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Workshop „Rethinking Openness in 2025. Open-Science-Transformation in der Kommunikations- und Medienwissenschaft im Zeitalter von KI“

2025年9月8日 14:29

Workshop des FID Media

 

Freitag, 24. Oktober 2025

Vortragssaal der Universitätsbibliothek Marburg

Deutschhausstr. 9, 35032 Marburg

 

Die Frage, was Openness in und für die Wissenschaft(en) meint, ist seit dem Aufkommen der Open-Science-Bewegung einem kontinuierlichen Wandel unterworfen. Allerdings war die Stoßrichtung bisher stets klar – es wurde eine zunehmend umfassendere Öffnung wissenschaftlicher Veröffentlichungen, Daten, Software, Methoden oder Infrastrukturen angestrebt (vgl. UNESCO Recommendation on Open Science 2022). Lediglich datenethische Erwägungen, wie bspw. in den CARE-Prinzipien (vgl. Carroll et al. 2020) formuliert, standen dem partiell entgegen.

Gegenwärtige Entwicklungen um die Einsatzmöglichkeiten wie Datenquellen Künstlicher Intelligenz, eine datenbasierte Kriegsführung, populistische Kulturkämpfe und Vereinnahmungsversuche oder eine zunehmende gesellschaftliche Polarisierung werfen Fragen nach einer kritischen Reflexion von Openness auf. Was heißt ‚offen‘ in diesem Zusammenhang? Wann und wo sind Formen der Schließung sinnvoll oder erforderlich? Und was bedeuten derartige Überlegungen für die arbeitspraktische Ebene von Wissenschaft? Letztlich geht es somit um eine Diskussion wie Bestandsaufnahme des status quo der Openness und der damit verbundenen Open-Science-Transformation. 

Diese Diskurse sind für die Kommunikations- und Medienwissenschaft besonders relevant, da es nicht nur die eigene fachliche digitale Transformation betrifft, sondern auch die Gegenstandsbereiche der Forschung selbst. Denn nicht zuletzt sind Fachdisziplinen, die sich mit der Kommunikation und deren medialen Ausdrucksformen auseinandersetzen, besonders geeignet, Wissenschaftskommunikation wie auch deren Medien und Infrastrukturen kritisch zu reflektieren. Deshalb widmet sich die Veranstaltung den Themenbereichen Offenheit und Kommunikation, Daten und Digitalität sowie Infrastrukturen. Der Workshop möchte einen Diskursraum schaffen, Perspektiven und Menschen zum Themenbereich vereinen und hieraus zentrale Bedarfe und Anforderungen für die Gestaltung fachspezifischer Informationsinfrastrukturen ableiten. 

Bitte registrieren Sie sich unter dem folgenden Link: redcap.kks.uni-marburg.de/surveys/?s=YHDJDNPEMCWWCX8W

 

Programm

9:00 – 10:00 Registrierung & Kaffee

10:00 – 10:30 Open-Science-Transformation in der Kommunikations- und Medienwissenschaft

  • Malte Hagener und Andrea Wolff-Wölk (Philipps-Universität Marburg): Begrüßung
  • Kai Matuszkiewicz (Philipps-Universität Marburg): Rethinking Openness in 2025 – eine thematische Einführung

10:30 – 10:45 Kaffeepause

10:45 – 12:15 Panel 1: Offenheit und Kommunikation

  • Sophie G. Einwächter (Philipps-Universität Marburg): Strukturelle Hürden und strategische Grenzen. Zur notwendigen Ambivalenz von Openness
  • Franziska Heller (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg): „I’m open. Are you?“ (Digitale) „Openness“ als medienkulturelle Praxis
  • Niels-Oliver Walkowski (Universität Luxemburg): Openness an ihren Grenzen. Auszüge andauernder Diskussionen über einen „offenen Zugang“ in den Wissenschaften

12:15 – 13:15 Mittagessen (Vorraum)

13:15 – 14:45 Panel 2: Daten und Digitalität

  • Denise Sommer (Ostfalia Hochschule): Von der Verdatung zur Datafizierung – kommunikationswissenschaftliche Forschung in datengetriebenen Zeiten
  • Gerhard Lauer (Johannes-Gutenberg-Universität Mainz): Infrastrukturen gegen/für Science Tracking
  • Thomas Scherer (Europa-Universität Viadrina): Offene Filmwissenschaft? Zwischen Urheberrecht, Computer-Vision-Disruption und Datenethik

