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Received yesterday — 2026年6月3日

Nicht nur Text, nicht nur Daten … aber was dann? – ‚Theoretisieren‘ durch Praktiken in der digitalen Editorik, der Digital History und den Computational Literary Studies. Ein Bericht.

2026年6月2日 19:31

Autor*innen (alph.)

Originalblogpost: https://dhtheorien.hypotheses.org/2442

Einleitung

Am 25. Februar 2026 fand im Rahmen der jährlichen Digital-Humanities-Konferenz (DHd) ein Panel der AG Digital Humanities Theorie statt, das eine zentrale Frage in den Mittelpunkt stellte: Wie werden digitale Forschungspraktiken selbst zum Ausgangspunkt theoretischer Reflexion? Die Diskussion, an der sich Laura Untner (Freie Universität Berlin) und Alexa Lucke (Universität Siegen) aus den Computational Literary Studies (CLS), Silke Schwandt (Universität Bielefeld) und Christian Wachter (Universität Münster) aus der Digital History und Philipp Hegel (Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz) aus der Digitalen Editorik beteiligten, zeigte, dass Theoriearbeit in den Digital Humanities (DH) nicht nur als externes Gerüst verstanden werden kann, sondern vielmehr auch aus der Praxis selbst erwächst. Im Folgenden werden einige Aspekte der Debatte zusammengefasst und es wird dazu eingeladen, über die Verflechtung von Theorie und Praxis sowie Theorie und Empirie in den DH wieder nachzudenken.

Was ist Theorie in den Digital Humanities?

In den Geisteswissenschaften war Theorie lange Zeit eng mit textbasierter Argumentation verbunden – dem Lesen, Interpretieren und Schreiben. In den DH verschiebt sich dieser Fokus: Hier entsteht Wissen nicht nur in klassischen Publikationen, sondern auch in Datenmodellen, Code-Zeilen oder Visualisierungen. Theorie und Theoriebildung hängen zunehmend von technischen Bedingungen ab, wodurch ihre impliziten Annahmen und Voraussetzungen nicht immer sichtbar werden. Zugleich wurde betont, dass Theoriearbeit in den DH drei zentrale Dimensionen umfasst: die methodologische (Wie operationalisieren wir Begriffe wie ‚Genre‘ oder ‚Autor*innenschaft‘?), die epistemologische (Welche Erkenntnisbedingungen liegen unseren Datenmodellen zugrunde?) und die technische (Wie prägen Infrastrukturen wie APIs oder Datenbanken unser Verständnis von Forschungsobjekten?). Theorie muss in diesem Zusammenhang nicht als Hindernis, sondern kann als Produktivitäts- und Transparenzwerkzeug verstanden werden – gerade dann, wenn sie explizit gemacht wird.

Praktiken des Theoretisierens in den Teilfeldern

Für die Computational Literary Studies (CLS) lag der epistemologische Schwerpunkt des Panels auf der Frage, wie Modellierungsprozesse theoretische Annahmen sichtbar machen (können). So wurden Text- und (Meta-)Datenmodelle wie Genre-Taxonomien oder Autorschaftskonzepte nicht als neutrale Perspektiven auf literaturgeschichtliche Kategorien wahrgenommen, sondern vielmehr hinsichtlich ihres Status zwischen (häufig normativen) theoretischen Konstrukten und empirischen Befunden diskutiert. Die digitale Hermeneutik (Möbus et al. 2025) etwa versuche, (latente) Vorannahmen in Daten und Datensätzen zu entschlüsseln und auf diese Weise den Mythos der ‚rohen Daten‘ (Gitelman 2013) zu entkräften. Ein Extrembeispiel für theoretische Reflexion stellt das WEMI-Modell (Work-Expression-Manifestation-Item) dar, das durch seine relationale Struktur zeigt, wie stark unser Verständnis von ‚Text‘ von theoretischen Vorannahmen geprägt ist. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle der Formalisierung: Dabei wurde kritisch gefragt, warum bestimmte Literaturtheorien (wie Strukturalismus und Formalismus) formalisierbarer seien als andere und ob der Fokus in den CLS nicht stärker auf der Prozesshaftigkeit von Theoriebildung liegen sollte.

Im Hinblick auf die Digital History zeigte sich, dass das Digitale nicht einfach nur neue Methoden, sondern einen reflexiven turn (König 2021) auslöste. Traditionelle Praktiken wie Quellenkritik oder narrative Darstellungen erhalten durch digitale Werkzeuge eine neue Dimension: Erstere muss etwa Unsicherheiten in Datenmodellen reflektieren, während Visualisierungen wie Netzwerkanalysen zu ‚produktiven Irritationen‘ führen, die etablierte Erzählungen herausfordern. Ein Schlüsselmoment ist die Erkenntnis, dass Digital History nicht ‚Geschichte in Bits‘ ist, sondern eine Auseinandersetzung mit den Bedingungen, unter denen historisches Wissen heute entsteht. Besonders kontrovers diskutiert wurde, ob der Übergang von analogen zu digitalen Medien lediglich ein Medientransfer oder eine tiefgreifende Transformation darstelle.

Für die Digitale Editorik wurde besonders deutlich, wie technische Entwicklungen theoretische Fragen erst ermöglichen. Digitale Editionen entstanden etwa durch die Verschmelzung heterogener Bausteine, deren Zweck nicht primär die Erstellung digitaler Editionen war: von der Mikroelektronik (integrierter Schaltkreis, 1958) über Codierungsstandards auf der Grundlage von SGML (ab etwa 1987) bis hin zu webbasierten Präsentationsformen (HTTP, 1991) und vermutlich Transformermodellen (2017). Jede dieser Technologien brachte implizite Modell-Entscheidungen mit sich – etwa die Frage, wo die Grenze zwischen ‚Text‘ und ‚Apparat‘ verläuft oder wie Faksimiles die Entstehungsgeschichte eines Dokuments sichtbar machen. Eine zentrale These war, dass digitale Editionen nicht länger nur als ‚Ergebnisse‘, sondern als dynamische Forschungsumgebungen verstanden werden können, in denen Theorie und Praxis untrennbar miteinander verbunden sind.

Diskursive Synthesen

Über alle beteiligten Felder hinweg zeigte sich in der Diskussion, dass ‚Theorie‘ in den DH oft implizit in Infrastrukturen, Datenmodellen/Schemata oder Code/Algorithmen u. v. m. eingebettet ist, wodurch sie erst in Test- und Grenzsituationen sichtbar wird. So entstehen theoretische Reflexionen etwa dann, wenn Historiker*innen mit Informatiker*innen über Datenmodelle diskutieren oder wenn Literaturwissenschaftler*innen feststellen, dass ihre Operationalisierungen rechnerisch nicht nutz- oder ausführbar sind. 

Ein weiterer Schwerpunkt war die Pluralität theoretischer Ansätze in Verbindung mit der Frage nach Formalisierbarkeit: Trotz (Quasi-)Standards wie den Richtlinien der TEI zeigt sich, dass fast jedes Projekt eigene Modellanpassungen vornimmt und dadurch die Standardisierungsidee aufspreizt. Einig waren sich die Panelist*innen vor allem darin, dass Kollaboration, gerade in interdisziplinären Teams, einen Raum für theoretische Reflexion schaffe, der in traditionellen Einzeldisziplinen oft fehle – was auch einem gewissen Zwang geschuldet sein könnte, in der Sache zusammenzukommen (Stichwort ‚Interoperabilität‘).

Besonders hervorgehoben wurde auch die Rolle von Visualisierungen: Tabellen, Netzwerke oder interaktive Karten machen nicht nur Daten sichtbar, sondern auch die Modell-Entscheidungen, die hinter ihnen stecken. So wird etwa durch die Darstellung von Textvarianten in digitalen Editionen deutlich, wie stark unser Verständnis von ‚Varianten‘ von technischen Repräsentationsmöglichkeiten abhängt. Gleichzeitig sei angemerkt, dass Visualisierungen auch mit Verdeckungseffekten einhergehen.

Ausblick: Theorie als Aufgabe der Community

Die Diskussion mündete in den Appell, Theoriearbeit in den DH systematischer zu verankern. Dazu gehören konkrete Schritte wie die noch stärkere Einbindung theoretischer Reflexionen in Projektbeschreibungen, die Förderung von Methodenpluralismus in Drittmittelanträgen oder die Entwicklung von Schulungsformaten, die Historiker*innen und Literaturwissenschaftler*innen in theorie- und datengetriebene Denkweisen einführen. Ein vielversprechender Ansatz ist die Idee, kritische Datenpraxis als Standard zu etablieren, also die kontinuierliche Reflexion darüber, wie Algorithmen, Interfaces und Infrastrukturen unser Wissen formen und dabei selbst Ausdruck unseres Wissens sind.

Wenn Theorie als integraler Bestandteil von Forschungspraxen verstanden wird, können die DH eine noch tragfähigere Brücke zwischen geisteswissenschaftlicher ‚Tiefe‘ und technischer Innovation schlagen. Der Schlüssel liegt darin, die unsichtbare Arbeit des Theoretisierens – im Labor, im Code, in den Datenmodellen – bewusster zu machen. Denn erst dann wird klar: Theorie ist nicht das Gegenteil von Praxis, sondern ihre treibende Kraft (wie auch Praxis die treibende Kraft von Theorie ist).

Die AG Digital Humanities Theorie bedankt sich beim Organisationsteam der DHd-Konferenz sowie bei allen Diskutant*innen im Plenum für Fragen, Anregungen und Kommentare. Die AG wird das Thema weiter bearbeiten und lädt daher alle Interessierten, vor allem auch aus weiteren Bereichen der DH, um die Debatte über CLS, Digitale Editorik und Digital History hinaus zu erweitern, zur Mitarbeit ein. Schreiben Sie dazu sehr gerne eine Mail an die Convenor der AG Jonathan D. Geiger (jonathan.geiger@adwmainz.de), Rabea Kleymann (rabea.kleymann@phil.tu-chemnitz.de) und Alexa Lucke (Alexa.Lucke@uni-siegen.de).

Referenzen

Gitelman, Lisa (Hrsg.) (2013). „Raw Data“ is an Oxymoron. Cambridge, MA: The MIT Press. DOI: https://doi.org/10.7551/mitpress/9302.001.0001.

König, Mareike (2021). „Die digitale Transformation als reflexiver turn: Einführende Literatur zur digitalen Geschichte im Überblick“. Neue Politische Literatur 66, Nr. 1: 37–60. DOI: https://doi.org/10.1007/s42520-020-00322-2.

Möbus, Dennis et al. (Hrsg.) (2025). Digital Hermeneutics II: Sources, Analysis, Interpretation, Annotation, and Curation. (Special Issue, Lecture Notes in Computer Science, LNCS, vol. 14566), Heidelberg u.a.: Springer. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-032-08697-6.

Received before yesterday

Kontext und Klarheit: Fachspezifische Metadaten für offene Bildungsressourcen (OER) zu Data Literacy

2026年5月11日 21:38

Autor:innen:


Für Originalbeitrag, siehe https://hdl.hypotheses.org/5097

Abb. 1: Gruppenarbeitsphase: Beschreibung disziplinspezifischer OER (Quelle: NFDI4Memory)

Digitale Werkzeuge und die Arbeit mit Forschungsdaten verändern den wissenschaftlichen Alltag – und erfordern die Entwicklung neuer Kompetenzen. Eine besondere Stellung nehmen dabei Data Literacy (Schüller, Busch und Hindinger, 2019) und Forschungsdatenmanagement (FDM) ein, die über OER (Open Educational Resources) vermittelt werden können (Deimann et al., 2015). Doch OER zu FDM sind bisher über verschiedene Plattformen verstreut und damit schwer auffindbar. Plattformen wie DALIA (Ortmeyer et al., 2024) oder Sammlungen wie NFDI4Memory HISTOCAT und HERMES Resourcebase versuchen, hier Abhilfe durch Registraturen und kuratierte Sammlungen zu schaffen. Ein zentraler Schlüssel für die Auffindbarkeit und Nachnutzbarkeit der OER sind dabei allerdings gute Metadaten – doch bestehende Schemata (z. B. das Schema des Datenkompetenzzentrums HERMES (Urbaum et al., 2026) oder das DALIA Interchange Format (Geiger et al., 2026)) unterscheiden sich hinsichtlich fachspezifischer Angaben wie Disziplinen oder Methoden. Hier fehlen in vielen Fällen standardisierte Vokabulare zu einer Beschreibung von OER, um Such-Find-Prozesse effizienter werden zu lassen.

Vor diesem thematischen Hintergrund organisierten die Projekte HERMES, NFDI4Memory, DALIA und NFDI4Culture auf der 12. Jahrestagung des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V. (DHd2026), die vom 23. bis 27. Februar 2026 an der Universität Wien stattfand, einen Workshop. Die Konferenz in Wien stand unter dem Motto „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ und erweiterte damit ihren Fokus von den traditionellen text-basierten Analysen zu einer umfassenden, objekt-übergreifenden Perspektive. Neben Textkorpora standen nun auch Personen, Orte, materielle Kultur, Bild- und Klangobjekte, Klimadaten, genetische sowie neurophysiologische Messungen im Fokus.

Abb. 2: Organisationsteam Workshop Kontext und Klarheit (Quelle: Jonathan D. Geiger)

Insbesondere das technische Interesse der Konferenz-Teilnehmenden und die Breite des geisteswissenschaftlichen Disziplinen-Panoramas machten die DHd zu einer geeigneten Konferenz für den Workshop “Kontext und Klarheit: Fachspezifische Metadaten für offene Bildungsressourcen (OER) zu Data Literacy”. Unser Ziel war es, Metadatenschemata und disziplinspezifische Metadaten von OER unter die Lupe zu nehmen und so eine Grundlage für die Verbesserung der Schemata zu entwickeln. Der halbtägige Workshop konzentrierte sich daher auf die Untersuchung und Strukturierung von OER-Metadaten – insbesondere den Einsatz fachspezifischer, kontrollierter Vokabulare, Picklists und Metadatenschemata für geisteswissenschaftliche Lehr- und Lernmaterialien. Nach einer kurzen Vorstellung der Referent*innen und ihrer Projekte folgte ein Ice-Breaker, der die Unschärfe von Klassifikationen thematisierte. Die daran anschließende kompakte Einführung vermittelte einen Überblick über unseren Untersuchungsbereich wie OER-Metadatenstandards, Metadatenschemata, Vokabularien und deren disziplinäre Herausforderungen und Potenziale. In der Gruppenphase wurde die Think-Pair-Share-Methode nach Bönsch (2002) eingesetzt. Im Hauptteil durchliefen die Teilnehmenden in Kleingruppen einen klassischen Erschließungsprozess. Anhand ausgewählter OER aus verschiedenen geisteswissenschaftlichen Disziplinen untersuchten die Teilnehmenden, inwiefern die beiden OER-Metadatenschemata von HERMES und DALIA für die Ressourcen geeignet waren und inwiefern disziplinen-spezifische Angaben zu den Werten der einzelnen Attributen gemacht werden können. Das Moderationsteam unterstützte dabei. Abschließend wurden die Ergebnisse im Plenum präsentiert, Bedarfe diskutiert und nächste Schritte für die Weiterentwicklung von Picklists skizziert. Eine Reflexionsrunde fasste zentrale Erkenntnisse zusammen und eröffnete Anknüpfungspunkte.

Abb. 3: Beschreibung von OER anhand ausgewählter Metadatenschemata (Quelle: NFDI4Memory)

Unter den Eindrücken der Kleingruppen gab es interessante Überschneidungen: Demnach waren Autor*innen- und Lizenzinformationen der Ressourcen häufig unklar oder fehlten ganz; Zielgruppen und Kompetenzstufen wurden uneinheitlich beschrieben oder nicht klar voneinander abgegrenzt. Beide Metadatenschemata wiesen Redundanzen bzw. zu viele Pflichtfelder auf, und Metadatenfelder wie Titel, Untertitel oder Versionsangaben konnten nicht konsistent angegeben werden. Die Teilnehmenden merkten zudem an, dass die  Anpassbarkeit an fachspezifische Begriffe derzeit noch begrenzt ist.

Aus diesen  Überschneidungen  ergaben sich gemeinsame Empfehlungen: Vorgeschlagen wurde ein modularer Kern-/Erweiterungs-Ansatz, bei dem grundlegende Metadaten obligatorisch und fachspezifische Felder optional über kontrollierte Vokabulare (Picklists) ergänzt werden können. Darüber hinaus wurde angeregt,  Lizenz- und Autor*innen-Angaben für OER klar auszuweisen; die  Disziplinen-Taxonomie um digitale Geisteswissenschaften bzw. Digital Humanities zu erweitern sowie Metametadaten (Version, Datum, Provenienz, Autor*innen etc.) systematisch zu integrieren. Für komplexere Fälle wurde außerdem die Möglichkeit freier Ergänzungen als sinnvoll erachtet. Einheitliche Definitionen für OER, klare Rollenbezeichnungen und ein abgestuftes Kompetenzmodell wurden ebenfalls als  wünschenswert erachtet. In der Gruppendiskussion wurde insbesondere die Bedeutung  von Metametadaten für Versionierung und Nachvollziehbarkeit von Entwicklungen betont.

Die Organisator*innen danken allen Teilnehmenden herzlich für die rege und produktive Teilnahme und der DHd für die Ausrichtung der Konferenz in Wien. Auch uns hat der Workshop viele Impulse erbracht, die in die weitere Entwicklung der Arbeit an den Metadaten und Plattformen einfließen werden. Die inhaltliche Arbeit an OER und -Metadaten soll im Rahmen einer DHd-Arbeitsgruppe Data Literacy weitergeführt werden – Interessierte sind sehr herzlich zur Mitarbeit eingeladen und können sich in die Mailingliste eintragen und/oder unserem RocketChat-Channel (OER.Net) beitreten.

Referenzen

Bönsch, Manfred. 2002. Unterrichtsmethoden – kreativ und vielfältig. Schneider-Verlag Hohengehren.

Deimann, Markus, Jan Neumann und Jöran Muuß-Merholz. 2015. Whitepaper Open Educational Resources (OER) an Hochschulen in Deutschland – Bestandsaufnahme und Potenziale 2015. Transferstelle für OER. Hamburg. https://open-educational-resources.de/wp-content/uploads/Whitepaper-OER-Hochschule-2015.pdf (zugegriffen: 26.03.2026).

Geiger, Jonathan, Petra Steiner, Abdelmoneim Amer Desouki, Henrika Maria Hüppe und Frank Lange. 2026. DALIA Interchange Format (1.4). DOI: 10.5281/zenodo.17871138

Ortmeyer, Jochen, Jan-Michael Haugwitz, Petra Steiner, Thomas Stäcker, Torsten Schrade, Ulrich Sax, Gábor Kismihók, Matthias Müller, Peter F. Pelz und Sonja Herres-Pawlis. 2024. A Platform for the Provision of Teaching and Training Contents in Data Literacy: DALIA4NFDI. BASE4NFDI User Conference. Berlin, 20-21 November 2024. DOI: 10.5281/zenodo.14183168

Schüller, Katharina, Paulina Busch und Carina Hindinger. 2019. Future Skills: Ein Framework für Data Literacy. Hochschulforum Digitalisierung, 47. DOI: 10.5281/zenodo.3349865

Urbaum, Dorothee und Grigori Chlesberg. 2026. Metadatenschema und Picklisten für Open Educational Resources des Datenkompetenzzentrums HERMES – Humanities Education in Research, Data, and Methods (v1-1). DOI: 10.5281/zenodo.18679758

Urbaum, Dorothee, Laura Döring, Grigori Chlesberg, Jonathan D. Geiger und Petra Steiner. 2026. Kontext und Klarheit: Fachspezifische Metadaten für offene Bildungsressourcen (OER) zu Data Literacy. In: Silke Schwandt, Gabriel Viehhauser, Tara Andrews und Thomas Wallnig (Hg). 2026. Book of Abstracts – DHd 2026: Nicht nur Text, nicht nur Daten. 12. Jahrestagung des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V. DHd2026, Universität Wien, 23.–27. Februar 2026. Wien. DOI: 10.5281/zenodo.18702757

Forschungsdaten im Zentrum: Ewig währt am längsten

2026年4月15日 21:38

Ein partizipativer Workshop der Initiative „Datenzentrum – wissenschaftliche Konzeption und Ausgestaltung“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW)

Berlin, 25. und 26. Juni 2026; Akademiegebäude am Gendarmenmarkt; Einstein-Saal


Der Wert geisteswissenschaftlicher Forschungsdaten für Wissenschaft und Gesellschaft ist nicht zuletzt durch den laufenden Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) offensichtlich geworden. Zentrale Fragen nach dem dauerhaften Betrieb vertrauenswürdiger Datenrepositorien und der langfristigen Verfügbarkeit der aggregierten Inhalte sind jedoch weiterhin offen.

