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Abstract, Review, Postersession – (M)ein Weg zur DHd2026

2026年3月27日 22:46

Wie nimmt man als Nachwuchswissenschaftler, zumal noch als Student, an einer wissenschaftlichen Tagung teil? Allgemeingültig beantworten kann das wohl weder ich noch jemand anders. In diesem kurzen Beitrag will ich aber zumindest meinen Weg zur DHd2026 in Wien nachzeichnen. Ich hoffe damit aus Nachwuchsperspektive allen, für die eine Teilnahme an der Konferenz ebenfalls einen ersten Schritt in die Wissenschaftswelt bedeuten würde, eine Vorstellung zu geben, wie dieser Weg aussehen könnte.

Vom Vorhaben zum fertigen Abstract…

Die diesjährige Konferenz begann für mich am 22. Februar mit Ankunft in Wien. Der Weg dahin nahm seinen Anfang dagegen – wie sicher für viele Forscherinnen und Forscher aus den DH – bald ein Jahr zuvor. Denn: Nach der DHd ist vor der DHd.

Im letzten Jahr hatte ich das Glück, im heimischen Bielefeld als Teil des studentischen Organisationsteams indirekt schon an der letzten DHd-Konferenz teilnehmen zu können. Kein halbes Jahr zuvor hatte ich meine Bachelorarbeit in der Germanistik eingereicht. In dem Zusammenhang entstand bei mir bereits die Frage: Wäre meine Arbeit wohl auch was für die DHd…?

Bald darauf stellte ich meine BA im Kolloquium der Bielefelder Arbeitsgruppe CLS vor, mit anschließendem Gespräch über Publikationsmöglichkeiten. Veröffentlichen in einer Fachzeitschrift(?) – theoretisch möglich, aber vielleicht eine zu große Hürde, wo man nach der ersten Qualifikationsarbeit gerade zu laufen angefangen hat. Womöglich konzentriert man sich besser aufs Studium, immerhin stellt eine Veröffentlichung in jedem Fall einen Mehraufwand dar! Aber die Arbeit war gut, sagt man mir, und wenn man in die Wissenschaft will, gibt es hier Chancen, die sich auszuschöpfen lohnen.

Die alternative Idee: Veröffentlichen im Rahmen einer Konferenz – immerhin schwirrt die nächste DHd schon in den Köpfen rum und hier gäbe es niedrigschwelligere Einstiegsmöglichkeiten. Man könnte es versuchen, und bei Erfolg würde man diesmal als echter Teilnehmer mit eigenem Beitrag an der ersten Wissenschaftskonferenz teilnehmen. Etwa zur selben Zeit dürfte der Call for Papers eingegangen sein.

Ein Poster soll es werden. Mit Deadline für die Abstracts am 1. August ist im Juli Schreibarbeit angesagt. Eine 47-seitige Bachelorarbeit will auf 750 Wörter gestutzt werden und am Ende soll sogar noch so etwas wie eine Aussage rauskommen. Mit tatkräftiger Unterstützung von Prof. Dr. Berenike Herrmann und der ganzen AG ergeht eine x-malige Feedbackschleife – man unterschätze nicht, wie man – vor allem mit sich selbst – um jedes Wort kämpft, um das Abstract passend hinzubekommen. Am Ende bin ich zufrieden, der Beitrag ist im glücklicherweise gut funktionierenden Fidus Writer abgetippt und schließlich auf ConfTool hochgeladen. Dann heißt es auf das Open Peer-Review-Verfahren warten, um zu erfahren, ob man angenommen wurde oder nicht.

…über Reviewprozess und Posterdesign…

Und das dauert, naturgemäß. Über drei Monate, in denen das Leben natürlich weitergeht, aber man – weil es das erste Mal ist – trotzdem ungeduldig wartet. Schließlich wissen wir, ich und die weiteren drei(!) an AG-Projekten beteiligten Hilfskräfte mit Einreichungen, dass unsere Poster-Abstracts angenommen wurden! Die Freude ist groß.

Die ganze mitgereiste Bielefelder AG CLS im gr. Festsaal der Universität Wien

Sofort geht es aber weiter, denn für das Metagutachten und die Veröffentlichung im Book of Abstracts wollen die Beiträge binnen eines Monats überarbeitet werden. Außerdem muss man sich nun ernsthaft Gedanken machen, wie man eigentlich nach Wien kommt.

In den nächsten Wochen wird sich für Konferenz und Workshops registriert, es werden Absprachen getroffen und Reisen und Unterkünfte gebucht. Man beachte: Für all das muss man üblicherweise in Vorleistung gehen, und es kommt ein bisschen was zusammen. Aber es gibt Finanzierungsmöglichkeiten. Neben der Forschungskommission der eigenen Universität, ggf. sogar der betreffenden AG, schreiben die Beteiligten am Stipendienprogramm des DHd-Verbands großzügig eine ganze Reihe Reisekostenstipendien aus, für die man übrigens nicht zwingend einen Konferenzbeitrag mitbringen muss. Wer den ganzen Organisations- und Verwaltungsaufwand zum ersten Mal macht, berechne aber auch hier etwas Zeit und Nerven ein, die immer dazugehören.

Im neuen Jahr schließlich, nachdem die Überarbeitung für das Metagutachten eingereicht und die meisten Fragen geklärt sind (die letzten werden es noch auf den letzten Drücker, keine Sorge), muss nur noch das eigentliche Poster designt werden. Also nochmal reduzieren und fürs Auge aufbereiten, bei ConfTool hochladen und ab in den Druck. Dann endlich ist alles in trockenen Tüchern und ein paar Tage später ist man, eh man sich versieht, auf dem Weg zur Konferenz.

…bis schließlich zum Ziel

Und was erwartet einen da? Nun, vorausgesetzt das gewählte Verkehrsmittel bringt einen erst einmal planmäßig an sein Ziel, eine ganze Menge. Mit Wien in meinem Fall zunächst eine prächtige Kulturstadt im Herzen Europas, die ich trotz des vollen Konferenzprogramms etwas Zeit hatte, zu erkunden. Neben großen, auch im Frühjahr schönen Gärten und viel ansehnlichem habsburgischen Prunk gehörte dazu nicht zuletzt das Hauptgebäude der ältesten Universität im heutigen deutschsprachigen Raum, wo die Konferenz ihre Räumlichkeiten fand.

Auch das war drin: Schloss Schönbrunn mit der Stadt im Hintergrund, aufgenommen von der Gloriette-Anhöhe

In den Workshops gab es dort ungezwungenen Erfahrungsaustausch im Konferenz-Du und Raum zum Ausprobieren und Selbermachen. Das Kernprogramm, in dem ich durch meine Teilnahme die Möglichkeit hatte, eine ganze Reihe hochaktueller, interessanter Vorträge in breitgefächerten Konferenztracks zu hören, war gerahmt von zwei großen Keynotes im Audimax, die Anlass für anregende Gespräche boten. Dazwischen tischten die Veranstalter im kleinen und großen Festsaal zu Eröffnungsfeier und Kaffeepausen und nicht zuletzt zum großen Empfang im Ballsaal des Wiener Rathauses auf.