14:45 – 15:00 Kaffeepause

15:00 – 16:30 Panel 3: Infrastrukturen

  • Stefan Höltgen (Universität Bonn): Materielle Infrastrukturen. Möglichkeiten der Vernetzung akademischer Game-Preservation-Initiativen
  • Götz Lachwitz (Deutsches Rundfunkarchiv): Archivöffnung. Perspektiven aus dem Deutschen Rundfunkarchiv
  • Christine Kopf (Deutsches Filminstitut & Filmmuseum): tba

16:30 – 16:45 Schlussworte und Verabschiedung

Jetzt anmelden: DIGITALE W/ENDEN. DIS/KONTINUITÄTEN DIGITALER KULTUREN.

2025年8月6日 21:14

Jahrestagung des Forschungsschwerpunkt digitale_kultur der FernUniversität in Hagen in Kooperation mit der Abteilung Digitale Kultur des Dortmunder U | 27./28.11.25

Wird dem Wort ‚ENDE‘ ein unscheinbares ‚W‘ vorangestellt, kehrt sich die Bedeutung zwar nicht in ihr Gegenteil, jedoch ändert sich die Dynamik der Denkfigur drastisch: Die starre Abgeschlossenheit des ENDES verliert ihre Substanz, stattdessen offenbart sich die Prozessualität der WENDE, die einer vermeintlichen Finalität Zukunftshorizonte entgegensetzt. Mit einem ebensolchen Eingriff wird ein Spannungsverhältnis eröffnet, in das die Jahrestagung des FSP digitale_kultur DIGITALE W/ENDEN. DIS/KONTINUITÄTEN DIGITALER KULTUREN interveniert.

Die Tagung findet in Kooperation mit dem Fachbereich Digitale Kultur im Dortmunder U statt, um dem umwälzenden Potential nachzuspüren, das sich im Digitalen verbirgt. Ausgehend von dem künstlerischen, experimentellen und musealen Rahmen des Dortmunder U eröffnen sich Fragen sowohl nach räumlichen Bezügen des Digitalen sowie kuratorische Fragen des ‚Beleuchtens‘ und damit auch ‚In-Erscheinung-bringens‘. Die Projekte page21, das Digitale Koproduktionslabor und das Fulldome-Kino im Dortmunder U arbeiten gemeinsam mit Künstler*innen an neuen Schnittstellen von Kunst, Kultur, Storytelling und technologischer Innovation. Zudem werden der Hartware MedienKunstVerein, das Storylab KiU sowie die Akademie für Theater und Digitalität an der Tagung partizipieren.

Neben der Kooperation mit dem Dortmunder U wird beiden Forschungsgruppen des Forschungsschwerpunkts digitale_kultur Rechnung getragen, indem die FG Digitalisierung – Verkörperung – Subjektivierung und die FG digital humanities: Forschen im digitalen Raum mit ihrem je spezifischen Vokabular auf DIGITALE W/ENDEN antworten und so nicht nur in einen interdisziplinären Dialog treten, sondern selbst mit ihren jeweiligen Perspektivierungen Wendungen vollziehen.

Tagungswebsite: https://www.fernuni-hagen.de/forschung/schwerpunkte/digitale-kultur/jahrestagungen/jahrestagung2025.shtml

Anmeldungen an: d-k@fernuni-hagen.de

Veranstaltungsort:

27.11.: Dortmunder U | Leonie-Reygers-Terrasse | 44137 Dortmund |

28.11.: FernUniversität in Hagen (Gebäude 2) | Universitätsstr. 33 | 58097 Hagen

Organisation: Valentin Boczkowski (Dortmunder U), Dennis Möbus und Robert Schulz (FernUniversität in Hagen)

PROGRAMM

Tag 1 (27.11.25)

 

10:00

BEGRÜSSUNG

Grußworte

Stefan Heitkemper (Direktor Dortmunder U)

Stefan Stürmer (Rektor FernUniversität in Hagen)

Begrüßung

Jennifer Eickelmann, Almut Leh, Dennis Möbus und Robert Schulz für die FernUniversität in Hagen