Vor diesem Hintergrund lädt die Initiative „Datenzentrum – wissenschaftliche Konzeption und Ausgestaltung“ der BBAW zu einem zweitägigen Lunch-to-Lunch-Workshop ein. Diese 2025 eingerichtete Initiative erarbeitet ein Konzept für die organisatorischen und technischen Grundlagen für ein leistungsfähiges, zertifiziertes Repositorium und dessen infrastrukturelle Einbindung innerhalb der BBAW. Darauf aufbauend wird die Akademie ab 2028 ein eigenes Datenzentrum betreiben. Dessen Hauptaufgaben werden die Aggregation, Verfügbarhaltung und Archivierung von Forschungsdaten, Software und Diensten aus den Vorhaben und Projekten der Akademie sein. Darüber hinaus ist eine Öffnung des Repositoriums für externe Datengeber:innen vorgesehen.

Im Workshop werden anhand von Impulsvorträgen die unterschiedlichen Perspektiven aus Sicht von Forschung, Bibliothek, Archiv und IT reflektiert. Anschließend bieten verschiedene Thementische die Möglichkeit zu einer intensiven Auseinandersetzung mit spezifischen Fragen, von der technischen Einrichtung nachhaltiger Infrastrukturen zwischen quelloffenen und kommerziellen Lösungen bis hin zum Einsatz sog. Künstlicher Intelligenz samt deren ethischen Herausforderungen.


Um Anmeldung wird gebeten unter: www.bbaw.de/veranstaltungen/veranstaltung-workshop-datenzentrum-2026

Nähere Informationen zum Programm: https://datenzentrum.bbaw.de/veranstaltungen/workshop-2026. Die Seite befindet sich im Aufbau und wird fortlaufend aktualisiert.

From Manuscripts to AI: Reflections on DHd 2026

2026年4月15日 00:27

Overall, DHd 2026 was a truly memorable experience for me. What stood out was not only the diversity of research topics and approaches, but also the opportunity to engage with such talented and dedicated researchers. Being able to exchange ideas, receive feedback, and gain inspiration from other projects was both motivating and rewarding, and offered perspectives that I would not have encountered within my own academic environment. It also encouraged me to think more critically about how my own work fits into the broader field of digital humanities, and how it might contribute to ongoing discussions on combining computational methods with traditional manuscript studies.

I would like to sincerely thank the organizers for planning such a well-structured and inspiring conference. I am also very grateful for the travel grant, without which my participation would not have been possible.

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Nicht nur Text, nicht nur Daten…Sondern?

2026年3月31日 23:42

Dieser Blogbeitrag zur DHd2026 in Wien entstand im Rahmen des DHd Early Career Reisestipendiums, gefördert durch NFDI 4 Culture. Neben der statischen Fassung hier im Blog ist über den Button auch eine scrollbare Version über GitHub verfügbar.






Unter dem Motto „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ präsentierte sich die DHd 2026 in Wien als Einladung, die Vielfalt in der DH sichtbar zu machen. Als Erstbesucher, gefördert durch ein Early Career Reisestipendium von NFDI 4 Culture, konnte auch ich davon einen kleinen Ausschnitt erleben. Auch aus diesem begrenzten Blick sind dabei doch ein paar Themen geblieben, die sich in den von mir besuchten Sessions immer wieder verdichteten. Ausgehend davon stellt sich mein Bericht daher die im Motto implizit angelegte Frage nochmal ganz ausdrücklich:

Nicht nur Text, nicht nur Daten…SONDERN?


KI

Das Thema KI darf natürlich an keiner guten Konferenz fehlen – besonders nicht in den Digital Humanities. Auch an der diesjährigen DHd war das Thema daher wieder in vielen Beiträgen präsent. Dabei galt der Blick auf das Thema weniger dem Versprechen einer vollständigen Automatisierung bestimmter Schritte, sondern mehr als Werkzeug, um Zugänge zu schaffen. Zahlreiche Ansätze setzen auf geteilte Arbeit von Mensch und Maschine. Schlagwörter wie der Human-in-the-Loop markierten den Anspruch, selbst aktiv zu werden und gewonnene Ergebnisse nicht unreflektiert zu benutzen. Die Möglichkeit, durch die KI Zugänge zu schaffen wurde sowohl für DHler*innen, aber auch für potenzielle Nutzer*innen von DH-Produkten wie digitale Editionen erkannt. KI als archäologisches Werkzeug für ein Reverse Engineering vorhandener, nur schwer verständlicher Code- oder Datenstrukturen, aber auch durch die Verwendung eines Model Context Protocol als Zugriffspunkt für Nutzer*innen, die so im Dialog mit dem Sprachmodell die Daten durchsuchen können. Die Nutzung von KI als Aussicht auf neue Formen der Interaktion mit dem Material und als Mittel, um bestehende Barrieren zu senken.

Lessons Learned eines der ältesten DH-Projekte der Welt: Paradigmenwechsel von RDF-Strukturen zu AI-gestützter Erschließung in der MHDBDB

Zeppezauer-Wachauer, Katharina / Hintersteiner, Julia / van Beek, Alan / Steiner, Christian
Zum Beitrag auf Zenodo

Agenten im Dienst der Edition: Dialogische Zugänge zu digitalen Editionen mittels Model Context Protocol (MCP) basierten KI-Agenten

Westphal, Tim
Zum Beitrag auf Zenodo


Nachhaltigkeit

Auch das Thema Nachhaltigkeit hatte als Dauerbrenner der DH seinen festen Platz auf der diesjährigen DHd – nicht etwa deshalb, weil es so oft behandelt wird, sondern weil das Thema weiter brandaktuell bleibt. Zwischen technischem Anspruch, der Realität oft stark begrenzter Ressourcen und der Frage nach langfristiger Nutzung zeigt sich so eines der zentralen Spannungsfelder der Digital Humanities.

In den von mir besuchten Beiträgen wurde deutlich, dass digitale Editionen und Projekte nur dann langfristig erhalten werden können, wenn Nachhaltigkeit bereits früh in Planung und Konzeption mitgedacht wird. Projekte sollten ihre Komplexität am tatsächlichen Bedarf ausrichten und vorhandene Ressourcen berücksichtigen. Gleichzeitig können technische Strategien wie Reduktion (Minimalcomputing), die Nutzung wiederverwendbarer Module oder robuste Architekturen dazu beitragen, dass Projekte über längere Zeiträume nutzbar bleiben. Gerade Interfaces stehen hier im Fokus, da sie bei digitalen Editionen oft am zerbrechlichsten sind. Positiv aufgefallen war mir zumindest noch, dass in einem Beitrag auch die Barrierefreiheit über ARIA-Labeling berücksichtigt wurde – ein Ansatz, der gleichzeitig die Robustheit der Strukturen stärkt.

Der rosa Elefant im Raum oder: Wie viel Ewigkeit wollen wir uns leisten? Überlegungen zur langfristigen Verfügbarkeit digitaler Editionen

Esch, Claudia / Roeder, Torsten / Reul, Christian
Zum Beitrag auf Zenodo

QUEDEE: Quest for Unrelenting Experimentation of Durable Electronic Editions

van Zundert, Joris
Zum Beitrag auf Zenodo

Generische Editionen – Bottom up? Ein static-site-basiertes Template für die synoptische Darstellung der Textversionen von Wernhers driu liet von der maget – und anderer Texte.

Haak, Carl Friedrich / Viehhauser, Gabriel / Miklautsch, Lydia / Müller, Stephan / Andorfer, Peter
Zum Beitrag auf Zenodo

Nachhaltiger Betrieb generischer Forschungsdatenwerkzeuge: Erfahrungen aus 10 Jahren Spacialist

Derntl, Michael / Brendel, Heiko / Opel, Severin / Quénéherve, Geraldine / Offermann, Martin / Rosenkranz, Vinzenz
Zum Beitrag auf Zenodo


Perspektiven

Der Blick auf die eigene Arbeit und die erarbeiteten Ergebnisse wurde an der DHd in Wien aus verschiedenen Perspektiven. Verschiedene Beiträge wollten dafür sensibilisieren auch solche zuzulassen, die vielleicht weniger prominent sind – oder andere Aspekte betonen. Dabei lässt sich aus Bereichen wie der Gender-Forschung, Diversität, Multilingualität, Barrierefreiheit oder der Theorie viel Potential für eine inklusive und reflektierte Forschungspraxis gewinnen. Neue Perspektiven können in Daten neue Kontexte sichtbar machen. Methoden wie Data Crafting oder Entagled Data zeigen, dass Daten nicht nur produziert und gesammelt werden sollten, sondern stellen die Reflexion über verschiedene Kontexte von Daten in den Mittelpunkt. Perspektive in der DH heißt demnach, die eigenen Rahmenbedingungen mit-, um-, oder manchmal auch neuzudenken. Beginnen tut das oftmals aber erst bei der nötigen Sensibilisierung für diese.

The Dark Sides of DH revisited: From Utopia to Reality

Arnold, Matthias / Horváth, Alíz / Lang, Sarah / Müller-Laackman, Jonas / Roeder, Torsten
Zum Beitrag auf Zenodo

Nicht nur Text, nicht nur Daten … aber was dann? – ‚Theoretisieren‘ durch Praktiken in der digitalen Editorik, der Digital History und den Computational Literary Studies

Lucke, Alexa / Eggert, Lisa / Geiger, Jonathan D. / Gengnagel, Tessa / Hainke, Jessica / Hegel, Philipp / Schwandt, Silke / Untner, Laura / Wachter Christian
Zum Beitrag auf Zenodo

Translations and the gender gap in the German National Library: A case study for women writers

Teichmann, Lisa
Zum Beitrag auf Zenodo

Data As _______: Exploring the Plurality of Data in Visualization

Meyer, Miriah
Zum Text auf der DHd-Website

Digital Humanities Unpacked: The Politics and Practices of Data Work

Kinder-Kurlanda, Katharina
Zum Text auf der DHd-Website


Bilder

Die Beschäftigung mit Bildern in der DH wirkt – für mich zumindest – oft noch wie der Sonderfall. Wenn sich doch die meisten mit Texten beschäftigen, wirken Bilder mehr wie dekorativer Zusatz. Dass sich das vielleicht aktuell zu ändern scheint zeigten einige Beiträge an der DHd. Insbesondere aus der Digital Art History rückten mehrere Vorträge die Analyse, Erschließung und Auswertung von Bildmaterial in den Blick. Ob es um die optimale Mischung von Bildern aus Herbarien und Drucken als Trainingsdaten für KI, die Entwicklung von Klassifizierungssystemen für Bildbeschreibungen oder die Erkennung historischer Szenen geht – Bilder traten hier als eigenständige Forschungsobjekte auf, die neue Perspektiven ermöglichen. Die Ausführungen zeigten das ihnen innewohnende Potenzial, das weit über bloße Illustration hinausgeht.

Deep Seeing the Sacred: Zur KI-gestützten Analyse historischer Bilderzählungen

Bell, Peter / Verstegen, Ute
Zum Beitrag auf Zenodo

Die Erkennung von Pflanzen in Herbarien und Drucken: Kollektionsaufbau und Klassifikationsexperimente mit Bildanalyse-Systemen

Lindemaier, Lisa / Diem, Sebastian / Feuerstein-Herz, Petra / Draheim, Christina / Strötgen, Robert / Mandl, Thomas
Zum Beitrag auf Zenodo

From Miniature to Metadata: Transferring AI-Assisted Iconography to Medieval Manuscripts

Hintersteiner, Julia / Thomas, Drew B.
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Mit Blick zurück sind mir doch einige Themen von der DHd 2026 in Wien ganz gut in Erinnerung geblieben. Insgesamt aber bleibt der Überblick aber weiter nur ein Ausschnitt. Auf jeden Fall zeigte sich für mich an der DHd die Vielfalt, die in den Digital Humanities steckt. Vielleicht lässt sich ja an das ein oder andere noch anknüpfen…

Abstract, Review, Postersession – (M)ein Weg zur DHd2026

2026年3月27日 22:46

Wie nimmt man als Nachwuchswissenschaftler, zumal noch als Student, an einer wissenschaftlichen Tagung teil? Allgemeingültig beantworten kann das wohl weder ich noch jemand anders. In diesem kurzen Beitrag will ich aber zumindest meinen Weg zur DHd2026 in Wien nachzeichnen. Ich hoffe damit aus Nachwuchsperspektive allen, für die eine Teilnahme an der Konferenz ebenfalls einen ersten Schritt in die Wissenschaftswelt bedeuten würde, eine Vorstellung zu geben, wie dieser Weg aussehen könnte.

Vom Vorhaben zum fertigen Abstract…

Die diesjährige Konferenz begann für mich am 22. Februar mit Ankunft in Wien. Der Weg dahin nahm seinen Anfang dagegen – wie sicher für viele Forscherinnen und Forscher aus den DH – bald ein Jahr zuvor. Denn: Nach der DHd ist vor der DHd.

Im letzten Jahr hatte ich das Glück, im heimischen Bielefeld als Teil des studentischen Organisationsteams indirekt schon an der letzten DHd-Konferenz teilnehmen zu können. Kein halbes Jahr zuvor hatte ich meine Bachelorarbeit in der Germanistik eingereicht. In dem Zusammenhang entstand bei mir bereits die Frage: Wäre meine Arbeit wohl auch was für die DHd…?

Bald darauf stellte ich meine BA im Kolloquium der Bielefelder Arbeitsgruppe CLS vor, mit anschließendem Gespräch über Publikationsmöglichkeiten. Veröffentlichen in einer Fachzeitschrift(?) – theoretisch möglich, aber vielleicht eine zu große Hürde, wo man nach der ersten Qualifikationsarbeit gerade zu laufen angefangen hat. Womöglich konzentriert man sich besser aufs Studium, immerhin stellt eine Veröffentlichung in jedem Fall einen Mehraufwand dar! Aber die Arbeit war gut, sagt man mir, und wenn man in die Wissenschaft will, gibt es hier Chancen, die sich auszuschöpfen lohnen.

Die alternative Idee: Veröffentlichen im Rahmen einer Konferenz – immerhin schwirrt die nächste DHd schon in den Köpfen rum und hier gäbe es niedrigschwelligere Einstiegsmöglichkeiten. Man könnte es versuchen, und bei Erfolg würde man diesmal als echter Teilnehmer mit eigenem Beitrag an der ersten Wissenschaftskonferenz teilnehmen. Etwa zur selben Zeit dürfte der Call for Papers eingegangen sein.

Ein Poster soll es werden. Mit Deadline für die Abstracts am 1. August ist im Juli Schreibarbeit angesagt. Eine 47-seitige Bachelorarbeit will auf 750 Wörter gestutzt werden und am Ende soll sogar noch so etwas wie eine Aussage rauskommen. Mit tatkräftiger Unterstützung von Prof. Dr. Berenike Herrmann und der ganzen AG ergeht eine x-malige Feedbackschleife – man unterschätze nicht, wie man – vor allem mit sich selbst – um jedes Wort kämpft, um das Abstract passend hinzubekommen. Am Ende bin ich zufrieden, der Beitrag ist im glücklicherweise gut funktionierenden Fidus Writer abgetippt und schließlich auf ConfTool hochgeladen. Dann heißt es auf das Open Peer-Review-Verfahren warten, um zu erfahren, ob man angenommen wurde oder nicht.

…über Reviewprozess und Posterdesign…

Und das dauert, naturgemäß. Über drei Monate, in denen das Leben natürlich weitergeht, aber man – weil es das erste Mal ist – trotzdem ungeduldig wartet. Schließlich wissen wir, ich und die weiteren drei(!) an AG-Projekten beteiligten Hilfskräfte mit Einreichungen, dass unsere Poster-Abstracts angenommen wurden! Die Freude ist groß.

Die ganze mitgereiste Bielefelder AG CLS im gr. Festsaal der Universität Wien

Sofort geht es aber weiter, denn für das Metagutachten und die Veröffentlichung im Book of Abstracts wollen die Beiträge binnen eines Monats überarbeitet werden. Außerdem muss man sich nun ernsthaft Gedanken machen, wie man eigentlich nach Wien kommt.

In den nächsten Wochen wird sich für Konferenz und Workshops registriert, es werden Absprachen getroffen und Reisen und Unterkünfte gebucht. Man beachte: Für all das muss man üblicherweise in Vorleistung gehen, und es kommt ein bisschen was zusammen. Aber es gibt Finanzierungsmöglichkeiten. Neben der Forschungskommission der eigenen Universität, ggf. sogar der betreffenden AG, schreiben die Beteiligten am Stipendienprogramm des DHd-Verbands großzügig eine ganze Reihe Reisekostenstipendien aus, für die man übrigens nicht zwingend einen Konferenzbeitrag mitbringen muss. Wer den ganzen Organisations- und Verwaltungsaufwand zum ersten Mal macht, berechne aber auch hier etwas Zeit und Nerven ein, die immer dazugehören.

Im neuen Jahr schließlich, nachdem die Überarbeitung für das Metagutachten eingereicht und die meisten Fragen geklärt sind (die letzten werden es noch auf den letzten Drücker, keine Sorge), muss nur noch das eigentliche Poster designt werden. Also nochmal reduzieren und fürs Auge aufbereiten, bei ConfTool hochladen und ab in den Druck. Dann endlich ist alles in trockenen Tüchern und ein paar Tage später ist man, eh man sich versieht, auf dem Weg zur Konferenz.

…bis schließlich zum Ziel

Und was erwartet einen da? Nun, vorausgesetzt das gewählte Verkehrsmittel bringt einen erst einmal planmäßig an sein Ziel, eine ganze Menge. Mit Wien in meinem Fall zunächst eine prächtige Kulturstadt im Herzen Europas, die ich trotz des vollen Konferenzprogramms etwas Zeit hatte, zu erkunden. Neben großen, auch im Frühjahr schönen Gärten und viel ansehnlichem habsburgischen Prunk gehörte dazu nicht zuletzt das Hauptgebäude der ältesten Universität im heutigen deutschsprachigen Raum, wo die Konferenz ihre Räumlichkeiten fand.

Auch das war drin: Schloss Schönbrunn mit der Stadt im Hintergrund, aufgenommen von der Gloriette-Anhöhe

In den Workshops gab es dort ungezwungenen Erfahrungsaustausch im Konferenz-Du und Raum zum Ausprobieren und Selbermachen. Das Kernprogramm, in dem ich durch meine Teilnahme die Möglichkeit hatte, eine ganze Reihe hochaktueller, interessanter Vorträge in breitgefächerten Konferenztracks zu hören, war gerahmt von zwei großen Keynotes im Audimax, die Anlass für anregende Gespräche boten. Dazwischen tischten die Veranstalter im kleinen und großen Festsaal zu Eröffnungsfeier und Kaffeepausen und nicht zuletzt zum großen Empfang im Ballsaal des Wiener Rathauses auf.

