-Angriff, dafür ist eigentlich das Computerstrafrecht zuständig. Allerdings ist es in den Bot-Downloads nicht vorgesehen, dass die besuchten Server in die Knie gehen sollen – im Gegenteil, man will sie ja nutzen. Der Ansatz scheitert also schon am Vorsatz. Das Urheberrecht bietet attraktive Kategorien an, um Nutzungen zu regeln – allerdings besteht das Problem ganz unabhängig vom urheberrechtlichen Status der Daten. Womöglich ist es für Anbieter gemeinfreier Inhalte sogar noch größer. Das Prinzip Lkw-Maut erscheint erfolgversprechender. Das ist eine Infrastrukturabgabe für eine Sondernutzung. Abseits einer staatlichen Regulierung hat die Wikimedia Foundation mit Wikimedia Enterprise einen solchen Weg eingeschlagen und bietet entsprechende Sondernutzungsverträge an.
Letztlich zeigt sich aber, dass mit rechtlichen Instrumenten keine Betriebssicherheit zu erlangen ist, weshalb am Ende die Empfehlung für technische Maßnahmen übrig bleibt. Initiativen wie die CC Signals, die sich selbst als “a technical and legal tool and a social proposition” beschreiben, sind vom guten Willen der beteiligten Akteure abhängig.
Nach dem Austausch auf dem Podium zwischen den Panelist*innen wurde die mit allen Teilnehmenden im Plenum von Cindarella Petz mit einer digitalen Intervention eingeleitet, in welcher die zu diskutierenden Fragen mithilfe von Wooclap zur Abstimmung gebracht wurden.
Umfrageergebnisse mit Wooclap.
Mithilfe eines webbasierten Etherpads hatte das Publikum die Möglichkeit, anonym Fragen zu stellen und interessante Aspekte zu kommentieren. Im Pad wurden konkrete Standards und unterschiedliche Granularitäten von Nutzungslizenzen diskutiert, Ansätze zur Umleitung von Webcrawlern durch beispielsweise “LLMs.txt” oder “MCP” aufgeworfen, partizipatorische Elemente der Organisation von Wissenschaften, Forschung und GLAM-Institutionen angeregt und die ethische Nutzung von gecrawlten Datensätzen wie “Common Crawl” hinterfragt und welche rechtliche Rahmenbedingung geschaffen werden müssten, um eine Haftbarmachung von Massencrawlern und Stör-Bots zu erreichen.
Fazit und Ausblick
Die Diskussion zeigte deutlich, das wissenschaftsadäquate Lösungsszenarien für die komplexe Herausforderung durch die aktuellen KI-Entwicklungen nur mittels einer diversen Perspektive – unter Einbeziehung verschiedener Akteure und der Einbeziehung fachlicher, rechtlicher, technologischer und ethischer Aspekte herausgearbeitet werden können. Es wurde deutlich, dass es notwendig ist, dass die kritischen Stimmen lauter werden müssen. Letztendlich “befüttert” der KI-Einsatz in der Forschung in vielen Fällen (zumindest implizit) genau die gleichen Akteure, die für den im Panel kritisch betrachteten “ruchlosen” Umgang mit den digitalen Commons und Infrastrukturen insbesondere aus dem Kulturerbebereich (CHI) verantwortlich sind.
Zusätzlich stellt sich die Frage, welche Expertise und Kompetenzen Digital Humanist(a)s in die Herausarbeitung von “Leitplanken” (Werten, Richtlinien, Forschungsethik) für den KI-Einsatz einbringen könnten bzw. sollten. In dieser neuen Phase des offenen Internets gibt es keine einfachen Lösungen. Alles “wegzuschließen” (d.h. technologische oder rechtliche Sperren) würde vor allem auch der Forschung selbst schaden. Was nützt es, wenn mensch alles finden kann, aber nicht mehr damit arbeiten kann. Wichtiger scheint es, den großen kommerziellen KI-Akteuren (Tech-Giganten) Einhalt zu gebieten bzw. ihr Handeln und die Nutzung ihrer Tools kritisch zu hinterfragen. Das Feedback im Saal bestärkte auf jeden Fall das große Potenzial von Digital Humanist(a)s und der LIS-Community (Library and Information Science) in der Politikberatung und der Herausarbeitung kritischer Punkte. Die Zeit ist reif, den Finger in die Wunde zu legen.
Quellen
Berg-Weiß, Alexander. “Offen für manche Menschen oder doch für alle(s)? KI-Bots und ihre Auswirkungen auf den Betrieb von Repositorien.” BuB 77 Nr. 7(2025), S. 372-75.
COAR, Navigating the Uneasy Interdependence of AI and Open Science, A COAR Statement, 3.3.2026
Fitzpatrick 2026, “Just FYI: this is part of the damage being done by extractive AI companies. Their scraper bots routinely DDOS us, and they multiply to take up as much bandwidth as is available. We are having to put a huge percentage of our developers’ time into just keeping the site alive rather than building its future. They are actively destroying everything worthwhile about the internet.” https://hcommons.social/@kfitz/115854657278743117, Mastodon, 7.1.2026, 17:02.
Hao, Karen. 2026. Empire of AI: dreams and nightmares in Sam Altman’s OpenAI. New York: Penguin Books.
Luthra, Mrinalini und Maria Eskevich. „Data-Envelopes for Cultural Heritage: Going beyond Datasheets.“ Proceedings of the Workshop on Legal and Ethical Issues in Human Language Technologies @ LREC-COLING 2024, S. 52–65. Torino, Italia: ELRA and ICCL, 2024. https://aclanthology.org/2024.legal-1.9/
Muno, Martin. „Internet-Archive: Unser digitales Gedächtnis ist bedroht.“ Deutsche Welle, 21. April 2026. https://p.dw.com/p/5CKXK
Wuttke, U., Maus, D., Rack, F., Rettinghaus, K., Oberbichler, S., & Petz, C. (2026, Februar 20). KI als Belastungsprobe für das offene Internet?. DHd 2026 Nicht nur Text, nicht nur Daten (DHd2026) (DHd2026), Wien, Österreich. https://doi.org/10.5281/zenodo.18696199
das Datenkompetenzzentrum QUADRIGA lädt zu einem eintägigen Workshop rund um die Publikation film- und medienwissenschaftlicher Forschungsdaten ein. Der Workshop steht allen interessierten Wissenschaftler:innen offen. Er richtet sich insbesondere an Film- und Medienwissenschaftler:innen sowie Forschende aus angrenzenden geisteswissenschaftlichen Disziplinen.
Praxisnah und ohne spezielles Vorwissen lernen Sie, wie Forschungsdaten für eine offene, FAIR-konforme Publikation aufbereitet, angereichert und veröffentlicht werden können: von der Dokumentation und Strukturierung über Metadatenstandards bis hin zur Evaluation von Publikationswegen. Der Workshop verbindet Impulsvorträge, Diskussionen und praktische Übungen, dabei kommen Module einer von QUADRIGA entwickelten OER (Open Educational Resource) zum Einsatz. Mehr Informationen gibt es auf der Website:
Stattfinden wird der Workshop am Donnerstag, dem 16. Juli 2026, von 10:00 bis 18:00 Uhr im Potsdam Lab im Bildungsforum Potsdam (fußläufig vom Potsdamer Hauptbahnhof erreichbar).
Anmeldungen sind bis zum 9. Juli möglich. Zur Anmeldung gelangen Sie hier.
Für Teilnehmende, die außerhalb der Region Berlin-Brandenburg anreisen, steht eine begrenzte Anzahl an Reisekostenunterstützungen zur Verfügung.
Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Beste Grüße,
Melanie Seltmann für
Ihr QUADRIGA-Team
—
Berlin-Brandenburgisches Datenkompetenzzentrum für
Digital Humanities, Verwaltungswissenschaft, Informatik und Informationswissenschaft
Untangling Data Complexity: Custom Oxygen Frameworks for Edition Projects by Jennifer Bunselmeier and Sina Krottmaier. https://doi.org/10.18716/ride.a.19.2.
RIDE, a Review Journal for Scholarly Digital Editions and Resources is published since 2014 by the Institute of Documentology and Scholarly Editing (IDE). The 19th issue has been edited by Roman Bleier and Stefan Dumont.
wir weisen Sie gerne darauf hin, dass der DHd-Verband einen Publikationsfonds eingerichtet hat, aus dem auf Antrag aus dem Kreis der Mitglieder des Verbands die Veröffentlichung fachwissenschaftlicher Publikationen finanziell unterstützt werden kann. Pro Antrag stehen maximal 1.000 EUR zur Verfügung. Weitere wichtige Details zu den Kriterien, Antragsfristen und der Antragstellung entnehmen Sie bitte der Verbandswebseite: Open Access Publikationsfonds.
Rückfragen richten Sie bitte an: info@digitalhumanities.de
Wir freuen uns auf Ihre Anträge.
Prof. Dr. Ulrike Wuttke 1. Vorsitzende des DHd-Verbands und Beauftragte für den DHd-OA-Publikationsfonds
Ich freue mich Ihnen mitzuteilen, dass zum 3. Digital Independence Day die 2. Folge meines neuen Podcasts „Die Wissensarchitekt*innen“ online gegangen ist.
Der Wissenschaftspodcast “Die Wissensarchitekt*innen” erkundet die Welt hinter den Daten und was Bibliotheken, Forschung und Algorithmen miteinander verbindet. In Gesprächen über das Wissen von morgen werden kritische Aspekte der Informationsgesellschaft und ihre politischen und gesellschaftlichen Folgen diskutiert.
In jeder Folge sind Gäst*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Informations- und Wissenslandschaft zu Gast, um über ihre Arbeit und Themen zu sprechen. In der ersten Staffel von “Die Wissensarchitekt*innen” steht das Thema Datentracking mit Fokus Science Tracking (d.h. das nicht datenschutzgerechte Erheben und Nachnutzen von Nutzungsdaten auf kommerziellen wissenschaftlichen Webseiten) zentral.
Der Podcast wird von mir, Ulrike Wuttke, im Rahmen meiner Transferprofessur an der FH Potsdam mit dem Projekt T.R.A.C.K.S. “Training on Analytics, Compliance, Knowledge, and Security” produziert.
Mit freundlichen Grüßen und viel Spaß beim Reinhören!
Ulrike Wuttke
Prof. Dr. Ulrike Wuttke
Bibliothekswissenschaft – Strategien, Serviceentwicklung und Wissenschaftskommunikation | Library Science – Strategies,Service Development and Scholarly Communication
Wir freuen uns, die erfolgte Veröffentlichung des Bandes From Global to Local? Digitale Methoden in den Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum: Ein Triptychon bei Melusina Press in Diamond Open Access bekanntgeben zu können.
Aus dem Klappentext:
“Der Sammelband “From Global to Local? Digitale Methoden in den Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum: Ein Triptychon” lädt dazu ein, lokale und globale Geschichte(n) des Einsatzes von digitalen Methoden in den Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum zu entdecken und über ihre Zukunft nachzudenken. Er bietet Standortbestimmung genauso wie Experimente in der Gegenwart und Gedankenspiele für die Zukunft. Er ergründet Entwicklungslinien und stößt kritische Diskussionen an.
Der Teilband „Be-Forschen“ sammelt diskursive Aufsätze und eine Vielfalt der Themen, der Teilband „In eigenen Worten“ Audio-Essays mit einer Vielfalt der Stimmen und der Teilband „Artefaktbiographien“ Portraits (digitaler) Objekte und eine Vielfalt der Medialität. Der Aufbau als Triptychon führt die (neuen) Formate fruchtbar zusammen, spiegelt den Medienwandel und zeigt dabei überraschende Perspektiven auf. Dies spiegelt die Vielfalt der methodischen Ansätze der Digital Humanities, ganz unabhängig davon, ob man sie als Big Tent oder als globales (Zelt-)Dorf begreift.”
Sie finden die Publikation unter https://doi.org/10.26298/1981-5722. Wenn Sie eine Druckoption wünschen, so finden Sie dort ebenfalls die Möglichkeit der direkten Bestellung.
Zur Zitation des Bandes orientieren Sie sich gerne an folgendem Beispiel (Chicago 18. Edition): Wuttke, Ulrike, Christopher Nunn, Christian Schröter, Melanie Seltmann und Christian Wachter. From Global to Local: Digitale Methoden in den Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum: Ein Triptychon. Melusina Press, 2026. https://doi.org/10.26298/1981-5722.
Nähere Informationen zur Publikation finden Sie im Fußbereich der Publikationswebsite oder im Impressum der Publikation.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen und Lese- und Hörgenuss bei der Lektüre aller Beiträge!
Ich freue mich Ihnen mitzuteilen, dass zum 2. Digital Independence Day die Auftaktfolge meines neuen Podcasts „Die Wissensarchitekt*innen“ online gegangen ist.
Der Wissenschaftspodcast “Die Wissensarchitekt*innen” erkundet die Welt hinter den Daten und was Bibliotheken, Forschung und Algorithmen miteinander verbindet. In Gesprächen über das Wissen von morgen werden kritische Aspekte der Informationsgesellschaft und ihre politischen und gesellschaftlichen Folgen diskutiert.