Der Mittelpunkt der Konferenz war für mich aber die große Poster-Vorstellung am Donnerstag. Nach vormittäglichem Poster-Slam, wo einige Mutigere die restlichen Teilnehmer kreativ und humorvoll schon auf ihre Poster heißgemacht hatten, warteten die zwei aufeinanderfolgenden Poster-Sessions mit insgesamt 98 Beiträgen.

Vorstellung meines Posters in der ersten Session

Es war eindrucksvoll, das eigene Poster dort endlich im A0-Format neben all den anderen hängen zu sehen, zumal im üppigen großen Festsaal der Universität Wien. Während der Poster-Session hatte ich die Möglichkeit, mit gestandenen Wissenschaftlern und anderen Studenten und frisch Promovierenden gleichermaßen ins Gespräch zu kommen, Zusammenhänge meiner Arbeit zu erklären und Rückfragen zu beantworten. Und in der zweiten Session konnte ich dann auch selbst herumgehen und mich mit anderen wiederum über ihre Poster austauschen. Bei all dem habe ich die Erfahrung machen dürfen, mich wirklich als Teil einer wissenschaftlichen Community zu fühlen.

In diesem Sinne kann ich allen, die wie ich noch weit am Anfang ihres akademischen Werdegangs stehen, nur empfehlen, bei Möglichkeit auch diese Erfahrungen zu machen. Ob mit eigenem Beitrag oder ohne, der Weg zur DHd kann für Nachwuchswissenschaftler ganz unterschiedlich aussehen – aber es lohnt sich in jedem Fall, ihn zu beschreiten.

Dieser Beitrag ist im Rahmen eines Early Career-Reisestipendiums für die 13. Jahrestagung des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V. entstanden. Mein herzlicher Dank gebührt dem DHd-Verband als Stipendiengeber für die finanzielle Ermöglichung meiner Teilnahme.

Lost & Found auf der DHd 2026

作者Marius
2026年3月20日 20:57

Im Februar 2026 hatte ich die Gelegenheit, mithilfe des Early Career Reisestipendiums an der DHd 2026 teilzunehmen. Mein herzlicher Dank gilt CLARIAH-AT, ohne deren Unterstützung meine Teilnahme nicht möglich gewesen wäre. Ebenso danke ich den Organisator*innen für diese beeindruckende Konferenz.

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Was passiert, wenn man als „Super Early Career Researcher“ mitten im Masterarbeitsstress zum ersten Mal eine mehrtägige wissenschaftliche Konferenz besucht? Man lernt eine Menge. Über das Fach, über die Community – und über sich selbst. Vor allem aber lernt man, dass man noch nicht so recht weiß, wie der Hase läuft. Oder wann er in welchem Raum sitzt.

Die DHd 2026 stand unter dem Titel „Nicht nur Text, nicht nur Daten“ und war meine erste mehrtägige wissenschaftliche Konferenz. Eine Teilnahme an vorherigen Konferenzen war aufgrund mangelnder Finanzierung bisher nicht möglich gewesen. Nun war die Freude umso größer, nicht nur dabei zu sein, sondern auch ein Poster zu präsentieren, das im Rahmen des Projekts „AlgorithMIX#DDR“ gemeinsam mit Jannis Klähn, Pauline Graf und Anja Neubert entstanden ist. 

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Eine erste Konferenzteilnahme ist weniger ein einzelnes Event als vielmehr eine Mischung aus geballtem Input, Abenteuerreise, sozialem Experiment, und Improvisationstheater. Vor dieser Erkenntnis war ich erst mal eins: aufgeregt.

Um herauszufinden, ob es nur mir so ging oder ob es zum akademischen Initiationsritus dazugehört, habe ich auf der Konferenz mit Kolleg*innen gesprochen, die an ganz unterschiedlichen Punkten ihrer akademischen Laufbahn stehen: Philipp Sauer, Katja Liebing, Franziska Naether und Uwe Kretschmer. Ihre Stimmen begleiten diesen Text.

Phase 1: Bevor es losging

Lange war unklar, ob ich die Konferenz organisatorisch überhaupt bewältigen würde. Deadlines, Datenauswertung, Textproduktion im Rahmen der Masterarbeit – und dazwischen die Frage: Wien? Hinzu kam die finanzielle Unsicherheit. Ich war nur für zwei Monate im Projekt angestellt und hatte während der Konferenz keine feste Stelle, über die Reisekosten hätten abgerechnet werden können. Also stand die ganz praktische Frage im Raum: Wenn ich das Stipendium nicht bekomme, zahle ich das alles privat?

Mit der Bestätigung des Erhalts des Reisekostenstipendiums hatte sich letztere Frage erfreulicherweise erübrigt. Allerdings hatte ich naiverweise vermutet, ein angenommener Beitrag bedeute automatisch eine Teilnahme. Turns out: dem ist nicht so. Dass man auch mit eigenem Poster eine Teilnahmegebühr entrichten muss, war meine erste kleine Konferenzerkenntnis. Als ich später den enormen Aufwand auf der Konferenz gesehen habe, habe ich sofort verstanden, weshalb das so ist. Die zweite: Workshops sind schneller ausgebucht, als man „Anmeldeportal“ sagen kann.

Und dann die sozialen Fragen: Wie läuft das mit der Verpflegung? Mit wem verbringe ich die Pausen? Wird man alleine mit der Kaffeetasse in der Ecke stehen? Was macht man abends nach den inhaltlichen Parts?

Glücklicherweise wurde mir von Weggefährt*innen der Computational Humanities Gruppe der Uni Leipzig sowie von der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig früh signalisiert, dass ich mich an die Leipziger Gruppe „dranhängen“ könne. Dass solche Angebote kein Zufall sind, wurde mir erst im Gespräch mit Franziska klar: Sie sieht es mittlerweile als Teil ihrer Rolle als Hochschullehrerin, jüngere Kolleg*innen mitzuziehen, zu vernetzen und in die Community einzuführen. Es gibt also auf der anderen Seite Leute, die genau das bewusst ermöglichen – auch wenn man das als Neuling erst mal gar nicht so mitbekommt.

Trotzdem blieb das Grundgefühl: Ich bin hier neu. Und ich habe keine Ahnung, wie das hier funktioniert.