Valentin Boczkowski, Laurin Bürmann und Anna Rumeld für das Dortmunder U

10:30

W/ENDE OFFEN: KUNST UND WISSEN(SCHAFT) IM DIGITALEN

Keynote

Katharina Kinder-Kurlanda (Uni Klagenfurt)

Moderation: Thorben Mämecke (FernUniversität in Hagen)

11:15

PAUSE

11:30

STAGING AI. Eine Inszenierung KI-generierter Textinterpretationen

Dennis Möbus (FernUniversität in Hagen), Almut Leh (FernUniversität in Hagen), Lina Franken (Uni Vechta), Philipp Bayerschmidt (FernUniversität in Hagen)

2:30

MITTAGSPAUSE

13:30

RAGEQUIT AGAINST THE MACHINE

Residency 1 des Dortmunder U

Christian Minwegen

Szenische Forschung zu Grenzüberschreitungen im Netz

Moderation: Valentin Boczkowski

YOU AND I IS I AND YOU

Residency 2 des Dortmunder U

Manuel Talarico

Künstlerische Forschung zu Deep Fakes                                                

Moderation: Anna Rumeld

14:15

PAUSE

14:30

CREATIVE CODING ALS KUNST

Workshop: Koproduktionslabor

                                                                                         

Flore Alonso

DIGITALE ERZÄHLWELTEN

Workshop: page21

The Farewell – Erinnerung formen mit Körper, Sprache und 3D-Scan

Anna Rumeld und Aldina Okerić

15:30

KURATORISCHE W/ENDEN IN DIGITALEN KULTUREN.

Talkformat

Inke Arns (Hartware Medienkunstverein – HMKV)

Jennifer Eickelmann (FernUniversität in Hagen)

Moderation: Julia Fischer (FernUniversität in Hagen)

16:00

AUSSTELLUNGSBESUCH

Kurzbesuch/-führung GENOSSIN SONNE im HMKV

16:30

PAUSE

17:00

DIGITALE W/ENDEN IM THEATER
Residency 3 der Akademie für Theater und Digitalität

Forschungsimpuls von Jakob Lorenz und Thomas Meckel von SONA VR

Moderation: Annabell Blank (Akademie für Theater und Digitalität)

17:30

KiU-TALK DES STORYLAB

mit Jonathan Harth (Witten/Herdecke)

Moderation: Tobias Bieseke (FH Dortmund)

19:00

BREAK

20:00

DIGTALE W/ENDEN DER MUSIK

Digitale Soundexploration des DJ-Duo A2ICE & B03 (Lex Rütten & Jana Kerima Stolzer)

Tag 2 (28.11.25)

 

9:30

VERSTEHEN IM VOLLZUG DIGITALER W/ENDEN

Selbstverständnisse über das Verstehen in digitaler Kultur

Forschungsgruppe Digitalisierung – Subjektivierung – Verkörperung: Theoretischer Zugang
Peter Risthaus (FernUniversität in Hagen)

Forschungsgruppe digital humanities: Praktischer Zugang
Almut Leh (FernUniversität in Hagen) und Dennis Möbus (FernUniversität in Hagen)

Dortmunder U/Akademie für Theater und Digitalität: Künstlerische Forschung
Jana Kerima Stolzer und Lex Rütten

Moderation: tba.

10:00

IM BLICK DER ANDEREN – WIE DIGITALE BLICKE UNSER SELBST UND UNSER BILD VON ANDEREN FORMEN

Podiumsdiskussion mit Residencies des Dortmunder U

Moderation: Valentin Boczkowski (Dortmunder U)

10:45

Pause

11:00

12:00

DEN BLICK AN/WENDEN

DOPPELVORTRAG

Moderation: Carolin Rolf (FernUniversität in Hagen)

11:00

SUTURE YOURSELF! Pt. 1

Tanja Prokić (LMU München)

11:20

SUTURE YOURSELF! Pt. 2

Irina Gradinari (FernUniversität in Hagen)

11:40

DISKUSSION: DEN BLICK AN/WENDEN

12:00

DIGITAL SITUIERT. DIGITALE W/ENDEN DES (LEIB-)KÖRPERS

Vortrag

Thomas Bedorf (FernUniversität in Hagen)

Moderation: Robert Schulz (FernUniversität in Hagen)