In jeder Folge sind Gäst*innen aus unterschiedlichen Bereichen der Informations- und Wissenslandschaft zu Gast, um über ihre Arbeit und Themen zu sprechen. In der ersten Staffel von “Die Wissensarchitekt*innen” steht das Thema Datentracking mit Fokus Science Tracking (d.h. das nicht datenschutzgerechte Erheben und Nachnutzen von Nutzungsdaten auf kommerziellen wissenschaftlichen Webseiten) zentral.
Der Podcast wird von mir, Ulrike Wuttke, im Rahmen meiner Transferprofessur an der FH Potsdam mit dem Projekt T.R.A.C.K.S. “Training on Analytics, Compliance, Knowledge, and Security” produziert.
Mit freundlichen Grüßen und viel Spaß beim Reinhören!
Ulrike Wuttke
Prof. Dr. Ulrike Wuttke
Bibliothekswissenschaft – Strategien, Serviceentwicklung und Wissenschaftskommunikation | Library Science – Strategies, Service Development and Scholarly Communication
Die Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften (ZfdG) wird 10 Jahre alt – und das feiern wir mit einem Science Slam der besonderen Art!
Diverse Perspektiven und geballte Digital-Power: Unterhaltsam, verständlich und mit einer Prise Selbstironie präsentieren Forscher*innen und Redakteur*innen ihre Themen rund um digitale Methoden, offenes Publizieren und die visionäre Kraft der Digital Humanities.
Ob algorithmisierte Kunstgeschichte, digitale Traumdeutung oder metareflektierende Open-Access-Gesangseinlage – der Jubiläums-Slam wird zeigen, dass Digital Humanities alles andere als langweilig sind.
Die ZfdG blickt in diesem Jahr auf ein Jahrzehnt voller Innovation, Vernetzung und Open-Science-Pionierarbeit zurück. Seit 2015 ist sie die zentrale Plattform für digitale geisteswissenschaftliche Forschung im deutschsprachigen Raum – Diamond Open Access, interdisziplinär, experimentierfreudig und immer offen für neue Ideen.
Lasst uns gemeinsam feiern, reflektieren und einen Blick in die Zukunft der digitalen Geisteswissenschaften werfen!
We are looking for a German-speaking freelance (up to 20 hours per week) Editorial Contractor to support our partnership with the new German Diamond Service Centre. Applications will close 12:00 UTC on Friday 26th September 2025.
About DOAJ
DOAJ offers free online access and visibility to the thousands of publishers, journals and authors who produce quality, peer-reviewed, open access content. It is a unique and extensive database of diverse open access journals worldwide, and its content is freely available online for everyone.
We are a global virtual organisation. We are a small (and growing) team comprised of members in Europe, North Africa, East Asia, and North America. We are scholarly communication professionals, publishers, librarians, and academics working collaboratively to maintain the world’s best directory of open access journals.
About the role
We are looking for a German-speaking freelance Editorial contractor to support our partnership with the new German Diamond Service Centre. The position is part-time, up to 20 hours per week, working remotely. We are especially keen on hearing from people who are native in German. This role would be particularly suitable for a PhD student or advanced Masters student, and provides an ideal opportunity for flexible work while contributing to a mission-driven organisation.
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Editorial work Reviewing applications and update requests Reviewing and updating metadata for German journals in DOAJ Reviewing recommendations by volunteer editors Acting as the primary contact for specific publishers and applications from Germany
Quality
Helping journals to meet the criteria for inclusion in DOAJ and improve adherence to best practice Reporting cases of suspected predatory publishing for further investigation
Collaboration with SeDOA
Collaborating with the German Diamond Service Centre to provide training and support for diamond open access journals within Germany.
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Are aware of the problem of predatory publishing and how to combat it
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This includes an annual DOAJ Team meeting
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Hourly rate
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As soon as possible
Diversity and inclusion
DOAJ is an adopting organisation of the C4DISC Joint Statement of Principles and strives to improve diversity and inclusion in scholarly communications. It is extremely important to DOAJ that these principles are reflected in our organisational structure and that they are acted upon in our day-to-day operations.
Questions
If you have questions about the role described here, about working for DOAJ or the application process, please email Leena Shah: leena@doaj.org.
How to apply
Send a covering letter and a copy of your resumé/CV to Lene Rasmussen, DOAJ Operations Manager (lene@doaj.org), by 12:00 UTC on Friday 26th September 2025. Your cover letter must explain how you meet each of the obligatory requirements and which of the desirable ones you meet.
Wer mit dem Gedanken spielt zu Mastodon umzuziehen und noch nicht genau weiß, wie das eigentlich funktioniert, kein Verzagen! Bei der DHd 2024 gab es einen Workshop zu den Grundlagen von Mastodon, zur Digital Humanities Instanz Fedihum (herzliche Einladung) und zum automatisierten Tröten mit Autodone.
Die Folien zum Workshop mit Mareike König, Jürgen Hermes, Philip Schildkamp, Vivien Wolter, Ulrike Wuttke und Henrik Schönemann haben wir aus aktuellem Anlass auf Zenodo zur Nachnutzung veröffentlicht, viel Erfolg!
König, M., Hermes, J., Schildkamp, P., Wolter, V., Wuttke, U., & Schönemann, H. (2025, Januar 23). Microblogging mit Mastodon: Fediverse, Fedihum und Co. in den Digital Humanities – ein Praxisworkshop. DHd 2024 Quo Vadis DH (DHd2024), Passau. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14728233
Zu Autodone freuen sich über Nachrichten: Jürgen Hermes und Philip Schildkamp.
Wie Mastodon als Teil des Fediverse zur offenen Wissenschaftskommunikation beiträgt, welche Gedanken sich der DHd-Verband beim Aufsetzen der Fedihum-Instanz gemacht hat und welche Einsatzmöglichkeiten, z. B. in der Lehre die automatisierte Veröffentlichung von Kurznachrichten bietet, kann genauer im dazugehörigen Abstract im Book of Abstracts der DHd 2024 nachgelesen werden: König, M., Hermes, J., Schildkamp, P., Wolter, V., & Wuttke, U. (2024, Februar 21). Microblogging mit Mastodon: Fediverse, Fedihum und Co. in den Digital Humanities – ein Praxisworkshop. DHd 2024 Quo Vadis DH (DHd2024), Passau, Deutschland. https://doi.org/10.5281/zenodo.10698458
In diesem Jahr ist meine Dissertationsschrift mit dem Titel »halb und halb« – Hybride Edition als Kompromiss? Eine Studie zu Methodik, Möglichkeiten und Grenzen in der hybriden Musikedition am Beispiel der Edition von Ludwig Baumanns »Kantate. Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Trauernden zum Trost« beim Logos-Verlag Berlin erschienen. Die Publikation ist sowohl im Druck (teilw. in Farbe) erhältlich als auch im Open Access (PDF, Vollfarbe) und das ganz ohne Moving- oder Paywall (DOI: 10.30819/5730 und auf Zenodo).
Es freut und ehrt mich sehr, dass der Vorstand der DHd den Antrag auf Unterstützung genehmigt hat und diese Dissertationsschrift durch den DHd-Publikationsfonds gefördert werden konnte.
Was ist eigentlich eine hybride Edition? Eine Frage, die wir uns noch öfter stellen sollten. Es gibt eine große Zahl traditioneller und digitaler Editionen und auch Forschungsliteratur hierzu. Was ist aber mit den Editionen, die eine Brücke zwischen traditioneller und digitaler Edition bilden? Die Forschungsliteratur hierzu ist ziemlich ›dünn‹. Im Bereich der Musikedition werden seit etwa 20 Jahren hybride Editionen angestrengt, die nahe zu alle in Langzeit-Akademieprojekten produziert werden. Umfassende Erörterungen, was eine hybride Musikedition ist, gab es bisher allerdings nicht.
Die Schrift »halb und halb« – Hybride Edition als Kompromiss? begegnet diesem Desiderat auf eigene Weise. In der zweiteiligen Anlage wird zunächst eine scheinbar traditionelle Musikedition präsentiert, die spätestens im Kritischen Bericht die Grenzen des Medium Buch aufzeigt. Die Kritischen Anmerkungen sind nicht nur wegen ihres Umfangs digital erfasst, sondern weil es nach knapp 20 Jahren nötig erschien, diese »medienadäquater zu gestalten« (S. 330). Schließlich sind kritische Berichte von Natur aus streng schematisch und müssten sich geradezu einfach in XML modellieren lassen (vgl. Kap. I.6.3 & II.4.2.2).
Den zweiten Teil der Arbeit bildet eine theoretische Abhandlung zur hybriden (Musik-)Edition. Schwerpunkte liegen auf der Forschungssoftware Edirom (Kap. II.2) und auf dem Phänomen Online-Portal (Kap. II.3), das bei hybriden und digitalen Editionen immer stärker in Erscheinung tritt. Die Edition im ersten Teil der Arbeit wird aktiv in die Theoriebildung einbezogen, um methodische Fragen gezielt erörtern zu können. Ergänzt wird diese Dissertationsschrift durch eine umfangreiche und ebenfalls im Open Access publizierte Datensammlung (DOI: 10.5281/zenodo.10072484).
via Christian Hauschke, TIB – Leibniz Information Centre For Science And Technology
Das IDAHO-Projekt der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften lädt Forschende ein, an einer weltweiten Umfrage des IDAHO-Projekts zur Identifizierung von Hindernissen für das Open-Access-Publizieren teilzunehmen.
IDAHO steht für „Identifikation von Barrieren für Open-Access-Veröffentlichungen für Forschende mit schwachen institutionellen Anbindungen – epistemische Ungerechtigkeit im wissenschaftlichen Publikationswesen“. Das Projekt möchte zu einer inklusiven, fairen und vielfältigen Open-Access-Publikationskultur beizutragen. Dazu gehört die Identifikation spezifischer Barrieren, denen Autor*innen mit schwacher institutioneller Anbindung gegenüberstehen, worauf evidenzbasierte Empfehlungen entwickelt, um diese Barrieren zu beseitigen oder zumindest abzumildern.
Eingeladen sind unter anderem Bürgerwissenschaftler:innen (Citizen Scientists), Forschende aus der Zivilgesellschaft und gemeinnützigen Organisationen, Forschende im Ruhestand sowie solche, die in kleinen und mittleren Unternehmen, Kliniken, Krankenhäusern und anderen Organisationen mit unabhängiger Forschung weltweit tätig sind.
Die Umfrage ist anonym, erfordert keine persönlichen oder identifizierenden Informationen und kann in etwa 15 Minuten ausgefüllt werden. Sie ist ist bis zum 6. Januar 2025 geöffnet.
Die Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften ist ein innovatives Forschungsperiodikum, das sich Themen an der Schnittstelle von geisteswissenschaftlicher und digitaler Forschung widmet. Sie wird gemeinsam herausgegeben vom Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel und dem Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V. Die Tagesredaktion unter Leitung der Redaktionsleitung hat ihren Sitz und Arbeitsort an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel.
Ihre Aufgaben:
In Zusammenarbeit mit der Fachredaktion, der technischen Redaktion, der Textredaktion und einer bibliothekarischen Fachkraft:
Redaktionelle Leitung des E-Journals „Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften“ (ZfdG, https://zfdg.de)
Planung, Annahme und redaktionelle Bearbeitung (inkl. Tagging) und Layouten von Artikeln
Betreuung von Autorinnen und Autoren
Weiterentwicklung, Moderation und Koordination der Qualitätssicherungs- und Review-Verfahren für die Zeitschrift
Akquise neuer Artikel und Sonderbände
Weiterentwicklung der vorhandenen Publikationsinfrastruktur
Kontaktpflege zu Interessensvertretungen der Digital Humanities und einschlägiger geisteswissenschaftlicher Fachgesellschaften sowie Vernetzung mit anderen E-Journals
Projektleitung und Umsetzung des Projekts „Nachhaltig innovativ: Diamond Open Access für die digitalen Geisteswissenschaften“ im Rahmen des Förderprogramms NiedersachsenOPEN (Laufzeit: 01.06.2024 bis 31.12.2025)
Koordination und Umsetzung der Maßnahmen zum 10. Jubiläum der ZfdG (in Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Kulturprogramm der HAB), insbesondere Umsetzung der Social-Media-Strategie, Vertretung der Zeitschrift auf Fachkonferenzen, Organisation von Jubiläumsveranstaltungen
Betreuung von Redaktionspraktikantinnen und -praktikanten
Erstellung eines Workshop-/Vermittlungskonzept für Publikationskompetenzen an Studierende der Digital Humanities
Voraussetzungen:
Abgeschlossenes geisteswissenschaftliches oder informationswissenschaftliches Studium (Master-Abschluss oder vergleichbar)
Nachgewiesene Kenntnisse im Bereich der Digital Humanities
Redaktionserfahrung mit wissenschaftlichen Publikationen
Nachgewiesene und einschlägige Erfahrungen als Redakteur/in im Bereich wissenschaftlicher Online-Publikationen und -Portale. Vertrautheit mit modernen Publikationsmethoden und -modellen (Single-Source-Publishing, Diamond Open Access etc.)
