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Rückblick auf die DHd 2026 – Nicht nur Text

2026年4月1日 15:53

Als Stipendiatin des DHd-Verbands obliegt es mir einen Blogeintrag bezüglich meiner Erfahrungen auf dieser Konferenz zu schreiben. An dieser Stelle möchte ich meinen herzlichen Dank an den DHd-Verband ausdrücken, ohne dessen Förderung ich nicht an dieser Konferenz hätte teilnehmen können. Da es sich dabei um meine allererste Konferenz gehandelt hat, bin ich dem DHd-Verband noch dankbarer für diese Chance!

Nachdem der genaue Programm-Ablauf online im Detail abgerufen werden kann, wollte ich die Konferenz nicht Schritt für Schritt protokollieren, sondern lieber erst etwas sacken lassen, um zu sehen, welche Elemente, denn den größten Eindruck hinterlassen haben. Zu den eindrucksvollsten Elementen zählen für mich die Räumlichkeiten, die eröffnende Keynote sowie einer der Workshops. Auch die hier nicht aufgeführten Panels, Sessions, Workshops, Vorträge und Diskussionen waren alle hervorragend und ich konnte aus allen, an denen ich teilgenommen habe, etwas mitnehmen, doch die im Folgenden genannten Elemente werden mich am längsten begleiten.

Imposante Räumlichkeiten

Auf Anhieb fällt da zunächst das imposante Hauptgebäude ein mit seiner in gleichem Maße wunderschönen als auch verwirrenden Architektur. Die zahlreichen breiten Treppen, die Statuen und der Stuck verleiten der Konferenz ein besonderes Flair, der schwer zu imitieren ist. Besonders stechen dabei natürlich die Festsäle heraus: nicht nur waren diese ein wahrer Augenschmaus mit ihren hohen, aufwändigen Stuck-Decken, es wurde auch besonders viel Zeit in ihnen verbracht, nachdem hier die regelmäßigen Kaffeepausen mit Gebäcken zur Stärkung zwischendurch verbracht wurden. Insgesamt hatte man dank der Kulisse das Gefühl in eine andere Welt eingetaucht zu sein, fern vom regulären Alltag und gefüllt mit Wissenschaft, Forscher:innen und digitalen Methoden.

An dieser Stelle kann auch generell die Verpflegung positiv hervorgehoben: zweimal am Tag wurden Kaffee, Tee und zahlreiche Variationen an Gebäck angeboten, mit sowohl pflanzlicher als auch tierischer Milch, die einen immer gestärkt in die nächste Veranstaltung ziehen haben lassen.

Eine andere Räumlichkeit, die starken Eindruck hinterlassen hat, war das Rathaus. Mit noch stärker verschachtelten Treppen als im Hauptgebäude der Universität Wien versetzt es einen direkt in vergangene Jahrhunderte. Noch beeindruckender war allerdings der Festsaal, welcher über und über mit Gold, Kristall und anderen Verzierungen prunkt. Während des Empfangs im Rathaus durch diesen Saal zu schlendern und die Verzierungen im Detail zu betrachten, war ein außergewöhnliches Vergnügen besonders, wenn man dabei in guter Gesellschaft war.

Keynotes und Datenaliens

Von den Keynotes ist mir vor allem die von Miriah Meyer zu „Data As _______: Exploring the Plurality of Data in Visualization“ in Erinnerung geblieben. Nicht nur war ihr Vortrag informativ und unterhaltsam, ihre PowerPoint-Präsentation war ein Zeichen ihrer Spezialisierung auf (Daten)Visualisierung. Grundlegend wurden in diesem Vortrag Fragen gestellt, wie Was sind Daten? Woher kommen sie? Wer macht Daten?. Eine Antwort, die mir dabei besonders in Erinnerung geblieben sind, waren die Datenaliens, die von Kindern kreiert und mit ihren eigenen Informationen gefüllt wurden. Das Konzept, das alles Daten sein können und jede:r Daten kreieren kann, mag zwar simpel sein, jedoch war es doch eine Epiphanie die mich in meinem weiteren Leben und Forschungsweg begleiten wird.

Ein beeindruckender Workshop

Besonders oft musste ich an den Workshop am Dienstag zu „LLMs unter Kontrolle: Offene Modelle in Forschung und Praxis“ von Jürgen Hermes, Kai Niebes, Sarah Oberbichler, Andreas Wagner zurückdenkend. Nicht nur wurde dieser sehr interessant und abwechslungsreich gestaltet, inhaltlich kann ich die vermittelten Kompetenzen, allen voran das Selbst-Hosten eines LLMs (selbst auf meinem alten Laptop), für meine Masterarbeit zur Erkennung generierter Paper direkt anwenden. Aus diesen Gründen möchte ich nun etwas vertiefter diesen Workshop beschreiben.

Beginnend mit einer theoretischen Einheit zu den Grundlagen von LLMs sowie verschiedenen Konzepte der Offenheit (Open Source vs. Open Weights) wurde eine solide gemeinsame Wissensbasis erarbeitet. Dabei wurde grundlegend die Architektur von LLMs erläutert sowie auf die Problematik von proprietären Modellen im Forschungskontext eingegangen. Im Anschluss gab es eine Praxis-Einheit in der gezeigt wurde, wie Modelle lokal auf dem eigenen Laptop zum Laufen gebracht werden können. Beginnend mit einer sehr hilfreichen Anleitung zum Starten einer virtuellen Umgebung und mehreren Python-Dateien mit denen man Schritt für Schritt an neue Elemente, wie System Prompts, herangeführt wurde. Eingegangen wurde dabei auch auf die verschiedenen Parameter, die zur Verfügung stehen, um den generierten Output zu beeinflussen, darunter auch die Temperatur oder der Seed.

Im Anschluss an die Mittagspause gab es dann den zweiten Theorieblock: der Einsatz offener LLMs (OpenLLMs) in den DH. Dabei wurde sowohl darauf eingegangen, welche Modelle verwendet werden und inwiefern general-purpose Modelle angemessen für die Forschung eingesetzt werden können als auch die Unterscheidung zwischen LLMs als Methode oder als Werkzeug erläutert und welche Folgen das jeweils mit sich bringt, vor allem in Bezug auf mögliche Risiken, die abgewogen werden müssen. Im Fokus stand dabei auch das Maß an Kontrolle über das verwendete Model: proprietäre Modelle bedeuten wenig Kontrolle, währen lokale Modelle mehr Kontrolle bieten können. Dann wurde noch darauf eingegangen, wie offene Modelle implementiert werden können: Beispiele für (Cloud) Server, wie HPC-Jupyter oder Huggingface Inference/Jobs und JupyterHubs, etwa vom Leibniz-Rechenzentrum oder vom RWTH der Universität Aachen wurden genannt. Außerdem wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die eigenen Institutionen eventuell auch High Performance Computing (HPC)-Dienste anbieten. Zum Abschluss wurde der Fokus noch auf die Evaluation und die möglichen Optionen gelegt: von programmatischer Evaluation bis verschiedene, bereits existierende Metriken wurde einiges genannt.

Besonders positiv hervorzuheben sind hier auch die verwendeten Bilder im Foliensatz: die Bilder stammen von https://betterimagesofai.org/, einer non-profit Kollaboration mit dem Ziel nicht-generierte Bilder rund um das Thema Künstlicher Intelligenz zur Verfügung zu stellen, um somit Stereotype und Klischees zu reduzieren. In Anbetracht des exzessiven Einsatzes von generierten Bildern in unserem Alltag mittlerweile (von Werbung im Kino bis Serviettenmotive), war es eine sehr willkommene Abwechslung, gerade in einem Workshop zum Einsatz von KI, keine generierten Bilder zu sehen.

Im direkten Anschluss an den zweiten Theorieteil folgte der zweite Praxisteil, welcher die Leistungsfähigkeit offener Modelle, wie etwa OLMO, aufgezeigt hat. Dabei wurde sowohl gezeigt wie über die Hugging Face Inference API als auch HuggingFace Jobs eingesetzt werden können.