Der Mittelpunkt der Konferenz war für mich aber die große Poster-Vorstellung am Donnerstag. Nach vormittäglichem Poster-Slam, wo einige Mutigere die restlichen Teilnehmer kreativ und humorvoll schon auf ihre Poster heißgemacht hatten, warteten die zwei aufeinanderfolgenden Poster-Sessions mit insgesamt 98 Beiträgen.

Vorstellung meines Posters in der ersten Session

Es war eindrucksvoll, das eigene Poster dort endlich im A0-Format neben all den anderen hängen zu sehen, zumal im üppigen großen Festsaal der Universität Wien. Während der Poster-Session hatte ich die Möglichkeit, mit gestandenen Wissenschaftlern und anderen Studenten und frisch Promovierenden gleichermaßen ins Gespräch zu kommen, Zusammenhänge meiner Arbeit zu erklären und Rückfragen zu beantworten. Und in der zweiten Session konnte ich dann auch selbst herumgehen und mich mit anderen wiederum über ihre Poster austauschen. Bei all dem habe ich die Erfahrung machen dürfen, mich wirklich als Teil einer wissenschaftlichen Community zu fühlen.

In diesem Sinne kann ich allen, die wie ich noch weit am Anfang ihres akademischen Werdegangs stehen, nur empfehlen, bei Möglichkeit auch diese Erfahrungen zu machen. Ob mit eigenem Beitrag oder ohne, der Weg zur DHd kann für Nachwuchswissenschaftler ganz unterschiedlich aussehen – aber es lohnt sich in jedem Fall, ihn zu beschreiten.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Early Career-Reisestipendiums für die 13. Jahrestagung des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V. entstanden. Mein herzlicher Dank gebührt dem DHd-Verband als Stipendiengeber für die finanzielle Ermöglichung meiner Teilnahme.

Call for Proposals: Open-Access-Tage 2026

2026年3月20日 20:09
Die Open-Access-Tage 2026 laden dieses Jahr unter dem Motto Wandel mit Verantwortung gestalten herzlich nach Linz an die Johannes Kepler Universität ein.
 
 
CALL FOR PROPOSALS
 
Das wissenschaftliche Publikationswesen unterliegt einem kontinuierlichen Wandel, der das gesamte Publikationssystem sowie die beteiligten Organisationen und Akteur*innen fordert. Open Access ist ein zentraler Motor dieses Wandels, zugleich stellen uns die technologischen, geopolitischen und finanziellen Veränderungen immer wieder vor neue Herausforderungen und Fragen.
 
In den letzten Jahren geraten als stabil angenommene Rahmenbedingungen des wissenschaftlichen Publizierens zunehmend unter Druck. Die langfristige Verlässlichkeit von Infrastrukturen, der Zugang zu Wissen und die Verfügbarkeit von Services können nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Dadurch werden Fragen nach Verantwortung, Zuständigkeit und nachhaltiger Gestaltung des wissenschaftlichen Publikationswesens immer dringlicher.
 
Auf den Open-Access-Tagen 2026 in Linz soll angesichts dieser Entwicklungen die Übernahme und Verteilung von Verantwortung adressiert werden. Was bedeuten diese Veränderungen für Publikationsformate, Infrastrukturen, Konzepte von Autor*innenschaft, Geschäftsmodelle oder Kollaborationen? Wie beeinflusst dieser Wandel Publikationskulturen, Organisationen, Zuständigkeiten und Berufsprofile? Welche Antworten auf die vielfältigen Herausforderungen gibt es, um Open Access in geteilter Verantwortung weiter zu etablieren?
 
Wir freuen uns insbesondere über Beiträge zu folgenden Themen:
 
  • Publizieren im Wandel: Was macht eine Open-Access-Publikation aus? Im Fokus der Aufmerksamkeit stehen überwiegend Zeitschriftenartikel. Die Vielfalt der Publikationen (z. B. digitale Editionen, Datenpublikationen, Enhanced Publications) in den wissenschaftlichen Disziplinen geht jedoch deutlich darüber hinaus. Wie können wir die unterschiedlichen Publikationskulturen und die zum Teil neu entstehenden Publikationsformate unterstützen und gestalten?
  • Ethische und rechtliche Rahmenbedingungen: Wie können Vorgaben und Prinzipien so gestaltet werden, dass sie Open Access nachhaltig vorantreiben? Die juristischen Herausforderungen gehen über Fragen zu Urheberrecht und Lizenzen hinaus. Konkrete Fragestellungen umfassen auch Themen wie Publikationsverträge, Sicherung von Autor*innenrechten, Titelrechte von Zeitschriften sowie Governance-Modelle.
  • Offene Infrastrukturen: Offene, scholarly-owned Infrastrukturen unterstützen bereits heute das wissenschaftsgeleitete Publizieren. Wie können diese Systeme kollaborativ weiterentwickelt und betrieben werden, um Stabilität, Nachhaltigkeit und eine bedarfsorientierte Weiterentwicklung zu gewährleisten? Und wie sichern wir angesichts vielfältiger Herausforderungen langfristig den Zugang zu Forschungsergebnissen und Daten?
Das Programmkomitee der Open-Access-Tage 2026 lädt herzlich zu Einreichungen ein, die diesen Fragen nachgehen, die bestehenden Herausforderungen analysieren, Lösungsansätze vorstellen und neue Perspektiven eröffnen. Willkommen sind darüber hinaus wissenschaftliche Vorträge, Erfahrungsberichte und praxisnahe Workshops zu allen Aspekten von Open Access.
 
Um Austausch und Diskussion unter den Teilnehmenden zu ermöglichen, möchten wir dazu ermutigen, bei der Einreichung von Beiträgen interaktive Formate wie Workshops insbesondere in Betracht zu ziehen.
 
 
Über die Konferenz
Die Open-Access-Tage sind die zentrale jährliche Konferenz zum Thema Open Access im deutschsprachigen Raum. Sie richtet sich an alle, die sich intensiv mit den Möglichkeiten, Bedingungen und Perspektiven des wissenschaftlichen Publizierens befassen. Dazu gehören Wissenschaftler*innen sowie Mitarbeiter*innen von Bibliotheken und anderen Einrichtungen der Wissenschaftsinfrastruktur ebenso wie Mitglieder der Wissenschaftsadministration und Verlage.
 
Die Open-Access-Tage 2026 finden vom 28. bis 30. September 2026 statt.
Wir bitten alle Vortragenden, sich regulär zu registrieren und bei Anmeldung die Teilnahmegebühren zu entrichten.
Es können Beiträge für folgende Formate eingereicht werden: Vorträge, Workshops, Poster und Tool-Marktplatz.
Die Tagungssprache der Open-Access-Tage 2026 ist Deutsch. Beiträge in englischer Sprache sind ebenfalls willkommen.
 
 
Einreichung und Fristen
Alle Beiträge sind über das ConfTool mit Angabe aller Autor*innen inkl. Affiliationen einzureichen.
Fügen Sie kurze (max. 300 Wörter) biografische Angaben zu den beteiligten Personen hinzu.
Frist für Vorträge (Session) und Workshops: 19.04.2026
Frist für Poster und Tool-Marktplatz: 14.06.2026
 
 
Alle Infos finden Sie auch auf der Tagungswebsite.
 
 
Wir freuen uns auf Ihre Beiträge und Ihre aktive Teilnahme an den OAT 2026!
 
Mit freundlichen Grüßen
Open-Access-Tage 2026
Ortskomitee
Universitätsbibliothek

„Ceci n’est pas un texte.“* – Mein Rückblick auf die DHd 2026 in Wien

2026年3月20日 19:17

Fast 600 Menschen kamen zur DHd 2026 unter dem Motto „Not only text, not only data“ an einer der ältesten Universitäten des deutschsprachigen Raums zusammen – und damit zugleich in einer Stadt, in der Kaffeehäuser seit 2011 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählen. In fünf Tagen bot die Konferenz eine Mischung aus Workshops, Panels und Postern – einige davon sind mir besonders in Erinnerung geblieben und stehen in diesem Blog-Post noch einmal kurz im Mittelpunkt.

Workshops: Experimentieren, Annotieren, Automatisieren

Wie für die DHd üblich, fanden an den ersten beiden Tagen Workshops statt – insgesamt 18 an der Zahl. Am Montag entschied ich mich für den Workshop „Beyond the Cloud: Democratizing GPU Access for the Digital Humanities with DHInfra.at“, der von Forschenden der Universität Graz und der Universität für Weiterbildung Krems ausgerichtet wurde. Vorgestellt wurde mit DHInfra ein Forschungsinfrastrukturprojekt, das GPU-Ressourcen bereitstellt, um lokale Hardwaregrenzen und Abhängigkeiten von kommerziellen Cloudlösungen zu überbrücken.

Im Workshop erhielten die Teams Zugriff auf DHInfra und arbeiteten mithilfe von Jupyter Notebooks und Large Language Models an der Bereinigung eines historischen Datensatzes mit fehlerhafter OCR. Das Vorgehen war dreistufig angelegt: Zunächst ging es um reines Prompt Engineering, anschließend um das Feinjustieren der Modellparameter, und in einem dritten Schritt wurden synthetische Beispiele erzeugt, um die Genauigkeit weiter zu steigern. Ein gewisser Gamification-Aspekt durfte dabei nicht fehlen: Eine fortlaufend aktualisierte Bestenliste wurde an die Wand projiziert, auf der sich insbesondere Team Fish, Death to AI und Team 1234 ein enges Rennen lieferten.

Am Dienstag nahm ich am Workshop „Film- und Videoanalyse mit VIAN & TIB-AV-A – Grundlagen, Anwendungen und Schnittstellen“ teil. Dabei wurden mit VIAN und TIB-AV-A zwei Tools vorgestellt und praktisch angewendet, die unterschiedliche Möglichkeitsräume in der Arbeit mit Video als Daten eröffnen. Während VIAN als manuelles Annotationstool stärker an klassische filmwissenschaftliche Arbeitsweisen anknüpft und „Annotation als Schule des Sehens“ greifbar macht, eröffnen automatisierte Verfahren wie TIB-AV-A ganz andere analytische Potenziale.

Der zweite Teil des Workshops widmete sich genau diesen Verfahren: Die Teilnehmenden konnten unterschiedliche Methoden der automatisierten Filmanalyse selbst erproben. TIB-AV-A bietet dabei ein breites Spektrum an Funktionen – von Emotionserkennung über Farbanalyse bis hin zur Objektklassifikation. Insgesamt war der Workshop so aufgebaut, dass auch Einsteiger:innen den Weg von der manuellen Annotation hin zur automatisierten Analyse nachvollziehen konnten und ein Gefühl dafür entwickelten, wann ein minimalistisches Tool wie VIAN und wann ein eher umfassendes System wie TIB-AV-A sinnvoll eingesetzt werden kann.

Von Data Selfies, Data Jewellery zu Data Ghosts – Opening Keynote von Miriah Meyer

Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Keynote von Miriah Meyer. Sie ist Professorin am Fachbereich Wissenschaft und Technologie der Universität Linköping. Ihre Keynote trug den Titel Data As ___: Exploring the Plurality of Data in Visualization und bot einen Überblick über Konzepte, die Visualisierung und Daten zusammendenken.

Der Begriff „Data“ stand dabei als roter Faden im Vordergrund und wurde unterschiedlich gefasst: Data as Input, Data as Ground Truth, Data as Entangled und Data as Design Material. Sie machte zudem deutlich, dass Daten auch persönlich sind, und stellte eine Reihe von Projekten vor, an denen sie selbst beteiligt war – unter anderem mit Jugendlichen als Zielgruppe. Mit ihnen erprobte sie Methoden des Data Crafting bzw. der Data Physicalization, die von Data Selfies über Data Jewellery bis hin zu Data Ghosts reichten. Besonders spannend für mich war dabei, wie Miriah Meyer mit diesen Ansätzen das Prozesshafte von Daten hervorhob.

Dabei ging sie auch auf unerwartete Nebenprodukte ein: Auf einer physischen Karte sollten Besuchende mithilfe von Stickerpunkten emotionale Orte markieren. Dabei entstanden u. a., wie sie es bezeichnete, Data Graffiti – also Punkte, die sich (absichtlich) zu Wörtern oder Symbolen formten und auf die Miriah Meyer humorvoll verwies. Nach dieser spannenden Perspektive aus der Data-Vis-Community folgte die Eröffnungsfeier mit Schnittchen und Wein, die den Abend stimmungsvoll ausklingen ließ.

Zwischen Klang, Kritik und Virtualität: Der Konferenzmittwoch

Am Konferenzmittwoch begannen die Panels, die das Motto „Not only text, not only data“ auf unterschiedliche Weise einlösten. Den Auftakt meines Tages bildeten Beiträge aus der Digital Musicology, die ein breites methodisches Spektrum abdeckten. Besonders in Erinnerung blieb mir der Vortrag „Soundful Dickens – Sound in Literary Fiction“, in dem Svenja Guhr und Michaela Mahlberg zeigten, wie sich Klangereignisse in literarischen Texten computergestützt erfassen lassen. Ausgangspunkt war dabei die Idee, Klang systematisch zu modellieren, indem lauttragende sprachliche Einheiten identifiziert und hinsichtlich ihrer Intensität beschrieben werden, um so neue Perspektiven auf Dickens’ Romane zu eröffnen.

Gleichzeitig wurde in anderen Vorträgen deutlich, wie produktiv sich die digitale Musikwissenschaft mit Fragen der Datenmodellierung und -infrastruktur auseinandersetzt: So zielte ein Beitrag darauf ab, das XML-basierte MEI-Datenmodell in eine semantisch anschlussfähige RDF-Ontologie zu überführen, während ein anderer zeigte, wie sich mithilfe von Large Language Models quellenbezogene Daten aus der neuen Schubert-Ausgabe automatisiert extrahieren und weiterverarbeiten lassen.

Nach der Mittagspause verschob sich der Fokus hin zur Wissenschaftsgeschichte der DH. Florian Windhager eröffnete das Panel mit Überlegungen zur Rolle und insbesondere zur Verantwortung der Digital Humanities im Kontext einer „zweiten Säkularisierung“ (nach Simon During) und entwarf mit Komplizenschaft, Widerstand, Migration und Nachfolgearbeit vier mögliche Reaktionsweisen. Damit verband er die Frage nach den Digital Humanities mit einem breiteren Nachdenken über Kultur nach der Hochkultur, etwa im Kontext von Konzepten wie „Dopamine Culture“.

Auch die folgenden Beiträge knüpften an diese Perspektivverschiebung an: Anna Maria Neubert analysierte 714 Drittmittelprojekte (1996–2021) aus einer feministischen Perspektive und machte dabei strukturelle Unterschiede in Forschungsnetzwerken sichtbar. Sie schloss mit der Betonung der Notwendigkeit intersektionaler Perspektiven in den Digital Humanities. Das letzte Projekt widmete sich der Landschaft von 866 Wissenschaftsblogs in Deutschland und stellte Fragen nach Open Science und Open Access, etwa im Hinblick auf Standardisierungen wie DOI, ISSN oder Creative-Commons-Lizenzen.

Zum Abschluss des Tages wechselte ich in ein Panel unter dem thematischen Dach „Virtualität“, das sich zwischen Architektur, VR und Eye-Tracking bewegte. Den Auftakt bildeten Überlegungen zur Dokumentationspraxis in der Architekturforschung, vorgestellt anhand von IDOVIR (Infrastructure for Documentation of Virtual Reconstructions), einem Taxonomieprojekt, das sich der Integration vielfältiger Quellen – von physischen und digitalen 3D-Modellen über naturwissenschaftliche Analysen bis hin zu Oral History und Inschriften – widmet.

Vom Physischen ging es anschließend in den virtuellen Raum: Mit ExPresS XR wurde ein No-Code-Tool für die Entwicklung von XR-Ausstellungen vorgestellt, das einen niederschwelligen Zugang zur Gestaltung immersiver VR-Erlebnisse eröffnet. Der Fokus liegt dabei auf Anwendungen im musealen und wissenschaftlichen Kontext – von der Vermittlung über die Forschung bis hin zur kuratorischen Praxis.

Unter der Leitfrage „Was bestimmt die Zeit?“ zeigte der abschließende Vortrag anhand einer Eye-Tracking-Studie, dass sich Aufmerksamkeit im Museum entlang klarer Muster verteilt: Kunstwerke werden länger betrachtet als Texte, Größe und Gattung beeinflussen die Verweildauer signifikant, und Sehen und Lesen stehen in einem engen Zusammenhang.

Ein sehr gelungener Start, der noch einmal deutlich machte, welche Debatten in den Digital Humanities – fernab der Literatur, an ihren Rändern oder im Zusammenspiel mit GLAM – geführt werden.

Doctoral Consortium und Poster-Slam: Mein Konferenzdonnerstag

Meinen Donnerstag begann ich mit dem Doctoral Consortium: Die vorgestellten Projekte reichten von der computergestützten Modellierung literarischer Aufmerksamkeit am Beispiel von Sherlock-Holmes-Erzählungen (Jan Angermeier) über die digitale Kartierung von Akteur:innen der Stonewall-Bewegung und damit verbundene Fragen nach Sichtbarkeit und Gewichtung innerhalb queerer Geschichtsschreibung (Robin Luger) bis hin zur Analyse von 54 sowjetischen Theaterstücken der Jahre 1945 bis 1964, in der Ekaterina Kolevatora familiäre Modelle im Spannungsfeld von Spätstalinismus und Tauwetter-Periode untersuchte.

Ein Highlight des Tages war die Postersession, insbesondere der Poster-Slam, der mit viel Poesie, Star-Wars-Referenzen und sogar aus dem Grab auferstandenen Protagonist:innen überzeugte. Insgesamt wurden auf der DHd2026 fast 100 Poster präsentiert. Der Empfang und die Preisverleihung des Slams fanden am Abend im Rathaus statt und bildeten mit Buffet, Musik und anschließender Party einen gelungenen Abschluss des Tages – in einer besonders schönen Atmosphäre.

Zum Abschluss: Panels und Keynote am Freitag

Der Freitag begann für mich mit Präsentationen aus dem Bereich der Digital Art History, in denen unterschiedliche Zugänge zur computergestützten Bildanalyse zusammenkamen. Ein Vortrag widmete sich der Frage, wie sich Vision-Language-Modelle wie CLIP für kunsthistorische Analysen nutzen lassen und wie ihre Entscheidungen mithilfe von Explainable Artificial Intelligence nachvollziehbar werden können. Dabei zeigte sich, dass die Modelle bei konkreten Objekten überzeugend arbeiten, bei abstrakteren Konzepten jedoch an ihre Grenzen stoßen.

Diese Spannbreite zwischen methodischer Reflexion und praktischer Anwendung setzte sich in den folgenden Beiträgen fort: Mit PortApp wurde eine App zur Analyse und Durchsuchung frühneuzeitlicher Porträts vorgestellt, die sowohl Ähnlichkeitssuchen als auch die Suche mit eigenem Bildmaterial ermöglicht. Gleichzeitig zeigte das Tool „Suchkind“, wie sich multimodale Modelle mit domänenspezifischer Annotation kombinieren lassen, um visuelle Vorstellungen von Kindheit in historischen Kinder- und Jugendbüchern systematisch analysierbar zu machen.

Die Closing Keynote von Katharina Kinder-Kurlanda (Universität Klagenfurt) führte diese Perspektiven auf einer Metaebene zusammen. In ihrem Vortrag „Digital Humanities Unpacked: The Politics and Practices of Data Work“ machte sie deutlich, dass digitale Daten stets in komplexe Machtverhältnisse, Infrastrukturen und gesellschaftliche Kontexte eingebettet sind, und plädierte dafür, die Digital Humanities als kritische Disziplin zu verstehen, die nicht nur Methoden anwendet, sondern auch deren politische und epistemologische Implikationen reflektiert.