Solide Kenntnisse in XML/TEI
Gute Kommunikations-, Organisations- und Teamfähigkeit
Gute Englischkenntnisse
Als familiengerechte Bibliothek, Forschungs- und Studienstätte bietet die HAB ein abwechslungsreiches Aufgabenspektrum, flexible Arbeitszeiten sowie regelmäßige Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Mobile Arbeit ist möglich. Als Tarifbeschäftigte/r erhalten Sie eine Jahressonderzahlung im Rahmen des TV-L sowie die Teilnahme an der zusätzlichen Altersversorgung im öffentlichen Dienst über die VBL. Es erwartet Sie ein engagiertes und aufgeschlossenes Team.
Die HAB strebt an, Unterrepräsentanzen im Sinne des NGG in allen Bereichen und Positionen abzubauen. Die Gleichstellung von Frauen und Männern wird gefördert. Schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber werden bei gleicher Eignung und Befähigung bevorzugt behandelt. Ein Nachweis ist beizufügen.
Bewerbungen mit aussagefähigen Unterlagen werden bis zum 15.10.2024 mit dem Kennwort „ZfdG Redaktion“ möglichst per E-Mail (PDF-Dokument) erbeten an die
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel Verwaltung Lessingplatz 1 38304 Wolfenbüttel E-Mail:verwaltung@hab.de
Interessentinnen und Interessenten können sich bei Frau Jansky telefonisch unter (05331) 808-214 oder per E-Mail unterjansky@hab.de über das Arbeitsgebiet informieren.
Bewerbungsunterlagen werden grundsätzlich nicht zurückgesandt, sondern datenschutzgerecht vernichtet. Sollte eine Rücksendung gewünscht sein, bitten wir um Beilage eines adressierten und ausreichend frankierten Rückumschlags.
Hinweis zum Datenschutz: Mit der Einreichung Ihrer Bewerbung stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten im Rahmen und zur Durchführung des Bewerbungsverfahrens zu. Diese Einwilligung kann jederzeit ohne Angabe von Gründen gegenüber o.g. Stelle(n) schriftlich oder elektronisch widerrufen werden. Bitte beachten Sie, dass ein Widerruf der Einwilligung u. U. dazu führt, dass die Bewerbung im laufenden Verfahren nicht mehr berücksichtigt werden kann.
Im März haben wir als Herausgeber*innenkollektiv bereits einen “Call for Abstracts” für den Sammelband “From Global to Local? Digitale Methoden in den Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum: Ein Triptychon“ veröffentlicht. Link: https://dhd-blog.org/?p=20783
Wir freuen uns, nun als Community Aktion diesen “Call for Contributions” für die Kategorie IN EIGENEN WORTEN zu veröffentlichen!
Im geplanten Sammelband “From Global to Local?” soll kritisch hinterfragt werden, welche Implikationen die wechselvollen Entwicklungsgänge der Digital und Computational Humanities im deutschsprachigen Raum für das disziplinäre Selbstverständnis der Geistes- und Kulturwissenschaften mit sich gebracht haben und welche epistemischen Versprechen digitale Methoden zeitigen. Ebenfalls wird gefragt, inwieweit die transformativen Potenziale des Computereinsatzes in den Geisteswissenschaften für die aktuelle Forschungslandschaft, aber auch die breite Öffentlichkeit, bereits ausgeschöpft werden. Über allem schwebt die Frage nach der Zukunft und Einheit der DH, die eng verwoben ist mit Herausforderungen der Curriculargestaltung und der akademischen Selbstorganisation.
Der Fokus der Betrachtung soll auf dem deutschsprachigen Raum liegen und der Nachzeichnung lokal verorteter wie internationaler Geschichte(n) und Ausprägungen der digitalen Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum multiperspektivisch und multimodal Raum geben.
Die Herausgeber*innen des Sammelbandes verfolgen dabei einen offenen und inklusiven Ansatz: Die lineare, chronologische Geschichte (grand narrative) soll durch die Anlage als Triptychon “aufgebrochen” werden, um einer Vielzahl von Perspektiven und Stimmen Raum zu geben.
Die Herausgeber*innen planen in Teilkoordination folgende Bestandteile des Triptychons:
Melanie Seltmann + Christopher Nunn: BE-FORSCHEN: “klassische” Artikel
Ulrike Wuttke + Anne Baillot IN EIGENEN WORTEN: audio(visuelle) Formate
Christian Schröter (geb. Vater) + Christian Wachter: ARTEFAKTE: Artefaktbiografien zu Fallbeispielen des Computereinsatzes in den Geisteswissenschaften
Wir laden nun die Community dazu ein, kurze Audiobeiträge (deutsch oder englisch) unter dem Motto “5 Fragen – 1 Antwort” einzureichen, die EINE der folgenden Fragen beantworten:
Wo verorten Sie DH für das disziplinäre Verständnis der geistes- und kulturwissenschaftlichen Fächer? | What is the contribution of DH to the self-understanding of Humanities disciplines?
Sind die transformativen Potenziale des Computereinsatzes bereits ausgeschöpft? | Are the transformative potentials of computer use for the Humanities already exhausted?
Welche nationalen Eigenheiten prägen die DH im deutschsprachigen Raum und gibt es eine eigenständige “kontinentale” Traditionslinie? | Which national specificities characterize DH in the German-speaking area and is there something like a continental tradition of DH?
Welche Stimmen sind im big tent der DH unterrepräsentiert? | What voices are underrepresented under the DH big tent?
Wo sollen die DH in 10 Jahren stehen? | Where do you see DH 10 years from now?
Die Beiträge werden bei Eignung von uns für Audio-Features verwendet, die voraussichtlich im Rahmen des Sammelbands sowie im Medien-Repositorium der Universität Luxemburg und in Form eines Podcasts über die üblichen Verbreitungswege unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 und einer PID veröffentlicht werden.
Wichtige Hinweise:
Umfang: max. ca. 1-3 Minuten (Bitte nur EINE der 5 Fragen beantworten!)
Aufnahme bitte folgendermaßen gliedern: Kurze Vorstellung (Vorname, Name, ggf. Institution) z. B. “Guten Tag, mein Name ist XY…”/Hello, my name is XY…”, Frage, die beantwortet wird, vorlesen, z. B. “Ich möchte die Frage beantworten: (hier Frage vorlesen)….” / “I will answer the following question: (read question)”
Aufnahmetipps:
Am besten eine deutliche Pause machen, bevor die Frage beantwortet wird, das erleichtert die Verarbeitung
Bitte deutlich sprechen, ohne zu vorgelesen zu klingen
Ein (gutes) Headset oder, wenn nicht vorhanden, Computer-Mikrofon verwenden
In einem ruhigen Raum mit möglichst wenig Hall aufnehmen (ja, am besten im Schrank!).
Gerne einen Tontest machen.
Einreichung und Format:
Die Aufnahme kann von uns in dem geplanten Feature nur verwendet werden, wenn Sie uns zusammen mit der Aufnahme eine Einwilligungserklärungserklärung für eine Publikation unter der Lizenz CC BY-SA einreichen (Link zum Download der Vorlage: https://fhpcloud.fh-potsdam.de/s/gJ5Aj8monYdsFs9)
Wir ermutigen Sie explizit, uns zusätzliche Informationen zu Ihrer Antwort zukommen zu lassen. Reichen Sie diese Informationen (z. B. in der Form einer Bibliografie/Links für die Shownotes) zusammen mit Ihrer Tonaufnahme mit eindeutigem Dateiname (NAME_VORNAME) ein.
Bitte reichen Sie Ihre Dateien bis zum 30.09.2024 ein. Sie werden darüber informiert, ob die Datei zur Veröffentlichung angenommen wird, auch hierfür sind Ihre Kontaktdaten in der Einwilligungserklärung (siehe oben) unbedingt notwendig.
Wenn Sie gerne bereit sind mitzumachen, aber unschlüssig sind, Fragen haben oder die Technik fehlt, nehmen Sie gerne Kontakt mit der korrespondierenden Hauptherausgeberin Ulrike Wuttke bzw. dem Herausgeber*innenteam unter der E-Mail-Adresse global-local-dh@listserv.dfn.de auf, dann finden wir eine andere Lösung.
Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen!
Mit freundlichen Grüßen
Ulrike Wuttke und Anne Baillot für das Herausgeber*innenteam
Global-Local-DH-Herausgeber*innenteam:
Ulrike Wuttke, Melanie Seltmann, Christian Schröter (geb. Vater), Anne Baillot, Christian Wachter und Christopher Nunn
Verlagspartner: Melusina Press
Erscheinungsdatum des Sammelbandes: voraussichtlich Ende 2025
von Patrick Dinger, Jan Horstmann, Caroline Jansky, Thomas Jurczyk, Timo Steyer (AG Digitales Publizieren)
Die Umfrage
Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens wagte die DHd-Arbeitsgruppe Digitales Publizieren auf der DHd2024 in Passau einen Blick in die Zukunft: Ein interaktives Poster (Dinger et al. 2024a) im Rahmen der DHd2024 präsentierte – neben einem Rückblick auf die wichtigsten Meilensteine der AG-Arbeit seit 2014 – fünf Thesen zur Zukunft des (digitalen) Publizierens, die innerhalb der Community zur Diskussion gestellt wurden. Mit Hilfe einer interaktiven Onlineumfrage konnte vor Ort hinsichtlich der persönlichen Einstellung zu den Thesen und der Wahrscheinlichkeit ihrer Realisierung abgestimmt werden.
Für die Umsetzung der Umfrage haben wir das deutschsprachige Online-Tool Particify genutzt. Es ermöglicht eine niedrigschwellige Teilnahme, z. B. indem die persönliche Einstellung zu den Thesen direkt mit einem Emoji ausgedrückt wird. Die Exportoptionen der Daten bei Particify erlauben allerdings keine Korrelationsanalyse, ob etwa die ablehnende Haltung eines Teilnehmenden gegenüber einer bestimmten These auch mit einer geringer eingeschätzten Wahrscheinlichkeit der Realisierung dieser These einhergeht.
Nachdem die Rückmeldungen auf die Umfrage während der Konferenz eher verhalten waren – angesichts von insgesamt 64 Postern nicht verwunderlich – nutzten wir die Möglichkeit, im Anschluss über die DHd-Mailingliste sowie die Mailingliste der AG Digitales Publizieren noch einmal gezielt für die Teilnahme an der Umfrage zu werben: Verschickt wurden die Aufrufe am 08.03.2024, die Umfrage wurde wie angekündigt am 23.04.2024 geschlossen und ausgewertet. In diesem Zeitraum nahmen 114 Personen an der Umfrage teil, von denen 101 Personen den Fragebogen vollständig beantwortet haben. Mit der Veröffentlichung des Umfragelinks über die DHd-Mailingliste und die AG-Liste lässt sich der Kreis der Teilnehmenden auf die deutschsprachige DH-Community eingrenzen, wobei es sich dabei um Personen mit unterschiedlich großem Interesse an dem Thema und divergierenden Erfahrungen im Bereich des digitalen Publizierens handeln dürfte. Vor diesem Hintergrund sind die Umfrageergebnisse zwar nicht repräsentativ, erlauben aber dennoch wichtige Einsichten. Allen Teilnehmenden der Umfrage möchten wir ganz herzlich danken – das große Interesse und die zahlreichen Rückmeldungen bestärken uns in der AG-Arbeit und liefern wichtige Hinweise zu den drängendsten Fragen und Anliegen zum digitalen Publizieren in der Community. Diesen Blogbeitrag nutzen wir dazu, die Ergebnisse der Umfrage, erste Interpretationsansätze und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen für die Arbeit der AG vorzustellen. Wir möchten den Beitrag explizit zur Diskussion stellen und freuen uns über Ergänzungen, Kommentare, Kritik und Feedback.
These 1: Die AG Digitales Publizieren streicht ›Digital‹ aus ihrer Benennung
Abb. 1: Haltungen der Teilnehmenden zur ersten TheseAbb. 2: Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit der in These 1 skizzierten Entwicklung
Auch wenn aktuell noch stark hybrid publiziert wird, war es für uns keine gewagte These, angesichts von Open Access und Open Science von einer zukünftigen Digital-Only-Publikationswelt auszugehen. Für eine Durchsetzung des digitalen Formats sprechen sowohl ökonomische und ökologische Gründe als auch der einfachere Zugriff, höhere Zitationsraten, gesteigerte Interaktivität sowie die Möglichkeit der Ergänzung durch andere Formate wie Forschungsdaten oder Software. Die Antworten zeigen jedoch ein geteiltes Bild: Zwar teilen über die Hälfte der Befragten die Aussage, dass das Publizieren in Zukunft immer digital sein wird. Allerdings hält auch eine knappe Mehrheit das Streichen von digital aus dem AG-Namen für unwahrscheinlich.