Da ich in meiner Masterarbeit viel mit LLMs arbeite, wird besonders der Part zum selbst-hosten von Modellen mir viel weiterhelfen können und mir neue Optionen ermöglichen.

Fazit

Insgesamt war die DHd 2026 eine eindrucksvolle Konferenz, die verschiedene Themen- und Forschungsbereiche abgedeckt hat, manche vertraut, andere komplett neu, jedoch alle verbunden durch die Digital Humanities. Es war ein guter Einblick in Konferenzen und einen Teil der wissenschaftlichen Welt mit dem ich bisher noch keinen Kontakt hatte. Somit möchte ich mich noch einmal explizit beim DHd-Verband bedanken mir die Mittel gegeben zu haben, an dieser wunderbaren Konferenz teilgenommen haben zu können sowie grundlegend für das Ausrichten dieser Konferenz!

Nicht nur Text, nicht nur Daten…Sondern?

2026年3月31日 23:42

Dieser Blogbeitrag zur DHd2026 in Wien entstand im Rahmen des DHd Early Career Reisestipendiums, gefördert durch NFDI 4 Culture. Neben der statischen Fassung hier im Blog ist über den Button auch eine scrollbare Version über GitHub verfügbar.






Unter dem Motto „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ präsentierte sich die DHd 2026 in Wien als Einladung, die Vielfalt in der DH sichtbar zu machen. Als Erstbesucher, gefördert durch ein Early Career Reisestipendium von NFDI 4 Culture, konnte auch ich davon einen kleinen Ausschnitt erleben. Auch aus diesem begrenzten Blick sind dabei doch ein paar Themen geblieben, die sich in den von mir besuchten Sessions immer wieder verdichteten. Ausgehend davon stellt sich mein Bericht daher die im Motto implizit angelegte Frage nochmal ganz ausdrücklich:

Nicht nur Text, nicht nur Daten…SONDERN?


KI

Das Thema KI darf natürlich an keiner guten Konferenz fehlen – besonders nicht in den Digital Humanities. Auch an der diesjährigen DHd war das Thema daher wieder in vielen Beiträgen präsent. Dabei galt der Blick auf das Thema weniger dem Versprechen einer vollständigen Automatisierung bestimmter Schritte, sondern mehr als Werkzeug, um Zugänge zu schaffen. Zahlreiche Ansätze setzen auf geteilte Arbeit von Mensch und Maschine. Schlagwörter wie der Human-in-the-Loop markierten den Anspruch, selbst aktiv zu werden und gewonnene Ergebnisse nicht unreflektiert zu benutzen. Die Möglichkeit, durch die KI Zugänge zu schaffen wurde sowohl für DHler*innen, aber auch für potenzielle Nutzer*innen von DH-Produkten wie digitale Editionen erkannt. KI als archäologisches Werkzeug für ein Reverse Engineering vorhandener, nur schwer verständlicher Code- oder Datenstrukturen, aber auch durch die Verwendung eines Model Context Protocol als Zugriffspunkt für Nutzer*innen, die so im Dialog mit dem Sprachmodell die Daten durchsuchen können. Die Nutzung von KI als Aussicht auf neue Formen der Interaktion mit dem Material und als Mittel, um bestehende Barrieren zu senken.

Lessons Learned eines der ältesten DH-Projekte der Welt: Paradigmenwechsel von RDF-Strukturen zu AI-gestützter Erschließung in der MHDBDB

Zeppezauer-Wachauer, Katharina / Hintersteiner, Julia / van Beek, Alan / Steiner, Christian
Zum Beitrag auf Zenodo

Agenten im Dienst der Edition: Dialogische Zugänge zu digitalen Editionen mittels Model Context Protocol (MCP) basierten KI-Agenten

Westphal, Tim
Zum Beitrag auf Zenodo


Nachhaltigkeit

Auch das Thema Nachhaltigkeit hatte als Dauerbrenner der DH seinen festen Platz auf der diesjährigen DHd – nicht etwa deshalb, weil es so oft behandelt wird, sondern weil das Thema weiter brandaktuell bleibt. Zwischen technischem Anspruch, der Realität oft stark begrenzter Ressourcen und der Frage nach langfristiger Nutzung zeigt sich so eines der zentralen Spannungsfelder der Digital Humanities.

In den von mir besuchten Beiträgen wurde deutlich, dass digitale Editionen und Projekte nur dann langfristig erhalten werden können, wenn Nachhaltigkeit bereits früh in Planung und Konzeption mitgedacht wird. Projekte sollten ihre Komplexität am tatsächlichen Bedarf ausrichten und vorhandene Ressourcen berücksichtigen. Gleichzeitig können technische Strategien wie Reduktion (Minimalcomputing), die Nutzung wiederverwendbarer Module oder robuste Architekturen dazu beitragen, dass Projekte über längere Zeiträume nutzbar bleiben. Gerade Interfaces stehen hier im Fokus, da sie bei digitalen Editionen oft am zerbrechlichsten sind. Positiv aufgefallen war mir zumindest noch, dass in einem Beitrag auch die Barrierefreiheit über ARIA-Labeling berücksichtigt wurde – ein Ansatz, der gleichzeitig die Robustheit der Strukturen stärkt.

Der rosa Elefant im Raum oder: Wie viel Ewigkeit wollen wir uns leisten? Überlegungen zur langfristigen Verfügbarkeit digitaler Editionen

Esch, Claudia / Roeder, Torsten / Reul, Christian
Zum Beitrag auf Zenodo

QUEDEE: Quest for Unrelenting Experimentation of Durable Electronic Editions

van Zundert, Joris
Zum Beitrag auf Zenodo

Generische Editionen – Bottom up? Ein static-site-basiertes Template für die synoptische Darstellung der Textversionen von Wernhers driu liet von der maget – und anderer Texte.

Haak, Carl Friedrich / Viehhauser, Gabriel / Miklautsch, Lydia / Müller, Stephan / Andorfer, Peter
Zum Beitrag auf Zenodo

Nachhaltiger Betrieb generischer Forschungsdatenwerkzeuge: Erfahrungen aus 10 Jahren Spacialist

Derntl, Michael / Brendel, Heiko / Opel, Severin / Quénéherve, Geraldine / Offermann, Martin / Rosenkranz, Vinzenz
Zum Beitrag auf Zenodo


Perspektiven

Der Blick auf die eigene Arbeit und die erarbeiteten Ergebnisse wurde an der DHd in Wien aus verschiedenen Perspektiven. Verschiedene Beiträge wollten dafür sensibilisieren auch solche zuzulassen, die vielleicht weniger prominent sind – oder andere Aspekte betonen. Dabei lässt sich aus Bereichen wie der Gender-Forschung, Diversität, Multilingualität, Barrierefreiheit oder der Theorie viel Potential für eine inklusive und reflektierte Forschungspraxis gewinnen. Neue Perspektiven können in Daten neue Kontexte sichtbar machen. Methoden wie Data Crafting oder Entagled Data zeigen, dass Daten nicht nur produziert und gesammelt werden sollten, sondern stellen die Reflexion über verschiedene Kontexte von Daten in den Mittelpunkt. Perspektive in der DH heißt demnach, die eigenen Rahmenbedingungen mit-, um-, oder manchmal auch neuzudenken. Beginnen tut das oftmals aber erst bei der nötigen Sensibilisierung für diese.