Dies bildete den Abschluss der sehr erfolgreichen #DHd2026 in Wien. Ich freue mich schon jetzt auf die DHd2027 in Marburg unter dem Titel „Mind the Gap! – Wissen, Unsicherheit und Verantwortung“ (1.–5. März 2027 am MCDCI).

Und möchte mich an dieser Stelle herzlich bei NFDI4Culture und dem DHd bedanken, die mir durch das Reisestipendium die Teilnahme an dieser inspirierenden Konferenzwoche in Wien ermöglicht haben. Neben zahlreichen inhaltlichen Impulsen, die genau an die Schnittstellen anknüpfen, an denen ich mich künftig verorten möchte, nehme ich vor allem die Begegnungen mit – eine wachsende Kontaktliste und einige neue WhatsApp-Gruppen, die die DH-Community einmal mehr als offen, lebendig und vernetzt zeigen.

*Der Titel bezieht sich übrigens auf einen Satz, den ein Konferenzteilnehmer auf seinem LED-Badge hatte – ein Goodie aus dem Konferenzbeutel, das selbst programmiert werden konnte und auf dem die vergnüglichsten Aussagen angezeigt wurden, u. a. selbstverständlich „I love DHd“.

Von Alica Müller 

Die Philosophie von Maß und Morphem – Fantastische Daten und wo sie zu finden sind

2026年3月18日 02:31

Ein Reisebericht der DHd 2026

Mit dem Bachelorzeugnis in der einen und der Zulassung zum Digital Humanities-Studium in der anderen Hand fühlte ich mich zu Beginn der DHd doch ein wenig wie Jacob Kowalski, als er das erste Mal mit der Welt der Zauberer und Hexen in Kontakt kam. Alles wirkte auf eigenartige Weise vertraut und doch – ja, wie sollte man es anders beschreiben – magisch.

Aus der englischen Linguistik kommend, trug ich einige Fragen mit in das erste Semester meines Masterstudiums. Eine davon drängte sich besonders in den Vordergrund: Wo stehen die Digital Humanities in einer Welt, in der doch Natur- und Geisteswissenschaften so klar und fein säuberlich getrennt scheinen? Es mag genau dieser Schein sein, der trügt. Gerade in der Sprachwissenschaft ist diese Linie noch mit Leichtigkeit wegzudenken. Doch wie könnte man überhaupt versuchen, das menschliche Verlangen nach Bedeutung von sich und der Welt, welches über Jahrhunderte in Bild und Schrift festgehalten wurde, mit reduktiven Ansätzen zu quantifizieren? Ein Algorithmus könnte doch unmöglich die irrationalen und subtilen Gefühls- und Denkweisen nachvollziehen, die uns Menschen so vertraut sind. Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich der Essay „Meursault as a Data Point“ von Abhinav Pratap. Seine philosophische Sichtweise stimmte mich in den Tagen vor Beginn der DHd-Jahreskonferenz neugierig und offen dafür, als „Neuling“ in diesem Bereich meine eigene Meinung zu formen. Das majestätische Gebäude der Universität Wien begrüßte mich mit der Eleganz der Neurenaissance an jenem Montagmorgen. Passend zu dem Leitmotto der diesjährigen Konferenz dachte ich mir: „In jedem Text findet man Daten; doch gilt dies auch andersherum?“

Die Konferenz wurde in meinem Fall von Mark Hall von der The Open University (UK) mit seinem Workshop Arbeiten mit der μEdition eröffnet. In seiner dazugehörigen DHd-Publikation stellte er sich unter anderem die Frage: „[…] [W]ie viel Edition braucht eine Edition, um eine Edition zu sein?“ (Hall, 2026). Wir durften in dem Workshop ein praxisfähiges Tool mit Community-Zugang ausprobieren. Ich sah dies als eine angenehme Gegenbewegung zur totalen Datenlogik. Die μEdition arbeitet mit Blick auf pragmatische Produktions- und Publikationspfade, unter anderem mit statischen HTML-Ausgaben und niederschwelligen Wegen, um Editionen für Forschende zugänglich zu machen und den „Publikationsflow“ zu vereinfachen (Hall, 2026). Was in seinem Projekt ebenfalls eine große Rolle spielt, ist, dass nicht alles sofort auf maximale Komplexität ausgelegt sein muss. Vielmehr sollen Einstiege erleichtert werden und damit auch das Wachstum der jeweiligen Edition. Nicht nur Text bedeutet hier also Publizieren: Es geht auch darum, Editionen für alle zugänglich zu machen und dabei mit kleinen Ressourcen arbeitsfähig zu bleiben.

Als Sprachwissenschaftlerin stolperte ich in meinem Bachelorstudium nur selten über literaturwissenschaftliche Annotation. Umso erfrischender war für mich der Workshop, an dem ich am zweiten Tag der DHd teilnehmen durfte. Graphbasierte Text- und Wissensmodellierung mit dem ATAG-Editor und Entity-Manager wurde geleitet von Maximilian Michel, Sebastian Enns, Vincent Neeb und Andreas Kuczera von der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz sowie der Technischen Hochschule Mittelhessen. Komplementär zur μEdition adressiert ATAG die Frage, wie man Text so speichert bzw. modelliert, dass das Datenmodell dem editorischen Denken näherkommt. In der ersten Theoriephase wurden alle Teilnehmenden in die browserbasierten Tools, den ATAG-Editor und den Entity-Manager, eingeführt. In der Praxisphase wurde jedem von uns ein Text ausgeteilt, mit dem wir unseren eigenen Regest, aufgeteilt in Summary, Archival History und Commentary, erstellen durften. Anschließend wurde uns freigestellt, die Tools zu testen und „wild drauf los“ zu annotieren (je nach Vorliebe). Zum Schluss wurde uns die Verknüpfung unserer Texte, Annotationen und Entitäten in einem Netzwerk auf Basis von Labeled Property Graphs visualisiert. Ich empfand dieses Tool als wunderbare Möglichkeit für webbasierte und vor allem kollaborative Annotation und es hat mir persönlich gezeigt, dass Text nicht bloß einer Kategorie angehört, sondern auch eine Praktik selbst ist.

 

„Dinge sind […] nicht nur einfach wahrzunehmende „Gegenüber“, sondern sie konstruieren die Umwelt des Menschen und bestimmen die Möglichkeit seines Handelns.“ (Peter Hahn, Materielle Kultur, 2014, S. 31)

 

Sind Zeichnungen, Bilder, Gemälde und Abbildungen auch Dinge im Sinne des obigen Zitats? Der Vortragsblock zu Digital Art History zeigte mit sehr interessanten Anwendungspraktiken den „Zustand“ der Digital Humanities in Bezug auf die Analyse von historischen Bilderzählungen und mittelalterlichen Manuskripten bis hin zur Erkennung von Pflanzen in Herbarien und Drucken. In den Vorträgen wurde unter anderem gezeigt, wie schwer es ist, Figuren (z. B. Maria oder den Engel Gabriel in Verkündigungsszenen) zuverlässig über Stile hinweg zu erkennen. Es wurde argumentiert, dass unter anderem Gesichtsdaten für eine erfolgreiche Analyse nicht ausreichen und es an Kontext im Sinne von zugehörigem Körper und Umgebung bedarf, um die Erkennung zu verbessern. Die Kernfrage lautet hier: Was zählt als Signal und was als Rauschen, wenn Kunstwerke zu Datensätzen werden?

Auch die Automatisierung des Klassifikationssystems ICONCLASS wurde behandelt. Dieses wurde seit den 1940er-Jahren für Bildinhalte entwickelt und wird heute in vielen kulturellen Sammlungen zur inhaltlichen Erschließung verwendet (Thomas, n. d.). Da die manuelle Vergabe solcher Klassifizierungscodes aufwändig ist, nutzen neue Automatisierungsansätze multimodale Modelle, Vektorsuche und Retrieval-Augmented Generation (RAG), um Iconclass-Klassifikationen aus Bildbeschreibungen abzuleiten, und berichten teils deutlich bessere Ergebnisse als reine Keyword-Methoden (Thomas, n. d.).

 

Mit diesen Ansätzen werden Bilder zu:

  • Daten (Computer Vision, Feature-Extraktion, Klassifikation)
  • Bedeutung (ikonographische Kategorien)
  • Interpretation (Ambiguität, Kontext, Fehlklassifikation)

 

Der damit erzeugte Modelloutput ist dabei nicht einfach Bedeutung, sondern eine konstruierte Leseart, die sehr produktiv sein kann, jedoch immer wieder neu interpretiert werden muss, um auf blinde Flecken aufmerksam zu werden.

Nach den wunderbaren Vorträgen habe ich am Donnerstag meine ganz persönliche Winkelgasse und damit auch mein Highlight der DHd gefunden: die Postersessions.

Umgeben zu sein von so vielen talentierten, motivierten Forschenden, die die verschiedensten Projekte vorstellen, ließ keinen Nischenwunsch offen. Ich hatte das Glück, drei Personen für ein kleines Interview zu gewinnen.

Anja Gerber von der Klassik Stiftung Weimar adressiert mit NFDI4Objects die Zusammenführung heterogener Daten zu materiellem Kulturerbe und nutzt dafür Anschluss an Modelle wie CIDOC CRM bzw. Crosswalk-Ontologien. Das von ihr vorgestellte Projekt ist ein schönes Beispiel für Daten als semantische Vermittlung zwischen den Communities der Archäologie, Museen, Restaurierung und Forschung.

Der Posterbeitrag von Nina Brolich von der Universität Erfurt beschäftigt sich mit der Frage: Welche Infrastrukturen zwingen uns zu bestimmten Fragestellungen? Und welche öffnen neue Alternativen? Mit ihrem Projekt Edge AI zeigt sie, dass sich Aufgaben in den DH wie Entity Recognition auch lokal und mobil auf Mikrocontrollern mit einfacher Netzwerkarchitektur lösen lassen – im Kontrast zu der Idee, dass alles über immer größere Rechenressourcen laufen müsse.

Schließlich hat mich Erik Radisch von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig in das Projekt eines 3D-Positionssystems für Zeichnungen und Bilder in den Höhlen von Kucha in Zentralasien eingeführt. Hierbei wird versucht, die Wandgemälde, die teils entfernt und in Museen gebracht wurden, zu dokumentieren und ihren ursprünglichen Standort zu rekonstruieren. Dabei adressiert er auch das Modellierungsdilemma, dass schematische Darstellungen Bereiche erzeugen können, die es so im Original nicht gibt, und dass man bei diesen Verzerrungen methodisch mitdenken muss. In jedem Fall war es eine tolle Erfahrung, in den Stand des Projekts mit der bereitgestellten VR-Brille einmal selbst eintauchen zu dürfen.

Ob Kaffeepause, Rathausempfang, Posterslam, Eröffnungsfeier oder Exkursion: Die DHd2026 war von der Einführungs- bis zur Abschlusskeynote eine wahrlich magische Erfahrung. Ein großes und von Herzen kommendes Dankeschön geht hierbei an CLARIAH-AT, die mir mit der Vergabe des Stipendiums einen großen Schritt in meine persönliche Entwicklung als Forscherin in den Digital Humanities und zugleich die Erfahrung einer wunderbaren und inspirierenden Community ermöglicht haben.

Für all die Workshops, Poster Sessions und Vorträge finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, alle wissenschaftlichen Essays, Links und Nennungen sowie weiterführende Literatur am Ende dieser Seite. Gerade für diejenigen, die erst seit kurzem den Wind der DH in ihren Segeln spüren, kann ich nur wärmstens empfehlen, sich dieser Literatur zu widmen. Wer weiß, vielleicht erweitert sie auch Ihren Horizont und führt Sie auf ganz neue, unerwartete Gewässer.

Nun, von Harry Potter zur Seemannsweisheit – so richtig entscheiden konnte ich mich in meinen verwendeten Metaphern ja nicht. Und wie sieht es mit meinem anfänglichen Dilemma der DH und der vielen unbeantworteten Fragen aus? Geisteswissenschaften existieren nicht ohne die komplexen Fragen menschlicher Existenz. Informationswissenschaft wiederum arbeitet mit quantifizierbaren Strukturen, die Daten greifbar machen. Die Digital Humanities erscheinen mir deshalb weniger als Kompromiss zwischen beiden Welten, sondern eher als ein Raum der Symbiose; ein Ort, an dem Interpretation und Modellierung nebeneinander existieren können. Und vielleicht ist es genau diese dritte Instanz, die während der DHd am deutlichsten hervortrat: der Forschende selbst, der zwischen Daten und Bedeutung vermittelt und ihnen Bedeutung gibt.

Storymap und Netzwerkvisualisierung

Um diese vielen Eindrücke, Projekte und Methoden nicht nur erzählerisch, sondern auch visuell darzustellen, habe ich im Anschluss an diesen Blogbeitrag eine kleine digitale Dokumentation erstellt. Eine StoryMap führt durch meine persönlichen Stationen der Konferenz, während eine Netzwerkvisualisierung die Verbindungen zwischen den erwähnten Projekten, Methoden und Forschenden veranschaulichen soll. Die Knoten der Netzwerkanalyse repräsentieren Forschende, Projekte, Institutionen und methodische Ansätze, während die Kanten ihre thematischen Verbindungen darstellen. Betrachtet man das Ergebnis, erkennt man, wie stark die Digital Humanities von interdisziplinären Verknüpfungen zwischen Edition, Kulturerbedaten, visueller Analyse und digitalen Modellierungsverfahren geprägt sind.

Beide Visualisierungsformen verstehen sich als Versuch, die verknüpften Wege der DHd auch mit Methoden aus dem eigenen Fachgebiet abzubilden – selbstverständlich völlig experimentell.

Literatur

Hall, M. (2024). Edition & niederschwellige digitale Editionen.

Kuczera, A. (2024). Applied Text as Graph: ATAG – Graphbasierte Text- und Wissensmodellierung.

Mandl, T. (2026). Plants in historical herbarium collections (DHd2026 Beitrag).

Pratap, A. (2025). Meursault as a Data Point. Essay.

Prathmesh M.., et al. (2020). Recognizing characters in art history using deep learning.

Thomas, D. B. (n.d.). Automating Iconclass: LLMs and RAG for large-scale classification of religious woodcuts.

 

Interviews

Brolich, N. (2026, 27. Februar). DH on the Edge [Poster session interview].

Gerber, A. (2026, 27. Februar). Vom Objekt zum Wissensnetz [Poster session interview].

Radisch, E. (2026, 27. Februar). 3D Positioning System for the Paintings in the Caves of Kucha [Poster session interview].

 

Verwendete Materialien

  • DHd2026 Konferenzprogramm
  • Poster Sessions
  • Workshopmaterialien der Vortragenden

Weiterführende Literatur

De Boer, V., et al. (2024). Hybrid Intelligence for Digital Humanities.

Peck, E. (2019). Data is personal: Approaches to making data tangible. Linköping University.

Hullman, J. (2019). Why authors don’t visualize uncertainty. IEEE Transactions on Visualization and Computer Graphics.

Nicht nur Text, nicht nur Daten: Erfahrungen von der DHd 2026 in Wien

2026年3月13日 00:39

Ich bin mit großer Vorfreude und dank des Reisekosten-Stipendiums des DHd-Verbandes zur DHd 2026 nach Wien gefahren. Die Universität Wien machte bereits beim Ankommen einen sehr imposanten Eindruck. Gleich am ersten Tag startete ich mit dem Workshop „Beyond entities: Inhaltsbasierte Erschließung digitaler Editionen mit KI“. Dort haben wir uns erst zu den Grundlagen von RDF und zu Ontologien wie z. B. FOAF bringen lassen, bevor wir praktisch wurden: Mithilfe vorgefertigter Jupyter-Notebooks und Beispieldatensätzen probierten wir verschiedene LLM-Modelle mit unterschiedlichen Parametern aus und schauten uns die Ergebnisse der RDF-Tripel-Extraktion an. Ein spannender und sehr praxisorientierter Einstieg.

Am nächsten Tag war ich beim Workshop „LLMs unter Kontrolle: Offene Modelle in Forschung und Praxis“. Der Workshop zielt genau auf das, was ich als Nachwuchswissenschaftler wichtig finde: einen transparenten und reflektierten Umgang mit generativer KI in den Digital Humanities zu fördern. Von besonderer Bedeutung für mich war der methodische Einsatz von LLMs in der eigenen Forschung. Die praktische Arbeit mit lokalen, offenen Modellen wie OLMo 2 (1B) und OLMo 3 (7B) über LM Studio zeigte, wie viel Kontrolle und Reproduzierbarkeit man dadurch gewinnt. Zugleich wurde deutlich, wie problematisch proprietäre Online-Modelle sein können, weil sie sich verändern, Outputs nicht dauerhaft dokumentiert sind und Trainingsdaten sowie Gewichtungen oft intransparent bleiben. Der darauffolgende Theorie-Block vermittelte entsprechende Evaluationsstrategien für den Einsatz solcher Modelle. Abschließend fand eine Reflexionsrunde statt, die dazu anregte, mögliche Use Cases für die eigene Forschung neu zu denken.

Zwischendurch besuchte ich Vorträge, die von technischen Umsetzungen bis zu praktischen Anwendungen reichten: Die Präsentation zur „Digitalen Erschließung des Schematismus“ demonstrierte eindrucksvoll, wie aus historischem Druck durch OCR, NER und Transformer-Modelle schrittweise eine vernetzte Graphdatenbank entsteht, mit dem Ziel, Personen verbindlich Verwaltungseinheiten zuzuordnen.

In den Poster-Sessions wurden viele überaus interessante Poster präsentiert. Eines davon befasste sich beispielsweise mit der Frage: „Wie kompatibel ist meine Bibliothek mit Digital Humanities?“ und erinnerte daran, dass Digital Humanities oft schon in den eigenen Beständen stecken und nur gefördert werden müssen.

Der Vortrag „Semantic Modelling of Intermedial and Intertextual References in Comics“ zeigte das epistemische Potenzial semantischer Modellierung: Am Beispiel von „Sibylla“ zeigte sich, wie Wissensgraphen literarisches und visuelles Wissen strukturiert, transparent und interoperabel abbilden können. Gerade für intermediale Forschung ein großer Gewinn. Ebenso praxisnah war der Beitrag zu „Fachspezifische Datenmodelle als Brücke zwischen materieller Kultur, Theorie und Praxis“: die Arbeit mit WissKI Barrels erschien mir als echter Gamechanger für kleinere Museen, weil sie Nachhaltigkeit und sofortige Einsatzfähigkeit im Sammlungsdaten-Lebenszyklus verbindet und damit Theorie und Praxis greifbar zusammenbringt.

Den Abschluss der Konferenz bildete die Keynote, die viele der zuvor diskutierten Fragen noch einmal auf einer übergeordneten Ebene bündelte: Ausgehend von der Kritik an Big Data als vermeintlichem Paradigmenwechsel wurde deutlich, dass digitale Daten keineswegs neutral oder automatisch erkenntnisfördernd sind. Vielmehr bestimmen Plattformen, APIs und intransparente Algorithmen maßgeblich, welche Daten überhaupt zugänglich sind und wie valide Forschungsergebnisse sein können. Besonders eindrücklich war der Punkt um Forschungsethik und den Umgang mit Social-Media-Daten, wie etwa die Frage nach Anonymisierung, Einwilligung und Zitierpraxis. Das zentrale Plädoyer lautete, statt nur kritische Distanz einzunehmen, eine „kritische Nähe“ zu Daten zu entwickeln: Verzerrungen und Lücken nicht nur zu bemängeln, sondern sie als Teil des analytischen Prozesses produktiv zu machen und die Politik der Daten sichtbar werden zu lassen. Für mich rundete dies Keynote den Kongress perfekt ab. Sie verband technische Praxis, ethische Reflexion und wissenschaftstheoretische Perspektive zu einem klaren Auftrag für die zukünftige Arbeit in den Digital Humanities.