Während wir die generelle Zustimmung zur These durchaus erwartet haben, da die Zunahme von digitalen Publikationsangeboten bereits in der Breite der Community wahrgenommen wird, überrascht uns doch die Skepsis gegenüber dem Ändern des AG-Namens. Dies kann aber auch damit zusammenhängen, dass der Begriff ›Publizieren‹ ohne das Adjektiv ›digital‹ traditioneller klingt und auch den Bezug zu den Digital Humanities verliert. Es könnte daher auch als Rückschritt wahrgenommen werden. Man könnte auch sagen: Solange die Digital Humanities ihren Namen nicht ändern, wird es bei der AG Digitales Publizieren bleiben.
Für uns stellt sich auch die Frage, ob wir in Zukunft nicht eher eine neue Abgrenzung zwischen Digital-Publikationen in ›klassischer‹ Text/Bild-Form gegenüber enhanced publications erleben werden, sodass die Trennlinie nicht mehr zwischen gedruckten und digitalen Publikationen, sondern zwischen statischen, textbasierten Veröffentlichungen und multimodalen, interaktiven und vernetzten Publikationsformen verläuft.
These 2: Es entsteht eine große Bandbreite an Publikationsformaten, die nicht nur die Lesenden, sondern auch die maschinelle Verarbeitung im Blick haben
Abb. 3: Haltungen der Teilnehmenden zur zweiten TheseAbb. 4: Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit der in These 2 skizzierten Entwicklung
Die Umfrageergebnisse zeigen eindeutig, dass eine größere Verbreitung von Single-Source-Publishing Ansätzen und die damit einhergehende Verbreitung von maschinenlesbaren Publikationsformaten als positiv und wahrscheinlich angesehen werden.
Obwohl keine Daten zu konkreten Hintergründen der befragten Personen vorliegen, kann davon ausgegangen werden, dass die meisten Teilnehmer*innen wahrscheinlich technikaffin sind und entsprechend ein gesteigertes Interesse an Publikationen in maschinenlesbaren Formaten für die eigene computergestützte Forschung mitbringen. Handelt es sich somit bei den Umfrageergebnissen um ein überproportional vertretenes Wunschdenken einiger weniger Enthusiast*innen, das bereits im AG Working Paper von 2021 (AG Digitales Publizieren 2021) formuliert wurde, aber bisher zumindest in der Breite zu eher übersichtlichen Veränderungen in der Publikationspraxis geführt hat? Zumindest die auch in absoluten Zahlen relativ hohe Teilnahmequote der Umfrage zeigt, dass die Forderung nach zunehmender Verbreitung nativ-digitaler Publikationsformate mindestens kein Randphänomen mehr ist. Und selbst wenn es sich derzeit noch um ein primär innerhalb der DH-Community verbreitetes Anliegen handeln sollte, wird dies mittel- bis langfristig auch zu Änderungen in der Publikationspraxis führen. Dies liegt daran, dass viele der Befragten selbst publizieren und/oder verlegen und es dank der genannten Single-Source-Publishing-Ansätze nicht mehr um ein Entweder-Oder, sondern vielmehr um ein Sowohl-als-Auch geht.
Nicht die Umstellung von PDF auf ein XML-Format wird also zu einer größeren Verbreitung von maschinenlesbaren Publikationsformaten führen, sondern vor allem die zunehmende Verbreitung sogenannter Single-Source-Publishing Ansätze (z.B. mit Hilfe von Pandoc) wird dazu beitragen, dass neben dem gewohnten PDF ohne großen zusätzlichen Aufwand weitere Formate wie HTML, XML/JATS, LaTeX, Markdown und mehr angeboten werden können. Damit können die Veröffentlichungen durch die verbesserte Maschinenlesbarkeit selbst zu einer potenziellen Quelle für computergestützte Analysen werden, ein flexibleres Leseerlebnis bieten und trotzdem auch weiterhin als PDF angeboten werden.
These 3: Anwendungen des Machine-Learnings sind integraler Bestandteil von Prozessen des wissenschaftlichen Schreibens, Reviewings, der Redaktion und des Layouts
Abb. 5: Haltungen der Teilnehmen zur dritten TheseAbb. 6: Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit der in These 3 skizzierten Entwicklung
Auch auf der DHd-Konferenz in Passau waren LLMs das beherrschende Thema in vielen Vorträgen, Panels, Workshops und Diskussionen bis hin zur Gründung der neuen Arbeitsgruppe Angewandte Generative KI in den Digitalen Geisteswissenschaften (AGKI-DH). Die Umfrageergebnisse zeigen eine deutliche Mehrheit im Feld der zustimmenden Haltung gegenüber dieser Entwicklung. Noch positiver ist die Frage nach der Wahrscheinlichkeit der skizzierten Entwicklung beantwortet worden.
Die ausgeprägt zustimmende Haltung gegenüber der Integration von LLMs in wissenschaftliche Publikationsprozesse lässt sich vermutlich ebenfalls mit den Hintergründen und Grundhaltungen der – in der Regel als eher technikaffin bekannten – DHd-Mitglieder bzw. Empfänger*innen der adressierten Mailinglisten erklären und fiele in eher traditionellen Kreisen geisteswissenschaftlicher Disziplinen vermutlich anders aus. Die sogenannte Künstliche Intelligenz wird in den DH stärker als Implementierung bestimmter Machine-Learning-Algorithmen und damit als für die eigenen Zwecke nutzbares und tendenziell hilfreiches, jedenfalls weniger bedrohliches Werkzeug verstanden. Zudem ist in den DH das Schreiben eines Papers häufig ›nur‹ die Dokumentation des eigentlichen Forschungsprozesses und weniger selbst als z.B. argumentierender, theoretisierender etc. Beitrag der Hauptaspekt der Forschung, wie es in nicht-digitalen geisteswissenschaftlichen Disziplinen häufig der Fall ist. Zudem leidet die Forschung weniger unter Restriktionen im Umgang mit LLMs als die Hochschullehre, die an vielen Standorten durch Eingriffe und Vorgaben der Hochschulleitungen in der Anwendung von LLMs und Machine Learning streng begrenzt wird. Die affirmative Haltung zum Einsatz von LLMs bei der Publikation von Forschungsbeiträgen ließe sich also auch als Gegenbewegung zu sonstigen Begrenzungen interpretieren.
Immerhin scheint jedoch auch im DH-Bereich noch ein Viertel der Teilnehmenden nicht zu einer eindeutigen positiven oder negativen Einschätzung gekommen zu sein. Einen Grund dafür sehen wir darin, dass wir in unserer These mehrere Aspekte berühren, zu denen Teilnehmende vielleicht divergierende Meinungen haben, aber nur eine Gesamtantwort geben konnten. So könnte man dem Aspekt einer offenen, Community-basierten Variante von LLMs positiv gegenüber stehen, um nicht zuletzt eine »explainable AI« zu erreichen, die Integration in sämtliche Arbeitsprozesse des Publizierens aber kritisch sehen. »Explainable AI« kann dabei als Dachkonzept für verschiedene Aspekte verstanden werden, wie etwa »(i) data explainability, (ii) model explainability, (iii) posthoc explainability, and (iv) assessment of explanations« (Ali et al. 2023, Abstract).
Auch zur inhärenten Frage, ob und wie wir zukünftig mit kommerziellen LLM-Anbietern kooperieren wollen, gibt es divergierende Meinungen, die zu einer neutralen Gesamteinschätzung geführt haben können. Das brandaktuelle Thema um ›KI‹ muss sich aus seinem momentanen Hype-Status hinausentwickeln, damit wir auf Grundlage konkreter Erfahrungen zu belegbaren Einschätzungen kommen können.
These 4: Der Tod der individuellen Autorschaft steht kurz bevor
Abb. 7: Haltungen der Teilnehmenden zur vierten TheseAbb. 8: Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit der in These 4 skizzierten Entwicklung
Die Ergebnisse der Einstellungsabfrage zur These der individuellen Autorschaft fallen im Vergleich zu den anderen deutlich ambivalenter und weniger positiv aus, die Diskrepanz zu den sehr niedrigen Ablehnungswerten bei anderen Fragen ist deutlich.
Ähnliches gilt für die Frage nach der Wahrscheinlichkeit, dass diese Entwicklung eintritt: Hier zeigt sich die deutlichste Negativtendenz der gesamten Umfrage. Die DH-Community hält die Entwicklung, dass das Prinzip der individuellen Autorschaft bald ausgedient hat, also sowohl für ziemlich unwahrscheinlich als auch für eher weniger wünschenswert als andere Entwicklungen.
Der die These erläuternde Text zieht keine Querverbindungen zu den Thesen 3 und 5, wobei diese Thesen das Konzept der individuellen Autorschaft – These 3 im Spannungsfeld von intellektueller Leistung und Automatisierung, These 5 hinsichtlich des Produkts von Autorschaft – berühren und infrage stellen. Durch diese verkürzte Darstellung sowie die Tatsache, dass Autorschaft von Publikationen karriereentscheidend ist, könnte sich die ablehnende Haltung vieler Befragter erklären lassen. Zudem ist das Thema nicht neu oder gar unerforscht: Bereits Nyhan und Duke-Williams entlarven einerseits das »multi-authored Digital Humanities paper« und andererseits den/die »Humanities lone scholar« jeweils als Stereotype (Nyhan / Duke-Williams 2014, S. 387). Ihre Analyse zeigt, dass Einzelautorschaft auch in den Digital Humanities weiterhin die kollaborative Autorschaft (von zwei oder mehr Autor*innen) überwiegt (auch wenn leichte Trends zu mehr Kollaboration erkennbar sind) (vgl. Nyhan / Duke-Williams 2014, S. 395). Auch die Auswertungen der Beiträge der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften (ZfdG) sowie die (teilweise stichprobenartig ermittelte) von deren Redaktion erstellte Übersicht zu kollaborativer Autorschaft in sechs weiteren internationalen DH-Journals (Zeitraum: 2015 bis 2023) zeigen zumindest kein einheitliches Bild: In den meisten Fällen halten sich Einzel- und kollaborative Autorschaft weitgehend die Waage (vgl. Baumgarten et al. 2024a; Baumgarten et al. 2024b). Zudem wurden in beiden hier referenzierten Untersuchungen ausschließlich Beiträge in wissenschaftlichen Journals betrachtet, der in den Geisteswissenschaften weiterhin relevante Sektor der Monografien, zu dem auch der Bereich der zwingend in Einzelautorschaft erscheinenden Qualifizierungsarbeiten zählt, wurde völlig außer Acht gelassen. Von einem ›Abschaffen‹ der individuellen Autorschaft in den digitalen Geisteswissenschaften kann also tatsächlich keine Rede sein.
Die Disziplin ist dennoch geprägt von inter- und transdisziplinären Perspektiven und der Übertragung von methodischen Ansätzen aus anderen Wissenschaftsbereichen zur Erforschung geisteswissenschaftlicher Fragestellungen; dieses Überschreiten der Grenzen traditioneller Wissenschaftsbereiche führte anfänglich wahrscheinlich wirklich zu einem erhöhten Kollaborationsbedarf, da man auf die personelle Expertise aus unterschiedlichen Fachbereichen angewiesen war. Je länger die Disziplin besteht und je mehr eigene Lehrstühle und Studiengänge eingerichtet werden, desto eher ist zu erwarten, dass die erforderlichen Kompetenzen auch von Einzelpersonen erworben werden können, wodurch die Notwendigkeit von Kollaborationen möglicherweise abnimmt. Dem entgegen stehen allerdings Entwicklungen wie die vermehrte Anzahl von Forschungsverbünden und fächerübergreifenden Sonderforschungsbereichen, der »›small discipline‹ effect« (Nyhan / Duke-Williams 2014, S. 396) und verstärkte Bestrebungen zur internationalen Zusammenarbeit.
These 5: Es werden vermehrt Datensätze statt Texte publiziert
Abb. 9: Haltungen der Teilnehmenden zur fünften TheseAbb. 10: Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit der These 5 skizzierten Entwicklung
Wenn wir die Genese des Book of Abstracts der DHd-Konferenzen von Konferenzabstracts in einem ›gebundenen Buch‹ über Micro-Veröffentlichungen hin zu wissenschaftlichen Publikationen betrachten, wird die Veränderung digitalen Publizierens deutlich (vgl. Helling et al. 2022). Daher verwundert es nicht, dass die meisten der Befragten die künftig stärkere Zunahme der Publikation von Datensätzen als wahrscheinlicher einschätzen als die von Texten.
Hinzu kommt, dass Forschungsdaten im Zuge wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse an vielen Stellen entstehen. Während bei der Erstveröffentlichung des Grundlagenwerks Digital Humanities. Eine Einführung Forschungsdaten als »extensivere Publikationstätigkeit als dies unter naturgemäß begrenzten Druckbedingungen gegeben« gesehen wurden, die »vorstellbar und zur Zeit schon sporadisch praktiziert« (Kohle 2017, S. 201) werde, hat sich die Kultur des Publizierens in den Digital Humanities tatsächlich in die prognostizierte Richtung weiterentwickelt. Die Publikation von Forschungsdaten ist ein wichtiger Beitrag zur Überprüfbarkeit der Datengrundlage und damit der Einhaltung guter wissenschaftlicher Praxis (vgl. Deutsche Forschungsgemeinschaft 2022).