Phase 2: Lost in Wien

Das Zurechtfinden in den pompösen Hallen der Universität Wien gestaltete sich als eine Art interaktive Schnitzeljagd. So war ich mehr als einmal zur falschen Zeit am falschen Ort – was, wie ich mir sagen ließ, auch erfahreneren Personen passiert.

Aber nicht nur räumlich musste ich mich orientieren. Zwischen Panels, Tracks, Präsentationen und Kaffeepausen versuchte ich parallel, Interviewpartner*innen für diesen Bericht zu gewinnen – immer mal wieder mit Aufnahmegerät und der leisen Frage: „Entschuldigung, hätten Sie vielleicht kurz Zeit?“ Das hat dank der offenen Community eigentlich recht gut funktioniert. Und in genau diesen Gesprächen wurde mir schnell klar: Das Gefühl des Lost-Seins ist nicht unbedingt individuelles Scheitern (auch wenn ich sicherlich an manchen Punkten besonders lost war und mir die ein oder andere Information vorher hätte einholen können), sondern gehört als Super Early Career Researcher quasi dazu.

Philipp erinnerte sich an seine erste DHd und beschrieb genau das, was auch mich beschäftigte: „Wo stelle ich mich in den Pausen hin? Mit wem rede ich jetzt? Wen spreche ich nach einem Vortrag an?“ Inzwischen sei es für ihn entspannter – man kenne Gesichter, werde selbst erkannt und fühle sich weniger verloren unter mehreren hundert Wissenschaftler*innen.

Was nicht gänzlich neu war, aber mir positiv auffiel: die lockere Stimmung. Ich hatte mehr akademische Stiffness erwartet wie Titel-Overkill und formelle Distanz. Stattdessen erlebte ich eine offene, wertschätzende Atmosphäre. Auch Katja erzählte, dass sie das Duzen und die Lockerheit anfangs überrascht hätten. Sie kommt aus der Geschichtswissenschaft und konnte durch den direkten Vergleich mit nicht-DH-Konferenzen bestätigen: Der Ton bei den DH sei deutlich entspannter. Uwe brachte es auf den Punkt: Die DH-Community sei einfach eine „Wohlfühl-Community“. Vielleicht liegt das an dem, was diese Community auszeichnet: Interdisziplinarität, eine gewisse Offenheit für Neues und das Bewusstsein, dass hier vieles noch im Wandel ist.

Und so wurde aus dem anfänglichen Lost-Sein nach und nach ein Zurechtfinden. Was mich allerdings nicht davon abhielt, beim Poster in leichte Panik zu geraten. Während ich mich am Mittwoch in der Kaffeepause noch mit Raumplänen arrangierte und versuchte, mich für einen der kommenden Inputs zu entscheiden, merkte ich, dass einige ihre Poster bereits aufhingen. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, dass die Position des Posters strategische Relevanz besitzen könnte – aber es leuchtete mir schnell ein. Also lief ich in schnellem Schritt kurzerhand zurück zur Unterkunft, holte mein Poster und hing es auf. Leicht außer Atem und etwas zu spät zum nächsten Vortrag, aber das Poster hing.

Dann kam die nächste Überraschung. Im Laufe der Konferenz wurde ich mehrmals gefragt: „Machst du auch beim Poster-Pitch mit?“ Ich beantwortete die Frage recht selbstverständlich mit „Ja“, denn ich dachte, das gehört halt dazu. Daraufhin wurde mehrfach hinterhergeworfen: „Wow, mutig! Weißt du, was da auf dich zukommt?“ Ich hatte an eine kurze Vorstellung des Posters und des Projekts gedacht. Dann wurde mir erklärt, dass einige Teilnehmende aufwändige Performances planten. Kostüme wurden angedeutet. Dramaturgische Elemente. Große Gesten. Ich hatte mich für einen kurzen, pointierten Input entschieden – und begann kurz zu zweifeln, ob „ruhig sprechen und hoffen“ als Strategie ausreichen würde.

Was ich ebenfalls nicht realisiert hatte: Die Pitches fanden in einem vollen Audimax statt.

Nachdem ich meinen Pitch mit wackligen Beinen und leicht zittriger Stimme über die Bühne gebracht hatte, und den teils wirklich beeindruckenden Performances zusehen durfte, stand noch die Poster-Session an. In unserem Poster haben wir versucht, darzustellen, wie die DDR auf TikTok verhandelt wird – unter Bedingungen algorithmischer Kuratierung und eingeschränkter Sichtbarkeit. Im Zentrum stand ein hybrider Zugang, der qualitative Videoanalyse mit API-basierten Metadaten-Auswertungen kombinierte. Ziel war es, erinnerungskulturelle Diskursstrukturen unter plattformspezifischen Bedingungen sichtbar zu machen und zugleich die methodischen Grenzen datenbasierter Forschung auf TikTok für die Geschichtswissenschaften kritisch zu reflektieren. In der Session hatte ich das Gefühl, viele bereichernde Gespräche mit interessierten Personen zu führen. So gab es immer wieder spannende Anmerkungen und Diskussionen rund um die wissenschaftliche Zugänglichkeit von TikTok und anderen Social Media Plattformen, Menschen konnten mit eigenen (oder elterlichen) DDR-Erfahrungen inhaltlich anknüpfen oder es gab Nachfragen zur konkreten Umsetzung des Mixed-Methods-Ansatzes. So ging die 1,5-stündige Session vorbei wie im Flug.

Phase 3: Surrealismus im Rathaus

Abends habe ich es dann doch noch ins Rathaus geschafft – den feierlichen Empfang, für den ich mich fast nicht angemeldet hätte. Bei den Räumlichkeiten fragte ich mich: „Ist das bei diesen DH-Tagungen eigentlich immer so, dass die Decken ungefähr 500 Meter hoch sind und überall Kronleuchter hängen?“

Katja, die schon mehrere DHd-Konferenzen erlebt hat, äußerte sich genau zu dieser Faszination für die unterschiedlichen Austragungsorte: In Bielefeld sei die Tagungsparty in einem alternativen Club gewesen, in Wien gebe es Empfang im Rathaus. Diesen unterschiedlichen Vibe je nach Organisation und die unterschiedlichen Regeln und Erwartungen, die im Hintergrund mitschwingen – das finde sie mit das Spannendste an den Konferenzen.

Noch in Gedanken bei den Kronleuchtern, begann auf einmal die Preisverleihung. Und plötzlich erschien mein Name auf der Leinwand: 3. Platz für den besten Poster-Pitch. Noch voller Begeisterung wurde ich ein zweites Mal auf die Bühne gebeten – einer der zwei 1. Plätze für das beste Poster.

Das stand auf keiner meiner inneren Bingo-Karten für 2026. Auf dieser Bühne zu stehen, vor all diesen Menschen – das war einer dieser Momente, die sich leicht zeitversetzt anfühlen. Kurz hatte ich Angst, spontan ins Mikrofon sprechen zu müssen. Glücklicherweise blieb mir das erspart.