Insgesamt nehme ich aus Wien nicht nur vielfältige Impulse und die fachlichen Erkenntnisse mit, sondern auch, das Gefühl mit den Digital Humanities eine wissenschaftliche Community kennengelernt zu haben, die einen sehr herzlichen, neugierigen und manchmal auch etwas selbstironischen Geist in sich vereint, mit dem ich mich sehr verbunden fühle.

Recap of the DHd 2026 Conference in Vienna

2026年3月11日 23:08

Two weeks ago, I had the pleasure in attending the DHd 2026 in Vienna! The week long conference started with being greeted and checked in by extremely kind and helpful people and receiving a DHd tote bag containing a travel mug, a programmable LED name tag, a program book, a DHd pen, and a notebook.

Then the first workshop began. I had enrolled in Workshop 6: Library Labs als Innovation Hubs für DH – Worldcafé & Community Building. Here we heard from the Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF, the Deutsche National Bibliothek, the Stabi Lab which is part of the Staatsbibliothek zu Berlin, DIGIPOP, and the Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open AccessBrandenburg. Each presented what offers they have, what events they host, how to access their datasets and open source resources, and how to get in touch. Then after a 15-minute coffee and pastry break, we broke out into groups and discussed the overarching theme of Library Labs, broken up into the subcategories of physical location, teaching formats, personnel/resources, target groups and communication, and cooperation and sustainability. The breakout groups was an amazing opportunity to learn and chat with other people attending the conference and hear about the work they are currently involved in.

The next day I participated in the workshop hosted by the DNBLab from the Deutsche Nationalbibliothek called “Von der Forschungsidee zumDatenkorpus”. Here we learned how to use the DNB SRU Query Tool to query and create metadata sets via the SRU interface. This workshop was again a very open and welcoming space, with all coding levels represented and everyone working together to use the tool and create visualizations from the datasets.

During the lunch break after, due to the sunny weather, many people decided to picnic outside at a nearby park before the next workshop. Tuesday evening was the Opening Keynote from Miriah Meyer, a professor in the Department of Science and Technology at Linköping University who is funded by the WASP program. Her research focuses on developing visualization tools that support exploratory and reflective data analysis and provide new ideas for using data in our lives. These tools enable people to learn more about their own data, redefine their perspectives, and revolutionize their thinking. In her keynote “Data As _: Exploring the Plurality of Data in Visualization”, she presented four different perspectives on data that reflect the range of approaches used by visualization researchers. By clearly distinguishing these perspectives, she opened new possibilities for how we create and use data and visualizations, and how we can simultaneously question our common notions of data-driven work. She also described the various projects she is and has been involved in, including one where young women are the target audience, with whom she explored Data Crafting and Data Physicalization Methods.

After the interesting Keynote, we all went to the Main Ceremonial Hall (Grosser Festsaal) for the Opening Reception where we were welcomed with food, drinks, and deserts and had time to socialize. Starting Wednesday and going until Thursday at noon, there were lectures where 2 to 3 people or groups presented their work, each total lecture lasting 1.5 hours and each having an overarching topic. The topics included digital soundscapes, digital art history, research data standards, Doctoral consortiums, named entities, digital editions, history of DH research, research software engineering, graph networks, virtuality, AI in interaction scenarios, epistemology and interpretation, research platforms as well as panel discussions. Between each lecture, there was either a coffee and pastry break, or a lunch break.

Thursday after the first coffee break, everyone headed to the Audimax where the Poster Slam took place. Each person or group presenting a poster had 60 seconds to introduce themselves, their topic and their research. The audiences applause level was recorded and whichever group received the loudest applause won. The slams were all so creative, with people working with props, being wrapped in toilet paper, performing poetry, sonnets, raps, and skits. After the Poster Slam followed lunch, and afterwards everyone gathered in the Main Ceremonial Hall for two Poster Sessions where we were able to ask questions and hear more about each poster from each of the participants.

In the evening, we were invited to the Reception in the City Hall. We entered the City Hall and were greeted with breathtaking architecture. The mayor’s representative welcomed us, speeches were held, the awards of the Poster Slam and the Poster Sessions were announced, selfies were taken and the buffet was opened. The night continued with food, drinks, desserts, and dancing and then once the City Hall closed, everyone went to a bar where bingo was played at midnight.

On Friday there were two more lecture sessions with topics including historical perspectives, digital editions II, text recognition, automation and AI, operationalization, multimodality, data modeling, digital art history II, and two more panel discussions.

This was followed by lunch and then the closing Keynote which was held by Katharina Kinder-Kurlanda, a Professor of Humanwissenschaft des Digitalen at the University of Klagenfurt in Austria. She works across disciplines in digital humanities, science and technology studies, sociology of technology, and internet research. Her research interests include new epistemologies for big data, algorithms in everyday life, data practices, social casual games, and (fair) artificial intelligence. The keynote invited us to understand digital humanities as a critical discipline that not only applies digital methods but also reflects on their social implications. She asked the question of how can we, as researchers in digital humanities, make the politics of data visible?

Following the Keynote, closing remarks were made, the Organizational Team from Vienna was brought on stage and given roses and thanked for their amazing effort, and there was a presentation about the DHd Conference 2027 which will take place in Marburg Germany.

Overall, the DHd 2026 was an amazing experience! It was an extremely open and supportive environment, allowing everyone to meet and learn from their peers and the pioneers of the field. I am very grateful to the DHD for the scholarship and this opportunity. Thank you for the inspiring week full of wonderful presentations, workshops, posters, delicious food and drinks and lovely interactions. I’m already looking forward to next year! 🤩

Rückblick zur DHd2026 – Ein Konferenzbericht aus Wien

2026年3月11日 22:43

Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Early Career Reisestipendiums von CLARIAH-AT für die DHd2026 in Wien. Herzlichen Dank für die Ermöglichung dieser Teilnahme.

Was macht eine wissenschaftliche Community aus? Und gehöre ich dazu? Diese Frage hatte ich im Gepäck, als ich als Masterstudierende der Digital Humanities an der Universität Regensburg zum ersten Mal zur DHd fuhr. Die DHd2026 war meine erste große DH-Konferenz und eine Einladung, die Community nun endlich live zu erleben. Das Ziel: Wien.Eine prachtvolle Stadt, eine beeindruckende Universität und ein Tagungsthema, das neugierig macht: Not just text, not just data. Was steckt in den Digital Humanities jenseits von Textkorpora und Datentabellen? Die Konferenz hat darauf viele spannende Antworten geliefert.

GPU für die GW – aber bitte DSGVO-konform

Der erste Konferenztag führte mich in den Halbtagsworkshop „Beyond the Cloud: Democratizing GPU Access for the Digital Humanities“ des DHInfra-Teams der Universität Graz und der Universität für Weiterbildung Krems. Der Bedarf an rechenintensiven Methoden wächst in der DH rasant, während kommerzielle Anbieter wie AWS oder Google Colab ernsthafte Fragen zu Datenschutz und Datensouvränität aufwerfen. DHInfra setzt hier mit einer föderierten, DSGVO-konformen GPU-Infrastruktur an. Der Workshop war dabei mehr als eine Demonstration, er diente als finale Testphase vor dem offiziellen Launch, in der die Teilnehmenden LLMs feintunen und API-basierte Workflows entwickeln konnten und gleichzeitig direktes Feedback zur Plattform gaben.

Data as…

Den Auftakt der Konferenz bildete am Abend die Eröffnungskeynote von Miriah Meyer mit dem Titel „Data as…: Exploring the Plurality of Data in Visualization“. Mit einer scheinbar simplen Frage: „Was sind eigentlich Daten?“ eröffnete sie ein breites Panorama: Daten als Input, als Ground Truth, als Design Material, als etwas Verflochtenes. Wer diese Rahmungen explizit benennt und hinterfragt, gewinnt neue Perspektiven auf Visualisierungen und die eigene Forschungspraxis. Beim anschließenden Empfang wurden diese Gedanken in Gesprächen weitergeführt. Ein schöner Beweis dafür, wie eine gute Keynote eine Konferenz inhaltlich in Gang setzt.

Annotieren: Mensch, Maschine oder beides?

Am zweiten Tag folgte der ganztägige Workshop „Film- und Videoanalyse mit VIAN & TIB-AV-A“. Die zentrale methodologische Frage: Wann annotieren wir manuell, wann die Maschine? VIAN Light macht diese Spannung produktiv, indem es manuelle Annotation mit automatischer Einstellungserkennung kombiniert und damit Raum lässt für das, was Eva Hielscher „Doing ELAN“ nennt: den Annotationsprozess selbst als erkenntnisleitenden Akt. Das Fazit des Tages: Automatisierung ersetzt die manuelle Annotation nicht. Hybride Workflows, die beides kombinieren, sind der Schlüssel.

Die Politik der Daten

Besonders nachhaltig haben mich zwei Panels beschäftigt. Im Panel „KI als Belastungsprobe für das offene Internet“ diskutierten Klaus Rettinghaus, Sarah Oberbichler, David Maus und Grischka Petri, was der Boom generativer KI bedeutet: Bot-Traffic, der sich als menschlich tarnt, blockierte Archive, ignorierte Lizenzen. Die Kernfrage: Welche Infrastrukturen bauen wir auf, welche Daten legen wir unter welchen Bedingungen offen? Das sind im Kern politische Entscheidungen und Geisteswissenschaftler:innen können mit ihrer kritischen Datenperspektive aktiv mitgestalten.

Das Panel „The Dark Sides of DH revised: From Utopia to Reality“ richtete den Blick nach innen: auf sprachliche Vielfalt, feministische Datenpraktiken, Repräsentation und ein erweitertes Verständnis von Nachhaltigkeit jenseits von Effizienz. Was mich überzeugte, war der konstruktive Grundton: Es ging nicht nur darum, Probleme zu benennen, sondern gemeinsam darüber nachzudenken, was die DH werden könnte, wenn wir diese Lücken ernst nehmen.

Research Software, Posterslam und Empfang im Wiener Rathaus

Ein weiteres Panel widmete sich Research Software Engineering. Sabina Mollenhauer plädierte für eine Richtungsumkehr: Ethnografische Methoden könnten aktiv zur Gestaltung nachhaltiger Research Software beitragen statt Wissen nur von STEM zu übernehmen. Kevin Kuck und Kevin Wunsch zeigten, wie automatisierte Workflows in Editionsprojekten Raum für inhaltliche Forschung schaffen. Kristin Herold, Hizkiel Alemayehu und Daniel Jettka diskutierten am Beispiel Edirom Online, wie Software nach Projektende überlebt: durch Modularisierung, Community-Building und gezielte Kleinstförderungen.

Ein Highlight der Konferenz war der Posterslam: In kürzester Zeit überzeugten die Slamenden das Publikum von ihrer Forschung, gemessen per Lautstärkemessgerät, Kostüme und popkulturelle Referenzen inklusive. Eine mitreißende Einleitung zu zwei Postersessions, bei denen Zeit für viele spannende Gespräche war.

Daten sind nie neutral

Den krönenden Abschluss des letzten Abends bildete der Empfang im Wiener Rathaus, ein sehr imposanter und beeindruckender Rahmen für eine Konferenz, die inhaltlich als auch atmosphärisch viel zu bieten hatte. Und passend zum Gastgeber durfte musikalisch natürlich auch Falco und der Wiener Walzer nicht fehlen.

Was bleibt

Was mich überrascht hat, war die Atmosphäre: offen, vielfältig, von echtem gegenseitigem Interesse geprägt. Gespräche entstanden schnell und unkompliziert, über Fachgrenzen und Karrierestufen hinweg. Als jemand, die gerade mitten im Studium steckt, war es besonders wertvoll, das Gefühl zu haben, wirklich Teil einer Community zu sein, nicht nur Beobachterin.

Das Stipendium von CLARIAH-AT hat mir nicht nur die Reise nach Wien ermöglicht, sondern einen Einblick gegeben, worum es in den Digital Humanities im besten Sinne geht: das gemeinsame Nachdenken über Methoden, Infrastrukturen und Verantwortung, mit Menschen, die das wirklich ernst nehmen.

Sophia Babl, Masterstudium Digital Humanities, Universität Regensburg

From Modelling to Transcription: Workshop Notes from DHd2026

2026年3月11日 22:25

During DHd2026 in Vienna, many discussions revolved around how digital tools shape the way we work with texts and data. Instead of trying to summarise the entire conference, this blog post focuses on the workshops I attended during the first days and on a few ideas that stayed with me throughout the week.

Looking back at my notes, I realised they already suggested a structure for this post. The workshops I attended raised questions about modelling, transcription, and data that later reappeared in other panels and keynotes during the conference.

Note 1: Starting with Practice

My first two days at the conference were shaped by workshops, and that felt like a good way to begin. Rather than starting with big claims about digital humanities, I started by sitting down with tools, notebooks, scripts, and a lot of practical questions.

On the first day, I attended the workshop “Beyond Entities: Inhaltsbasierte Erschließung digitaler Editionen mit KI.” We worked with Python, APIs, and Jupyter notebooks to extract RDF triples from TEI-encoded early modern letters. What I found especially interesting was that the workflow did not stop at named entities. Instead, it tried to model conceptual relations in the texts. Themes such as emotion, illness, or social order became part of a semantic structure that could then be visualised and analysed further.

Titelfolie des Workshops "Beyond Entities" im Rahmen der DHd2026 in Wien.

I liked that this workshop stayed close to the material while still asking what kinds of structures can be made visible through computational methods. It also made very clear that modelling is never neutral. Even at the level of prompts and extraction rules, decisions shape what the final data looks like.

Note 2: From Audio to Text

The second workshop I attended, “Vom Audio zum Text: Automatisierte Transkriptionen mit Whisper,” shifted the focus from written material to spoken language. We looked at automated transcription workflows, compared tools, and worked through Python-based pipelines for transcription and speaker diarisation.

Titelfolie des Workshops "Von Audio zu Text" vom Data Science Center im Rahmen der DHd2026

What stayed with me most was the discussion after the practical part. Our reflections quickly clustered around three terms: transfer, opportunities, and limits.

The question of transfer came up in relation to both teaching and research. We talked about how automated transcription might be built into thesis work, methods courses, or training materials. There were ideas about shared standards, open educational resources, and also about making these workflows usable for people who are not deeply technical.

The opportunities were easy to see. Automated transcription can save time, give a quick overview of larger amounts of audio material, and make certain kinds of corpus building much more realistic. Reusable code and adaptable workflows also make it easier to test different research setups.

At the same time, the workshop discussion was just as much about the limits. In qualitative work especially, transcripts are never just raw text. Things like pauses, laughter, overlap, hesitation, and speaker dynamics matter, and automated systems do not capture all of this equally well. We also kept coming back to transparency, validation, and the need to check what a model is actually doing. 

For me, this workshop was useful precisely because it did not present automation as a magic solution. It showed where these tools can help, but also where they flatten the material.

Note 3: The Keynote as a Frame

Only after these two workshops came the opening keynote by Miriah Meyer, “Data As ___________: Exploring the Plurality of Data in Visualization.” By that point, I already had the workshop experiences in mind, and that made the keynote even more interesting to listen to.

What I took from it was not one single definition of data, but the opposite. Data appeared here as something plural, shaped, and dependent on context. Meyer spoke about data as entangled, as design material, and as connection. That fit surprisingly well with what I had just seen in the workshops. Whether we are extracting semantic triples from letters or producing transcripts from audio, data do not simply appear ready-made. They are produced through tools, settings, modelling choices, and research interests.

The question “Is data graffiti data?” while looking at sticker emojis museum visitors made on a data sheet, stayed with me because it made this point in a way that was funny and sharp at the same time. It pushed against the idea of data as something clean and self-evident.

Looking Back at the Rest of the Week

For me, the workshops were an amazing start to DHd2026 because they made it possible to move back and forth between trying things out and thinking about what those methods actually imply for research practice.

As the conference continued, I noticed that many of the themes from the workshops reappeared in other sessions. Panels such as “Not Just Text, Intertext!” and projects like NAKAR returned to questions of modelling, connection, and interpretation. The final keynote by Katharina Kinder-Kurlanda then made the political and epistemic side of data work even more explicit.

Looking back at my notes now, this connection between experimentation and reflection is probably my main takeaway from the week. The interesting part is not only that digital tools can do more and more. They also force us to ask more precise questions about modelling, interpretation, transparency, and what we even mean when we call something data. In that sense, the workshops were not just an introduction to tools, but also to the questions that come with using them.

 

This blog post was written as part of a travel grant for the DHd 2026 conference. My sincere thanks go to NFDI4Memory for supporting my participation, and to the conference organizers for their excellent work in making the event such a positive experience.

CfP: Editopia – Zur Zukunft von Dokumentologie und Editorik im Postdigitalen

2026年3月10日 01:31

Das Institut für Dokumentologie und Editorik (IDE) schaut in die Glaskugel und fragt: Wie werden sich digitale Editionen in den nächsten 20 Jahren entwickeln? Auf der Suche nach Antworten veranstalten wir am 02.-04. September 2026 in Wuppertal eine Konferenz und laden herzlich zu Paper-Proposals ein. Details dazu auf https://editopia2026.i-d-e.de/. Einreichungsfrist ist der 22. März 2026.

Die Benachrichtigung über die Annahme erfolgt bis Ende April 2026. Eine Publikation ausgewählter Beiträge ist in der SIDE-Schriftenreihe vorgesehen. Die Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch. Die Teilnahme ist auf 60 Personen begrenzt. Eine Tagungsgebühr wird nicht erhoben.

  • Format: Vorträge, 20 Minuten Länge
  • Abstract: 2000-4000 Zeichen inkl. Leerzeichen und Referenzen
  • Deadline: 22. März 2026
  • Sprachen: Englisch und Deutsch
  • Teilnehmer: max. 60 Personen
  • Gebühr: keine

FORGE25: Rückblick

2026年2月24日 20:02

(verfasst von Charlotte Grünig, bearbeitet von Magdalena Basedow, Erik Renz, Karsten Labahn und Ulrike Henny-Krahmer)

Vom 24. bis zum 26. September 2025 fand in Rostock die Konferenz FORGE25 (Forschungsdaten in den Geisteswissenschaften) statt, die unter dem Motto „Daten neu denken“ stand. Dieser Blogpost gibt einen kurzen Rückblick auf die Tagung, die alle zwei Jahre von der AG gwFDM des DHd-Verbands an wechselnden Standorten organisiert wird.

Insgesamt 126 Teilnehmende besuchten die dreitägige Veranstaltung, die im Hauptgebäude der Universität Rostock ausgerichtet wurde. Das Programm umfasste sechs Workshops, 26 Vorträge und 22 Posterbeiträge.

Den Auftakt bildeten am Mittwoch, den 24. September die sechs Workshops, die einen vielfältigen thematischen Bogen spannten: von der FDM-Servicekatalogisierung über inklusive Formen der Data Literacy bis hin zur Datennutzung als Gemeinschaftsaufgabe.

Anschließend wurde die Konferenz offiziell eröffnet. Zunächst leitete Jun.-Prof. Dr. Ulrike Henny-Krahmer die Veranstaltung ein, bevor Antje Theise, Direktorin der Universitätsbibliothek Rostock, und Marina Lemaire, Co-Convenorin der AG gwFDM und Referentin für Projektmanagement im Bereich digitale Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften am Servicezentrum eSciences der Universität Trier, Grußworte an das Publikum richteten. Anschließend hieß auch der Prorektor für Studium und Lehre der Universität Rostock, Prof. Dr. Karsten Wolf, alle Teilnehmenden feierlich willkommen.