Außerdem wird vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen (vgl. Wissenschaft im Dialog 2023) die Offenlegung der Quelldaten einer Arbeit als vertrauensstiftende Maßnahme in die Wissenschaft betrachtet (vgl. Mößner 2022). Hinzu kommt, dass unstrukturierte Datensätze durch den Einsatz von ›KI‹ oder Big-Data-Methoden (vgl. Gelfert 2022) leichter selbst zum Forschungsgegenstand werden können. Die Entwicklung neuer Analysemethoden wiederum kann Rückwirkungen darauf haben, in welcher Art und in welchem Umfang Primär- und Forschungsdaten publiziert werden. Damit einhergehend steigt die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft auch vermehrt Datensätze veröffentlicht werden. Ob klassische Formen des Publizierens wissenschaftlicher Texte dabei allerdings abgelöst oder nur ergänzt werden, wird die Zukunft zeigen.
Zusammenfassung der Ergebnisse
Publizieren verändert sich (vgl. Cremer 2018). Diese Veränderungen möchte die AG Digitales Publizieren auch in Zukunft kritisch begleiten und für die DH-Community fruchtbar und nutzbar machen. Die von uns skizzierten Entwicklungen wurden von der Community insgesamt positiv bewertet und auch als wahrscheinlich angesehen. Sie beziehen sich allerdings auch auf Prozesse, die bereits begonnen haben bzw. sich schon längere Zeit abzeichnen – größere Überraschungen waren an dieser Stelle also nicht zu erwarten.
Allerdings gab es zwischen den einzelnen Thesen doch wahrnehmbare Unterschiede in der Einschätzung: Während beispielsweise Single-Source Publishing Ansätze und damit einhergehende zusätzliche Publikationsformate wie JATS/XML oder HTML als durchweg positiv und wahrscheinlich angesehen wurden, waren die Meinungen zum Einfluss von ›KI‹ auf den Publikationsprozess und zur Rolle individueller Autorschaft deutlich durchwachsener. Die Gründe hierfür sind wie dargestellt komplex und nicht bis ins Detail aufzulösen. Für das derzeit wohl einflussreichste und sich im stetigen Wandel befindliche Thema ›KI‹ erscheinen die Antwortmöglichkeiten zu undifferenziert und die Bedeutung, die individuelle Autorschaft nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Wissenschaftler*innen im Rahmen der individuellen Karriere hat, blieb in der These unterbelichtet. Insbesondere die wissenschaftspolitischen Implikationen der Wandlungen des Publikationssektors möchte die AG deshalb in Zukunft verstärkt und kritisch in den Blick nehmen. Hierzu findet am 8. und 9. Oktober 2024 in Darmstadt eine Tagung zum Thema Reputation ohne Paywall? Wissenschaftliches Publizieren im digitalen Wandel statt, die die AG anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens veranstaltet. Wir freuen uns über rege Teilnahme aus der Community.
Die genannten Thesen zur ›KI‹, zu multimodalen, datengetriebenen Publikationen und zur Rolle der Autorschaft sind außerdem durchaus miteinander verbunden, was der zunehmende Einfluss von LLMs auf den Schreib- und auch Analyseprozess auf die akademische Lehre und Forschung zeigt, der nicht zuletzt die individuelle Autorschaft infrage stellt. In Zukunft möchten wir deshalb die Zusammenarbeit mit anderen DHd-AGs, insbesondere der AG Angewandte Generative KI in den Digitalen Geisteswissenschaften sowie der AG Datenzentren intensivieren. Interne Gespräche, gemeinsame Veranstaltungen, Publikationen oder andere Formate sind dabei denkbar – wir melden uns bei euch! Dies wäre nicht nur für die Mitglieder der AGs von Interesse, sondern scheint zumindest der Umfrage nach zu urteilen auch für weitere Kreise innerhalb der DH-Community relevant zu sein.
Für die AG Digitales Publizieren selbst bedeuten die Ergebnisse kurz- bis mittelfristig, dass auch wir insbesondere den divers diskutierten Themen ›KI‹ und Autorschaft, zu denen es offensichtlich verstärkten Diskussions- und Klärungsbedarf gibt, mehr Raum geben wollen und unsere Angebote und Schwerpunkte entsprechend anpassen. Beginnen wollen wir damit, die oben aufgeworfene Frage nach der Rolle von ›KI‹ für die Autorschaft genauer zu untersuchen.
Bibliografie
AG Digitales Publizieren (Hg): Digitales Publizieren in den Geisteswissenschaften. Begriffe, Standards, Empfehlungen (= Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften / Working Papers, 1). Erstveröffentlichung vom 18.03.2021. Version 2.0 vom 09.03.2023. Wolfenbüttel 2021. DOI: 10.17175/wp_2021_001_v2
Sajid Ali / Tamer Abuhmed / Shaker El-Sappagh / Khan Muhammad / Jose M. Alonso-Moral / Roberto Confalonieri / Riccardo Guidotti / Javier Del Ser / Natalia Díaz-Rodríguez / Francisco Herrera: Explainable Artificial Intelligence (XAI). What We Know and What Is Left to Attain Trustworthy Artificial Intelligence. In: Information Fusion 99 (2023), Art. 101805. DOI: 10.1016/j.inffus.2023.101805
Marcus Baumgarten / Henrike Fricke-Steyer / Martin de la Iglesia / Caroline Jansky / Jonathan Schimpf / Martin Wiegand (2024a): Transparenz im Fokus. Die Publikationspraxis der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften. Poster im Rahmen der DHd2024 (Passau, 26.02.2024 — 01.03.2024). 21.02.2024. DOI: 10.5281/zenodo.10706093
Marcus Baumgarten / Martin de la Iglesia / Caroline Jansky / Martin Wiegand / Jonathan Schimpf (2024b): Publikationspraxis der Zeitschrift für digitale Geisteswissenschaften 2015 bis 2023. Datenset. 26.02.2024. DOI: 10.17175/2015-2023_publikationspraxis-zfdg
Deutsche Forschungsgemeinschaft: Guidelines for Safeguarding Good Research Practice. Code of Conduct.2022. DOI: 10.5281/zenodo.6472827
Fabian Cremer: Nun sag, wie hältst Du es mit dem Digitalen Publizieren, Digital Humanities? Eine retrospektive Gretchenfrage an die #DHd2018. In: Digitale Redaktion. Editorial zum digitalen Publizieren. 21.03.2018. Online: https://editorial.hypotheses.org/113
Patrick Dinger / Jan Horstmann / Caroline Jansky / Thomas Jurczyk / Timo Steyer (2024a): ›Roads? Where we’re going, we don’t need roads.‹ Die Zukunft des Publizierens. Poster im Rahmen der DHd2024 (Passau, 26.02.2024 — 01.03.2024). 21.02.2024. DOI: 10.5281/zenodo.10706061
Patrick Dinger / Jan Horstmann / Caroline Jansky / Thomas Jurczyk / Timo Steyer (2024b): ›Roads? Where we’re going, we don’t need roads.‹ Die Zukunft des Publizierens. Abstract im Rahmen der DHd2024 (Passau, 26.02.2024 — 01.03.2024). 21.02.2024. DOI: 10.5281/zenodo.10698293
Axel Gelfert: Gesellschaftliche Erwartungen an ›Big Data‹ in der Wissenschaft. Zur Mär vom ›Ende der Theorie‹. In: Nicola Mößner / Klaus Erlach (Hg.): Kalibrierung der Wissenschaft: Auswirkungen der Digitalisierung auf die wissenschaftliche Erkenntnis. Bielefeld 2022, S. 23–42. DOI: 10.1515/9783839462102-002
Patrick Helling / Anke Debbeler / Rebekka Borges: Konferenzbeiträge strategisch publizieren. Automatisierte Workflows zur individuellen Veröffentlichung von Konferenzbeiträgen am Beispiel des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V. In: O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 2022, H. 3, S. 1–17. DOI: 10.5282/o-bib/5835
Hubertus Kohle: Digitales Publizieren. In: Fotis Jannidis / Hubertus Kohle / Malte Rehbein (Hg.): Digital Humanities. Eine Einführung. Stuttgart 2017, S. 199–205.
Nicola Mößner: Wissenschaft in ›Unordnung‹? Gefiltertes Wissen und die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft. In: Nicola Mößner / Klaus Erlach (Hg.): Kalibrierung der Wissenschaft: Auswirkungen der Digitalisierung auf die wissenschaftliche Erkenntnis. Bielefeld 2022, S. 103–136. DOI: 10.1515/9783839462102-005
Julianne Nyhan / Oliver Duke-Williams: Joint and Multi-authored Publication Patterns in the Digital Humanities. In: Literary and Linguistic Computing 29 (2014), H. 3. 01.09.2014. DOI: 10.1093/llc/fqu018
Die DHd Jahreskonferenz 2024 trug den Titel “#Quo vadis DH?”, fand vom 26. Februar 2024 bis zum 1. März 2024 statt und wurde an der Universität Passau ausgerichtet.[1] Die Software ConfTool,[2] welche zur Konferenzverwaltung genutzt wurde, wurde am 12. Juni 2023 freigeschaltet. Über dieses Tool konnten Autor:innen sich zur Konferenz anmelden und Beiträge einreichen. Autor:innen gaben hierzu Metadaten wie bspw. den Beitragstitel, Autor:innennamen mit Affiliation und ORCID-ID und Keywords zu einer Einreichung über das ConfTool ein. Die Metadaten wurden schließlich aus dem ConfTool über eine Schnittstelle an den DHConvalidator[3] übertragen, in dem ein Template für jede Einreichung inklusive aller zugehörigen Metadaten erzeugt und von den Autor:innen zur Erstellung ihrer Einreichung genutzt wurde. Nachdem die Autor:innen ihren Beitrag im Template geschrieben hatten, wurde dieses über den DHConvalidator prozessiert, sodass eine .dhc-Datei mit einer HTML-, einer Template- und einer TEI-XML-Version der Einreichung sowie eingebetteter Abbildungen erzeugt wurde. Diese wurde schließlich durch die Autor:innen als Beitrag im ConfTool hochgeladen und eingereicht. Mit Hilfe der eingetragenen Metadaten wurden schließlich aus den TEI-XML-Versionen der eingereichten und akzeptierten Beiträge das Book of Abstracts sowie Einzelpublikationen der Beiträge über automatisierte Workflows[4] generiert (Helling et al. 2022a).
Für diese automatisierte Erstellung des Book of Abstracts sowie der Einzelpublikationen wurden die eingereichten TEI-XML-Versionen der Beiträge verwendet. In der Regel sind die TEI-XML-Versionen der Beiträge unsauber und können Fehler aufweisen, die händisch korrigiert werden müssen. Diese Fehler sind prinzipiell auf falsche Formatierungen sowie die Übernahme von Formatierungsinformationen beim Kopieren eines Beitrags aus einem anderen Textverarbeitungsprogramm in das Template durch die Autor:innen zurückzuführen (Helling et al. 2022b). Mit diesem Beitrag sollen jene Fehler exemplarisch für die DHd Jahreskonferenz 2024 dokumentiert werden.
Einführung
Zur Jahreskonferenz 2024 wurden insgesamt 144 Beiträge angenommen: 64 Poster, 7 Panels, 19 Workshops, 43 Vorträge und 11 Beiträge des Doctoral Consortiums. Von vorherigen Jahreskonferenzen waren folgende Fehler aus der Bereinigung der Beiträge bereits bekannt:
Sonderzeichen im Text (oft auch bei Autor:innenamen in der Bibliographie) werden als # dargestellt
Autor:innennamen sind in der Bibliographie nicht fett gedruckt
Abbildungen fehlen im Beitrag oder werden fehlerhaft dargestellt
Tabellen fehlen im Beitrag oder werden fehlerhaft dargestellt
Bildunterschriften fehlen oder werden fehlerhaft dargestellt
Zusätzlich zu den schon bekannten Fehlern wurden auch weitere Fehler aufgezeichnet, die seltener vorkommen, aber ebenfalls korrigiert werden mussten. Diese wurden im Folgenden unter der Kategorie “sonstige Fehler” zusammengefasst. Dabei handelte sich unter anderen um folgende Fehler:
Abstände zwischen Fließtext, Tabellen oder Bildern sind nicht einheitlich
Überschriften sind nicht als solche hierarchisch formatiert
fehlende bzw. nicht einheitliche Informationen bei Autor:innen (bspw. Affiliation)
fehlende Bibliografie
fehlende Titel
Zeilenabstand ist aufgrund von Fußnotenreferenzierungen nicht einheitlich
zu große Abstände im Text, wenn Textteile eingeklammert waren
Probleme bei URLs (automatische Silbentrennung führt zu ungewollten Bindestrichen in Links und somit zu nicht funktionalen Links)
fehlende Satzzeichen
Übersicht über alle Beiträge
Die folgende Tabelle 1 enthält eine Zusammenfassung aller Formatierungsfehler der Beiträge zur DHd 2024 vor der Prozessierung zum Book of Abstracts bzw. zu den Einzelpublikationen. Hierbei ist zu beachten, dass nicht alle, aber die Mehrzahl der Beiträge, fehlerhaft waren. Die unterschiedlichen Fehler der Kategorie “sonstige Fehler” wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit nicht einzeln aufgeführt. Auch hier gibt es Beiträge, die nicht fehlerhaft waren und solche, die mehr als einen Fehler hatten. Daher wird jeder Beitrag, der mindestens einen Fehler der Kategorie “sonstige Fehler” aufwies, nur einmal in dieser Spalte gezählt.