Da wenige Wochen zuvor noch überhaupt nicht klar war, ob ich an dieser Reise überhaupt teilnehmen kann, war ich diesem Moment vor allem dankbar, dass mir die Erfahrung im Rahmen des Stipendiums ermöglicht wurde.

Was bleibt?

Franziska erzählte mir von einem augenzwinkernden Drei-Phasen-Modell wissenschaftlicher Konferenzen eines erfahrenen Kollegen: Phase 1 – man kennt niemanden und ist begeistert. Phase 2 – man kennt viele und freut sich aufs Wiedersehen. Phase 3 – man kennt zu viele und möchte manche gar nicht mehr wiedersehen.

Ich befinde mich wohl in Phase 1. Mit vorsichtiger Hoffnung auf Phase 2 – und dass ich darin einfach für immer verweilen kann. Uwe, der seit 2016 auf jeder DHd war, beschrieb das Wiedersehen so: Man treffe Leute einmal im Jahr nur auf dieser Konferenz, und trotzdem fühle es sich an, als hätte man sich gestern erst gesehen. Man komme sofort wieder ins Gespräch. Darauf freue ich mich.

Auch wenn meine Fokusrichtung – die Computational Social Sciences – auf der Konferenz weniger vertreten war, habe ich inhaltlich viel mitgenommen. Gerade das Eintauchen in benachbarte oder weniger vertraute Themenfelder erwies sich als erkenntnisreich. Uwe beschrieb Konferenzen als konzentrierte Zusammenstellung der aktuellen DH-Forschungslandschaft – als jährliches Update.

Und meine Sorge, häufig lost irgendwo herumzustehen? Sie hat sich erstaunlich selten bestätigt.

Vielleicht gehört ein gewisses Maß an Orientierungslosigkeit zur ersten Konferenz dazu. Vielleicht ist dieses Gefühl kein Zeichen dafür, dass man nicht dazugehört – sondern ein Zeichen dafür, dass man gerade beginnt, Teil dieser Community zu werden.

Ich bin immer noch Super Early Career Researcher. Und ich werde vermutlich auch auf den nächsten Konferenzen in einigen Situationen nicht genau wissen, wann ich wo hin muss und mit wem ich reden soll.

Aber ich weiß jetzt: Das ist okay. Und ich komme damit klar.

„Ceci n’est pas un texte.“* – Mein Rückblick auf die DHd 2026 in Wien

2026年3月20日 19:17

Fast 600 Menschen kamen zur DHd 2026 unter dem Motto „Not only text, not only data“ an einer der ältesten Universitäten des deutschsprachigen Raums zusammen – und damit zugleich in einer Stadt, in der Kaffeehäuser seit 2011 zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe zählen. In fünf Tagen bot die Konferenz eine Mischung aus Workshops, Panels und Postern – einige davon sind mir besonders in Erinnerung geblieben und stehen in diesem Blog-Post noch einmal kurz im Mittelpunkt.

Workshops: Experimentieren, Annotieren, Automatisieren

Wie für die DHd üblich, fanden an den ersten beiden Tagen Workshops statt – insgesamt 18 an der Zahl. Am Montag entschied ich mich für den Workshop „Beyond the Cloud: Democratizing GPU Access for the Digital Humanities with DHInfra.at“, der von Forschenden der Universität Graz und der Universität für Weiterbildung Krems ausgerichtet wurde. Vorgestellt wurde mit DHInfra ein Forschungsinfrastrukturprojekt, das GPU-Ressourcen bereitstellt, um lokale Hardwaregrenzen und Abhängigkeiten von kommerziellen Cloudlösungen zu überbrücken.

Im Workshop erhielten die Teams Zugriff auf DHInfra und arbeiteten mithilfe von Jupyter Notebooks und Large Language Models an der Bereinigung eines historischen Datensatzes mit fehlerhafter OCR. Das Vorgehen war dreistufig angelegt: Zunächst ging es um reines Prompt Engineering, anschließend um das Feinjustieren der Modellparameter, und in einem dritten Schritt wurden synthetische Beispiele erzeugt, um die Genauigkeit weiter zu steigern. Ein gewisser Gamification-Aspekt durfte dabei nicht fehlen: Eine fortlaufend aktualisierte Bestenliste wurde an die Wand projiziert, auf der sich insbesondere Team Fish, Death to AI und Team 1234 ein enges Rennen lieferten.

Am Dienstag nahm ich am Workshop „Film- und Videoanalyse mit VIAN & TIB-AV-A – Grundlagen, Anwendungen und Schnittstellen“ teil. Dabei wurden mit VIAN und TIB-AV-A zwei Tools vorgestellt und praktisch angewendet, die unterschiedliche Möglichkeitsräume in der Arbeit mit Video als Daten eröffnen. Während VIAN als manuelles Annotationstool stärker an klassische filmwissenschaftliche Arbeitsweisen anknüpft und „Annotation als Schule des Sehens“ greifbar macht, eröffnen automatisierte Verfahren wie TIB-AV-A ganz andere analytische Potenziale.

Der zweite Teil des Workshops widmete sich genau diesen Verfahren: Die Teilnehmenden konnten unterschiedliche Methoden der automatisierten Filmanalyse selbst erproben. TIB-AV-A bietet dabei ein breites Spektrum an Funktionen – von Emotionserkennung über Farbanalyse bis hin zur Objektklassifikation. Insgesamt war der Workshop so aufgebaut, dass auch Einsteiger:innen den Weg von der manuellen Annotation hin zur automatisierten Analyse nachvollziehen konnten und ein Gefühl dafür entwickelten, wann ein minimalistisches Tool wie VIAN und wann ein eher umfassendes System wie TIB-AV-A sinnvoll eingesetzt werden kann.

Von Data Selfies, Data Jewellery zu Data Ghosts – Opening Keynote von Miriah Meyer

Eröffnet wurde die Konferenz mit einer Keynote von Miriah Meyer. Sie ist Professorin am Fachbereich Wissenschaft und Technologie der Universität Linköping. Ihre Keynote trug den Titel Data As ___: Exploring the Plurality of Data in Visualization und bot einen Überblick über Konzepte, die Visualisierung und Daten zusammendenken.

Der Begriff „Data“ stand dabei als roter Faden im Vordergrund und wurde unterschiedlich gefasst: Data as Input, Data as Ground Truth, Data as Entangled und Data as Design Material. Sie machte zudem deutlich, dass Daten auch persönlich sind, und stellte eine Reihe von Projekten vor, an denen sie selbst beteiligt war – unter anderem mit Jugendlichen als Zielgruppe. Mit ihnen erprobte sie Methoden des Data Crafting bzw. der Data Physicalization, die von Data Selfies über Data Jewellery bis hin zu Data Ghosts reichten. Besonders spannend für mich war dabei, wie Miriah Meyer mit diesen Ansätzen das Prozesshafte von Daten hervorhob.