Gespannte Zuhörer*innen: Jun.-Prof. Ulrike Henny-Krahmer,
Erik Renz und Antje Theise (v.l.n.r.).

Gespannte Zuhörer*innen: Jun.-Prof. Ulrike Henny-Krahmer, Erik Renz und Antje Theise (v.l.n.r.).

Offizieller Auftakt: Grußwort des Prorektors Prof. Dr. Karsten Wolf.

Offizieller Auftakt: Grußwort des Prorektors Prof. Dr. Karsten Wolf.

Es folgte eine Keynote von Jun.-Prof. Dr. Elisa Cugliana (Universität zu Köln) mit dem Titel „Editiones vitreae sunt: tum cum splendent, franguntur. Daten, Software und Theorie zwischen Zufall, Schicksal und Magie“. Cugliana stellte in ihrer Keynote das Genre der Losbücher vor und wie dieses durch seine nicht-lineare und nicht hierarchische Struktur standardisierte Prinzipien der Textcodierung herausfordert. Sie verwies auf die Spannung zwischen methodischer Innovation, die nötig ist, um auch ein Genre wie die Losbücher digital edieren zu können, und der Frage der Nachhaltigkeit von digitalen Editionen, die neue methodische Wege beschreiten.

Ganz in ihrem Element: Jun.-Prof. Dr. Elisa Cugliana bei der Keynote.

Ganz in ihrem Element: Jun.-Prof. Dr. Elisa Cugliana bei der Keynote.

Am Donnerstag und Freitag gaben alsdann 26 Vorträge Einblicke in unterschiedlichste Bereiche der geisteswissenschaftlichen Forschungspraxis. Diskutiert wurden hierbei unter anderem Chancen und Grenzen von LLMs, der verantwortungsvolle Umgang mit sensiblen Forschungsdaten sowie aktuelle Entwicklungen rund um digitale Editionen und Textkorpora.

Eine Zäsur bildete am Donnerstagnachmittag die Postersession, in der 22 Beiträge präsentiert wurden. Die Teilnehmenden der Konferenz kürten anschließend ihre Favoriten. Den ersten Platz erhielt das Poster „Von alten Daten und neuen Apps. Aufbereitung regionalsprachlicher Daten am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas“ von Lisa Dücker, Robert Engsterhold und Georg Oberdorfer (Universität Marburg). Drei zweite Plätze wurden ebenfalls vergeben, an „Analoge Forschungsdaten neu aufbereitet: Die Digitalisierung und Erschließung einer lexikografischen Belegsammlung im Projekt DEMel“, an „Von Träumen zu realistischen Anwendungsfällen: Zum Einsatz von KI in der Museumsdokumentation“ sowie an „Digitale Edition neu denken – Eine Plattform zur Konstellationsforschung in der Philosophie“.

Alle Abstracts der Workshops, Vorträge und Poster sind gesammelt im Book of Abstracts auf Zenodo zu finden.

Mit Vorfreude darf bereits jetzt auf die nächste FORGE geblickt werden: 2027 wird sie in Mainz stattfinden, initiiert von Marina Lemaire und organisiert mit Partnern aus Trier, Mainz und Darmstadt. Weitere Informationen werden über den FORGE-Fedihum-Account folgen.

Die FORGE25 wurde organisiert von der Arbeitsgruppe Geisteswissenschaftliches Forschungsdatenmanagement (AG gwFDM) des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd), der Juniorprofessur für Digital Humanities, der Universitätsbibliothek Rostock, dem Department „Wissen – Kultur – Transformation“ (WKT) der Interdisziplinären Fakultät der Universität Rostock sowie dem Rostocker Arbeitskreis Digital Humanities (RosDH).

Besonderer Dank gilt den Hauptorganisator*innen und Förderern, den Teams der Juniorprofessur Digital Humanities und der Universitätsbibliothek Rostock, dem Programmkomitee, den Gutachtenden und allen Teilnehmenden, die diese Tage des Austauschs mit großem Engagement vorbereitet und ermöglicht haben.

Fleißige Helfer im Hintergrund: Josephin Lange-Kröger und Nicole Edlich (v.l.n.r.) als Teil des Orgateams vor Ort.

Fleißige Helfer im Hintergrund: Josephin Lange-Kröger und Nicole Edlich (v.l.n.r.) als Teil des Orgateams vor Ort.

 

Bericht vom NFDI4Culture Community Plenary 2025: „Gemeinsame Daten – Gemeinsame Praxis – Gemeinsames Wissen“ und die Stimmen der Community

2026年2月18日 19:23

NFDI4Culture, das Konsortium zur Förderung des Forschungsdatenmanagements für materielle und immaterielle Kulturgüter innerhalb der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI), zelebrierte vom 24. bis 26. September 2025 an der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz bereits zum 5. Mal seine größte jährliche Zusammenkunft, das NFDI4Culture Community Plenary. Diskutiert wurde insbesondere das Fokusthema „Datensouveränität, infrastrukturelle Resilienz und Wissenschaftsfreiheit“, aber auch der aktuelle Stand, Ergebnisse des Arbeitsprogramms und die Strategie des Konsortiums für die Zukunft
Über die Details der drei Konferenz-Tage gibt dieser chronologisch-thematisch gegliederte Bericht ausführlich Auskunft, der gerne auch selektiv gelesen werden kann und zur Veranschaulichung viele authentische Stimmen von Plenary-Teilnehmenden aus der NFDI4Culture-Community wiedergibt. Eine englische Version des Berichts findet sich in Kürze auf dem NFDI4Culture Portal.

Gruppenfoto von NFDI4Culture und der Community, auf dem alle jubeln
NFDI4Culture und die Community – Autor:in: Alexander Stark

Vor allem begegneten sich die rund 100 Teilnehmenden vor Ort – Vertreter:innen der Mitgliedsinstitutionen, die Mitarbeitenden des Konsortiums sowie Besucher:innen aus der (inter-)nationalen Forschung und digitalen Infrastruktur – endlich (wieder) einmal persönlich. Bei einem großen und in weiten Teilen digital durchgeführten Projekt wie NFDI4Culture stärkte das Zusammentreffen spürbar das Netzwerk der fachlich sehr vielfältigen Community sowie die geteilte Motivation und Leidenschaft für Forschungsdatenmanagement im Bereich Kulturdaten. Auch europäische Besucher:innen und Interessierte reisten zum Community Plenary, um bei NFDI4Culture mitzuwirken und sich auszutauschen, wie beispielsweise Rafael Uriarte, Ph.D., vom Kunsthistorischen Institut in Florenz, der in einem kurzen Interview seine Beweggründe schilderte:

„I came here to see what kind of contribution we can make and how to convince people to open their data, especially in art history.“

Wer nicht persönlich nach Mainz kommen konnte, hatte Gelegenheit, virtuell an den wesentlichen Programmpunkten teilzunehmen.

Konferenz-Tag 1: Workshop-Wednesday, Helpdesk-Speed-Dating und DigAMus Award


Workshops zum Forschungsdatenmanagement und Helpdesk-Speed-Dating

Zu den besonderen Programm-Highlights zählte zunächst das attraktive Workshopangebot: In entspannter und kollegialer Atmosphäre konnten die Teilnehmenden neue Skills, Tools und Techniken entdecken und die eigenen praktischen Fähigkeiten erweitern – von Pythonprogrammierung über Knowledge Graphs bis hin zur Nachhaltigkeit im Forschungsdatenmanagement. Besonderer Beliebtheit erfreute sich der „Data Stories“-Workshop. Teilnehmer Thomas Kollatz (Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz) berichtet anschließend:

„Wir sind im Workshop verdammt weit gekommen, aus unseren Daten eine lebendige Story zu machen.“ 

Gleichzeitig bot das NFDI4Culture-Helpdesk-Team für alle Anliegen rund um Forschungsdaten Speed-Date-Beratungen für die Plenary-Teilnehmenden an, wie beispielsweise von Jun.-Prof. Dennis Ried (Universität Halle-Wittenberg) wahrgenommen:

„Das Beratungsgespräch mit Leuten, die sich mit Förderstrukturen auskennen, hatte einen großen Mehrwert für mich, einfach gemeinsam Ideen zu sortieren.“

Helpdesk-Mitarbeiter Dr. Grischka Petri resümiert:

„Es waren durchaus umfangreiche Beratungen und auch sehr dichte, teils spezielle Infogespräche dabei. Natürlich können auch wir in einer halben Stunde die Dinge nicht vollständig lösen, aber wir konnten Türen aufstoßen und einen Wegweiser für die weiteren Schritte mit auf den Weg geben.“


Verleihung des DigAMus Awards für herausragende digitale Projekte im Kulturbereich

Präsentation der DigAMus Award Figur auf einer offnen Handfläche
DigAMus Award Figur – Autor:in: DigAMus Award Team

Die festliche Abendveranstaltung bot Gelegenheit für die schicke Abendgarderobe: Die GLAMouröse Verleihung des DigAMus Awards, der für herausragende digitale Projekte im Kulturbereich vergeben wird, fand erstmals im Rahmen des NFDI4Culture Community Plenarys statt. Das Organisationsteam des DigAMus Awards kam dafür ganz in Gold und Silber. Zusammen mit den goldenen Award-Figuren verliehen sie dem Event einen Hauch von Oscar-Flair.
Ein Gong-Schlag (wie es in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz Tradition ist) läutete die Zeremonie der Preisverleihung ein und lud die Teilnehmenden vor Ort in den Plenarsaal ein. Neben dem Live-Event wurde auch die Möglichkeit der Online-Teilnahme angeboten. Die anspruchsvolle Umsetzung des hybriden Events wurde als sehr gelungen gelobt: Das Ineinandergreifen von Technik (Zoom-Stream) und Live-Event vor Ort bot eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Mischung aus Präsenz, Einspielung von Videos und Online-Beteiligung, die alle Zuschauenden von Nah und Fern inkludierte.
Nach Vorstellung der Favoriten-Projekte auf der Shortlist wurde der DigAMus Award in sechs verschiedenen Kategorien verliehen. Für die Gewinner-Projekte gab es viel Applaus, sogar Jubelrufe aus dem Publikum. Besonders die Freude der „Five Guides“ vom TikTok-Kanal @five.guides des LWL-Museums für Archäologie und Kultur (Gewinner-Projekt in der Kategorie “Zeitgemäße Vermittlung”) war regelrecht ansteckend und erfüllte den ganzen Raum. Man merkte den Guides einfach an, dass es ihnen eine Herzensangelegenheit ist, jungen Menschen einen Zugang zu Kultur und Museen auf Augenhöhe zu bieten. Die Projektbeteiligte Marie Jakob sagte nach der Verleihung:

„In das Projekt ist viel Arbeit hineingeflossen. Daher ist der Award eine tolle Bestätigung, dass wir damit einen Nerv getroffen und einen guten Job gemacht haben.“

DigAMus Award Preisträger:innen "Five Guides" bei der Verleihung der Kategorie "Zeitgemäße Vermittlung"
DigAMus Award Preisträger:innen „Five Guides“ bei der Verleihung der Kategorie „Zeitgemäße Vermittlung“ – Autor:in: DigAMus Award Team


Der Publikumspreis, für den 1500 Menschen abgestimmt hatten, ging an den Museums-Podcast „Auf die Ohren“ des Ägyptischen Museums München zur altägyptischen Kulturgeschichte. Die Gewinnerinnen Roxane Bicker und Nora Heil, beide online zugeschaltet, waren ehrlich „überrascht und unvorbereitet“, „Jetzt haben wir richtig was zu feiern auf unserem Team-Fest!“

Johannes Sauter vom DigAMus-Award-Team, extra aus Bern angereist, erläuterte die Kooperation zwischen NFDI4Culture und dem DigAMus Award:

„Da sind so viele Daten aus den eingereichten Projekten – die wollen wir weiter für die Community nutzbar machen.“ NFDI4Culture unterstützt dabei insbesondere in Punkto Datenqualität und -struktur bei der Datenübertragung zu Wikidata.

“Wikidata ist dabei nicht nur Beifang. Der Preis an sich ist natürlich wichtig, auch für die Sichtbarkeit, aber der Hauptwert liegt in den Daten. Von der Kooperation mit NFDI4Culture erhoffen wir uns, dass die Community diese kuratierten Daten aufgreift und nutzt”, erklärte Johannes Sauter und ergänzte:

“Es war cool, offizieller Programmpunkt beim NFDI4Culture Community Plenary zu sein. Wir sind hier so gut aufgenommen worden, sowohl organisatorisch als auch vom Publikum. Hier ist eine sehr offene und dynamische Community, die Bock hat, wirklich etwas zu machen!”

Seine Mitstreiterin Sonja Thiel, zugeschaltet aus den USA, bekräftigte, die Kooperation habe die Verleihung des DigAMus Award in dieser Form erst möglich gemacht.

Konferenz-Tag 2: Aktueller Stand des Konsortiums und Fishbowl-Diskussion „Datensouveränität, infrastrukturelle Resilienz und Wissenschaftsfreiheit“


Spokesperson-Report, Neuigkeiten zu den Diensten und Arbeitsbereichen von NFDI4Culture

Am Donnerstag, 25.09.25, präsentierte NFDI4Culture dem Plenum den aktuellen den Stand des Konsortiums mit Berichten und wissenschaftlich Beiträgen zu den neuesten Aktivitäten und Services sowie einem Ausblick auf kommende Vorhaben. Zum Warm-Up gab eine live-Umfrage Einblicke, welche NFDI4Culture-Dienste bereits besonders gern genutzt werden (was die geneigten Leser:innen im Übrigen gern für sich selbst entscheiden dürfen). Anschließend stellten die Mitarbeitenden von NFDI4Culture, ergänzt durch kreative Show-Einlagen, ihre Updates, Beispiele und Insights zu den verschiedenen NFDI4Culture-Diensten und Arbeitsbereichen vor, darunter: 

  • Neuer Research Data Management Organiser zum Erstellen von Datenmanagementplänen
  • Data Quality Assessment und FAIR-Check zur Einschätzung der Qualität der eigenen Daten, jetzt noch interaktiver und mit Fairness-Gradmesser
  • Zusammenarbeit von NFDI4Culture mit verschiedenen Fachinformationsdiensten
  • LIDO (Lightweight Information Describing Objects), ein internationaler XML-Standard zur Beschreibung von Objekten und Lingua Franca für Museen, zu der NFDI4Culture künftig auch eine LIDO-Service-Stelle anbieten will
  • MEI (Music Encoding Initiative), ein offener, von der Community entwickelt XML-Standard zur Codierung von Musiknoten, zu dem NFDI4Culture aktuell ein MEI-Repositorium und ein MEI-Korpus für Kulturschaffende und Wissenschaft plant
  • Daten der Theaterwissenschaften und Performing Arts: Entwicklung von Services für spezielle ereignisbezogene Daten (wie z.B. Aufführungen)
  • FOSS (Free Open Source Software): bestehende Dienste mit der Community weiterentwickeln
  • Release der 3. Version des NFDI4Culture Portals als Zugangspunkt zu Ressourcen und Diensten sowie als Forschungsinformationssystem
  • NFDI4Culture Registry für Forschungswerkzeuge und Datendienste – nicht nur zum Explorieren, Suchen, Filtern und Finden, sondern auch Anlaufstelle für Forschende und Entwickler:innen, die ihre Angebote (Software, Skripte, Webanwendungen, Datenrepositorien oder -portale) zur Nachnutzung zentral verzeichnen möchten
  • Der Culture Knowlege Graph (KG) stellt eine Verbindung zwischen allen Forschungsdaten der Community her (Daten zu inzwischen rund 18 Mio. Entitäten). Zum Durchsuchen des KGs bietet NFDI4Culture neben der SPARQL-Schnittstelle nun auch eine neue Data Search mit spezieller Incipit-Suche für Musiknotation und KI-basierter Bildersuche
  • Institutionelle Resilienz für Kulturerbe im digitalen Raum: Schutzstrategien für Kulturgüter und -Daten zur Prävention für den Katastrophen- oder Krisenfall

Die Präsentationen zu diesen sowie allen weiteren Vorträgen werden in Kürze auf dem NFDI4Culture Portal zur Verfügung gestellt.

Spokesperson Torsten Schrade präsentiert dem Publikum die Vision „Gemeinsame Daten – Gemeinsame Praxis – Gemeinsames Wissen“ – Autor:in: Alexander Stark
Spokesperson Torsten Schrade präsentiert dem Publikum die Vision „Gemeinsame Daten – Gemeinsame Praxis – Gemeinsames Wissen“ – Autor:in: Alexander Stark

Im Spokesperson-Report berichtet Konsortiumssprecher Prof. Torsten Schrade außerdem über die aktive Teilhabe diverser NFDI4Culture-Communities und der inzwischen rund 70 Participants, die beispielsweise Beiträge zu internationalen Metadatenstandards geleistet haben. Torsten Schrade betont:

„Partizipation ist das wichtigste, das Herz von NFDI4Culture ist eine gemeinsame, Community-geleitete Entwicklung einer gemeinsamen Datenkultur!”

Wegen der Breite der vertretenen Fachdisziplinen ist NFDI4Culture eines der größten und heterogensten Konsortien in der NFDI. Die Communities dieser verschiedenen Disziplinen sollen nun zu einer “Community of Practice” zusammengeführt werden, so Prof. Holger Simon, Co-Spokesperson von NFDI4Culture, „so wollen wir unsere Vision ‚Gemeinsame Daten – Gemeinsame Praxis – Gemeinsames Wissen‘ mit Leben füllen.“

Berichtet wurde weiter unter anderem über folgende Themen:

  • Der NFDI4Culture Helpdesk hat sich zum „Rückgrat“ von NFDI4Culture entwickelt und verzeichnet inzwischen über 760 Beratungsvorgänge zu Themen wie Copyright, Publikation und Databases. Dabei wird deutlich: Für Sustainability braucht es rechtliche Klarheit, rund 40% der Helpdesk-Anfragen gingen an den Legal Helpdesk.
  • Weiterbildung im Bereich Forschungsdatenmanagement (FDM) und Data/Code Literacy mit der Culture Research Data Academy, dem Educational Resource Finder und der Culture Knowledge Base (zentrales Informationsmedium zu FDM mit Handreichungen, Video-Tutorials und kuratierten Linkempfehlungen) – mit inzwischen rund 110 gut kuratieren Empfehlungen, alle maßgeschneidert für die NFDI4Culture-Community.
  • Der Research Output Index zeigt, was NFDI4Culture zu bieten hat: Konferenzbeiträge und -berichte, wissenschaftliche Literatur, Artikel und vieles mehr.
  • Community AAI (Authorization Authentification Identification), ein NFDI-Basis-Dienst, mit dem man sich sowohl für die Dienste von NFDI4Culture als auch für die anderer Konsortien anmelden kann – einmal anmelden, alle Dienste nutzen.
  • Dienste über Konsortien hinweg weiterentwickeln am Beispiel von Semantic Kompakkt (freie Software zur Annotation von 3D-Daten und gleichzeitig Repositorium zur Speicherung): erste Abbildung eines chemischen Moleküls in Semantic Kompakkt in Zusammenarbeit mit NFDI4Chem.
  • Internationalisierung: Ausloten der Zusammenarbeit mit fachspezifischen (inter-)nationalen GLAM-Infrastrukturen und Ausbau des internationalen Netzwerks.