Tabelle 1: Übersicht der Fehlertypen aller Beiträge.
Anzahl Beiträge
Sonderzeichen
Autor:innen nicht fett
Abbildung fehlt
Tabelle fehlt
Fehler bei Bildunterschriften
sonstige Fehler
Fehler gesamt
Poster
64
10
36
1
1
29
44
121
Panels
7
3
5
0
0
0
7
15
Workshops
19
3
12
1
1
5
12
34
Doctoral Consortium
11
2
7
1
0
1
11
22
Vorträge
43
12
1
0
0
2
6
21
Gesamt
144
30
61
3
2
37
80
213
Bei den 144 Beiträgen, die angenommen wurden, traten in 30 Beiträgen Sonderzeichenfehler auf, bei denen Sonderzeichen als # angezeigt wurden, bei 61 Beiträgen waren die Autor:innennamen in der Bibliographie nicht fett gedruckt, bei drei Beiträgen fehlten die Abbildungen, bei zwei die Tabellen, 37 Beiträge hatten fehlerhafte Bildunterschriften und 80 hatten Fehler der Kategorie “sonstige Fehler”. Insgesamt wurden mindestens 213 Fehler behoben. Diese Zahl ist hier nicht akkurat abgebildet und muss höher angenommen werden, da jeder Beitrag nur einmal in jeder Kategorie aufgeführt wurde, auch wenn mehr als ein Fehler der jeweiligen Kategorien in einem Beitrag auftrat.
Abbildung 1: Fehleraufteilung aller Beiträge.
In Abbildung 1 wird deutlich, dass die Kategorie “sonstige Fehler” mit 37,6% am häufigsten vorkommt. Dies liegt daran, dass in dieser Kategorie mehr als eine Fehlerart festgehalten wurde. Darauf folgt die Kategorie “Autor:innennamen nicht fett” mit 28,6%. Fehlerhafte Bildunterschriften sind mit 17,4% die dritthäufigste Fehlerkategorie und Sonderzeichenfehler ergeben 14,1% der Fehler. Fehlende Tabellen und Abbildungen liegen gemeinsam bei 2,3%.
Wenn man die Anzahl der Beiträge beachtet, die Abbildungen und Tabellen haben, zeigt sich, dass die Quote der fehlenden Abbildungen und Tabellen vergleichsweise gut ausfällt.
Tabelle 2: Anzahl der Beiträge, die Abbildungen und / oder Tabellen enthalten.
Anzahl der Beiträge
Beiträge mit Abbildungen
Beiträge mit Tabellen
Poster
64
37
3
Panels
7
0
0
Workshops
19
8
2
Doctoral Consortium
11
2
2
Vorträge
43
30
9
Gesamt
144
77
16
Im Vergleich zu Abbildungen kommen Tabellen seltener vor. Von 144 Beiträgen haben nur 16 Beiträge Tabellen, von denen nur zwei nach der automatisierten Generierung fehlten (12,5%). Abbildungen kommen hingegen bei über der Hälfte der Beiträge vor. Von 144 Beiträgen haben 77 Abbildungen, von denen nach der automatisierten Generierung nur drei fehlten (3,8%).
Darüber hinaus sind Fehler in der Formatierung der Bildunterschriften relevant, die aus Gründen der Barrierefreiheit benötigt werden, da sie Lesenden mit eingeschränkter Sehkraft helfen, nachzuvollziehen, was Abbildungen in einem Beitrag zeigen, beispielsweise. wenn ein Screenreader verwendet wird.
Insgesamt hatten 37 Beiträge Fehler bei den Bildunterschriften, wovon die Posterbeiträge den größten Anteil mit 29 fehlerhaften Beiträgen stellen. Das heißt, dass fast die Hälfte (48,1%) der Beiträge mit Bildern falsch formatierte Bildunterschriften hatten.
Die nächsten Kapitel gehen auf die Verteilung der Fehler innerhalb der einzelnen Beitragskategorien ein.
Poster
Es wurden insgesamt 64 Posterbeiträge angenommen. Nach der automatisierten Generierung der Beiträge im PDF-Format hatten zehn der Beiträge Sonderzeichenfehler, bei 36 Beiträge waren die Autor:innennamen in der Bibliographie nicht fettgedruckt, in einem Beitrag fehlten Abbildungen und einem weiteren fehlten Tabellen, bei 29 Beiträgen gab es Fehler bezüglich der Formatierung der Bildunterschriften und 44 der Beiträge hatten Fehler der Kategorie “sonstige Fehler” (siehe Abbildung 2). Insgesamt wurden mindestens 121 Fehler behoben.
Abbildung 2: Fehleraufteilung der Posterbeiträge.
Panels
Bei den 7 Panelbeiträgen, die angenommen wurden, wurden nur drei Fehlerkategorien identifiziert. Drei Beiträge hatten Sonderzeichenfehler, bei fünf Beiträgen waren die Autor:innennamen in der Bibliographie nicht fett gedruckt und alle Beiträge hatten einen Fehler der Kategorie “sonstige Fehler” (siehe Abbildung 3). Insgesamt wurden hier mindestens 15 Fehler behoben.
Abbildung 3: Fehleraufteilung der Panelbeiträge.
Workshops
Es wurden 19 Workshopbeiträge angenommen. Von diesen hatten drei Beiträge Sonderzeichenfehler, bei zwölf Beiträgen waren die Autor:innennamen nicht fett gedruckt, in einem Beitrag fehlten Abbildungen, in einem anderen Tabellen, fünf Beiträge hatten fehlerhafte Bildunterschriften und zwölf Beiträge hatten Fehler der Kategorie “sonstige Fehler” (siehe Abbildung 4). Hier wurden insgesamt mindestens 34 Fehler behoben.
Abbildung 4: Fehleraufteilung der Workshopbeiträge.
Vorträge
Insgesamt wurden 43 Vorträge angenommen. Von diesen hatten zwölf Beiträge Sonderzeichenfehler, sechs Beiträge hatten Fehler der Kategorie “sonstige Fehler”, zwei Beiträge hatten fehlerhafte Bildunterschriften und in einem Beitrag waren die Namen der Autor:innen in der Bibliographie nicht fettgedruckt. In keinem der Beiträge fehlten nach der automatischen Generierung der PDFs die Abbildungen oder Tabellen (siehe Abbildung 5).
Abbildung 5: Fehleraufteilung der Vorträge.
Doctoral Consortium
Für das Doctoral Consortium wurden elf Beiträge angenommen. Zwei von diesen Beiträgen hatten fehlerhafte Sonderzeichen, bei sieben Beiträgen waren die Autor:innennamen in der Bibliographie nicht fettgedruckt, bei einem Beitrag fehlten Abbildungen und bei einem Beitrag gab es einen Fehler in der Bildunterschrift. Fehlende Tabellen traten bei dieser Beitragskategorie nicht auf, wohingegen jeder Beitrag einen Fehler der Kategorie “sonstige Fehler” hatte (siehe Abbildung 6).
Abbildung 6: Fehlerverteilung bei den Beiträgen des Doctoral Consortiums.
Korrektur der Fehler
Bei der Korrektur der Fehler waren sowohl Mitarbeiter:innen und Hilfskräfte der Universität Passau als auch des DHd Data Stewards involviert. Nach einer Unterweisung, worauf bei der Korrektur zu achten ist, die auf den Erfahrungen der Vorjahre basierte, wurden die Beitragskategorien auf verschiedene Personen aufgeteilt und die Beiträge wurden mehrmals auf Fehler untersucht und korrigiert.
Bereits bekannte Fehler, wie die der Sonderzeichen, falsch formatierten Autor:innennamen, fehlenden Abbildungen und Tabellen sowie Fehler in der Formatierung der Bildunterschriften konnten schnell erkannt und korrigiert werden.
Weil die Kategorie “sonstige Fehler” eine offene Kategorie ist, in der bisher noch nicht bekannte Fehler verzeichnet wurden, wurde dort alles aufgenommen, was ungewöhnlich erschien. Da unterschiedliche Personen unterschiedliche Beiträge bearbeiteten, wurde individuell entschieden, was als Fehler aufgenommen wurde und was nicht. Diese Fehler wurden gemeinsam besprochen und manche dieser Fehler wurden als korrekturwürdig eingeordnet, andere wiederum nicht. Dies führte bei manchen Fällen zu doppelter Arbeit, da schon korrigierte Beiträge nochmals bearbeitet werden mussten, je nachdem ob ein Fehler bereits als solcher gewertet wurde, bevor er offiziell im Plenum als solcher deklariert wurde. Als Beispiel hierfür kann der vergrößerte Zeilenabstand genannt werden, der bei manchen Beiträgen entstand, wenn Fußnoten in der Zeile vorhanden waren. Dieser Fehler wurde bspw. automatisiert korrigiert, weshalb hierzu keine Statistik existiert.
Alle Beiträge wurden dreimal auf Fehler überprüft, bevor sie auf Zenodo hochgeladen und veröffentlicht wurden.
Fazit
Bei der DHd Jahreskonferenz 2024, die von der Universität Passau ausgerichtet wurde, wurden 144 Beiträge in den Kategorien Poster, Panels, Workshops, Vorträge und Doctoral Consortium angenommen. Diese Beiträge wurden mehrmals auf Fehler überprüft, bevor sie auf Zenodo hochgeladen und publiziert wurden. Insgesamt wurden mindestens 213 Fehler korrigiert, wobei diese Zahl höher angenommen werden muss, da jeder Beitrag, der einen oder mehrere Fehler einer Kategorie beinhaltete, nur einmal in der jeweiligen Kategorie gezählt wurde.
Bereits bekannte Fehler wurden effizient erkannt und behoben. Fehler der Gruppe “sonstige Fehler” wurden nach Auffinden gemeinsam evaluiert und je nach Häufigkeit und Auswirkungen auf die PDF-Datei individuell als zu korrigierender Fehler gewertet.
Grundsätzlich verlief der Prozess gut, kann aber dennoch verbessert werden. Eine regelmäßige Auswertung der Kategorie “sonstige Fehler” und die Erweiterung der Liste schon bekannter Fehler kann zu einem gezielteren Korrekturansatz führen, wenn die Korrigierenden wissen, worauf geachtet werden muss.
Zudem wäre eine standardisierte und detailliertere Art der Fehlerdokumentation während der Korrektur hilfreich, um genauere Auswertungen zu erstellen.
Eine mögliche Option, um Fehler in den TEI-XML-Versionen der Beiträge zu vermeiden, ist die Einschränkung von Formatierungsmöglichkeiten für die Autor:innen. Dies könnte beispielsweise durch die Etablierung eines alternativen Tools zur Erstellung von Beiträgen zu DHd Jahreskonferenzen erreicht werden. Ein potenzieller Kandidat hierfür stellt der FidusWriter[5] da, der sich diesbezüglich aktuell in der Evaluierungs- und Anpassungsphase befindet.
Referenzen
Helling, Patrick, Anke Debeller und Rebekka Borges: „Konferenzbeiträge strategisch publizieren. Automatisierte Workflows zur individuellen Veröffentlichung von Konferenzbeiträgen am Beispiel des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V.“ in O-Bib. 2022a. Das Offene Bibliotheksjournal / Herausgeber VDB 9(3), 1-17. DOI:https://doi.org/10.5282/o-bib/5835.
Helling, Patrick, Rebekka Borges, Ingo Börner, Anna Busch, Fabian Cremer, Anke Debbeler, Henning Gebhard, Harald Lordick und Timo Steyer: “Der DHd-Verband und seine Abstracts – Betrachtungen des Einreichungsprozesses zu DHd-Jahrestagungen”, DHd-Blog. 2022b. Online: https://dhd-blog.org/?p=18599 (letzter Zugriff 21.05.2024).
An automatically translated English version of the blog post is available on the IDE website.
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Genau vor 10 Jahren, am 20. Juni 2014, erschien die erste Ausgabe der Rezensionszeitschrift RIDE – A Review Journal for Digital Editions and Resources, herausgegeben vom Institut für Dokumentologie und Editorik (IDE). Während wir den 10ten Geburtstag auf Mastodon im Fediverse von unserem IDE-Account unter dem Hashtag #10YearsRIDE feieren, wurde der Launch der digitalen Zeitschrift damals u. a. auf Twitter mit einem eher unscheinbaren Post (siehe Abb. 1) beworben. So manch einer fragte sich schon damals, wie man RIDE eigentlich ausspricht: /ri:de/ (Deutsch) oder /raɪd/ (Englisch)? Für die aufmerksamen Leser:innen werden wir das Geheimnis am Ende dieses Posts lüften.