Dabei ging sie auch auf unerwartete Nebenprodukte ein: Auf einer physischen Karte sollten Besuchende mithilfe von Stickerpunkten emotionale Orte markieren. Dabei entstanden u. a., wie sie es bezeichnete, Data Graffiti – also Punkte, die sich (absichtlich) zu Wörtern oder Symbolen formten und auf die Miriah Meyer humorvoll verwies. Nach dieser spannenden Perspektive aus der Data-Vis-Community folgte die Eröffnungsfeier mit Schnittchen und Wein, die den Abend stimmungsvoll ausklingen ließ.

Zwischen Klang, Kritik und Virtualität: Der Konferenzmittwoch

Am Konferenzmittwoch begannen die Panels, die das Motto „Not only text, not only data“ auf unterschiedliche Weise einlösten. Den Auftakt meines Tages bildeten Beiträge aus der Digital Musicology, die ein breites methodisches Spektrum abdeckten. Besonders in Erinnerung blieb mir der Vortrag „Soundful Dickens – Sound in Literary Fiction“, in dem Svenja Guhr und Michaela Mahlberg zeigten, wie sich Klangereignisse in literarischen Texten computergestützt erfassen lassen. Ausgangspunkt war dabei die Idee, Klang systematisch zu modellieren, indem lauttragende sprachliche Einheiten identifiziert und hinsichtlich ihrer Intensität beschrieben werden, um so neue Perspektiven auf Dickens’ Romane zu eröffnen.

Gleichzeitig wurde in anderen Vorträgen deutlich, wie produktiv sich die digitale Musikwissenschaft mit Fragen der Datenmodellierung und -infrastruktur auseinandersetzt: So zielte ein Beitrag darauf ab, das XML-basierte MEI-Datenmodell in eine semantisch anschlussfähige RDF-Ontologie zu überführen, während ein anderer zeigte, wie sich mithilfe von Large Language Models quellenbezogene Daten aus der neuen Schubert-Ausgabe automatisiert extrahieren und weiterverarbeiten lassen.

Nach der Mittagspause verschob sich der Fokus hin zur Wissenschaftsgeschichte der DH. Florian Windhager eröffnete das Panel mit Überlegungen zur Rolle und insbesondere zur Verantwortung der Digital Humanities im Kontext einer „zweiten Säkularisierung“ (nach Simon During) und entwarf mit Komplizenschaft, Widerstand, Migration und Nachfolgearbeit vier mögliche Reaktionsweisen. Damit verband er die Frage nach den Digital Humanities mit einem breiteren Nachdenken über Kultur nach der Hochkultur, etwa im Kontext von Konzepten wie „Dopamine Culture“.

Auch die folgenden Beiträge knüpften an diese Perspektivverschiebung an: Anna Maria Neubert analysierte 714 Drittmittelprojekte (1996–2021) aus einer feministischen Perspektive und machte dabei strukturelle Unterschiede in Forschungsnetzwerken sichtbar. Sie schloss mit der Betonung der Notwendigkeit intersektionaler Perspektiven in den Digital Humanities. Das letzte Projekt widmete sich der Landschaft von 866 Wissenschaftsblogs in Deutschland und stellte Fragen nach Open Science und Open Access, etwa im Hinblick auf Standardisierungen wie DOI, ISSN oder Creative-Commons-Lizenzen.

Zum Abschluss des Tages wechselte ich in ein Panel unter dem thematischen Dach „Virtualität“, das sich zwischen Architektur, VR und Eye-Tracking bewegte. Den Auftakt bildeten Überlegungen zur Dokumentationspraxis in der Architekturforschung, vorgestellt anhand von IDOVIR (Infrastructure for Documentation of Virtual Reconstructions), einem Taxonomieprojekt, das sich der Integration vielfältiger Quellen – von physischen und digitalen 3D-Modellen über naturwissenschaftliche Analysen bis hin zu Oral History und Inschriften – widmet.

Vom Physischen ging es anschließend in den virtuellen Raum: Mit ExPresS XR wurde ein No-Code-Tool für die Entwicklung von XR-Ausstellungen vorgestellt, das einen niederschwelligen Zugang zur Gestaltung immersiver VR-Erlebnisse eröffnet. Der Fokus liegt dabei auf Anwendungen im musealen und wissenschaftlichen Kontext – von der Vermittlung über die Forschung bis hin zur kuratorischen Praxis.

Unter der Leitfrage „Was bestimmt die Zeit?“ zeigte der abschließende Vortrag anhand einer Eye-Tracking-Studie, dass sich Aufmerksamkeit im Museum entlang klarer Muster verteilt: Kunstwerke werden länger betrachtet als Texte, Größe und Gattung beeinflussen die Verweildauer signifikant, und Sehen und Lesen stehen in einem engen Zusammenhang.

Ein sehr gelungener Start, der noch einmal deutlich machte, welche Debatten in den Digital Humanities – fernab der Literatur, an ihren Rändern oder im Zusammenspiel mit GLAM – geführt werden.

Doctoral Consortium und Poster-Slam: Mein Konferenzdonnerstag

Meinen Donnerstag begann ich mit dem Doctoral Consortium: Die vorgestellten Projekte reichten von der computergestützten Modellierung literarischer Aufmerksamkeit am Beispiel von Sherlock-Holmes-Erzählungen (Jan Angermeier) über die digitale Kartierung von Akteur:innen der Stonewall-Bewegung und damit verbundene Fragen nach Sichtbarkeit und Gewichtung innerhalb queerer Geschichtsschreibung (Robin Luger) bis hin zur Analyse von 54 sowjetischen Theaterstücken der Jahre 1945 bis 1964, in der Ekaterina Kolevatora familiäre Modelle im Spannungsfeld von Spätstalinismus und Tauwetter-Periode untersuchte.

Ein Highlight des Tages war die Postersession, insbesondere der Poster-Slam, der mit viel Poesie, Star-Wars-Referenzen und sogar aus dem Grab auferstandenen Protagonist:innen überzeugte. Insgesamt wurden auf der DHd2026 fast 100 Poster präsentiert. Der Empfang und die Preisverleihung des Slams fanden am Abend im Rathaus statt und bildeten mit Buffet, Musik und anschließender Party einen gelungenen Abschluss des Tages – in einer besonders schönen Atmosphäre.