Konsortiumssprecher Torsten Schrade fasste noch einmal zusammen:

„Back to the Future mit NFDI4Culture: mit Innovation, Partizipation, KI, 3D, KG, Datenqualität und Internationalisierung – das Abenteuer geht weiter!“


Datensouveränität, infrastrukturelle Resilienz und Wissenschaftsfreiheit – Fishbowl-Diskussion

Ein weiteres Highlight auf dem NFDI4Culture Community Plenary war das hochkarätig besetzten Panel „Datensouveränität, infrastrukturelle Resilienz und Wissenschaftsfreiheit“ mit Prof. Dr. Andrea Rapp (Präsidentin der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz), Prof. Dr. York Sure Vetter (Direktor der NFDI) und Prof. Dr. Dörte Schmidt (NFDI-Kuratoriums-Mitglied). Dieser wichtige Programmpunkt konnte auch online verfolgt werden.
Das interaktive Fishbowl-Gespräch, an dem sich auch das Publikum beteiligen konnte, befasste sich nicht nur mit technischen Infrastrukturen und Datenräumen, sondern auch mit der Frage der Sicherung grundlegender Werte unserer digitalisierten Wissensgesellschaft. Digitale Souveränität und gesellschaftliche Resilienz werden in internationalen Aushandlungsprozessen mit geopolitischer Dimension verhandelt, die ein hohes Maß an „Datendiplomatie“ erfordern. Die Diskussionsrunde lotete aus, wie die NFDI und besonders ihre geistes- und kulturwissenschaftlichen Konsortien einen Beitrag zu einer verantwortungsvollen digitalen Transformation in Deutschland und Europa leisten können.

In ihren Eingangsstatements gaben die Panelist:innen Einblicke in ihre Perspektiven auf diese Themen. Den Anfang machte Prof. Andrea Rapp: Das NFDI4Culture Community Plenary zeige, was „durch die Wissenschaft organisiert“ bedeute: „Das sind mehr als eine Handvoll Nerds, sondern eine lebendige Community!“. Drei Punkte waren Andrea Rapp in ihrer Ansprache besonders wichtig: 1. In Verbindung mit dem Thema Wissenschaftsfreiheit sprach sie über langfristige Verpflichtungen am Beispiel von digitalen Editionen und wie diese die Wissenschaftsfreiheit stützen können, indem sie transparent Rechenschaft ablegen, was sich im Digitalen optimal organisieren lasse. 2. Datenqualität als Voraussetzung für KI-gestützte Verfahren: „Die unvermeidliche KI und Large Language Models sind Wahrscheinlichkeitsmodelle. Diese brauchen vertrauenswürdige Umgebungen und eine qualitätsgesicherte Datengrundlage.“ 3. Die fach- und domänenspezifischen Kompetenzen für die Langzeitverfügbarkeit von geisteswissenschaftlichen und Kulturgut-Daten sieht Andrea Rapp vor allem bei den Akademien, ergänzt durch die Universitäten: „Wir brauchen den Auftrag und die Ausstattung dafür, so fühlen wir uns gut gerüstet für diese Aufgabe“.

NFDI-Direktor Prof. York Sure-Vetter fasste zu Beginn zusammen, wie die NFDI in den letzten fünf Jahren gewachsen ist, hin zu einer „international sichtbaren Infrastruktur mit technischer Weitsicht“. Zwischen den Mitgliedern der NFDI sei trotz der fachlichen Unterschiede ein Vertrauensverhältnis aufgebaut worden, das es erlaube, gemeinsam an übergreifenden Querschnittsthemen zu arbeiten. Dabei verlieh York Sure-Vetter auch seiner Anerkennung für die hohe Professionalität von NFDI4Culture Ausdruck.
Einer seiner wichtigsten Talking Points galt der Demokratie: „Als eine Wissensinfrastruktur mit Bottom-up-Prinzip ist die NFDI wichtig für die Demokratie. Das müssen wir erhalten! Dafür ist auch Transparenz wichtig.“ Darüber hinaus schaffe die in Europa einzigartige föderierte Struktur der NFDI Resilienz, und zwar genau über diese Verteilung von technischen Ressourcen und auch Köpfen. Zur Resilienz-Strategie der NFDI gehören Cyber-Security, Redundanz und offene Standards. Mit ihren sicheren, interoperablen Diensten und ihrer förderierten Struktur könnte NFDI auch als strukturelles Role Model und Innovationsmotor in der EU dienen. 
Dass NFDI-Direktor York Sure-Vetter persönlich mit Diskussionsbeiträgen am NFDI4Culture Community Plenary teilnahm, ist bei 26 NFDI-Konsortien und nur 52 Wochen im Jahr keine Selbstverständlichkeit und freute die Community daher ganz besonders.

Prof. Dörte Schmidt eröffnete ihre Rede mit dem Statement, sie sei „geflasht, was wir geschafft haben in fünf Jahren: eine Vielfalt an Daten und wie kooperativ wir uns zusammenraufen, statt in Konkurrenz zueinander zu gehen“. Sie pflichtete York Sure-Vetter bei, dass Demokratie eine Grundvoraussetzung und die Wissenschafts- und Kunstfreiheit, die in Art. 5 des Grundgesetzes festgehalten ist, uns ermöglichen zu definieren, was für eine Gesellschaft wir sein wollen.
Beim Thema Datensouveränität sprach Dörte Schmidt von der NFDI als einem „vielköpfigen Souverän“, dessen Vorteile wir nutzen sollten, denn er bilde einen Gegenvorschlag zu Daten-Hegemonien und Monopolismen. Das bringe technische, ethische und rechtliche Anforderungen mit sich und mache Aushandlungen in unterschiedlichen Rechtsräumen nötig. „Für infrastrukturelle Resilienz müssen wir verteilt denken, denn verteilte Netzwerke sind nicht so angreifbar. Auch Redundanz wird in gewissem Maß wird gebraucht. Wir lernen gerade, was Resilienz bedeutet, und dass sie oft auch der Effizienz und vor allem dem Finanzierungskampf gegenübergestellt werden muss“. Dörte Schmidt beendet ihre Ansprache mit dem Aufruf „Denkt vernetzt! Das ist unsere demokratische Aufgabe“.

In der anschließenden Diskussionsrunde, der Fishbowl, nahmen neben den geladenen Panelist:innen auch wechselnde Diskutant:innen aus dem Publikum auf zusätzlichen freien Stühlen Platz und an der Diskussion teil. Moderiert wurde die Runde von Konsortiumssprecher Torsten Schrade.

Fishbowl Discussion mit Prof. Dörte Schmidt, Prof. Andrea Rapp, Peter Gietz, Prof. Torsten Schrade, Prof. York Sure Vetter, Dr. Grischka Petri
Fishbowl Discussion: Prof. Dörte Schmidt, Prof. Andrea Rapp, Peter Gietz, Prof. Torsten Schrade, Prof. York Sure Vetter, Dr. Grischka Petri – Autor:in: Alexander Stark

Beim Thema der europäischen Anschlussfähigkeit der NFDI stellt sich York Sure-Vetter verschiedene Dienste für die European Open Science Cloud (EOSC) vor, darunter auch der Authentifizierungsdienst. Daraufhin gab Moderator Torsten Schrade die Frage an das Publikum weiter: „Welche Dienste brauchen wir?” Peter Gietz (DAASI International) ergriff die Gelegenheit sowie einen freien Stuhl in der Diskussionsrunde und bestätigte: „Die NFDI4Culture-AAI [Authorization Authentification Identification] funktioniert. NFDI4Culture ist ein super Beispiel für Vernetzung, auch auf technischer Seite der Dienste.“ Als weiteres positives Beispiel wurde wiederholt Eduroam[1] genannt und mit viel Zustimmung aus dem Saal quittiert.
Auch über die angestrebte Verstetigung der NFDI wurde diskutiert. Dörte Schmidt machte sich dafür stark, die Politik zu überzeugen, „dass eine Investition in Köpfe einen Teil dieser Verstetigung darstellt“. Peter Gietz stimmte zu und merkte an: „In einem freien Raum sorgen eben diese Köpfe für Innovation“. Andrea Rapp nannte ergänzend die institutionelle Kontinuität. Einig waren sich alle, dass auch das bestehende Netzwerk verstetigt werden müsse, um nicht mit der Finanzierung wieder von vorne anfangen zu müssen.
Auch das Spannungsverhältnis zwischen Demokratie und Kapitalismus wurde in der Diskussion erneut aufgegriffen. Andrea Rapp brachte den Begriff der Allmende [im Sinne eines gemeinsamen Gutes der modernen Informationsgesellschaft, beispielsweise in Form von freier Software] in die Diskussion ein und merkte an: „Gemeingut macht Arbeit“. Moderator Torsten Schrade sprach den Konflikt zwischen Plattform-Ökonomie vs. Allmende an und fragte: „Können wir den Plattform-Giganten entkommen?“ York Sure-Vetter antwortete, es sei ein Machtkampf und führte ein Beispiel an: „Die großen Sprachmodelle haben sogar Experten überrascht, aber noch mehr Daten führen jetzt nicht mehr zu besseren Modellen, es tritt eine Saturierung ein. Für den Betrieb braucht man Rechenzentren so groß wie Manhattan. Wenn man da beispielsweise an Stromausfälle denkt… Es ist schwer, dem zu entkommen, wir müssen unsere Nische finden“.

[1] Eduroam: internationale Hochschul-Initiative, die Studierenden und Wissenschaftler:innen über ihren Universitätsaccount einen WLAN-Zugang an allen teilnehmenden Institutionen ermöglicht. Analog dazu funktioniert auch der NFDI4Culture-AAI-Dienst, über den allen Nutzenden, die über DFN bei NFDI4Culture registriert sind, der gesamte Dienste-Kosmos der NFDI zur Verfügung steht.

In ihren Schlussstatements gaben die Panelist:innen eine Einschätzung, was in den kommenden Jahren besonders wichtig werde. Dörte Schmidt sprach sich dafür aus, „dass wir uns auf unsere Aufgaben und Ziele besinnen, vor allem auf unser Alleinstellungsmerkmal, das uns von großen Playern unterscheidet. Wir können etwas leisten in der Gesellschaft“. 
Andrea Rapp stellte heraus, die Wissenschaft werde getragen von Personen, die ertüchtigt werden müssten, sich als Teil ihrer wissenschaftlichen Arbeit auch um Souveränität zu kümmern. Dafür bedürfe es Freiraum, Ansprechpartner und finanzieller Mittel.
York Sure-Vetter betonte die Bedeutung der Validierung der Dienste, die einerseits bottom-up funktioniere, indem die Communities durch ihre Nutzung zeigen, ob bestimmte Dienste, wie z.B. der Helpdesk, Anklang finden oder nicht. Gleichzeitig müsse die Führung top-down Entscheidungen treffen und „der Politik erklären können, wo wir das Geld gut investiert sehen”. Gebraucht werde also sowohl eine Politik, die unterstützt, als auch Nutzende, welche die Dienste wertschätzen.

Im Nachgang der Veranstaltung fasste Andrea Rapp ihre gewonnenen Erkenntnisse aus der Diskussion noch einmal für den vorliegenden Bericht zusammen:

„Die nachhaltige Zukunft der NFDI stellt uns vor große Herausforderungen, zugleich ist bei der Community, sowohl an der Basis als auch bei den Institutionen, Wille und Commitment groß, sich diesen Herausforderungen zu stellen und Verantwortung zu übernehmen. Dafür müssen Institutionen und Wissenschaftler:innen ertüchtigt werden.“


Rahmenprogramm: Spirio-Konzert, inspirierender Gesang, Ess- und Feierkultur

Aufgelockert wurden die Vorträge und Diskussionen von einem musikalischen Programm erster Güte. Die „Early Birds“ (die ersten 50 Plenary-Registrierten) wurden mit einem ganz besonderen Konzerterlebnis überrascht: Im Kalkhof-Rose-Saal, Deutschlands erstem Kammermusiksaal in Holzbauweise, wurde die innovative Steinway Spirio-Konzerttechnologie vorgeführt. Dabei handelt es sich um ein Selbstspielsystem, das live-Darbietungen von Pianist:innen weltweit von einem zum anderen Spirio-Flügel in Echtzeit übertragen oder aufzeichnen und originalgetreu wiedergeben kann, so authentisch, als würde die Künstlerin oder der Künstler selbst am Flügel sitzen. Geboten wurden Stücke gespielt von Hayato Sumino, Vladimir Horowitz, Jacob Collier und Arseniy Gusev.

Doch auch alle anderen Gäste kamen in den Genuss eines besonderen Konzerts: Zum musikalischen Rahmenprogramm des Plenarys zählte auch Sopranistin Lindsey Neumann aus den USA, begleitet am Klavier von Konzertpianistin Andrea Jantzen. Die beiden boten Lieder von F. Mendelssohn, R. Quilter und G. Puccini dar, mit einer Intensität und Präsenz in Stimme und Performance, die den Zuhörenden das Gefühl vermitteln konnte, ganz persönlich angesprochen zu sein. Lindsey Neumann berichtete, dass sie in der Vorbereitung auf ihren Auftritt den Auftrag erhalten habe, das Publikum zu inspirieren – was ihr zweifelsohne gelungen ist.

Konzert: Sopranistin Lindsey Neumann, begleitet am Klavier von Konzertpianistin Andrea Jantzen
Konzert: Sopranistin Lindsey Neumann, begleitet am Klavier von Konzertpianistin Andrea Jantzen – Autor:in: Team Social Media


Auch über das Konzert-Programm hinaus konnten die Plenary-Besucher:innen die Veranstaltung sinnlich und kulinarisch genießen. Das bunte Tagesprogramm wurde abends von einem Dinner, einem guten Glas Wein und anschließender Party gekrönt – letztere genießen in NFDI4Culture-Kreisen bereits einen legendären Ruf. DJane Fran(ziska Fritzsche) von BASE4NFDI sowie die Musik-Wünsche der Anwesenden sorgten für einen ausgelassenen (Tanz-)Abend, der sicher vielen in Erinnerung bleibt.

Party!! DJane Fran(ziska Fritzsche) dancing
Party!! DJane Fran(ziska Fritzsche) dancing – Autor:in: Team Social Media


Konferenztag 3: Markt der Möglichkeiten, 4CultureHour auf Mastodon und Stimmen aus der Community


Markt der Möglichkeiten und 4CultureHour auf Mastodon

Mit dem Markt der Möglichkeiten am Freitag, 26.09.25, bot NFDI4Culture einen Begegnungsraum vor Ort, in dem Services von NFDI4Culture, aber auch Participants und Partner:innen des Konsortiums sich anhand von Posterpräsentationen vorstellen und miteinander ins Gespräch kommen konnten. Die Marktbesucher:innen waren eingeladen zum Schlendern, Entdecken und Netzwerken. In der Speakers-Corner wurde in kurzen Marktreden auf interessante Marktstände, Veranstaltungen oder gute Ideen aufmerksam gemacht.

 
Menschen und Poster auf dem Markt der Möglichkeiten
Auf dem Markt der Möglichkeiten – Autor:in: Alexander Stark


Dr. Fabian Pittroff (Ruhr-University Bochum) stellte mit seinem Poster beispielsweise eine „Infrabel zur Ethnografie zum Umgang mit Forschungsdaten“ vor. Infrabel setzt sich zusammen aus den Wörtern Infrastruktur und Fabel und thematisierte in diesem Falle anhand der Feldmaus und des Pelikans verschiedene Arten der Pflege von Forschungsdaten. Im Unterschied zur klassischen Fabel, in der Tiere die Eigenschaften von Menschen verkörpern, haben diese in der Infrabel Eigenschaften von Infrastrukturen. Der Markt der Möglichkeiten hat sich laut Fabian Pittroff gelohnt: 

„Die Poster haben gut funktioniert, um ins Gespräch zu kommen.“ 

In einem kurzen Interview führte er auf die Frage nach seinen Eindrücken vom NFDI4Culture Community Plenary aus: 

„Ich bin zum Plenary gekommen, weil ich den Eindruck habe, dass mir NFDI4Culture beim Einarbeiten in das Thema FDM potenziell viel Arbeit abnehmen kann. Ich habe mir darüber hinaus viel Überraschendes notiert. Mich interessiert auch, wie sich NFDI4Culture organisiert. Es fand recht viel Selbstverständigung des Konsortiums statt, dadurch bekam man Einblicke in den Inner Circle – gleichzeitig fühlte ich mich sehr willkommen. Und was mir aus der Fishbowl-Diskussion noch in Erinnerung geblieben ist, waren Schlagworte wie ‚verteilte, aber vernetzte Strukturen‘, ‚mit stolz von unseren Daten sprechen‘ und ‚Lust an der Heterogenität‘.“

Auch andere Marktbesucher:innen konnten von den Posterpräsentationen profitieren:

„Bei den Postern habe ich sogar etwas gelernt, was ich für unser Projekt Buber-Korrespondenzen Digital verwenden kann“, freute sich Thomas Kollatz (Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz).

Eine Zusammenstellung aller vertretenen Poster wird in Kürze auf dem NFDI4Culture Portal veröffentlicht.

Collage aus den Postern vom Markt der Möglichkeiten
Poster-Collage – Autor:in: Katja Sternitzke


Mit der 4CultureHour, die sich dann sogar auf mehrere „Hours“ ausweitete, wurde der Markt der Möglichkeiten vom NFDI4Culture-Social-Media-Team live auf Mastodon begleitet. Bereits die Social-Media-Berichterstattung der beiden Vortage hatte viel Resonanz erzeugt. Während des letzten Konferenztages hatten Interessierte nun die Möglichkeit, direkt auf die Poster zu reagieren oder Fragen zu stellen. Teilweise konnten diese dann sogar von der Poster-betreuenden Person auf Mastodon beantwortet werden. So übertrug sich die allseitige Begeisterung auch in den digitalen Raum. Weitere Eindrücke von NFDI4Culture in den Sozialen Medien sind auch auf LinkedIn und auf Mastodon unter #4CultureCommunityPlenary zu finden.


Die Community resümiert

Bevor sich alle auf die Heimreise machten, rekapitulierten einige Plenary-Teilnehmende für uns ihre persönlichen Eindrücke von der Veranstaltung. Dennis Ried (Uni Halle-Wittenberg), der übrigens 2024 mit dem NFDI4Culture Music Award ausgezeichnet wurde, fasste seine Plenary-Erfahrung folgendermaßen zusammen:

„Ich wollte mir ein Bild machen, was für Dienste es bei NFDI4Culture gibt, was die können und wie sie funktionieren. Mich persönlich interessiert darüber hinaus besonders die Verbindung von 3D-Daten und Musikwissenschaft und wie man die einsetzen kann. Es gäbe da gute Möglichkeiten für fächerübergreifenden Datenaustausch, zum Beispiel bei antiker Musik mit der Archäologie, wenn sich beispielsweise Musik auf antiken Amphoren findet. Beim Data-Stories-Workshop habe ich nebenbei noch erfahren, was man mit dem Culture Knowledge Graph alles machen kann. Insgesamt finde ich es beeindruckend, wie stark die NFDI als Ganzes aus 1000 Einzelteilen hervorgegangen ist. Nur bei den ganzen internen Kürzeln blicke ich noch nicht durch – wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es ein Glossar der Abkürzungen“.

Andreas Kohlbecker vom ZKM Karlsruhe, welches Participant bei NFDI4Culture ist, war zum NFDI4Culture Community Plenary gekommen, um zu erfahren, was der aktuelle Stand des Konsortiums ist und wohin die Reise künftig geht – und auch, weil er gerne die Kommunikationskanäle des Konsortiums, wie beispielsweise den RocketChat, nutzen möchte. Des Weiteren nahm er am Workshop zu den Base4NFDI-Services teil:

„Da konnte man sehen, was sich inzwischen in der NFDI alles getan hat. Ich wollte mich informieren, wie genau ich die Tools bei uns im Haus nutzen kann, um Probleme zu lösen. Der Workshop war echt ein Highlight, weil sich danach ein Gesprächsfäden über die drei Konferenztage hinweg ergeben hat. Insgesamt hat es sich wirklich gelohnt, nach Mainz zu kommen, ich habe mich sehr wohl gefühlt, konnte mein Netzwerk erweitern – und NFDI4Culture kann tolle Parties feiern!“

Für die Zukunft möchte er dem Konsortium noch mit auf den Weg geben: „NFDI4Culture muss europäischer werden!“. Genau das hat NFDI4Culture mit seinen Internationalisierungsbestrebungen auch vor.

