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Call for Participation: Booksprint „Making Research. Digital Humanities Fachreferate, Labs, Makerspaces, Werkstätten und Kompetenzzentren an wissenschaftlichen Bibliotheken und anderen Forschungseinrichtungen“

2024年8月2日 18:52

In den letzten Jahren haben sich an Bibliotheken und Archiven zunehmend Bereiche entwickelt, die sich ausdrücklich konzeptuell und forschungsnah mit digitalen Beständen, digitalen Methoden und der Vermittlung von beidem an die Forschung und andere Nutzer*innen beschäftigen. Diese Bereiche haben unterschiedliche Formen, Umfänge, Namen und Ausrichtungen, die Bandbreite reicht von einzelnen Digital Scholarship Librarians oder Digital Humanities Fachreferaten über Bibliotheks-Labs und -Makerspaces bis zu großen Teams in eigenständigen Kompetenzzentren. Dabei unterscheiden sich die Ausrichtungen und Schwerpunktsetzungen. DH-Fachreferate werden als Teil der Fachreferatsstruktur entwickelt, die Labs großer Forschungsbibliotheken sind oft darauf ausgerichtet, Forschende bei der Nutzung der eigenen Bestände zu unterstützen, in anderen Fällen bezeichnen Labs eher Abteilungen, die Angebote zur Kompetenzvermittlung im Bereich digitale Methoden und Bestände anbieten, und schließlich fokussieren sich die größeren Kompetenzzentren oftmals auf die Umsetzung von größeren DH-Projekten als technische Partner für die Forschung und die Bibliotheken als Garant für eine Sicherung von Ergebnissen über die Projektlaufzeit hinaus, etwa bei digitalen Editionen.

Gemeinsam ist diesen Entwicklungen, dass sie auf einen Trend reagieren, in dem zunehmende Digitalisierung von Bibliotheks- und Archivbeständen und eine Stabilisierung und Kanonisierung von computergestützten Analysemethoden zu beobachten ist, während gleichzeitig in der Forschung Ausdifferenzierungs- und Spezialisierungsprozesse eine Teilnahme an Spezialdiskursen voraussetzungsreicher werden lassen. Diese gleichzeitige Verbreiterung und Vertiefung von digitalen Methoden bedeutet einerseits einen zunehmenden Kompetenzaufbau in Bibliotheken und Forschung, und führt gleichzeitig zu einem erhöhten Kompetenzbedarf, sei es bezogen auf je spezifische Strukturen von digitalen Beständen oder bezogen auf digitale Methoden für eine reflektierte wissenschaftliche Bearbeitung.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Ausrichtung an der praktischen Umsetzung von Analyseansätzen und bei der Herstellung von Datensätzen. Dabei sind die Übergänge zwischen Beratung, strukturierter Kompetenzvermittlung und technischer Unterstützung oder Kooperation oft fließend. Das mag auch daran liegen, dass sich dieser Bereich weiterhin im Aufbau befindet, und dass die Angebote, die in diesem Zusammenhang ausgearbeitet werden, noch nicht kanonisiert und institutionalisiert sind, sondern oft selbst noch Projektform haben.

Unser Eindruck aus Gesprächen und Austausch mit anderen Projekten und aus der eigenen Arbeit der vergangenen Jahre ist, dass inzwischen an vielen Einrichtungen Fachbereiche, Abteilungen oder Projekte eingerichtet wurden, die im Aufbau und in der Entwicklung der eigenen Angebote einige Erfahrungen gemacht haben und zu ersten Ergebnissen gekommen sind. Unser Eindruck ist auch, dass sich mit den Ergebnissen auch die Fragen in Bezug auf die Gestaltung von forschungsnahen Diensten, Aufbau digitaler Infrastruktur, Kompetenzvermittlung und Forschungskooperationen entwickelt haben.

Um diese Entwicklungen und Ergebnisse, Problemstellungen und Lösungsansätze zusammenzuführen laden wir alle, die mit Konzeption, Aufbau und Betrieb von Räumen und Angeboten beschäftigt sind, zu einem Booksprint an die UB der Humboldt-Universität zu Berlin ein. Unser Ziel ist, mit euch diese Dinge zusammenzutragen, in eine redaktionelle Struktur zu bringen, Teams zu bilden und Texte, Daten, Grafiken, usw. zu schreiben und herzustellen. Im Vordergrund stehen dabei aus unserer Sicht Reflexion und Dokumentation. Die Ergebnisse sollen als zusammenhängende Sammlung veröffentlicht werden (open access).