12:30

Pause

13:30

15:00

W/ENDEN DER ERINNERUNGSARBEIT

Panel

Moderation: Isabelle Sarther (FernUniversität in Hagen)

13:30

ENDE DER ZEITZEUG*INNENSCHAFT? ERFAHRUNG AUS FÜNF JAHREN PRAXIS MIT DIGITALEN ZEUGNISSEN

Ernst Hüttl (LMU München)

14:00

(E)MOTION SICKNESS WARNING: DIE HERAUSFORDERUNG DER (HYPER) EMOTIONALISIERUNG IN GESCHICHTSBEZOGENEN IMMERSIVEN VR-MEDIEN MIT ZEITZEUG*INNENINTERVIEWS

Roman Smirnov (Ruhr Universität Bochum)

14:30

LEBENSSPEICHER. ZEUG*INNENSCHAFT UND ZEITLICHKEIT IM ZEITALTER DES SMARTPHONES

Felix Ackermann (FernUniversität in Hagen)

15:00

VERABSCHIEDUNG

Als feministische Medienwissenschaftlerin auf der DHd2025 – Reflexionen von den disziplinären Rändern

2025年6月4日 15:18

In diesem Beitrag gebe ich Einblick in meine Konferenzerfahrung auf der DHd2025 und lege hierbei den Fokus auf Aspekte, die mit meiner Perspektive als einer Doktorandin verbunden sind, die sich thematisch und disziplinär in einem Feld bewegt, das auf DH-Konferenzen deutlich unterrepräsentiert ist. Dieses Feld zeichnet sich durch eine Verbindung aus medienwissenschaftlichem Hintergrund mit starkem DH-Bezug, feministischem Ansatz, filmhistorischem Forschungsgegenstand und der Anwendung digitaler Methoden aus. Mit dieser im Kern interdisziplinären Verortung ergaben sich auf der DHd2025 zahlreiche Anknüpfungspunkte, gleichzeitig stellte sich jedoch ein gewisses Gefühl der fachlich-thematischen Vereinzelung ein, das ich im Folgenden diskutieren möchte.

Computational Literary Studies und LLMs als Schwerpunkte im Programm

Ein Blick in das Programm der DHd2025 macht deutlich, dass von insgesamt 27 Panels ganze 10 einen vornehmlich literaturwissenschaftlichen Fokus hatten (hierunter habe ich alle Panels gefasst, die unter den Titeln „CLS Methoden“ und „Editionen“ stattfanden oder den literaturwissenschaftlichen Fokus anderweitig im Titel des gesamten Panels oder den einzelnen Vorträgen erkennen ließen, wobei anzumerken ist, dass in den Editionen-Panels auch ein einzelner musikwissenschaftlicher Vortrag stattfand). Darüber hinaus gab es drei Panels im Rahmen des Doctoral Consortiums und jeweils zwei Panels zu „Digital History“, „Distant Viewing“ und allgemein zu „Large Language Models“ (ein drittes LLM-bezogenes Panel habe ich aufgrund der Schwerpunkte der Vorträge der digitalen Literaturwissenschaft zugeordnet). Außerdem gab es jeweils noch einzelne Panels zu „Forschungsdatenmanagement“, „3D-Daten“, „Modellierung“, „Projektarbeit“, „Normdaten“, „Metareflexion“ und „Wissenschaftsforschung“. Beschäftigt man sich genauer mit den Titeln der einzelnen Vorträge in diesen Panels, wird die disziplinäre und thematische Vielfalt der Digital Humanities jenseits literaturwissenschaftlicher Fragestellungen deutlich und es lassen sich Vorträge zu digitaler Kunstgeschichte, automatisierter Videoanalyse, dem Kulturerbe Tanz oder Datenvisualisierungen und -physikalisierungen finden, um hier nur einige wenige Themen herauszugreifen.

Würde ich außerdem noch die Posterbeiträge in meine Analyse einbeziehen, ließe sich sicherlich eine noch größere thematische Diversität feststellen. Da es mir an dieser Stelle jedoch um die Beschreibung von Tendenzen geht und Panels und Vorträge insgesamt einen höheren Stellenwert auf der Konferenz einnehmen, klammere ich die Posterbeiträge aus. Eine weitere Einschränkung meiner Analyse ist, dass ich mich lediglich auf das Programm der DHd2025 beziehe. Für eine umfassende Bewertung der DHd-Konferenzen im Hinblick auf die vertretenen Disziplinen wäre es jedoch notwendig, die Programme aller bisherigen Konferenzen zu berücksichtigen und miteinander zu vergleichen. Nur so ließen sich wirklich allgemeine Tendenzen herausarbeiten.