RIDE wurde vom IDE ins Leben gerufen, um ein Forum zur Besprechung digitaler Editionen zu schaffen, einen Beitrag zur Qualitätssicherung zu leisten sowie die gängige Praxis zu verbessern und die zukünftige Entwicklung voranzutreiben.[1] Digitale Editionen wurden und werden[2] von traditionellen Rezensionsorganen meist übergangen und damit in den Fachwissenschaften kaum wahrgenommen. Dies wiederum führt dazu, dass den Ersteller:innen digitaler Editionen – von Editor:innen über Datenmodellierer:innen bis hin zu Softwareentwickler:innen – die Anerkennung ihrer Leistungen seitens der Fachwissenschaften oftmals verwehrt bleibt. Um dem entgegenzuwirken, sollte mit RIDE ein interdisziplinäres Austauschforum entstehen, in dem digitale Forschungsressourcen in ihrer Gesamtheit rezensiert werden, d. h. sowohl aus fachlich-inhaltlicher als auch und vor allem aus methodisch-technischer Perspektive.
Stand heute (Juni 2024) wurden in RIDE insgesamt 97 digitale Ressourcen in 18 Issues rezensiert. Ein Großteil der Rezensionen, 65 an der Zahl, ist digitalen Editionen gewidmet. Weitere 20 Rezensionen besprechen Textsammlungen (seit 2017) und bislang 12 Rezensionen nehmen »Tools und Arbeitsumgebungen für digitale Editionen« (seit 2022) in den Blick (Abb. 2). In der Sparte »Editionen« gibt es mittlerweile außerdem Themenausgaben: zwei Issues zu Briefeditionen und zwei Issues mit dem Schwerpunkt auf der Umsetzung der FAIR-Prinzipien. Derzeit liegen etwa zwei Drittel der Rezensionen auf Englisch und ein Drittel auf Deutsch vor, außerdem sind zwei Rezensionen in Französisch und eine in Italienisch verfasst (Abb. 3). Für alle drei Rezensionssparten – digitale Editionen, Textsammlungen und Tools – gibt es vom IDE erstellte Kriterienkataloge[3] zur Besprechung der jeweiligen Ressourcen, die die Rezensent:innen bei der Begutachtung unterstützen und als Leitfaden dienen sollen. Durch verschiedene Rückmeldungen aus der Community wissen wir, dass die Kriterienkataloge mittlerweile nicht nur zur Begutachtung in RIDE, sondern auch bei der Planung und Entwicklung neuer Ressourcen als best-practice-Leitfaden zum Einsatz kommen.[4]
Abb. 2 / 3: Anzahl der Artikel pro Rezensionssparte (li.); Sprachen der Rezensionen (re.).
Durch die zunehmende Etablierung von RIDE hat sich der Aufwand des Betriebs und der Weiterentwicklung der Zeitschrift über die Jahre vervielfacht. Initial von einem Managing Editor geführt und zwischenzeitlich von einem Zweier-Team übernommen, umfasst das Management Team aus dem IDE-Kreis derzeit drei Personen.[5] Während die Herausgeber:innen der Issues in den ersten Jahren ausschließlich IDE-Mitglieder waren, planen und publizieren mittlerweile auch Gastherausgeber:innen ganze Issues.[6] Für bestimmte redaktionelle (u. a. Proof Reading) und technische Tasks, packt außerdem das ganze IDE regelmäßig mit an.
In RIDE besteht jede Rezension aus dem eigentlichen Rezensionstext und einem Factsheet. Letzteres ist ein Fragebogen mit weitgehend formalisierten Antwortmöglichkeiten, damit die rezensierten Ressourcen einfacher miteinander vergleichbar sind.[7] Gleichzeitig ermöglichen die erhobenen Daten einen Überblick, was bereits in RIDE rezensiert wurde, beispielsweise aus welchen Epochen und Disziplinen die begutachteten Editionsprojekte stammen (Abb. 4 und 5). Das Fächerspektrum in RIDE umfasst nahezu alle geisteswissenschaftlichen (textbezogenen) Disziplinen. Allerdings wird auch deutlich, dass trotz der interdisziplinären Anlage der Zeitschrift ein Großteil der rezensierten Editionen und Textsammlungen fachlich in den Literaturwissenschaften und zeitlich in der Moderne zu verorten ist.[8]
Abb. 4 / 5: Epochenzugehörigkeit (li.) und Disziplinzugehörigkeit (re.) [9] der rezensierten Ressourcen.
Die Daten der Factsheets sind auch jenseits ihrer Rolle für die Rezensionen interessant, zum Beispiel als Grundlage, um (spartenübergreifend) Unterschiede und allgemeine Tendenzen hinsichtlich der Rezensionsobjekte zu ermitteln.[10] So bilden etwa Editionen, was die Offenheit der Daten bzw. des Quellcodes angeht, unter den drei Ressourcentypen das Schlusslicht, während die rezensierten Textsammlungen anteilig häufiger auf offene Daten und die rezensierten Tools sogar überwiegend auf offenen Source Code setzen (Abb. 6). Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass Editionen vor allem ›klassisch‹ über das Graphical User Interface rezipiert werden, während Textsammlungen stärker den Charakter eines Datensets haben. Editionstools hingegen funktionieren selten nach dem Prinzip Plug-and-Play, sondern müssen meist projektspezifisch angepasst werden, wofür offener Quellcode die Voraussetzung ist.
Abb. 6 / 7: Offenheit der Daten bzw. des Quellcodes (li.) und Vorhandensein von Zitationsvorschlägen (re.) (jeweils anteilig pro Sparte).
Ein umgekehrtes Bild zeigt sich bei der Frage nach der Zitierbarkeit der Ressourcentypen (Abb. 7): In den rezensierten Editionen haben sich Zitierempfehlungen weitestgehend durchgesetzt, denn Referenzierbarkeit von Text ist schließlich ein Kernanliegen von Editionen. Das Schlusslicht bilden hier die Tools. Dort scheinen sich Zitationsstandards oder Zitierhilfen noch nicht durchgesetzt oder etabliert zu haben.
In anderen Kontexten haben wir bereits ausführlich über Ziele und Methoden von RIDE berichtet und geschrieben,[11] daher möchten wir anlässlich des zehnjährigen Jubiläums hier einen Einblick in die Arbeit geben, die täglich hinter den Kulissen passiert und die viel zu selten sichtbar wird. Dazu zählt u.a.: Autor:innen suchen, Artikel intern begutachten und mit hilfreichen Kommentaren zur Überarbeitung versehen, Peer Reviewer:innen suchen, die Rezensionen für die Publikation formatieren und konvertieren, verschiedene Publikationsformate generieren (XML/TEI, HTML, PDF), die Verfügbarkeit und Archivierung der Artikel sichern (u. a. über DOI, APIs), die Zeitschriftenbände bewerben. Zu den langfristigen Aufgaben zählen u. a. die Pflege und Weiterentwicklung des XML-Schemas für die Reviews und die Weiterentwicklung von Skripten und Routinen zur Verarbeitung der Daten für die Publikation. Auch der Server, auf dem die WordPress-Instanz von RIDE läuft, muss regelmäßig gewartet werden und die eXist-db-Instanz, die wir für einige Funktionen nutzen, braucht regelmäßig ein Upgrade auf eine neuere Version.
Abb. 8: Das RIDE-Management-Team gewinnt den dritten Platz beim Posterwettbewerb der DHd2022 (Tweet).
Abgesehen von den herausgeberischen und den redaktionellen-technischen Tasks kümmern wir uns um die wissenschaftliche Etablierung und Sichtbarkeit der Zeitschrift. Beispielsweise hat RIDE erst kürzlich das Open Access-Seal der Directory of Open Access Journals (DOAJ) erhalten und wird demnächst in die Scopus-Datenbank aufgenommen. Schließlich ist auch die Dissemination unserer Arbeit im nationalen und internationalen Kontext ein wichtiger Teil unserer Mission, um das Thema »Qualitätssicherung digitaler Forschungsressourcen« in der Community präsent zu halten. Gleichzeitig steigern wir so die Bekanntheit von RIDE und können neue Rezensent:innen gewinnen. Fast alles, was wir für RIDE leisten, passiert ehrenamtlich und jenseits unserer Lohnarbeit, oft in den Abendstunden oder am Wochenende. Würdigungen unserer Arbeit, wie etwa der dritte Platz für unseren Beitrag beim Posterwettbewerb der DHd2022, freuen uns daher natürlich besonders (Abb. 8).
Abb. 9: Internes Issue-Board des Herausgeber:innenteams.
Alle anfallenden Arbeiten für RIDE koordinieren und organisieren wir seit einiger Zeit in internen GitHub-Repositorien und nutzen dafür Issues, Project Board und Wiki (Abb. 9). Da wir RIDE möglichst offen gestalten möchten, stehen nicht nur die Rezensionsdaten, sondern auch einige Skripte, die im Publikationsprozess zum Einsatz kommen, über öffentliche GitHub-Repositorien und über Zenodo zur Verfügung.[12] Auch wenn es heutzutage digitale Arbeitsmittel braucht, um die Herausgabe einer Zeitschrift zu koordinieren, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass wir eigentlich am liebsten in schummrigen Kneipen über Rezensionen und Digital Humanities diskutieren und Zukunftspläne für RIDE schmieden (Abb. 10 und 11).
Abb. 10: Launch von RIDE 2014 in der legendären Bar Celentano, Köln (Tweet).
Abb. 11: Vorbereitung des Launches der Sparte »Text Collections«, Elektra Bar, Köln (Tweet).
Die kontinuierliche Produktion von Bänden, die Weiterentwicklung der Zeitschrift auf verschiedenen Ebenen und der Betrieb der technischen Infrastruktur erfordern erhebliche (Wo|Man)-Power. RIDE ist ein Gemeinschaftsprojekt des IDEs und ohne die vielen Schultern seiner Mitglieder nicht zu stemmen. Daneben sind wir auf die Mitarbeit der Community angewiesen: auf die Autor:innen, die sich die Zeit nehmen, digitale Ressourcen genauestens unter die Lupe zu nehmen und teilweise auch mehrmalige Überarbeitungen ihrer Beiträge in Kauf nehmen; auf die Gast-Herausgeber:innen, die unsere Arbeit mit eigenen Bänden gewissenhaft fortführen und gleichzeitig neue Impulse setzen, und auf unser Editorial Board, das uns bei jedweden Problemen spontan unterstützt. Last but not least können wir auf ein Netzwerk an Peer-Reviewer:innen zählen, dank derer wir nach höchsten wissenschaftlichen Qualitätsstandards ein ›international peer-reviewed journal‹ publizieren können und die wertvolles Feedback zu den Rezensionen liefern. Ihnen allen möchten wir an dieser Stelle unseren herzlichsten Dank aussprechen!
Schließlich möchten wir aber auch den Leser:innen danken. Wir haben im Laufe der Jahre immer wieder wertvolles Feedback erhalten, was zur Entwicklung und Verbesserung von RIDE beigetragen hat. Deshalb lösen wir nun auch endlich das Rätsel um die Aussprache: RIDE ist natürlich Lateinisch /ri:de/: »ridere« = »lachen«. Und damit verabschieden wir uns fröhlich lachend, freuen uns auf weitere 10 Jahre RIDE und switchen zum Schluss doch noch mal ins Englische für das allseits bekannte und beliebte:
Enjoy the ride!