Zum Abschluss: Panels und Keynote am Freitag

Der Freitag begann für mich mit Präsentationen aus dem Bereich der Digital Art History, in denen unterschiedliche Zugänge zur computergestützten Bildanalyse zusammenkamen. Ein Vortrag widmete sich der Frage, wie sich Vision-Language-Modelle wie CLIP für kunsthistorische Analysen nutzen lassen und wie ihre Entscheidungen mithilfe von Explainable Artificial Intelligence nachvollziehbar werden können. Dabei zeigte sich, dass die Modelle bei konkreten Objekten überzeugend arbeiten, bei abstrakteren Konzepten jedoch an ihre Grenzen stoßen.

Diese Spannbreite zwischen methodischer Reflexion und praktischer Anwendung setzte sich in den folgenden Beiträgen fort: Mit PortApp wurde eine App zur Analyse und Durchsuchung frühneuzeitlicher Porträts vorgestellt, die sowohl Ähnlichkeitssuchen als auch die Suche mit eigenem Bildmaterial ermöglicht. Gleichzeitig zeigte das Tool „Suchkind“, wie sich multimodale Modelle mit domänenspezifischer Annotation kombinieren lassen, um visuelle Vorstellungen von Kindheit in historischen Kinder- und Jugendbüchern systematisch analysierbar zu machen.

Die Closing Keynote von Katharina Kinder-Kurlanda (Universität Klagenfurt) führte diese Perspektiven auf einer Metaebene zusammen. In ihrem Vortrag „Digital Humanities Unpacked: The Politics and Practices of Data Work“ machte sie deutlich, dass digitale Daten stets in komplexe Machtverhältnisse, Infrastrukturen und gesellschaftliche Kontexte eingebettet sind, und plädierte dafür, die Digital Humanities als kritische Disziplin zu verstehen, die nicht nur Methoden anwendet, sondern auch deren politische und epistemologische Implikationen reflektiert.

Dies bildete den Abschluss der sehr erfolgreichen #DHd2026 in Wien. Ich freue mich schon jetzt auf die DHd2027 in Marburg unter dem Titel „Mind the Gap! – Wissen, Unsicherheit und Verantwortung“ (1.–5. März 2027 am MCDCI).

Und möchte mich an dieser Stelle herzlich bei NFDI4Culture und dem DHd bedanken, die mir durch das Reisestipendium die Teilnahme an dieser inspirierenden Konferenzwoche in Wien ermöglicht haben. Neben zahlreichen inhaltlichen Impulsen, die genau an die Schnittstellen anknüpfen, an denen ich mich künftig verorten möchte, nehme ich vor allem die Begegnungen mit – eine wachsende Kontaktliste und einige neue WhatsApp-Gruppen, die die DH-Community einmal mehr als offen, lebendig und vernetzt zeigen.

*Der Titel bezieht sich übrigens auf einen Satz, den ein Konferenzteilnehmer auf seinem LED-Badge hatte – ein Goodie aus dem Konferenzbeutel, das selbst programmiert werden konnte und auf dem die vergnüglichsten Aussagen angezeigt wurden, u. a. selbstverständlich „I love DHd“.

Von Alica Müller 

Nicht nur Text, nicht nur Daten: Erfahrungen von der DHd 2026 in Wien

2026年3月13日 00:39

Ich bin mit großer Vorfreude und dank des Reisekosten-Stipendiums des DHd-Verbandes zur DHd 2026 nach Wien gefahren. Die Universität Wien machte bereits beim Ankommen einen sehr imposanten Eindruck. Gleich am ersten Tag startete ich mit dem Workshop „Beyond entities: Inhaltsbasierte Erschließung digitaler Editionen mit KI“. Dort haben wir uns erst zu den Grundlagen von RDF und zu Ontologien wie z. B. FOAF bringen lassen, bevor wir praktisch wurden: Mithilfe vorgefertigter Jupyter-Notebooks und Beispieldatensätzen probierten wir verschiedene LLM-Modelle mit unterschiedlichen Parametern aus und schauten uns die Ergebnisse der RDF-Tripel-Extraktion an. Ein spannender und sehr praxisorientierter Einstieg.

Am nächsten Tag war ich beim Workshop „LLMs unter Kontrolle: Offene Modelle in Forschung und Praxis“. Der Workshop zielt genau auf das, was ich als Nachwuchswissenschaftler wichtig finde: einen transparenten und reflektierten Umgang mit generativer KI in den Digital Humanities zu fördern. Von besonderer Bedeutung für mich war der methodische Einsatz von LLMs in der eigenen Forschung. Die praktische Arbeit mit lokalen, offenen Modellen wie OLMo 2 (1B) und OLMo 3 (7B) über LM Studio zeigte, wie viel Kontrolle und Reproduzierbarkeit man dadurch gewinnt. Zugleich wurde deutlich, wie problematisch proprietäre Online-Modelle sein können, weil sie sich verändern, Outputs nicht dauerhaft dokumentiert sind und Trainingsdaten sowie Gewichtungen oft intransparent bleiben. Der darauffolgende Theorie-Block vermittelte entsprechende Evaluationsstrategien für den Einsatz solcher Modelle. Abschließend fand eine Reflexionsrunde statt, die dazu anregte, mögliche Use Cases für die eigene Forschung neu zu denken.

Zwischendurch besuchte ich Vorträge, die von technischen Umsetzungen bis zu praktischen Anwendungen reichten: Die Präsentation zur „Digitalen Erschließung des Schematismus“ demonstrierte eindrucksvoll, wie aus historischem Druck durch OCR, NER und Transformer-Modelle schrittweise eine vernetzte Graphdatenbank entsteht, mit dem Ziel, Personen verbindlich Verwaltungseinheiten zuzuordnen.

In den Poster-Sessions wurden viele überaus interessante Poster präsentiert. Eines davon befasste sich beispielsweise mit der Frage: „Wie kompatibel ist meine Bibliothek mit Digital Humanities?“ und erinnerte daran, dass Digital Humanities oft schon in den eigenen Beständen stecken und nur gefördert werden müssen.

Der Vortrag „Semantic Modelling of Intermedial and Intertextual References in Comics“ zeigte das epistemische Potenzial semantischer Modellierung: Am Beispiel von „Sibylla“ zeigte sich, wie Wissensgraphen literarisches und visuelles Wissen strukturiert, transparent und interoperabel abbilden können. Gerade für intermediale Forschung ein großer Gewinn. Ebenso praxisnah war der Beitrag zu „Fachspezifische Datenmodelle als Brücke zwischen materieller Kultur, Theorie und Praxis“: die Arbeit mit WissKI Barrels erschien mir als echter Gamechanger für kleinere Museen, weil sie Nachhaltigkeit und sofortige Einsatzfähigkeit im Sammlungsdaten-Lebenszyklus verbindet und damit Theorie und Praxis greifbar zusammenbringt.