NFDI-Kollegin Veronica Haas (Universität Mannheim) vom Konsortium BERD@NFDI verabschiedete sich mit den Worten:

„So eine schöne Konferenz – und die Musikeinlagen waren beeindruckend!“

Auch NFDI4Culture freut sich, besonders nach diesem fruchtbaren Austausch, dem gemeinsamen Lernen, Glitzern, Feiern, Netzwerken, Diskutieren, Konzert-Erleben, Schlemmen und Tanzen, auf ein Wiedersehen mit der Community – allerspätestens beim nächsten Culture Community Plenary!

Gruppenfoto von NFDI4Culture und der Community
NFDI4Culture und die Community – Autor:in: Alexander Stark

Neuausschreibung: Call for Hosts DHd2028

2026年1月28日 01:28

Nachdem es keine Bewerbungen auf den zuletzt ausgeschriebenen Call for Hosts für die DHd2028 gab, wird dieser nun mit einer veränderten Einreichungsfrist erneut ausgeschrieben.

DHd20xx ist die jährliche, internationale Fachtagung der Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd, https://digitalhumanities.de) und die führende wissenschaftliche Konferenz für die Digital Humanities im deutschen Sprachraum. Die erste Tagung fand 2014 an der Universität Passau statt, die weiteren Stationen waren 2015 an der Karl-Franzens-Universität Graz, 2016 an der Universität Leipzig, 2017 an der Universität Bern, 2018 an der Universität zu Köln, 2019 an den Universitäten Mainz und Frankfurt /Main und 2020 an der Universität Paderborn. Pandemiebedingt wurde die DHd2021 um ein Jahr verschoben. Die DHd2022 wurde von der Universität Potsdam und der Fachhochschule Potsdam virtuell durchgeführt, die DHd2023 wurde gemeinsam von den Universitäten Trier und Luxemburg ausgerichtet. DHd2024 fand an der Universität Passau statt und der Ausrichtungsort der DHd2025 war die Universität Bielefeld/FH Bielefeld. Die DHd2026 wird an der Universität Wien stattfinden und die DHd2027 wird von der Universität Marburg ausgerichtet.

Der Fachverband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum bittet nun um Bewerbungen um die Ausrichtung für die vierzehnte Tagung (DHd2028). Da der Fachverband anstrebt, die Konferenz wechselnd in Deutschland und außerhalb Deutschlands zu veranstalten, freuen wir uns wieder besonders über Bewerbungen von Einrichtungen aus dem deutschsprachigen Raum außerhalb Deutschlands.

Bisherige Konferenzen haben bis zu 650 Teilnehmer:innen aus dem deutschsprachigen Raum und angrenzenden Ländern angezogen. Die Tagungsprogramme sahen jeweils zwei Tage für Workshops und drei Tage für das Hauptprogramm bestehend aus Keynotes, parallelen Sektionen mit wissenschaftlichen Vorträgen, Paneldiskussionen, Posterpräsentationen und Doctoral Consortia vor. Die Einführung neuer Formate ist in Abstimmung mit dem Verband und dem Programmkomitee möglich.

Das wissenschaftliche Programm der Tagung wird durch ein vom Fachverband eingesetztes internationales Programmkomitee auf Grundlage eines Call for Papers und eines anschließenden Review-Verfahrens erstellt. Das Konferenzprotokoll des DHd-Verbands muss berücksichtigt werden.

Die Tagung finanziert sich über Teilnahmegebühren und von der ausrichtenden Institution bereitgestellte oder über Partner:innen oder Sponsor:innen eingeworbene finanzielle Mittel. Die erhobene Tagungsgebühr ist mit dem Vorstand des Fachverbandes abzustimmen und soll vier Kategorien umfassen: reguläre und ermäßigte Mitglieder des DHd (letztere im Sinne der Regelung zur ermäßigten Mitgliedschaft im DHd-Verband) sowie reguläre und ermäßigte Nicht-Mitglieder des DHd. Die Tagungsgebühr muss für Nicht-Mitglieder mindestens die Tagungsgebühr für Mitglieder des DHd zuzüglich des Mitgliedsbeitrags plus 5 Euro betragen, wobei die jeweils relevante Beitragskategorie berücksichtigt werden muss.
Die Bewerbung um die Ausrichtung der DHd2028 soll umfassen:

  • einen Vorschlag für ein Tagungsmotto sowie zwei Terminvorschläge (bevorzugt im Zeitraum Februar bis März). Bei der Terminplanung soll auf potentiell konkurrierende Konferenzen, Semesterzeiten und Feiertage sowie Schulferien geachtet werden.
  • einen Überblick über die für die Konferenz bereitgestellte Infrastruktur (vor allem Tagungsräume für Workshops, AG-Sitzungen, parallele Sektionen und Plenarveranstaltungen)
  • Aussagen über die Unterstützung der Ausrichtung vor Ort (z.B. durch die Universitätsleitung)
  • eine Aussage über die Verwendung von Management- und Bezahlsystemen (das System Conftool ist dafür etabliert und soll zumindest für die Einreichungen genutzt werden)
  • eine Aussage über die Unterstützung der Publikation der Tagungsbeiträge in Kooperation mit dem Data Steward des DHd-Verbands
  • Angaben zur Erreichbarkeit des Tagungsortes (bzw. ggf. der Tagungsorte) und die Verfügbarkeit von Unterkünften (inkl. Preisschätzungen)
  • eine Einschätzung zu den Möglichkeiten einer teilweisen virtuellen Partizipation
  • Ideen für Social Events
  • Vorschläge zur Erreichung einer hohen Sichtbarkeit der Tagung
  • Maßnahmen zur Förderung von Nachwuchswissenschaftler:innen (inkl. Studierende)
  • eine vorläufige Kostenkalkulation und Vorstellungen über die Tagungsgebühr
  • ggf. Preiskonzept bei Planung einer vollständigen Hybridkonferenz
  • eine Erklärung, dass die Konferenz entsprechend der im Konferenzprotokoll dargelegten Bedingungen ausgerichtet wird

Bewerbungen werden bis 31.05.2026 entgegengenommen (formlos per E-Mail an den Tagungskoordinator im Vorstand des Fachverbandes,  Nils Reiter: nils.reiter@uni-koeln.de). Interessierte Ausrichter:innen werden gebeten möglichst frühzeitig, in jedem Falle aber vor Einreichung ihrer Bewerbung, mit Nils Reiter Kontakt aufzunehmen. Die Bewerbung sollte zehn Seiten möglichst nicht überschreiten. Die Vergabe der Tagung erfolgt durch den Vorstand des Fachverbandes bis spätestens 15.06.2026.

Online-Konferenz „Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter 2026“ 19.-23.01.2026

2026年1月15日 16:25
Das Belvedere Research Center freut sich, die mittlerweile achte Ausgabe seiner Konferenzreihe zur digitalen Transformation von Kunstmuseen zu präsentieren. Eine Keynote-Lecture, vier thematische Online-Sessions, ein Workshop vor Ort sowie eine Podiumsdiskussion beleuchten aktuelle Entwicklungen, ethische Spannungsfelder und konkrete Praxisbeispiele. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit der Frage, wie Museen digitale Verantwortung übernehmen und aktiv zur Stärkung einer offenen, reflektierten Informationskultur beitragen können.
 
Für die diesjährige Keynote Lecture konnte Oonagh Murphy, Senior Lecturer in Digital Culture and Society an der Goldsmiths, University of London, gewonnen werden, die ihren Vortrag „Responsible AI as a Cultural Imperative“ präsentieren wird. Das komplette Programm sowie alle relevanten Informationen samt der kostenlosen Anmeldung entnehmen Sie bitte unserer Webseite: https://www.belvedere.at/digitalmuseum2026

Eindrücke der Digital Humanities Benelux 2025 in Amsterdam

2026年1月1日 01:00

Die Digital Humanities Benelux 2025 fand in diesem Jahr vom 4.-6. Juni in den Niederlanden, genauer gesagt in Amsterdam, statt und wurde dort an der Freien Universität (Vrije Universiteit) ausgerichtet. Der gesamte Universitätskomplex ist neu und umfangreich ausgestattet. So gab es eine größere Outdoor-Anlage mit Möglichkeiten für Calisthenics sowie drei Beachvolleyballcourts mitten auf dem Unicampus. Das machte gleich zu Beginn Eindruck.

Anlage auf dem Campus der Universität in Amsterdam (Vrije Universiteit) mit Trainingsmöglichkeiten.
Anlage auf dem Campus der Universität (Bild: Vivian Rätzke).

Aber der Grund für meine Reise war ein anderer – gerne wollte ich die Digital Humanities Benelux besuchen und durfte eine ereignisreiche Tagung miterleben. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit dazu hatte und möchte mich an dieser Stelle sehr herzlich bei dem Verband Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd e.V.) für die großzügige Unterstützung in Form eines Reisekostenstipendiums bedanken, das mir die Konferenzteilnahme ermöglichte.

Im Vorfeld zur Tagung gab es eine Vielzahl an Pre-Workshops, die am Tag vor dem offiziellen Beginn stattfanden. In meinem Fall fiel die Wahl auf Working with colonial Digital Cultural Heritage, Approaches, Tools, and Transnational Insights. Es handelte sich dabei um einen Workshop zum Umgang mit kritischen Metadaten bei Museumsobjekten aus dem Kolonialkontext. Dieser Workshop beleuchtete unterschiedliche Perspektiven und machte bewusst, was nicht auf Anhieb offensichtlich war, zum Beispiel den Verlust an Informationen bei Objekten aus dem rituellen Kontext. In diesem Rahmen konnten Beispielobjekte aufgezeigt werden, für die weitere Metadaten in Gruppenarbeiten von uns hinzugefügt wurden. Dies geschah unter dem Gesichtspunkt, welche Metadaten fehlen, aber auch welche Metadaten verändert werden müssten. Einer der aufgeworfenen Punkte, war, inwiefern Personen der betreffenden kulturellen Einflüsse in die Erstellung von Metadaten des jeweiligen Objekts einbezogen wurden oder werden sollten, um die Informationen weiterzugeben und darüber hinaus die Suche zu erleichtern. Es wäre ein wichtiger Beitrag, dass essentielle Informationen zu den Objekten und dem Kontext nicht verloren gingen, sondern für die Nachwelt erhalten blieben. Dies wäre auch ein Zeichen des Respekts im Rahmen der Aufarbeitung.

Da der Workshop nur einen halben Tag gehen sollte, buchte ich mir für den restlichen Tag einen Slot im Museum und hatte die Gelegenheit, das Kulturangebot der Stadt Amsterdam genießen zu dürfen.

Fußweg zur Tagung durch die Natur mit einem Gewässer.

Fußweg zur Tagung (Bild: Vivian Rätzke).

Am nächsten Tag ging es weiter mit der offiziellen Eröffnung der Tagung, die insgesamt zweieinhalb Tage gehen sollte. Jedoch ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie sie zum Wochenende hin enden würde, aber dazu später mehr.

Insgesamt gab es während sämtlicher Präsentationen, Vorträge zu drei parallel stattfindenden Sessions. Dies bot ein überaus umfangreiches und vielseitiges Programm für jeden Geschmack und unterschiedliche fachliche Hintergründe. Darunter fielen zum Beispiel Vorträge zur 3D-Modellierung in der Archäologie und X-Analysen anhand von Daten der Geschichtswissenschaften.

Das Reisestipendium eignete sich ideal für die Reise nach Amsterdam, denn die Tagung war international gut besucht und dementsprechend anregend im Austausch über aktuelle Themen der Digital Humanities (DH). Eröffnet wurde die Vortragsreihe mit einer Keynote von Barbara McGillivray vom King’s College London mit Tracing meaning across time: computational and human-centred approaches to semantic change. Noch eine Keynote gab es von Lise Jaillant mit AI to Unlock Archives: Revolutionising Access to our Digital Past. Beide Vorträge waren über die Maße interessant und stark besucht. Mit großem Interesse wurden zum Schluss Diskussionen mit den Tagungsteilnehmenden geführt.

Während der Tagung konnte ein dynamisches Miteinander unter den Tagungsteilnehmenden beobachtet werden. Nicht nur spannende Vorträge gab es, sondern auch eine Poster-Session sowie eine Demonstrationssitzung. Diese sowie das Rahmenprogramm förderten die Möglichkeiten der Vernetzung innerhalb der Digital Humanities Community.

Ein interessanter Punkt des angebotenen Zusatzprogramms war die Möglichkeit, an der Bibliotheksführung der ausrichtenden Universität teilzunehmen. Bei dieser Gelegenheit wurde nicht nur ein Einblick in historische Objekte wie einen Globus oder eine Karte von Japan gegeben, sondern auch ein Projekt vorgestellt, bei dem es darum ging, assyrische Tontafeln für Unterrichtszwecke zu scannen, als 3D-Modelle zu erstellen sowie mit dem 3D-Drucker zu drucken. Diese Kopien der Tontafeln wurden herumgereicht und konnten angefasst sowie ausführlich begutachtet und untersucht werden.

Wann bekommt man schon einmal die Gelegenheit, die Struktur eines antiken Objektes ausgiebig abtasten und die Keilschrift erfühlen zu dürfen? Alles natürlich unter dem Gesichtspunkt, dass das Original unberührt, unversehrt und geschützt blieb. Nicht zu vergessen, dass sogleich eine Expertin unter uns Teilnehmerinnen und Teilnehmern anfing zu erklären, worum es sich dabei genau handelte. Frau Dr. Anouk Nuijten, die auch Ansprechpartnerin für das Projekt ist, berichtete uns zusammen mit ihrem Kollegen Aidan Houtkamp mehr über die Eindrücke von den 3D-Modellen und den angefertigten Repliken im Rahmen von Digital Impressions: Creating 3D Models of Clay Tablets. Weiterhin können die Objekte hier gefunden werden.

Eine Tontafel wird gescannt.
Eine Tontafel wird gescannt (Bild: Vivian Rätzke).
Ausschnitt aus einem Projekt der Universität in Amsterdam.
Ausschnitt des Modells (Bild: Vivian Rätzke).

Der Austausch während der Tagung war produktiv und förderte die internationale Vernetzung zwischen den mehr als 200 Tagungsteilnehmenden sehr. Die anschließenden Diskussionen waren anregend und ermöglichten neue Ideen für Herangehensweisen zukünftiger Forschungsprojekte. Aber auch die Poster- und Demo-Sessions gaben Aufschluss über vielversprechende Möglichkeiten, die in DH genutzt werden können.

Das Organisationsteam vollbrachte eine reife Leistung. Wie schon erwähnt, bot das Ende der Tagung eine überraschende Herausforderung. Bereits zu Beginn stießen die Raumkapazitäten an ihre Grenzen und es mussten kurzerhand größere Räumlichkeiten der Universität zur Verfügung gestellt werden. Zwischenzeitlich gab es ein hohes Aufkommen, dass zuvor sogar auf dem Fußboden Platz genommen worden war, da sich niemand die spannenden Präsentationen entgehen lassen konnte. Womit zu guter Letzt jedoch kaum jemand gerechnet hatte, war der landesweite Bahnstreik der niederländischen Bahn, der dafür sorgte, dass spontan umdisponiert werden musste. So kam es, dass einige bereits einen Tag früher abreisten und andere wiederum ihren Aufenthalt um einen Tag verlängerten. Gleichzeitig wurde das Programm von einem auf den anderen Tag von einem Präsenzmodell zur Hybridtagung am letzten Veranstaltungstag umgewandelt. Der Plan ging auf und alle Vorträge konnten stattfinden. Organisatorisch wurde dies flexibel gehandhabt, jedoch waren am letzten Tagungstag keine Fahrten innerhalb der Niederlande möglich. Ich hatte ohnehin geplant, eine Nacht länger zu bleiben und konnte erfreulicherweise ohne Probleme am nächsten Tag weiterfahren.

Die Digital Humanities Benelux 2025 war ein Erlebnis, das ich nicht vergessen werde. Der Besuch der Tagung hat mich fachlich weitergebracht, dazu geführt, dass ich mich intensiver mit bestimmten DH-Themen auseinandergesetzt habe und mir durch die Vorträge und den Austausch dabei geholfen, neue Ideen im Rahmen meiner Masterarbeit zu entwickeln. Sogar die Aussicht auf ein Ministipendium im Rahmen meiner Abschlussarbeit für die Nutzung eines KI-Tools habe ich dadurch bekommen. Die Möglichkeit und die besondere Erfahrung möchte ich nicht missen und werde mit Freude daran zurückdenken.

Unterwegs zur Tagung durch die Natur mit Blick auf einen Fluss.
Unterwegs zur Tagung durch die Natur (Bild: Vivian Rätzke).

Die Digital Humanities Benelux wird im kommenden Jahr 2026 erneut in den Niederlanden, aber dieses Mal in Maastricht, stattfinden. Wir können gespannt sein, was uns beim nächsten Mal erwartet.

Abschluss der Konferenz am letzten Tag im Hörsaal.
Abschlussbild der Tagung (Foto: Vivian Rätzke).

Call for Papers: 16. Studierendenkongress der Komparatistik „Literatur und Digitalität“

2025年12月3日 20:57

Der 16. Studierendenkongress der Komparatistik (SKK) findet vom 14.-16. Mai 2026 zum Thema Literatur und Digitalität an der Universität Halle statt. 

Der Call for Papers richtet sich an Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen, die sich in ihrer Forschung mit Themen rund um Literatur und Digitalität beschäftigen. 

Schon längst hat die Digitalität Produktion, Rezeption sowie die Form literarischer Texte verändert. Diese digitale Durchdringung des Literarischen beeinflusst dabei nicht nur individuelle Lektürepraktiken, sondern auch unser wissenschaftliches Forschungsinteresse: Wie beeinflusst KI die Debatte um Autor*innenschaft? Welche Rolle spielen digitale Buchplattformen bei Kanonisierungsprozessen? Wie verändert distant reading unser Verständnis von Literatur(wissenschaft)? Wie beeinflussen digitale Strukturen das Bias in Bezug auf raceclass und gender? Wie wird Digitalität als Motiv in der Literatur verhandelt?

– Literarische Phänomene im digitalen Raum 

digitale Phänomene im literarischen Raum –

Wir freuen uns über Beiträge, die über die Herausforderungen und Chancen des (produktiven) Verhältnisses von Literatur und Digitalität nachdenken. Willkommen sind Perspektiven, die dieses Verhältnis methodisch (etwa im Einsatz digitaler Forschungsansätze in den Computational Literary Studies), inhaltlich (in der Auseinandersetzung mit digitalen Themen und Motiven) oder medial (in neuen Formen und Praktiken literarischer Produktion und Rezeption) reflektiert beleuchten. Auch Beiträge, die sich mit institutionellen Veränderungen des Literaturbetriebs oder des Textbegriffes im digitalen Zeitalter beschäftigen, sind ausdrücklich erwünscht.

Weitere Informationen zum Call for Papers und dem Bewerbungsverfahren unter: 

https://blogs.urz.uni-halle.de/komparatistikkongress2026

Bewerbungen können bis zum 18.01.2026 eingeschickt werden: skk2026@germanistik.uni-halle.de. Bei Fragen stehen wir euch jederzeit zu Verfügung. 

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