Die Mitglieder des Instituts für Dokumentologie und Editorik
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[1] Siehe Philipp Steinkrüger, Ulrike Henny-Krahmer, Frederike Neuber und die Mitglieder der IDE, Editorial, März 2021, https://ride.i-d-e.de/about/editorial/. [2] Siehe beispielsweise für Stichproben zur Rezension digitaler Forschungsressourcen in geschichtswissenschaftlichen Rezensionsorganen, Frederike Neuber und Patrick Sahle, Nach den Büchern: Rezensionen digitaler Forschungsressourcen, H-Soz&Kult 2022, https://www.hsozkult.de/debate/id/fddebate-132457; für eine fachlich engere Untersuchung Colleen Seidel, Digitale Forschung und Wissenschaftskommunikation – der Fall der mediävistischen Zeitschriften, DH@BUW 2022, https://dhbuw.hypotheses.org/319. Bezeichnend ist außerdem, dass selbst digitale Rezensionsplattformen wie Sehepunkte fast nur gedruckten Beiträgen ein Forum geben. [3] Patrick Sahle; in Zusammenarbeit mit Georg Vogeler und den Mitgliedern des IDE; Version 1.1, Juni 2014, http://www.i-d-e.de/publikationen/weitereschriften/kriterien-version-1-1/; Ulrike Henny-Krahmer und Frederike Neuber, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des IDE; Version 1.0, Februar 2017, https://www.i-d-e.de/publikationen/weitereschriften/criteria-text-collections-version-1-0/; Anna-Maria Sichani und Elena Spadini, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des IDE; Version 1.0, Dezember 2018, https://www.i-d-e.de/publikationen/weitereschriften/criteria-tools-version-1/. [4]So heißt es etwa in Bezug auf den Kriterienkatalog zur Besprechung von Textsammlungen bei José Calvo Tello, The Novel in the Spanish Silver Age (3. Data: Texts and Metadata), https://doi.org/10.14361/9783839459256-005, 3.1.2: „Its usefulness is beyond the specific frame of this journal, constituting a remarkable check‐list for any new literary corpus.“ [5] 2014-19 Philipp Steinkrüger, 2019-22 Ulrike Henny-Krahmer und Frederike Neuber, ab 2022 zusammen mit Martina Scholger. [6] Auf Initiative von Anna-Maria Sichani und Elena Spadini wurde die Sparte „Tools and Environments“ eröffnet, die FAIR-Bände erscheinen in Kooperation mit dem NFDI-Konsortium Text+ und unter Beteiligung von dessen Mitarbeiter:innen (bisher Tessa Gegnagel und Daniela Schulz).. [7] Zur rezensionsübergreifenden Vergleichbarkeit der Ressourcen bietet RIDE verschiedene Visualisierungen der Fragebögen für Editionen (https://ride.i-d-e.de/data/charts-scholarly-editions/) und Textsammlungen (https://ride.i-d-e.de/data/charts-text-collections/). [8] Die rezensionsübergreifende Auswertung kann dabei hilfreich sein, solche ‚Ballungen‘ zu identifizieren und ihnen ggf. entgegenzuwirken, indem man gezielt Rezensent:innen für Ressourcen aus anderen Disziplinen und mit anderen epochalen Schwerpunkt zu gewinnen versucht. [9] Die Antwortmöglichkeiten der Fragebögen zu Editionen und zu Textsammlungen unterscheiden sich leicht und wurden aufeinander gemappt. „Literary Studies / Philology“ im Editionenfragebogen entspricht „Literary Studies“ bei den Textsammlungen, die Kategorie „Musicology“ taucht nur im Editionenfragebogen auf, „Linguistics“ und „Archeology“ nur im Fragebogen der Textsammlungen. [10] Siehe Claudia Resch, Digitale Editionen aus der Perspektive von Expert:innen und User:innen — Rezensionen der Zeitschrift RIDE im Meta-Review, in: Digitale Edition in Österreich / Digital Scholarly Edition in Austria, 2023, S. 37-54 (urn:nbn:de:hbz:38-704476). [11] Siehe u. a. Neuber / Sahle 2022 (Anm. 2); Henny Ulrike, Reviewing von digitalen Editionen im Kontext der Evaluation digitaler Forschungsergebnisse, in: Digitale Metamorphose: Digital Humanities und Editionswissenschaft (hrsg. v. Roland S. Kamzelak and Timo Steyer), 2018. DOI: 10.17175/sb002_006;Markus Schnöpf, Evaluationskriterien für digitale Editionen und die reale Welt, in: HiN – Alexander Von Humboldt Im Netz 14(27), 69-76, DOI: 10.18443/182. [12] Zur technischen Infrastruktur von RIDE siehe Henny-Krahmer, Ulrike; Frederike Neuber; Martina Scholger (2022): „Informationstechnologische Gedächtnisarbeit in der Rezensionszeitschrift RIDE“ [Poster]. In DHd 2022. Kulturen des digitalen Gedächtnisses. 8. Tagung des Verbands „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum“, Potsdam. Zenodo. DOI: 10.5281/zenodo.6322571
In den letzten Jahrzehnten hat sich der Computereinsatz im Methodenspektrum der Geistes- und Kulturwissenschaften etabliert. Parallel dazu haben sich die { Digital Humanities / digitalen Geisteswissenschaften } zu einem eigenen Forschungsbereich mit entsprechenden akademischen Strukturen entwickelt – es gibt einen Dachverband, Fachzeitschriften, -konferenzen, -professuren und -studiengänge, auch spezielle Förderprogramme und Drittmittellinien. Daneben existieren Begriffe und Selbstverortungen wie Computational Humanities, eHumanities, digitale Methoden in den Geisteswissenschaften oder fachspezifische Ausprägungen wie Digital History oder Computerlinguistik, um nur einige zu nennen. Über Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowohl mit den traditionellen Fächern als auch untereinander wird lebendig und ambivalent diskutiert; die Frage nach der Verortung in Fakultäten, im Studienkanon und Fächerspektrum ist bei sehr unterschiedlichen Antworten offen. Ebenso kann man festhalten, dass es weder eine über alle Fächergrenzen hinweg gleichförmig ablaufende oder global einheitliche Entwicklung mit nur wenigen Traditionssträngen gab, sondern vielfältige Ansätze und Versuche an sehr unterschiedlichen Orten.
Diese wechselvollen Entwicklungsgänge sollen im geplanten Sammelband nachvollzogen und weitergeschrieben werden. Sie beginnen in den 1940er Jahren, laufen über die wichtige – mit der eigentlichen Prägung des Begriffs Digital Humanities (DH) – verbundene Konsolidierung in den frühen 2000er Jahren und über mehrere shifts und turns bis zur unmittelbaren Gegenwart mit einem facettenreichen, inzwischen institutionell fest verankerten interdisziplinären Spektrum. Es soll kritisch hinterfragt werden, welche Implikationen diese Entwicklungen für das disziplinäre Selbstverständnis der Geistes- und Kulturwissenschaften mit sich gebracht haben und welche epistemischen Versprechen digitale Methoden zeitigen. Ebenfalls wird gefragt, inwieweit die transformativen Potenziale des Computereinsatzes in den Geisteswissenschaften für die aktuelle Forschungslandschaft, aber auch die breite Öffentlichkeit, bereits ausgeschöpft werden. Über allem schwebt die Frage nach der Zukunft und Einheit der DH, die eng verwoben ist mit Herausforderungen der Curriculargestaltung und der akademischen Selbstorganisation.
Geleitet wird die geplante Publikation insbesondere von der Frage, inwieweit die Praxis der DH durch die Zeit und Struktur, in der sie stattfindet, verändert wird. Der Fokus der Betrachtung soll auf dem deutschsprachigen Raum liegen und der Nachzeichnung lokal verorteter wie internationaler Geschichte(n) und Ausprägungen der digitalen Geisteswissenschaften im deutschsprachigen Raum multiperspektivisch und multimodal Raum geben. Dies geschieht angesichts des Bewusstseins, dass Digital Humanists, obwohl sie einer globalen Gemeinschaft angehören, in nationalen und lokalen Kontexten arbeiten. Gibt es lokale, föderale oder nationale Eigenheiten, die eine besondere Tradition prägen oder anschlussfähig sind, die sich erst im internationalen Vergleich aufzeigen lassen – sei es mit Blick auf die besondere Rolle der “Kleinen Fächer”, sei es in Hinblick auf Universitätsstrukturen, sei es auf eine eigenständige “kontinentale” Traditionslinie? Die geplante Publikation bietet daher Raum für eine kritische Betrachtung der hochgradig spezifischen und zeitlich wie örtlich geprägten Vielzahl der technologischen Manipulationen und Eingriffe in die Materialien, mit denen Digital Humanists arbeiten, und der Ausprägungen der Digital Humanities in regional und sprachlich bedingten Kontexten.
Die geplante Publikation hat folgende Ziele:
1) Anregungen zu geben, die DH in ihrer Vielfalt historisch zu erforschen;
2) aktuelle Aktivitäten und Initiativen der DH vor ihrem historischen Hintergrund kritisch zu analysieren und weiterzudenken;
3) kreative Überlegungen dazu zu fördern, wie zukünftig sichergestellt werden kann, dass die DH zum Wissen und Verständnis von menschlichen Äußerungen, Handlungen und kulturellen Akten beitragen.
Die Herausgeber*innen des Sammelbandes verfolgen dabei einen offenen und inklusiven Ansatz: Die lineare, chronologische Geschichte (grand narrative) soll durch die Anlage als Triptychon “aufgebrochen” werden, um einer Vielzahl von Perspektiven und Stimmen Raum zu geben. Dabei geht es nicht nur um die kritische Betrachtung von Gründungsmythen oder das Aufzeigen von Pionierleistungen, Trends und Brüchen. Es geht auch darum, kritisch zu hinterfragen, wer mit im Big Tent der DH sitzen darf, welche Stimmen bislang ungehört oder unterrepräsentiert sind. Des Weiteren sollen auch traditionelle Formen des wissenschaftlichen Publizierens in den Geisteswissenschaften aufgebrochen werden. Dies ist auch deshalb spannend, weil die DH selbst bereits eine beträchtliche Menge an Varianten und Ephemera sichtbar gemacht oder erzeugt haben: eine Vielzahl an „born-digital“, „digitized“ sowie “traditionelle” Forschungsdaten – von beruflichen E-Mails bis hin zu persönlichen Tweets.
Die multiperspektivische, ein monolithisches Verständnis der DH ablehnende Herangehensweise soll die unterschiedliche disziplinären und interdisziplinären Kontexte der Wissensproduktionen der DH am Schnittpunkt von Geistes- und Kulturwissenschaften, Informatik, Informationsverarbeitung und Informationswissenschaft sowie changierende internationale, nationale und lokale Strukturen und Kontexte aufzeigen.
Die Herausgeber*innen planen in Teilkoordination folgende Bestandteile des Triptychons:
Melanie Seltmann + Christopher Nunn: BE-FORSCHEN: “klassische” Artikel
Ulrike Wuttke + Anne Baillot IN EIGENEN WORTEN: audio(visuelle) Formate (TBA)
Christian Schröter (geb. Vater) + Christian Wachter: ARTEFAKTE: Artefaktbiografien zu Fallbeispielen des Computereinsatzes in den Geisteswissenschaften
Wir bitten um Abstracts von 1200 Zeichen (mit Leerzeichen) auf Deutsch oder Englisch bis zum 14.05.2024 für die Kategorien BE-FORSCHEN oder ARTEFAKTE. Bitte beachten Sie: Für das Format In eigenen Worten ist eine individuelle Ansprache geplant und sind momentan keine Abstracts einreichbar.
Wir laden potenzielle Beitragende dazu ein, diverse Themen und Perspektiven als Vorschlag einzubringen, z. B. aus den Bereichen:
Für Fragen können Sie sich an die korrespondierende Hauptherausgeberin Ulrike Wuttke unter der gleichen E-Mail-Adresse wenden: global-local-dh@listserv.dfn.de
Auch die Nominierung Dritter ist möglich: Haben Sie einen interessanten thematischen Vorschlag, bringen Sie uns in Kontakt oder geben Sie uns einen Hinweis.
Die Publikation ist als Open-Access-Publikation mit externem Review unter der Lizenz CC-BY 4.0 bei Melusina Press geplant (Erscheinungsdatum voraussichtlich Ende 2025).
Wir freuen uns auf Ihre Einreichungen!
Mit freundlichen Grüßen
Ulrike Wuttke, Melanie Seltmann, Christian Schröter (geb. Vater), Anne Baillot, Christian Wachter und Christopher Nunn
Das DARIAH-DE Repository (Startseite) ist ein digitales Langzeitarchiv für geistes- und kulturwissenschaftliche Forschungsdaten. Es ist eine zentrale Komponente der DARIAH-DE Forschungsdaten-Föderationsarchitektur, die mehrere Dienste und Anwendungen innerhalb des Datenlebenszyklus in sich vereint. Das DARIAH-DE Repository speichert Daten sicher und langfristig, reichert sie mit Metadaten an und macht sie referenzier- und auffindbar. Es steht Einzelforschenden und Forschungsprojekten zur Verfügung, die ihre Daten persistent, referenzierbar und langfristig zur Verfügung stellen wollen.
Im DARIAH-DE Repository sind Daten in Kollektionen organisiert. Der Datenimport und die Anreicherung mit Metadaten funktioniert über den DARIAH-DE Publikator. Sie kann beliebig viele Daten enthalten. Nach der Publikation wird die Kollektion und jedes darin enthaltene Objekt mit einem DOI versehen. Die Kollektion kann dann in der Collection Registry des DARIAH-DE Repositorys nachgewiesen und über die Repository Search gefunden werden.
Nun wurde das DARIAH-DE Repository mit dem CoreTrustSeal ausgezeichnet!
Das CoreTrustSeal (CTS) ist eine internationale, gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, vertrauenswürdige Dateninfrastrukturen zu fördern. Sie zertifiziert Repositorien auf Grundlage des Anforderungskatalogs der Core Trustworthy Data Repositories Requirements. Dieser fragt Kernkompetenzen von vertrauenswürdigen Repositorien ab. Nachdem eine Zertifizierung beantragt wurde, wird der Antrag von einer Reihe internationaler Prüferinnen und Prüfer bearbeitet. Die CoreTrustSeal-Zertifizierung gehört zu den bekanntesten und international anerkannten Zertifizierungen.
Dadurch befindet sich das DARIAH-DE Repository nun in der Riege international renommierter und CTS-zertifizierter Repositorien. Das dreijährliche zu erneuernde CTS-Zertifikat soll für das DARIAH-DE Repository nun regelmäßig beantragt werden.