The Dark Sides of DH revisited: From Utopia to Reality

Arnold, Matthias / Horváth, Alíz / Lang, Sarah / Müller-Laackman, Jonas / Roeder, Torsten
Zum Beitrag auf Zenodo

Nicht nur Text, nicht nur Daten … aber was dann? – ‚Theoretisieren‘ durch Praktiken in der digitalen Editorik, der Digital History und den Computational Literary Studies

Lucke, Alexa / Eggert, Lisa / Geiger, Jonathan D. / Gengnagel, Tessa / Hainke, Jessica / Hegel, Philipp / Schwandt, Silke / Untner, Laura / Wachter Christian
Zum Beitrag auf Zenodo

Translations and the gender gap in the German National Library: A case study for women writers

Teichmann, Lisa
Zum Beitrag auf Zenodo

Data As _______: Exploring the Plurality of Data in Visualization

Meyer, Miriah
Zum Text auf der DHd-Website

Digital Humanities Unpacked: The Politics and Practices of Data Work

Kinder-Kurlanda, Katharina
Zum Text auf der DHd-Website


Bilder

Die Beschäftigung mit Bildern in der DH wirkt – für mich zumindest – oft noch wie der Sonderfall. Wenn sich doch die meisten mit Texten beschäftigen, wirken Bilder mehr wie dekorativer Zusatz. Dass sich das vielleicht aktuell zu ändern scheint zeigten einige Beiträge an der DHd. Insbesondere aus der Digital Art History rückten mehrere Vorträge die Analyse, Erschließung und Auswertung von Bildmaterial in den Blick. Ob es um die optimale Mischung von Bildern aus Herbarien und Drucken als Trainingsdaten für KI, die Entwicklung von Klassifizierungssystemen für Bildbeschreibungen oder die Erkennung historischer Szenen geht – Bilder traten hier als eigenständige Forschungsobjekte auf, die neue Perspektiven ermöglichen. Die Ausführungen zeigten das ihnen innewohnende Potenzial, das weit über bloße Illustration hinausgeht.

Deep Seeing the Sacred: Zur KI-gestützten Analyse historischer Bilderzählungen

Bell, Peter / Verstegen, Ute
Zum Beitrag auf Zenodo

Die Erkennung von Pflanzen in Herbarien und Drucken: Kollektionsaufbau und Klassifikationsexperimente mit Bildanalyse-Systemen

Lindemaier, Lisa / Diem, Sebastian / Feuerstein-Herz, Petra / Draheim, Christina / Strötgen, Robert / Mandl, Thomas
Zum Beitrag auf Zenodo

From Miniature to Metadata: Transferring AI-Assisted Iconography to Medieval Manuscripts

Hintersteiner, Julia / Thomas, Drew B.
Zum Beitrag auf Zenodo




Mit Blick zurück sind mir doch einige Themen von der DHd 2026 in Wien ganz gut in Erinnerung geblieben. Insgesamt aber bleibt der Überblick aber weiter nur ein Ausschnitt. Auf jeden Fall zeigte sich für mich an der DHd die Vielfalt, die in den Digital Humanities steckt. Vielleicht lässt sich ja an das ein oder andere noch anknüpfen…

Lost & Found auf der DHd 2026

作者Marius
2026年3月20日 20:57

Im Februar 2026 hatte ich die Gelegenheit, mithilfe des Early Career Reisestipendiums an der DHd 2026 teilzunehmen. Mein herzlicher Dank gilt CLARIAH-AT, ohne deren Unterstützung meine Teilnahme nicht möglich gewesen wäre. Ebenso danke ich den Organisator*innen für diese beeindruckende Konferenz.

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Was passiert, wenn man als „Super Early Career Researcher“ mitten im Masterarbeitsstress zum ersten Mal eine mehrtägige wissenschaftliche Konferenz besucht? Man lernt eine Menge. Über das Fach, über die Community – und über sich selbst. Vor allem aber lernt man, dass man noch nicht so recht weiß, wie der Hase läuft. Oder wann er in welchem Raum sitzt.

Die DHd 2026 stand unter dem Titel „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ und war meine erste mehrtägige wissenschaftliche Konferenz. Eine Teilnahme an vorherigen Konferenzen war aufgrund mangelnder Finanzierung bisher nicht möglich gewesen. Nun war die Freude umso größer, nicht nur dabei zu sein, sondern auch ein Poster zu präsentieren, das im Rahmen des Projekts „AlgorithMIX#DDR“ gemeinsam mit Jannis Klähn, Pauline Graf und Anja Neubert entstanden ist. 

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Eine erste Konferenzteilnahme ist weniger ein einzelnes Event als vielmehr eine Mischung aus geballtem Input, Abenteuerreise, sozialem Experiment, und Improvisationstheater. Vor dieser Erkenntnis war ich erst mal eins: aufgeregt.

Um herauszufinden, ob es nur mir so ging oder ob es zum akademischen Initiationsritus dazugehört, habe ich auf der Konferenz mit Kolleg*innen gesprochen, die an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer akademischen Laufbahn stehen: Philipp Sauer, Katja Liebing, Franziska Naether und Uwe Kretschmer. Ihre Stimmen begleiten diesen Text.

Phase 1: Bevor es losging

Lange war unklar, ob ich die Konferenz organisatorisch überhaupt bewältigen würde. Deadlines, Datenauswertung, Textproduktion im Rahmen der Masterarbeit – und dazwischen die Frage: Wien? Hinzu kam die finanzielle Unsicherheit. Ich war nur für zwei Monate im Projekt angestellt und hatte während der Konferenz keine feste Stelle, über die Reisekosten hätten abgerechnet werden können. Also stand die ganz praktische Frage im Raum: Wenn ich das Stipendium nicht bekomme, zahle ich das alles privat?

Mit der Bestätigung des Erhalts des Reisekostenstipendiums hatte sich letztere Frage erfreulicherweise erübrigt. Allerdings hatte ich naiverweise vermutet, ein angenommener Beitrag bedeute automatisch eine Teilnahme. Turns out: dem ist nicht so. Dass man auch mit eigenem Poster eine Teilnahmegebühr entrichten muss, war meine erste kleine Konferenzerkenntnis. Als ich später den enormen Aufwand auf der Konferenz gesehen habe, habe ich sofort verstanden, weshalb das so ist. Die zweite: Workshops sind schneller ausgebucht, als man „Anmeldeportal“ sagen kann.

Und dann die sozialen Fragen: Wie läuft das mit der Verpflegung? Mit wem verbringe ich die Pausen? Wird man alleine mit der Kaffeetasse in der Ecke stehen? Was macht man abends nach den inhaltlichen Parts?

Glücklicherweise wurde mir von Weggefährt*innen der Computational Humanities Gruppe der Uni Leipzig sowie von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig früh signalisiert, dass ich mich an die Leipziger Gruppe „dranhängen“ könne. Dass solche Angebote kein Zufall sind, wurde mir erst im Gespräch mit Franziska klar: Sie sieht es mittlerweile als Teil ihrer Rolle als Hochschullehrerin, jüngere Kolleg*innen mitzuziehen, zu vernetzen und in die Community einzuführen. Es gibt also auf der anderen Seite Leute, die genau das bewusst ermöglichen – auch wenn man das als Neuling erst mal gar nicht so mitbekommt.

Trotzdem blieb das Grundgefühl: Ich bin hier neu. Und ich habe keine Ahnung, wie das hier funktioniert.

Phase 2: Lost in Wien

Das Zurechtfinden in den pompösen Hallen der Universität Wien gestaltete sich als eine Art interaktive Schnitzeljagd. So war ich mehr als einmal zur falschen Zeit am falschen Ort – was, wie ich mir sagen ließ, auch erfahreneren Personen passiert.

Aber nicht nur räumlich musste ich mich orientieren. Zwischen Panels, Tracks, Präsentationen und Kaffeepausen versuchte ich parallel, Interviewpartner*innen für diesen Bericht zu gewinnen – immer mal wieder mit Aufnahmegerät und der leisen Frage: „Entschuldigung, hätten Sie vielleicht kurz Zeit?“ Das hat dank der offenen Community eigentlich recht gut funktioniert. Und in genau diesen Gesprächen wurde mir schnell klar: Das Gefühl des Lost-Seins ist nicht unbedingt individuelles Scheitern (auch wenn ich sicherlich an manchen Punkten besonders lost war und mir die ein oder andere Information vorher hätte einholen können), sondern gehört als Super Early Career Researcher quasi dazu.

Philipp erinnerte sich an seine erste DHd und beschrieb genau das, was auch mich beschäftigte: „Wo stelle ich mich in den Pausen hin? Mit wem rede ich jetzt? Wen spreche ich nach einem Vortrag an?“ Inzwischen sei es für ihn entspannter – man kenne Gesichter, werde selbst erkannt und fühle sich weniger verloren unter mehreren hundert Wissenschaftler*innen.