Die folgenden Themen sehen wir als mögliche Ausgangspunkte:

  • Nachnutzbare Workflows für Raumentwicklung, Angebotsentwicklung, Beratung, Kompetenzvermittlung, Veranstaltungen, usw.
  • Raum- und Funktionsbestimmungen: Bibliotheks-Lab, Makerspace, Fachreferat, Kompetenzzentrum
  • Spaß am Gerät: Experimentieren und Tinkering als geistes- und kulturwissenschaftliche Praxis
  • Technik die begeistert: Diese Geräte, Werkzeuge und Methoden haben sich für uns und unsere Zielgruppen besonders bewährt
  • Empowerment: Praktische Aneigung und fachwissenschaftliche Bewertung von digitalen Methoden und Werkzeugen unterstützen
  • Aktiv inklusive Angebote für alle schaffen — Ansätze, Umsetzung und Evaluation
  • Rechnen und Schreiben in grün: Nachhaltigkeit von Räumen, Methoden und Technik mitdenken, planen und umsetzen
  • Ist mir egal, ich lass es jetzt so: Formen der Ergebnissicherung für eigene und kooperative Arbeiten
  • Kein Anschluss unter dieser Nummer oder wie lässt sich ein befristet finanziertes Raumprojekt für alle Beteiligten gut beenden — oder verstetigen?
  • Governance und Steuerung: Entscheidungsstrukturen gestalten
  • Hochschuldidaktische Konzepte für die Kompetenzvermittlung
  • Formen der Zusammenarbeit: Forschungsnahe Dienste oder Forschungskooperation?

Der Booksprint findet am 23. und 24. Oktober am Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Ihr möchtet an der Sammlung mitarbeiten und euer Wissen einbringen? Oder habt ihr noch Fragen oder Anregungen? Dann meldet euch bei uns unter ub.makerspace@hu-berlin.de 

Wir freuen uns auf eure Rückmeldungen!

Das Team der Kompetenzwerkstatt Digital Humanities an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Claus-Michael Schlesinger, Sophie Eckenstaler und Jacqueline Banford

Digital History studieren an der HU Berlin – Einladung zum Sommerschnuppern 2024

2024年5月3日 19:17

Am 13. Mai 2024, 18:00 bis 20:00 Uhr, lädt die Professur für Digital History der Humboldt-Universität zu Berlin Studierende, die sich für ein Masterstudium im Bereich der digitalen Geistes- und Geschichtswissenschaften interessieren, herzlich zu einer hybriden Informationsveranstaltung ein. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird der Masterschwerpunkt “Digital History” vorgestellt und ausreichend Gelegenheit zur Beantwortung aller hierzu anfallenden Fragen geboten. Ausführliche Informationen zum “Sommerschnuppern 2024” finden Sie auf dem Blog der Professur. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich bis zum 10. Mai 2024 über unser Anmeldeformular zu registrieren. Wir freuen uns darauf, Sie entweder persönlich vor Ort oder online via Zoom begrüßen zu dürfen!

Vortrag: Wie funktioniert OCR? Grundlagen, Stand der Technik und aktuelle Herausforderungen. Clemens Neudecker (Staatsbibliothek zu Berlin)

2024年2月7日 23:43

Texterkennung (Optical Character Recognition, OCR) ist die Technologie um aus Scans (also Bildern) von Dokumenten digitale, editierbare und durchsuchbare Volltexte zu erzeugen. Sowohl durch Digital Humanities als auch Künstliche Intelligenz steigt der Bedarf von Wissenschaft und Forschung an digitalen Texten. Jedoch ist die Texterkennung, insbesondere für historische Dokumente, noch stets eine sowohl technisch als auch organisatorisch hoch komplexe Aufgabe. Der Vortrag hat daher zum Ziel die Grundlagen, technischen Verfahren und den aktuellen Stand der Entwicklungen im Bereich der OCR vorzustellen um so einen gründlichen Überblick über die Möglichkeiten und Herausforderungen zu geben. Dabei werden neben Ursprung und Geschichte der OCR insbesondere die vielfältigen Verarbeitungsschritte in einem typischen OCR-Workflow, die besonderen Anforderungen von historischem Material sowie aktuelle Forschungsprojekte und technologische Entwicklungen im Zentrum stehen.