Den Abschluss der Konferenz bildete die Keynote, die viele der zuvor diskutierten Fragen noch einmal auf einer übergeordneten Ebene bündelte: Ausgehend von der Kritik an Big Data als vermeintlichem Paradigmenwechsel wurde deutlich, dass digitale Daten keineswegs neutral oder automatisch erkenntnisfördernd sind. Vielmehr bestimmen Plattformen, APIs und intransparente Algorithmen maßgeblich, welche Daten überhaupt zugänglich sind und wie valide Forschungsergebnisse sein können. Besonders eindrücklich war der Punkt um Forschungsethik und den Umgang mit Social-Media-Daten, wie etwa die Frage nach Anonymisierung, Einwilligung und Zitierpraxis. Das zentrale Plädoyer lautete, statt nur kritische Distanz einzunehmen, eine „kritische Nähe“ zu Daten zu entwickeln: Verzerrungen und Lücken nicht nur zu bemängeln, sondern sie als Teil des analytischen Prozesses produktiv zu machen und die Politik der Daten sichtbar werden zu lassen. Für mich rundete dies Keynote den Kongress perfekt ab. Sie verband technische Praxis, ethische Reflexion und wissenschaftstheoretische Perspektive zu einem klaren Auftrag für die zukünftige Arbeit in den Digital Humanities.

Insgesamt nehme ich aus Wien nicht nur vielfältige Impulse und die fachlichen Erkenntnisse mit, sondern auch, das Gefühl mit den Digital Humanities eine wissenschaftliche Community kennengelernt zu haben, die einen sehr herzlichen, neugierigen und manchmal auch etwas selbstironischen Geist in sich vereint, mit dem ich mich sehr verbunden fühle.

Recap of the DHd 2026 Conference in Vienna

2026年3月11日 23:08

Two weeks ago, I had the pleasure in attending the DHd 2026 in Vienna! The week long conference started with being greeted and checked in by extremely kind and helpful people and receiving a DHd tote bag containing a travel mug, a programmable LED name tag, a program book, a DHd pen, and a notebook.

Then the first workshop began. I had enrolled in Workshop 6: Library Labs als Innovation Hubs für DH – Worldcafé & Community Building. Here we heard from the Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des DIPF, the Deutsche National Bibliothek, the Stabi Lab which is part of the Staatsbibliothek zu Berlin, DIGIPOP, and the Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open AccessBrandenburg. Each presented what offers they have, what events they host, how to access their datasets and open source resources, and how to get in touch. Then after a 15-minute coffee and pastry break, we broke out into groups and discussed the overarching theme of Library Labs, broken up into the subcategories of physical location, teaching formats, personnel/resources, target groups and communication, and cooperation and sustainability. The breakout groups was an amazing opportunity to learn and chat with other people attending the conference and hear about the work they are currently involved in.

The next day I participated in the workshop hosted by the DNBLab from the Deutsche Nationalbibliothek called “Von der Forschungsidee zumDatenkorpus”. Here we learned how to use the DNB SRU Query Tool to query and create metadata sets via the SRU interface. This workshop was again a very open and welcoming space, with all coding levels represented and everyone working together to use the tool and create visualizations from the datasets.

During the lunch break after, due to the sunny weather, many people decided to picnic outside at a nearby park before the next workshop. Tuesday evening was the Opening Keynote from Miriah Meyer, a professor in the Department of Science and Technology at Linköping University who is funded by the WASP program. Her research focuses on developing visualization tools that support exploratory and reflective data analysis and provide new ideas for using data in our lives. These tools enable people to learn more about their own data, redefine their perspectives, and revolutionize their thinking. In her keynote “Data As _: Exploring the Plurality of Data in Visualization”, she presented four different perspectives on data that reflect the range of approaches used by visualization researchers. By clearly distinguishing these perspectives, she opened new possibilities for how we create and use data and visualizations, and how we can simultaneously question our common notions of data-driven work. She also described the various projects she is and has been involved in, including one where young women are the target audience, with whom she explored Data Crafting and Data Physicalization Methods.

After the interesting Keynote, we all went to the Main Ceremonial Hall (Grosser Festsaal) for the Opening Reception where we were welcomed with food, drinks, and deserts and had time to socialize. Starting Wednesday and going until Thursday at noon, there were lectures where 2 to 3 people or groups presented their work, each total lecture lasting 1.5 hours and each having an overarching topic. The topics included digital soundscapes, digital art history, research data standards, Doctoral consortiums, named entities, digital editions, history of DH research, research software engineering, graph networks, virtuality, AI in interaction scenarios, epistemology and interpretation, research platforms as well as panel discussions. Between each lecture, there was either a coffee and pastry break, or a lunch break.

Thursday after the first coffee break, everyone headed to the Audimax where the Poster Slam took place. Each person or group presenting a poster had 60 seconds to introduce themselves, their topic and their research. The audiences applause level was recorded and whichever group received the loudest applause won. The slams were all so creative, with people working with props, being wrapped in toilet paper, performing poetry, sonnets, raps, and skits. After the Poster Slam followed lunch, and afterwards everyone gathered in the Main Ceremonial Hall for two Poster Sessions where we were able to ask questions and hear more about each poster from each of the participants.

In the evening, we were invited to the Reception in the City Hall. We entered the City Hall and were greeted with breathtaking architecture. The mayor’s representative welcomed us, speeches were held, the awards of the Poster Slam and the Poster Sessions were announced, selfies were taken and the buffet was opened. The night continued with food, drinks, desserts, and dancing and then once the City Hall closed, everyone went to a bar where bingo was played at midnight.

On Friday there were two more lecture sessions with topics including historical perspectives, digital editions II, text recognition, automation and AI, operationalization, multimodality, data modeling, digital art history II, and two more panel discussions.

This was followed by lunch and then the closing Keynote which was held by Katharina Kinder-Kurlanda, a Professor of Humanwissenschaft des Digitalen at the University of Klagenfurt in Austria. She works across disciplines in digital humanities, science and technology studies, sociology of technology, and internet research. Her research interests include new epistemologies for big data, algorithms in everyday life, data practices, social casual games, and (fair) artificial intelligence. The keynote invited us to understand digital humanities as a critical discipline that not only applies digital methods but also reflects on their social implications. She asked the question of how can we, as researchers in digital humanities, make the politics of data visible?

Following the Keynote, closing remarks were made, the Organizational Team from Vienna was brought on stage and given roses and thanked for their amazing effort, and there was a presentation about the DHd Conference 2027 which will take place in Marburg Germany.

Overall, the DHd 2026 was an amazing experience! It was an extremely open and supportive environment, allowing everyone to meet and learn from their peers and the pioneers of the field. I am very grateful to the DHD for the scholarship and this opportunity. Thank you for the inspiring week full of wonderful presentations, workshops, posters, delicious food and drinks and lovely interactions. I’m already looking forward to next year! 🤩

Rückblick zur DHd2026 – Ein Konferenzbericht aus Wien

2026年3月11日 22:43

Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Early Career Reisestipendiums von CLARIAH-AT für die DHd2026 in Wien. Herzlichen Dank für die Ermöglichung dieser Teilnahme.