Was nicht gänzlich neu war, aber mir positiv auffiel: die lockere Stimmung. Ich hatte mehr akademische Stiffness erwartet wie Titel-Overkill und formelle Distanz. Stattdessen erlebte ich eine offene, wertschätzende Atmosphäre. Auch Katja erzählte, dass sie das Duzen und die Lockerheit anfangs überrascht hätten. Sie kommt aus der Geschichtswissenschaft und konnte durch den direkten Vergleich mit nicht-DH-Konferenzen bestätigen: Der Ton bei den DH sei deutlich entspannter. Uwe brachte es auf den Punkt: Die DH-Community sei einfach eine „Wohlfühl-Community“. Vielleicht liegt das an dem, was diese Community auszeichnet: Interdisziplinarität, eine gewisse Offenheit für Neues und das Bewusstsein, dass hier vieles noch im Wandel ist.

Und so wurde aus dem anfänglichen Lost-Sein nach und nach ein Zurechtfinden. Was mich allerdings nicht davon abhielt, beim Poster in leichte Panik zu geraten. Während ich mich am Mittwoch in der Kaffeepause noch mit Raumplänen arrangierte und versuchte, mich für einen der kommenden Inputs zu entscheiden, merkte ich, dass einige ihre Poster bereits aufhingen. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, dass die Position des Posters strategische Relevanz besitzen könnte – aber es leuchtete mir schnell ein. Also lief ich in schnellem Schritt kurzerhand zurück zur Unterkunft, holte mein Poster und hing es auf. Leicht außer Atem und etwas zu spät zum nächsten Vortrag, aber das Poster hing.

Dann kam die nächste Überraschung. Im Laufe der Konferenz wurde ich mehrmals gefragt: „Machst du auch beim Poster-Pitch mit?“ Ich beantwortete die Frage recht selbstverständlich mit „Ja“, denn ich dachte, das gehört halt dazu. Daraufhin wurde mehrfach hinterhergeworfen: „Wow, mutig! Weißt du, was da auf dich zukommt?“ Ich hatte an eine kurze Vorstellung des Posters und des Projekts gedacht. Dann wurde mir erklärt, dass einige Teilnehmende aufwändige Performances planten. Kostüme wurden angedeutet. Dramaturgische Elemente. Große Gesten. Ich hatte mich für einen kurzen, pointierten Input entschieden – und begann kurz zu zweifeln, ob „ruhig sprechen und hoffen“ als Strategie ausreichen würde.

Was ich ebenfalls nicht realisiert hatte: Die Pitches fanden in einem vollen Audimax statt.

Nachdem ich meinen Pitch mit wackligen Beinen und leicht zittriger Stimme über die Bühne gebracht hatte, und den teils wirklich beeindruckenden Performances zusehen durfte, stand noch die Poster-Session an. In unserem Poster haben wir versucht, darzustellen, wie die DDR auf TikTok verhandelt wird – unter Bedingungen algorithmischer Kuratierung und eingeschränkter Sichtbarkeit. Im Zentrum stand ein hybrider Zugang, der qualitative Videoanalyse mit API-basierten Metadaten-Auswertungen kombinierte. Ziel war es, erinnerungskulturelle Diskursstrukturen unter plattformspezifischen Bedingungen sichtbar zu machen und zugleich die methodischen Grenzen datenbasierter Forschung auf TikTok für die Geschichtswissenschaften kritisch zu reflektieren. In der Session hatte ich das Gefühl, viele bereichernde Gespräche mit interessierten Personen zu führen. So gab es immer wieder spannende Anmerkungen und Diskussionen rund um die wissenschaftliche Zugänglichkeit von TikTok und anderen Social Media Plattformen, Menschen konnten mit eigenen (oder elterlichen) DDR-Erfahrungen inhaltlich anknüpfen oder es gab Nachfragen zur konkreten Umsetzung des Mixed-Methods-Ansatzes. So ging die 1,5-stündige Session vorbei wie im Flug.

Phase 3: Surrealismus im Rathaus

Abends habe ich es dann doch noch ins Rathaus geschafft – den feierlichen Empfang, für den ich mich fast nicht angemeldet hätte. Bei den Räumlichkeiten fragte ich mich: „Ist das bei diesen DH-Tagungen eigentlich immer so, dass die Decken ungefähr 500 Meter hoch sind und überall Kronleuchter hängen?“

Katja, die schon mehrere DHd-Konferenzen erlebt hat, äußerte sich genau zu dieser Faszination für die unterschiedlichen Austragungsorte: In Bielefeld sei die Tagungsparty in einem alternativen Club gewesen, in Wien gebe es Empfang im Rathaus. Diesen unterschiedlichen Vibe je nach Organisation und die unterschiedlichen Regeln und Erwartungen, die im Hintergrund mitschwingen – das finde sie mit das Spannendste an den Konferenzen.

Noch in Gedanken bei den Kronleuchtern, begann auf einmal die Preisverleihung. Und plötzlich erschien mein Name auf der Leinwand: 3. Platz für den besten Poster-Pitch. Noch voller Begeisterung wurde ich ein zweites Mal auf die Bühne gebeten – einer der zwei 1. Plätze für das beste Poster.

Das stand auf keiner meiner inneren Bingo-Karten für 2026. Auf dieser Bühne zu stehen, vor all diesen Menschen – das war einer dieser Momente, die sich leicht zeitversetzt anfühlen. Kurz hatte ich Angst, spontan ins Mikrofon sprechen zu müssen. Glücklicherweise blieb mir das erspart.

Da wenige Wochen zuvor noch überhaupt nicht klar war, ob ich an dieser Reise überhaupt teilnehmen kann, war ich diesem Moment vor allem dankbar, dass mir die Erfahrung im Rahmen des Stipendiums ermöglicht wurde.

Was bleibt?

Franziska erzählte mir von einem augenzwinkernden Drei-Phasen-Modell wissenschaftlicher Konferenzen eines erfahrenen Kollegen: Phase 1 – man kennt niemanden und ist begeistert. Phase 2 – man kennt viele und freut sich aufs Wiedersehen. Phase 3 – man kennt zu viele und möchte manche gar nicht mehr wiedersehen.

Ich befinde mich wohl in Phase 1. Mit vorsichtiger Hoffnung auf Phase 2 – und dass ich darin einfach für immer verweilen kann. Uwe, der seit 2016 auf jeder DHd war, beschrieb das Wiedersehen so: Man treffe Leute einmal im Jahr nur auf dieser Konferenz, und trotzdem fühle es sich an, als hätte man sich gestern erst gesehen. Man komme sofort wieder ins Gespräch. Darauf freue ich mich.

Auch wenn meine Fokusrichtung – die Computational Social Sciences – auf der Konferenz weniger vertreten war, habe ich inhaltlich viel mitgenommen. Gerade das Eintauchen in benachbarte oder weniger vertraute Themenfelder erwies sich als erkenntnisreich. Uwe beschrieb Konferenzen als konzentrierte Zusammenstellung der aktuellen DH-Forschungslandschaft – als jährliches Update.

Und meine Sorge, häufig lost irgendwo herumzustehen? Sie hat sich erstaunlich selten bestätigt.

Vielleicht gehört ein gewisses Maß an Orientierungslosigkeit zur ersten Konferenz dazu. Vielleicht ist dieses Gefühl kein Zeichen dafür, dass man nicht dazugehört – sondern ein Zeichen dafür, dass man gerade beginnt, Teil dieser Community zu werden.

Ich bin immer noch Super Early Career Researcher. Und ich werde vermutlich auch auf den nächsten Konferenzen in einigen Situationen nicht genau wissen, wann ich wo hin muss und mit wem ich reden soll.

Aber ich weiß jetzt: Das ist okay. Und ich komme damit klar.