Diese Überlegungen gehen in Richtung der Frage nach einer Disziplingeschichte der Digital Humanities, wie sie im Rahmen des Panels Gemeinsame Baustellenbegehung – Digital Humanities und Wissenschaftsforschung auf der DHd2025 diskutiert wurde. Darin betonte Christof Schöch, dass sich die Computational Literary Studies, im Unterschied zu anderen Disziplinen, immer als Kern der Digital Humanities verstanden hätten. Entsprechend ist die Dominanz literaturwissenschaftlicher Fragestellungen auf der DHd2025 nicht sonderlich überraschend, auch wenn sie für die vorangehenden DHd-Konferenzen nicht in dieser Form zutreffen muss und diesbezüglich erst eine Analyse der bisherigen Konferenzprogramme konkretere Aussagen erlauben würde.

Medienwissenschaftliche Perspektiven im DH-Kontext

Als digitalaffine Medienwissenschaftlerin (oder medienwissenschaftlich situierte digitale Geisteswissenschaftlerin), die im Rahmen der von Sarah-Mai Dang geleiteten DAVIF-Forschungsgruppe untersucht, wie Metadaten zu Filmpionierinnen so aufbereitet werden können, dass sie langfristig nachnutzbar sind und zu einer höheren Sichtbarkeit der Forschung zu Frauen* im Frühen Kino beitragen, fühle ich mich mit meinem interdisziplinären Ansatz prinzipiell sehr gut verortet in den Digital Humanities. Die von mir besuchten DHd-, und DH-Konferenzen, sowie weitere disziplinrelevante Veranstaltungen lieferten insbesondere im Hinblick auf die digital-methodische Gestaltung meiner Dissertation wichtige Impulse. Gleichzeitig stellte ich fest, dass ich mich im Zuge der Datenmodellierung nicht ohne weiteres auf eine bereits existierende „Geschichte von Versuchen“ (Flanders und Jannidis 2015, 16) des Modellierens beziehen konnte, wie dies sicherlich in den Computational Literary Studies und anderen, eher im Zentrum der DH stehenden, Disziplinen der Fall ist. Stattdessen habe ich zu Beginn meiner Dissertation zunächst überlegt, an welche „Datenmodellierungsgeschichten“ anderer Sub-Disziplinen der DH ich anknüpfen könnte. Erst im Projektverlauf habe ich schließlich Filmografien als ein sinnvolles Objekt der Modellierung identifiziert, da sich hierdurch Anschlussmöglichkeiten an bereits existierende Modellierungsansätze in Filmarchiven und in der digitalen Filmgeschichtsschreibung ergeben.

Feministische Ansätze auf der DHd2025

Auf der DHd2025 erlebte ich viele interessante Gespräche und fand hilfreiche Bezugspunkte, insbesondere was die Modellierung von Unsicherheit, die Umsetzung der FAIR Prinzipien oder die Arbeit mit Wikidata betrifft, im Kern war ich mit einem Thema, das sich auf Forschung innerhalb der feministischen Filmgeschichtsschreibung bezieht, jedoch ein Stück weit eine Außenseiterin. Dieser Eindruck wurde zusätzlich dadurch verstärkt, dass neben meinem eigenen Vortrag, nur noch das Panel Gender (under) construction: Daten und Diversität im Kontext digitaler Literaturwissenschaft einen explizit feministischen Fokus hatte. Dies steht in starkem Gegensatz zu meiner Erfahrung auf der DHd2023, auf der die DHd-AG Empower nicht nur einen Workshop zu Data Feminism in DH angeboten, sondern darüber hinaus noch das Panel Open DH? Mapping Blind Spots durchgeführt hat.