Was macht eine wissenschaftliche Community aus? Und gehöre ich dazu? Diese Frage hatte ich im Gepäck, als ich als Masterstudierende der Digital Humanities an der Universität Regensburg zum ersten Mal zur DHd fuhr. Die DHd2026 war meine erste große DH-Konferenz und eine Einladung, die Community nun endlich live zu erleben. Das Ziel: Wien.Eine prachtvolle Stadt, eine beeindruckende Universität und ein Tagungsthema, das neugierig macht: Not just text, not just data. Was steckt in den Digital Humanities jenseits von Textkorpora und Datentabellen? Die Konferenz hat darauf viele spannende Antworten geliefert.

GPU für die GW – aber bitte DSGVO-konform

Der erste Konferenztag führte mich in den Halbtagsworkshop „Beyond the Cloud: Democratizing GPU Access for the Digital Humanities“ des DHInfra-Teams der Universität Graz und der Universität für Weiterbildung Krems. Der Bedarf an rechenintensiven Methoden wächst in der DH rasant, während kommerzielle Anbieter wie AWS oder Google Colab ernsthafte Fragen zu Datenschutz und Datensouvränität aufwerfen. DHInfra setzt hier mit einer föderierten, DSGVO-konformen GPU-Infrastruktur an. Der Workshop war dabei mehr als eine Demonstration, er diente als finale Testphase vor dem offiziellen Launch, in der die Teilnehmenden LLMs feintunen und API-basierte Workflows entwickeln konnten und gleichzeitig direktes Feedback zur Plattform gaben.

Data as…

Den Auftakt der Konferenz bildete am Abend die Eröffnungskeynote von Miriah Meyer mit dem Titel „Data as…: Exploring the Plurality of Data in Visualization“. Mit einer scheinbar simplen Frage: „Was sind eigentlich Daten?“ eröffnete sie ein breites Panorama: Daten als Input, als Ground Truth, als Design Material, als etwas Verflochtenes. Wer diese Rahmungen explizit benennt und hinterfragt, gewinnt neue Perspektiven auf Visualisierungen und die eigene Forschungspraxis. Beim anschließenden Empfang wurden diese Gedanken in Gesprächen weitergeführt. Ein schöner Beweis dafür, wie eine gute Keynote eine Konferenz inhaltlich in Gang setzt.

Annotieren: Mensch, Maschine oder beides?

Am zweiten Tag folgte der ganztägige Workshop „Film- und Videoanalyse mit VIAN & TIB-AV-A“. Die zentrale methodologische Frage: Wann annotieren wir manuell, wann die Maschine? VIAN Light macht diese Spannung produktiv, indem es manuelle Annotation mit automatischer Einstellungserkennung kombiniert und damit Raum lässt für das, was Eva Hielscher „Doing ELAN“ nennt: den Annotationsprozess selbst als erkenntnisleitenden Akt. Das Fazit des Tages: Automatisierung ersetzt die manuelle Annotation nicht. Hybride Workflows, die beides kombinieren, sind der Schlüssel.

Die Politik der Daten

Besonders nachhaltig haben mich zwei Panels beschäftigt. Im Panel „KI als Belastungsprobe für das offene Internet“ diskutierten Klaus Rettinghaus, Sarah Oberbichler, David Maus und Grischka Petri, was der Boom generativer KI bedeutet: Bot-Traffic, der sich als menschlich tarnt, blockierte Archive, ignorierte Lizenzen. Die Kernfrage: Welche Infrastrukturen bauen wir auf, welche Daten legen wir unter welchen Bedingungen offen? Das sind im Kern politische Entscheidungen und Geisteswissenschaftler:innen können mit ihrer kritischen Datenperspektive aktiv mitgestalten.

Das Panel „The Dark Sides of DH revised: From Utopia to Reality“ richtete den Blick nach innen: auf sprachliche Vielfalt, feministische Datenpraktiken, Repräsentation und ein erweitertes Verständnis von Nachhaltigkeit jenseits von Effizienz. Was mich überzeugte, war der konstruktive Grundton: Es ging nicht nur darum, Probleme zu benennen, sondern gemeinsam darüber nachzudenken, was die DH werden könnte, wenn wir diese Lücken ernst nehmen.

Research Software, Posterslam und Empfang im Wiener Rathaus

Ein weiteres Panel widmete sich Research Software Engineering. Sabina Mollenhauer plädierte für eine Richtungsumkehr: Ethnografische Methoden könnten aktiv zur Gestaltung nachhaltiger Research Software beitragen statt Wissen nur von STEM zu übernehmen. Kevin Kuck und Kevin Wunsch zeigten, wie automatisierte Workflows in Editionsprojekten Raum für inhaltliche Forschung schaffen. Kristin Herold, Hizkiel Alemayehu und Daniel Jettka diskutierten am Beispiel Edirom Online, wie Software nach Projektende überlebt: durch Modularisierung, Community-Building und gezielte Kleinstförderungen.

Ein Highlight der Konferenz war der Posterslam: In kürzester Zeit überzeugten die Slamenden das Publikum von ihrer Forschung, gemessen per Lautstärkemessgerät, Kostüme und popkulturelle Referenzen inklusive. Eine mitreißende Einleitung zu zwei Postersessions, bei denen Zeit für viele spannende Gespräche war.

Daten sind nie neutral

Den krönenden Abschluss des letzten Abends bildete der Empfang im Wiener Rathaus, ein sehr imposanter und beeindruckender Rahmen für eine Konferenz, die inhaltlich als auch atmosphärisch viel zu bieten hatte. Und passend zum Gastgeber durfte musikalisch natürlich auch Falco und der Wiener Walzer nicht fehlen.

Was bleibt

Was mich überrascht hat, war die Atmosphäre: offen, vielfältig, von echtem gegenseitigem Interesse geprägt. Gespräche entstanden schnell und unkompliziert, über Fachgrenzen und Karrierestufen hinweg. Als jemand, die gerade mitten im Studium steckt, war es besonders wertvoll, das Gefühl zu haben, wirklich Teil einer Community zu sein, nicht nur Beobachterin.

Das Stipendium von CLARIAH-AT hat mir nicht nur die Reise nach Wien ermöglicht, sondern einen Einblick gegeben, worum es in den Digital Humanities im besten Sinne geht: das gemeinsame Nachdenken über Methoden, Infrastrukturen und Verantwortung, mit Menschen, die das wirklich ernst nehmen.

Sophia Babl, Masterstudium Digital Humanities, Universität Regensburg

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