Nicht nur Text, nicht nur Daten – die DHd Community

2026年3月20日 19:35

Ein gemeinsamer Erfahrungsbericht von Luise Prager und Cris Ortega

Wir in den DH – Unsere akademischen Wege

Die DHd 2026 ist die erste große Digital Humanities Konferenz für uns beide und wir würden lügen, würden wir sagen, wir hätten keinen Respekt vor der uns erwartenden Woche. Erst im vergangenen Oktober haben wir unsere Stellen als Doktorand*innen im Graduiertenkolleg „Literatur und Öffentlichkeit in differenten Gegenwartkulturen“ an der FAU Erlangen-Nürnberg angetreten. Die nächsten Jahre beschäftigen wir uns beide mit Projekten, die uns in den Digital Humanities verorten, auch wenn wir aus unterschiedlichen Blickrichtungen auf dieses komplexe Fachgebilde blicken.

Luise: Ich habe im Bachelor noch Deutsch und Musik auf Lehramt studiert. Meinen Master habe ich dann in Germanistik mit dem Schwerpunkt Literaturwissenschaft gemacht. Mein erster Berührungspunkt mit den DH entstand durch einen Corona-Zufall: In der zähen Zeit des Zoom-Studiums wollte ich mit einer Freundin aus der Anglistik einen Kurs zusammen belegen – das war nur möglich im Wahlpflichtmodul „Einführung in die digitale Literaturwissenschaft“. Bei der digitalen DHd 2022 war ich dann bereits als Hilfskraft dabei und begann, im Team von Peer Trilcke an dem Annotationsprojekt von Henny Sluyther-Gäthje zu arbeiten. Noch bei der Digital Humanities Winter School der Freien Universität Berlin und der Hebräischen Universität Jerusalem 2023 fand ich die vorgestellten Methoden zwar wahnsinnig interessant, war mir aber sicher, meine eigenen Forschungsfragen nicht computergestützt verfolgen zu können. Ich interessiere mich vor allem für Gegenwartsliteratur und hatte die DH und die CLS bislang nur im Kontext historischer Forschungsgegenstände kennengelernt.
Aber der zarte Keim ging auf und in meiner Masterarbeit habe ich ein kleines Korpus deutschsprachiger Gegenwartsromane quantitativ untersucht. Und nun promoviere ich: Ich erstelle ein Korpus von 168 Gegenwartsromanen und untersuche es mit den Methoden der digitalen Stilometrie und der hermeneutischen Textanalyse. Dadurch möchte ich erforschen, wie die Festschreibung von Gruppen und die Selbst- und Fremdzuschreibung von Gruppenzugehörigkeiten das literarische Feld der Gegenwartsliteratur organisieren. Ich möchte beides sein: Digital Humanist und Literaturwissenschaftlerin und das Wissen aus beiden Disziplinen bündeln, um weiterhin Gegenwartsliteratur zu untersuchen.

Cris: Für mich waren die Digital Humanities schon seit Beginn meines Studiums meine Kerndisziplin. Als einer der ersten Jahrgänge startete ich 2017 in ein grundständiges Bachelorstudium der Digitalen Geistes- und Sozialwissenschaften, sowie Soziologie an der FAU Erlangen-Nürnberg und war sehr schnell aktiv als Hilfskraft von Jacqueline Klusik-Eckert und Peter Bell in DH-Forschungsprojekte eingebunden. Zwischen eigenen Projekten, Hackathons, Summer Schools, ersten Symposien und Konferenzen, war mir klar: Das ist die Wissenschaftsumgebung, in der ich bleiben will!
Im konsekutiven Master Digital Humanities orientierte ich mich tiefer in den Critical Data Studies und Applied Digital Humanities. In meiner Masterarbeit erstellte ich das erste größere digitale Textkorpus zu deutschsprachiger Slam Poetry mit über 3800 publizierten Texten und untersuchte die textuelle Einschreibung von Körperlichkeit in Poetry Slam. In meiner Promotion führe ich diese Arbeit nun mit einer multimodalen Perspektive auf die verschiedenen Dimensionen von Körperlichkeit in Poetry Slam und seiner Rezeption fort. Hauptuntersuchungsobjekt sind für mich 2340+ YouTube-Videos von Slam Performances, sowie einzelne Live-Beobachtungen. Mit der ersten skalierten und computergestützten Studie zu Slam Poetry mit einem multimodalen methodischen Aufbau, bin ich aktuell ständig am Orientieren und Reflektieren, welche theoretischen und methodischen Best Practices für mein Projekt besonders ertragreich sind. Dazwischen habe ich manchmal das Gefühl auch innerhalb der DH neue Brücken zwischen Fachtraditionen bauen zu müssen. Dass ich Digital Humanist bin, steht jedoch fest.
Die kritische Perspektive auf das Fach und seine Praktiken, in denen ich mich so zuhause fühle, ist mir dabei wichtig. Das liegt vielleicht auch daran, dass mir das Wissenschaftssystem an sich manchmal befremdlich erscheint. Mehrere überschneidende Positionalisierungen lassen mich in meinen Erfahrungen manchmal als Minderheit in akademischen Räumen fühlen. Das bringt für mich eine gewisse Orientierungslosigkeit mit, wie das System Wissenschaft für mich am besten zu navigieren ist. Dis-Orientierung kann aber wohldosiert auch durchaus helfen, Praktiken und Systeme zu reflektieren. Als Early Career Researcher bin ich deshalb immer auf der Suche nach Wissenschaftler*innen, die heterogene Lebensläufe mitbringen und aus unterschiedlichen Positionalisierungen heraus sprechen.

Wir auf der DHd – Unser Blick auf den Flickenteppich der DH

So unterschiedlich unsere Wege in die DH auch sind, nun promovieren wir beide im Kolleg bei Anastasia Glawion. Jeder Weg in die DH ist einzigartig, doch übergreifende Muster machen sich bemerkbar. Luise ist nicht die einzige Literaturwissenschaftlerin, die aus Versehen in die DH stolpert und Cris gehört zur ersten Generation der DH-Studierenden. Daher hat uns auf der Konferenz interessiert, wie vielfältig die beruflichen, sozialen und akademischen Hintergründe derjenigen sind, die heute im Feld der Digital Humanities tätig sind. Die DHd 2026 ist unsere erste große Konferenz und mit orientierenden Blicken wollen wir festhalten, wer neben Text und Daten die Wissenschaftler*innen sind, die die DHd Community ausmachen.
Um dem nachzugehen, haben wir beobachtet, reflektiert und uns ausgetauscht. Auch haben wir einzelne Kurzinterviews mit anderen Teilnehmenden der Konferenz geführt und sie nach ihren Erfahrungen auf der DHd und im Fach Digital Humanities gefragt. Besonders interessierten uns in den Interviews vier Leitfragen:

  1. Welcher Vortrag oder Workshop hat Sie besonders inspiriert und warum?
  2. Wie sind Sie zu den Digital Humanities gekommen?
  3. Wenn Sie sich ihre bisherige wissenschaftliche Karriere anschauen, an welchen Stellen haben Sie für sich bisher die größte Herausforderung gesehen?
  4. Welchen Rat würden Sie jungen Wissenschaftler*innen wie uns geben?

Wir besuchten dabei gemeinsam Beiträge, divergierten jedoch auch in unserer Auswahl an Sessions. Zusammen waren wir bei dem Workshop „Beyond m/w/d“, der eine Plattform bot, um über die Erhebung von Genderdaten zu diskutieren.

Cris: Ich stellte im Rahmen des Workshops kurz mein Vorgehen zu einer zeit-sensitiven, community-zentrierten und kontext-abhängigen Erfassung von Gender für Korpora der Gegenwartsliteratur vor. Sonst besuchte ich in einem Querschnitt Beiträge zu verschiedensten Themen. Von der Session zu Digital Art History, über das Panel zu Intertext, dem Workshop zu Film- und Videoanalyse mit VIAN & TIB-AV-A und vielen weiteren Beiträgen, auf die ich später noch zu sprechen komme.