Abschließende Überlegungen

Ich gehe davon aus, dass mein Eindruck angesichts einiger sehr präsenter Disziplinen (Computational Literary Studies und Digital History) und Themen (LLMs) eher eine thematische Außenseiterin auf der DHd2025 gewesen zu sein, kein Alleinstellungsmerkmal ist, sondern auch von anderen geteilt wird. Dafür spricht beispielsweise die Umfrage Is there a Digital Art Historian at the DHd? von Julia Neubauer, deren Titel suggeriert, dass auch Vertreter*innen der Kunstgeschichte das von mir beschriebene Gefühl der Vereinzelung auf DHd-Konferenzen teilen.

Es bleibt zu überlegen, welche Schlüsse aus diesen Beobachtungen gezogen werden können. Mit Blick auf die Annahmequoten der diesjährigen DHd habe ich mich etwa gefragt, welche weiteren vielfältigen disziplinären Verortungen und Bezüge in den abgelehnten Beiträgen zu finden wären. Womöglich (und durchaus wahrscheinlich) würde sich ein diversifiziertes Bild der Community zeichnen lassen, als dies im finalen Programm abgebildet ist. Dieser Kommentar ist dabei keineswegs als Kritik am Programmkomitee der DHd2025 gemeint, das die herausfordernde Aufgabe zu bewältigen hatte, aus einer sehr großen Anzahl an Einreichungen auszuwählen. Stattdessen finde ich es im Sinne einer Disziplingeschichte wichtig, danach zu fragen, wie die eher wenig präsenten Disziplinen in den Digital Humanities stärker sichtbar gemacht werden können. Im Zusammenhang mit den in den letzten Jahren entstandenen Angeboten für Promovierende in den DH1 erscheint es mir außerdem relevant, dass dabei versucht wird, auch die Bedarfe derjenigen abzudecken, die sich im Hinblick auf ihren disziplinären Hintergrund und den thematischen Fokus nicht im Kern der DH bewegen.

Im Sinne der produktiven Unfertigkeit, die Mareike König in ihrer Keynote beschrieben hat, schließe ich hiermit und freue mich auf die DHd2026 in Wien!

1Dazu zählen unter anderem das Mentoringprogramm des DHd-Verbands, das Promotionsnetzwerk des Datenkompetenzzentrums HERMES und das Promovierendennetzwerk Digital History von NFDI4Memory, das zuletzt ein Whitepaper zum digital-historischen Promovieren veröffentlicht hat.

Acknowledgements

Diesen Beitrag habe ich als Teil meiner Konferenzbegleitung für die DHd2025 verfasst, an der ich Dank eines von NFDI4Culture finanzierten Reisekostenstipendiums teilnehmen konnte. Für die Förderung bedanke ich mich sehr herzlich.

Referenzen

Baumann, Noah, Nicole Dresselhaus, Lilia Gaivan, Pia Geißel, Nina Günther, Annika Häberlein, Inga Lange, Holle Meding, Wienke I. Meyer, Alina Ostrowski, Nina C. Rastinger, Jascha Schmitz, Philipp Schneider, Roman Smirnov, Sophie Spliethoff, Elisabeth Tangerner (2025): White Paper „Digital-historisch Promovieren“ (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14969027

Eggert, Lisa und Sandra König (2025): „Gemeinsame Baustellenbegehung – Digital Humanities und Wissenschaftsforschung“. Book of Abstracts of DHd 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14943182

Flanders, Julia und Fotis Jannidis (2015): „Knowledge Organization and Data Modeling in the Humanities“, URL: https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/ frontdoor/deliver/index/docId/11127/file/flanders_jannidis_datamodeling.pdf (zugegriffen: 07.04.2025)

Gengnagel, Tessa, Sarah Lang, Nora Probst, Anja Gerber, Sarah-Mai Dang, Tinghui Duan, Till Grallert, Jana Keck und Julianne Nyhan (2023): „Open DH? Mapping Blind Spots“. Book of Abstracts of DHd 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.7715329

Junginger, Pauline (2025): „Kontext, Unsicherheit und Geschlecht im Fokus der Modellierung: Datenprinzipien für die feministische Filmgeschichte“. Book of Abstracts of DHd 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14943222

Mende, Jana-Katharina, Claudia Resch, Mareike Schumacher, Laura Untner, Imelda Rohrbacher, Elena Suarez Cronauer, Andrea Gruber und Frederike Neuber (2025): “Gender (under) Construction: Daten und Diversität im Kontext digitaler Literaturwissenschaft”. Book of Abstracts of DHd 2025, Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.14943036

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