Luise: Auf der Konferenz haben mich die Beiträge der CLS interessiert, insbesondere das Panel, in dem das Korpus deutschsprachiger Gegenwartsliteratur DeLiKo@DNB vorgestellt wurde, da es meinem eigenen Korpus am nächsten kommt. Die DH-Calls der DNB haben sich auch später am Poster von Philipp Genêt als vielversprechend für mein Projekt erwiesen. Dort und im Panel zur Modellierung und Annotation von Intertext habe ich neue Ideen für die Nachnutzung meines Korpus erhalten, das urheberrechtsgeschützt ist.  Außerdem habe ich mit großem Interesse den Vortrag von Judith Brottrager verfolgt, die mit ihrem Kanon-Score Literaturgeschichte modelliert und ebenfalls mit Netzwerken arbeitet.

In diesem Blogbeitrag halten wir nun die Ergebnisse unserer persönlichen Reflexionen zur DHd und ausgewählte Ausschnitte der Interviews fest. Cris denkt vor allem über theoretische Positionierungen in und zwischen Fachtraditionen nach, während Luise ganz praktisch die Einbindung von Studierenden in die DH-Community reflektiert.

Cris: Dis-Orientierungen im Fächer-Flicken-Teppich

Die Ausrichtung der Konferenz „Nicht nur Text Nicht nur Daten“ hat mich von Beginn an abgeholt. Mit meinem Projekt, das sich im Kern mit multimodalen Analysen von Video-, Audio-, Text- und Rezeptions-Daten beschäftigt, war ich sofort gespannt darauf, neue Perspektiven zum Umgang mit Medien, die über Text hinausgehen, kennenzulernen.
Ein paar Tage vor der Reise nach Wien saß ich am Rechner und klickte mich durch das Programm und zwischendurch war die Aufregung so groß, dass meine Hände wild durch die Luft flatterten und ich Nachrichten an Luise und andere Kolleg*innen schicken musste, um meiner Vorfreude Raum zu geben. Im Raster fanden sich Sessions zu Digital Soundscapes, Operationalisierung, Multimodalität, Digital Art History – viele vielversprechende Vortragstitel hinter denen potenziell relevante Zugänge für meine Forschung lagen.
Im Prozess der Entscheidungsfindung, welche Beiträge ich denn nun besuchen möchte, las ich die vielen Beschreibungstexte und mir wurde schnell klar: Begriffe unter denen ich aus meiner fachlichen Perspektive eine bestimmte Vorstellung hatte, wurden von anderen durchaus sehr unterschiedlich behandelt. Anlehnungen an heterogene Fachtraditionen eröffneten mir ein Spannungsfeld, in dem ich nun meinen Platz suchte.
Während im Workshop zu Film- und Videoanalyse praktische Tools für die computergestützte Analyse von audiovisuellem Material anhand vieler Parameter vorgestellt wurden, fand am letzten Tag der Konferenz eine Diskussion im Panel „Is there a Digital Art History at the DHd?“ statt, in der unter anderem angemerkt wurde, dass eine brückenschlagendere Zusammenarbeit der Fachdisziplinen über das Bildmedium fruchtbar sein könnte. Das Panel zu Intertextualität und seiner spannenden Diskussion, welches ich ein paar Tage vorher besucht hatte, schien hier Welten entfernt. Irgendwo dazwischen sammelte ich Notizen für mein audiovisuelles Material mit literaturwissenschaftlich-soziologischen Fragestellungen auf multimodale Performance-Poetry.
Mit dem Gefühl, zeitweise schwindelerregend dis-orientiert zwischen Fächern zu sein und selbst in den DH erst den eigenen Ort finden zu müssen, scheine ich nicht alleine zu sein. In fast allen Gesprächen, zu Lebenswegen in die DH, die ich auf der DHd führte, spielte die Entgrenzung und Überschreitung sowie Neujustierung in und zwischen Fachtraditionen eine Rolle. Der Einstieg in das Fach passierte für viele dabei eher zufällig:

  • „Zu den DH bin ich ganz zufällig gekommen […]. Auf die Idee, das, was ich im Informatik-Studium gelernt habe, in meinem Geschichtsstudium anzuwenden, bin ich erstmal nicht gekommen und habe das ganz „getrennt“ gemacht. Erst nach dem Studium bin ich darauf aufmerksam geworden, dass es Anwendungen der Informatik in den Geisteswissenschaften gibt und habe dann als wissenschaftliche Mitarbeiterin in den DH angefangen.“
  • „Ich glaube, also ich wusste auf jeden Fall, dass ich interdisziplinär arbeiten will, weil mir einfach beides Spaß gemacht hat. Ich wusste nicht so wirklich, was DH ist. Ich wusste nicht, dass es existiert. Und dann habe ich fast zufällig meinen Weg dahin gefunden und war so: Ja, das ist eigentlich genau die Nische, wo ich sein will.“

Weitere Wissenschaftler*innen in verschiedenen Phasen ihrer Karriere berichteten, dass sie erst während und nach der Promotion mit digitalen Methoden in ihren geisteswissenschaftlichen „Heimaten“ in Berührung kamen und sich so schließlich den Digital Humanities näherten. 
Die Dis-Orientierung und das Stehen zwischen Traditionen ist dabei eine Hürde, kann aber auch eine Stärke sein, wie eine Person berichtet:

  • „[…] dadurch, dass man in den DH in so einer Schnittstelle ist zwischen Informatik und den Geisteswissenschaften, habe ich manchmal das Gefühl, dass man in beiden irgendwie ein Outsider ist und in beiden nicht so die fundierte Kenntnis hat und nicht so die richtige Fachwissenschaft machen kann. Ich glaube, das ist so ein bisschen ein Learning, was man mit der Zeit hat, dass man das als Stärke interpretiert, dass man eben in beiden Sachen irgendwie sein kann und Forschung machen kann und das ganz toll zusammenbringen kann, was auch nicht viele Leute können, weil sie ja immer eigentlich in ihren eigenen Disziplinen unterwegs sind.“

In einem intensiven Gespräch mit neuen Bekanntschaften in der Mittagspause sprachen wir darüber, dass die Digital Humanities wohl gerade ihre eigene Fachtradition baut. Die erste Generation an Jungwissenschaftler*innen hat Digital Humanities studiert. Ich gehöre zu ihnen. Was das genau bedeutet und welches Fachhandwerk je nach Studium mitgebracht wird, muss sich noch zeigen.
Vielleicht auf der Suche nach einer Annäherung an ebenjene Fachtradition der DH, besuchte ich am Ende besonders Sessions zu den theoretischen Zugängen zu DH. Im Panel „Nicht nur Text, nicht nur Daten … Aber was dann? – ‚Theoretisieren‘ durch Praktiken in der digitalen Editorik, der Digital History und den Computational Literary Studies“ und dessen Publikum begegneten sich verschiedene Fachdisziplinen und diskutierten über die Praktiken des Theoretisierens in den Digital Humanities. Besprochen wurden auch die „Wahlverwandschaften“, die die Digital Humanities mit Fächern der Geisteswissenschaften eingeht. Zentral waren Fragen, wie: Welche theoretischen Vorannahmen bringen wir in die methodische Arbeit in den Digital Humanities mit? Was geht in interdisziplinären und technologisch-methodischen Übersetzungen verloren? Was braucht es, um in den DH mit ihren vielen Facheinflüssen auch mit Rückbezug in die Geisteswissenschaften zu theoretisieren?
Gerade diese Diskussion und andere Inputs in den Sessions mit theoretischerem Fokus, wie die Session zu „Epistemologie und Interpretation“ oder „Operationalisierung“ schienen mir besonders anschlussfähig für meine Forschung zwischen den Stühlen der Disziplinen und insgesamt besonders interessant für multimodale und allgemeiner transdisziplinäre Ansätze, wie sie in den Digital Humanities immer mehr Einzug halten. Denn heterogene Fachrichtungen und Wahlverwandschaften bringen nun mal unterschiedliche Vorstellungen zu den Praktiken des Theoretisierens mit. Eine fruchtbare, manchmal auch furchtbare Dis-Orientierung in transdisziplinären Projekten.
Ein Ort, der sehr fruchtbar und innovativ zeigte, welche transdisziplinär-produktive Forschung im Kern der DH möglich ist, war das Doctoral Consortium auf der DHd. Gleich mehrere unserer Gesprächspartner*innen berichteten uns in kurzen Interviews, dass gerade diese Vorträge sie besonders inspiriert haben und nachhaltig in Erinnerung geblieben sind. So berichtet eine interviewte wissenschaftliche Mitarbeiterin:

  • „Ich hatte das Gefühl, die Leute haben da viel mitgenommen und generell fand ich das Doctoral Consortium ganz toll, weil ganz viele verschiedene innovative Ansätze aus allen möglichen Subdisziplinen da vorgestellt wurden.“

Auch eine Professorin antwortete uns auf die Frage, welcher Vortrag oder Workshop Sie besonders inspiriert hätte:

  • „Mir haben besonders die Vorträge im Doctoral Consortium gefallen – es ist toll, die Vielfalt der Themen zu sehen und die Tiefe zu sehen. Beeindruckt haben mich auch die vielen originellen Präsentationen beim Poster Slam.“

Sie gibt uns Early Career Researchern den Tipp:

  • „Sich so bald es geht in der Praxis zu versuchen – sei es als studentische Hilfskraft in einem Forschungsprojekt, als Teilnehmer*in an einer Tagung oder indem Sie eine eigene Idee umsetzen. Schauen Sie, wo Ihre Interessen liegen und seien Sie neugierig und eigeninitiativ – viele technische Themen kann man super anhand von Videos und Tutorials (und mit KI-Unterstützung…) lernen.“

Ein paar Tage nach der Konferenz landete die Mail mit der Aufnahmebestätigung zum Mailverteiler der AG Theorie in meinem Postfach. Im Rahmen der DHd konnte ich die AG und ein paar ihrer Mitglieder beim gemeinsamen Mittagessen und AG Treffen näher kennenlernen. Vielleicht finden sich auch in Zukunft für mich noch fachliche „Wahlverwandschaften“ und produktive Dis-Orientierungen für meine Forschung in den Gesprächen über die Praktiken des Theoretisierens in einem Fach, das aus so vielen heterogenen Wegen des wissenschaftlichen Werdens besteht.

Luise: Ein weiterer Flicken: Die Studierenden

Ähnlich wie Cris war ich selbst aufgeregt, zum ersten Mal nicht als wissenschaftliche Hilfskraft, sondern als Wissenschaftlerin an einer Konferenz teilzunehmen. Umso überraschter war ich von den vielen Studierenden aus vielen unterschiedlichen Fachrichtungen, die mir begegneten, die in den Workshops kluge Fragen stellten und in der Postersession ihre Abschlussarbeiten präsentierten. Habe ich als Studentin etwas versäumt, indem ich nicht an Konferenzen teilnahm, handelt es sich um einen neueren Trend und welche Rolle spielt die Nachwuchsförderung in den DH?
Einerseits verstehe ich die Teilnahme von Studierenden als ein ausgesprochen positives Signal. Sie verweist auf eine gezielte Förderung von Early-Career-Researchern und zeigt, dass studentische Forschungsleistungen zunehmend sichtbar gemacht und gewürdigt werden. Gerade im Feld der Digital Humanities, das sich durch Interdisziplinarität und methodische Offenheit auszeichnet, eröffnet dies Studierenden wertvolle Einblicke in aktuelle Forschungsprozesse und ermöglicht ihnen, sich frühzeitig als Teil der wissenschaftlichen Community zu positionieren. Gleichzeitig kann die aktive Teilnahme an Konferenzen dazu beitragen, das Feld überhaupt erst kennenzulernen und eigene Forschungsinteressen entsprechend weiterzuentwickeln.
Andererseits bin ich besorgt, ob diese Entwicklung nicht den Leistungsdruck der Studierenden zusätzlich erhöht. Präsentationsformate, wissenschaftliche Kommunikation und die Positionierung im akademischen Diskurs erfordern Kompetenzen, die im Studium oft erst im Aufbau begriffen sind. Problematisch erscheint dabei insbesondere der direkte Vergleich mit fortgeschrittenen Forschenden wie Doktorand*innen oder Postdocs, der implizit hohe Maßstäbe setzt und möglicherweise zu einer Überforderung führt. Ebenso wenig geklärt ist häufig die finanzielle Dimension: Reisekosten, Teilnahmegebühren und Unterkunft stellen für viele Studierende eine erhebliche Hürde dar und können zu sozialer Selektion führen. Die Erwartung, bereits im Studium eigenständige Forschungsleistungen auf Konferenzen zu präsentieren, kann mit einem erheblichen Arbeitsaufwand einhergehen, der häufig unbezahlt bleibt. Insgesamt entsteht daraus potenziell ein struktureller Druck auf Studierende, sich frühzeitig in einem kompetitiven Umfeld zu behaupten – nicht zuletzt vor dem Hintergrund späterer Bewerbungsverfahren, in denen solche Erfahrungen zunehmend vorausgesetzt werden könnten.
Vor diesem Hintergrund erscheinen gezielte strukturelle Maßnahmen sinnvoll. Denkbar wäre auf der Konferenz selbst etwa ein klar abgegrenztes Segment innerhalb der Postersession, beispielsweise durch eigene Räume oder Zeitfenster, das studentischen Beiträgen Sichtbarkeit verleiht, ohne sie dem direkten Vergleich etablierter Forschender auszusetzen. Ebenso könnten spezifische Stipendienprogramme für Studierende geschaffen werden, die nicht nur die Finanzierung sichern, sondern auch ein begleitendes Rahmenprogramm bieten. Solche Formate könnten Mentoring, Feedbackmöglichkeiten und niedrigschwellige Austauschformate umfassen und damit sowohl die Qualität der Beiträge als auch die Betreuungssituation während der Konferenz nachhaltig verbessern und den Druck auf die Studierenden verringern. Auch gemeinsame Seminarfahrten zu Konferenzen bergen ein großes Potenzial. In Begleitung von Lehrenden könnten Studierende gezielt auf Teilnahme und Präsentation vorbereitet werden, erhalten kontinuierliches Feedback und haben zugleich die Möglichkeit, Konferenzformate zunächst beobachtend kennenzulernen. Solche kollektiven Zugänge könnten dazu beitragen, die Schwelle zur aktiven Teilnahme zu senken und zugleich eine verantwortungsvolle Betreuung sicherzustellen. Ein solches Format erprobte gerade bspw. das Netzwerk Digitale Geisteswissenschaften (DH-Netzwerk) der Universität Potsdam in Kooperation mit der Potsdam Graduate School (PoGS). Sie boten ein Early Career Fellowship an, das eine praktische Einführung in digitale Methoden der Geisteswissenschaften beinhaltete und mit der gemeinsamen Reise zur DHd abgeschlossen wurde.
Als Alternative zur Teilnahme an Konferenzen erscheinen auch etablierte Formate wie Summer Schools und Winter Schools. Sie bieten Studierenden die Möglichkeit, methodische und theoretische Grundlagen in einem geschützten Rahmen zu vertiefen und mit etablierten Forschenden in Austausch zu treten, ohne unmittelbar dem Leistungs- und Vergleichsdruck großer Konferenzen ausgesetzt zu sein. Gleichzeitig fördern sie den Austausch unter Peers sowie den Aufbau erster wissenschaftlicher Netzwerke. Darüber hinaus sollte stärker darüber nachgedacht werden, studentische Forschungsarbeit strukturell zu vergüten, etwa über HiWi-Stellen. Dies würde nicht nur die oftmals unsichtbare Arbeitsleistung anerkennen, sondern auch zur sozialen Absicherung beitragen und Teilhabemöglichkeiten erhöhen.
Ich selbst habe auf meinem akademischen Weg von vielen dieser Angebote profitiert. Erst die Auseinandersetzung mit den methodischen Möglichkeiten der Digital Humanities hat mich dazu befähigt, meine eigenen geisteswissenschaftlichen Fragestellung in eine quantitative Richtung weiterzudenken und selbst an dem Flickenteppich mitzuwirken.

Wir nach der DHd – Was wir mitnehmen

Auf der DHd versammeln sich Wissenschaftler*innen mit ganz unterschiedlichen akademischen Lebenswegen – zu denen nun auch wir gehören. Hier begegnet die neue Generation DH-Studierender neugierigen Studierenden aller geisteswissenschaftlicher Fächer, Informatiker*innen treffen auf Fachexpert*innen, die für digitale Methoden offen sind, Quereinsteigende und Späteinsteigende auf die, die bereits eine ganze Karriere in den Digital Humanities hingelegt haben. Innerhalb der weit aufgespannten Community mit den eigenen Forschungsinteressen einen Platz zu finden, erweist sich als Herausforderung, vor allem für nicht textbasierte Projekte, aber auch als inspirierender Anstoß, den eigenen Ansatz konsequent weiterzudenken und sich auf neue Perspektiven einzulassen.
In diesem Sinne wollen wir die Heterogenität des Feldes als Aufforderung begreifen, den eigenen fachlichen Hintergrund immer wieder zu reflektieren und sich mit neuen Ansätzen zu konfrontieren. Um diese Haltung einzuüben, ist die DHd die geeignete Gelegenheit gewesen, gerade für uns als wissenschaftlichen Nachwuchs. Die Community selbst nimmt junge Wissenschaftler*innen und Studierende offen auf, doch wer erst spät seinen Weg hierher findet, ist ebenso willkommen.
Die DHd 2026 war die erste große Digital Humanities Konferenz für uns beide und wir würden lügen, würden wir sagen, wir würden uns nicht auf die nächste freuen.

Dank

Wir bedanken uns sehr bei den Teilnehmer*innen auf der DHd, die bereit waren, mit uns für die kurzen Interviews zu sprechen.
Dieser Blogbeitrag entstand im Rahmen eines Reisestipendiums für die DHd 2026 in Wien. Unser herzlicher Dank gilt NFDI4Culture für die Unterstützung unserer Teilnahme.

Ein Nachbericht zur DHd2026 in Wien – als JupyterBook

2026年3月17日 18:43

von Nina Brolich:

Im Rahmen der DHd2026 in Wien hatte ich die Gelegenheit, dank eines Early Career Reisestipendiums an der Konferenz teilzunehmen. Für die Förderung möchte ich mich ausdrücklich bedanken, insbesondere bei NFDI4Memory, die das Stipendium finanziert haben.

Den zugehörigen Nachbericht habe ich in Form eines JupyterBooks umgesetzt. Damit erprobe ich dieses Format gezielt für die Konferenzberichterstattung, um Inhalte strukturiert, transparent und nachnutzbar aufzubereiten.

Das JupyterBook gliedert sich in drei Teile: einen Bericht zur Tagung entlang ausgewählter, für mich relevanter thematischer Schwerpunkte, einen Abschnitt zum DHd-Mentoringprogramm mit persönlicher Reflexion sowie einen Überblick über die Arbeitsgruppen des DHd-Verbands.

👉 Zum Nachbericht: https://nina-bro.github.io/dhd2026/home.html

Recap of the DHd 2026 Conference in Vienna

2026年3月11日 23:08

Two weeks ago, I had the pleasure in attending the DHd 2026 in Vienna! The week long conference started with being greeted and checked in by extremely kind and helpful people and receiving a DHd tote bag containing a travel mug, a programmable LED name tag, a program book, a DHd pen, and a notebook.

Then the first workshop began. I had enrolled in Workshop 6: Library Labs als Innovation Hubs für DH – Worldcafé & Community Building. Here we heard from the Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF, the Deutsche National Bibliothek, the Stabi Lab which is part of the Staatsbibliothek zu Berlin, DIGIPOP, and the Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open AccessBrandenburg. Each presented what offers they have, what events they host, how to access their datasets and open source resources, and how to get in touch. Then after a 15-minute coffee and pastry break, we broke out into groups and discussed the overarching theme of Library Labs, broken up into the subcategories of physical location, teaching formats, personnel/resources, target groups and communication, and cooperation and sustainability. The breakout groups was an amazing opportunity to learn and chat with other people attending the conference and hear about the work they are currently involved in.

The next day I participated in the workshop hosted by the DNBLab from the Deutsche Nationalbibliothek called “Von der Forschungsidee zumDatenkorpus”. Here we learned how to use the DNB SRU Query Tool to query and create metadata sets via the SRU interface. This workshop was again a very open and welcoming space, with all coding levels represented and everyone working together to use the tool and create visualizations from the datasets.

During the lunch break after, due to the sunny weather, many people decided to picnic outside at a nearby park before the next workshop. Tuesday evening was the Opening Keynote from Miriah Meyer, a professor in the Department of Science and Technology at Linköping University who is funded by the WASP program. Her research focuses on developing visualization tools that support exploratory and reflective data analysis and provide new ideas for using data in our lives. These tools enable people to learn more about their own data, redefine their perspectives, and revolutionize their thinking. In her keynote “Data As _: Exploring the Plurality of Data in Visualization”, she presented four different perspectives on data that reflect the range of approaches used by visualization researchers. By clearly distinguishing these perspectives, she opened new possibilities for how we create and use data and visualizations, and how we can simultaneously question our common notions of data-driven work. She also described the various projects she is and has been involved in, including one where young women are the target audience, with whom she explored Data Crafting and Data Physicalization Methods.

After the interesting Keynote, we all went to the Main Ceremonial Hall (Grosser Festsaal) for the Opening Reception where we were welcomed with food, drinks, and deserts and had time to socialize. Starting Wednesday and going until Thursday at noon, there were lectures where 2 to 3 people or groups presented their work, each total lecture lasting 1.5 hours and each having an overarching topic. The topics included digital soundscapes, digital art history, research data standards, Doctoral consortiums, named entities, digital editions, history of DH research, research software engineering, graph networks, virtuality, AI in interaction scenarios, epistemology and interpretation, research platforms as well as panel discussions. Between each lecture, there was either a coffee and pastry break, or a lunch break.

Thursday after the first coffee break, everyone headed to the Audimax where the Poster Slam took place. Each person or group presenting a poster had 60 seconds to introduce themselves, their topic and their research. The audiences applause level was recorded and whichever group received the loudest applause won. The slams were all so creative, with people working with props, being wrapped in toilet paper, performing poetry, sonnets, raps, and skits. After the Poster Slam followed lunch, and afterwards everyone gathered in the Main Ceremonial Hall for two Poster Sessions where we were able to ask questions and hear more about each poster from each of the participants.

In the evening, we were invited to the Reception in the City Hall. We entered the City Hall and were greeted with breathtaking architecture. The mayor’s representative welcomed us, speeches were held, the awards of the Poster Slam and the Poster Sessions were announced, selfies were taken and the buffet was opened. The night continued with food, drinks, desserts, and dancing and then once the City Hall closed, everyone went to a bar where bingo was played at midnight.

On Friday there were two more lecture sessions with topics including historical perspectives, digital editions II, text recognition, automation and AI, operationalization, multimodality, data modeling, digital art history II, and two more panel discussions.

This was followed by lunch and then the closing Keynote which was held by Katharina Kinder-Kurlanda, a Professor of Humanwissenschaft des Digitalen at the University of Klagenfurt in Austria. She works across disciplines in digital humanities, science and technology studies, sociology of technology, and internet research. Her research interests include new epistemologies for big data, algorithms in everyday life, data practices, social casual games, and (fair) artificial intelligence. The keynote invited us to understand digital humanities as a critical discipline that not only applies digital methods but also reflects on their social implications. She asked the question of how can we, as researchers in digital humanities, make the politics of data visible?

Following the Keynote, closing remarks were made, the Organizational Team from Vienna was brought on stage and given roses and thanked for their amazing effort, and there was a presentation about the DHd Conference 2027 which will take place in Marburg Germany.

Overall, the DHd 2026 was an amazing experience! It was an extremely open and supportive environment, allowing everyone to meet and learn from their peers and the pioneers of the field. I am very grateful to the DHD for the scholarship and this opportunity. Thank you for the inspiring week full of wonderful presentations, workshops, posters, delicious food and drinks and lovely interactions. I’m already looking forward to next year! 🤩

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