Clemens Neudecker arbeitet als Forscher, Projektmanager und Library Hacker an der Staatsbibliothek zu Berlin. Er ist dort unter anderem eingebunden in das umfangreiche Verbundprojekt OCR-D. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Computer Vision, Natural Language Processing, Machine Learning & Artificial Intelligence und ihr Einsatz in den Bereichen Digitale Bibliotheken und Digital Humanities.

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Werkzeug. Zur Praxis computergestützter Forschung in den Geistes- und Kulturwissenschaften“ der Kompetenzwerkstatt Digital Humanities (KDH) an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.

Hinweis zur Veranstaltung

Vortrag und Gespräch auf deutsch.

Datum: 15.02.2024, 14-16 Uhr

Ort: Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Auditorium (Universitätsbibliothek, Geschwister-Scholl-Straße 1/3, 10117 Berlin)

Die Veranstaltung findet hybrid statt. Zugangsdaten schicken wir nach Anmeldung per Mail an ub.makerspace@hu-berlin.de.

Weitere Informationen zur Vortragsreihe Werkzeug auf der Homepage der KDH

Vortrag: Text-Reuse-Detection: Ein Werkzeug für die textorientierten Wissenschaften? Frederik Arnold, Robert Jäschke, Philip Kraut, Steffen Martus (HU Berlin), 18.01.2024, Humboldt-Universität zu Berlin

2024年1月11日 01:54

Zitate sind ein wichtiges Indiz für intertextuelle Verhältnisse. Insbesondere direkte, wörtliche Übernahmen weisen auf Stellen hin, die so bedeutend sind, dass sie nicht in ‘eigenen Worten’ wiedergegeben werden können oder durch eigene Worte ersetzt werden sollen. In unseren Projekten zur Identifikation von “Schlüsselstellen” sowie zur (Nach-)Nutzung vorhandenen Expert*innenwissens in den Computational Literary Studies haben wir Verfahren zur Text-Reuse-Detection entwickelt, die sich insbesondere auf die bislang systematisch ungeklärte Beziehung von Quellen und wissenschaftlichen Texten konzentrieren, aber auch andere Formen von Intertextualität erfassen.

Steffen Martus ist Professor für Neuere deutsche Literatur am Institut für deutsche Literatur der Humboldt–Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Literaturgeschichte vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, in der Literaturtheorie (insbesondere Theorien des literarischen Werks) sowie der Wissenschaftstheorie und -geschichte der Geisteswissenschaften. Im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 2207 Computational Literary Studies leitet er gemeinsam mit Rober Jäschke ein Projekt zu Schlüsselstellen in der Literatur (2020-2026). Gemeinsam mit Jörn Kreutel (Berliner Hochschule für Technik) leitet er das DFG-Projekt „Forschungsplattform Literarisches Feld DDR: Autor*innen, Werke, Netzwerke“.

Robert Jäschke ist Professor für Information Processing and Analytics am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Sein Forschungsschwerpunkt sind Verfahren (vorrangig des maschinellen Lernens) zur Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen. Beispielsweise erforscht er im DFG-Projekt Unknown Data (2022-2025) Verfahren zum Finden und Katalogisieren von Long-Tail-Forschungsdaten der Informatik und der Sozialwissenschaften. Im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 2207 Computational Literary Studies leitet er gemeinsam mit Steffen Martus ein Projekt zu Schlüsselstellen in der Literatur (2020-2026). Robert Jäschke ist Mitbegründer des Social-Bookmarking-Dienstes BibSonomy und Gründer und Mitherausgeber des Blogs weltliteratur.net, einem „Schwarzmarkt für die Digitalen Geisteswissenschaften“.

Frederik Arnold ist akademischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Information Processing and Analytics am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Er forscht im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms 2207 Computational Literary Studies zu Schlüsselstellen in der Literatur mit Fokus auf der automatisierten Entdeckung. Er hat seinen Master in Computerlinguistik an der Universität des Saarlandes erworben.

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Werkzeug. Zur Praxis computergestützter Forschung in den Geistes- und Kulturwissenschaften“ der Kompetenzwerkstatt Digital Humanities (KDH) an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.

Hinweis zur Veranstaltung

Vortrag und Gespräch auf deutsch.

Datum: 18.01.2024, 14-16 Uhr

Ort: Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Auditorium (Universitätsbibliothek, Geschwister-Scholl-Straße 1/3, 10117 Berlin)

Die Veranstaltung findet hybrid statt. Zugangsdaten schicken wir nach Anmeldung per Mail an ub.makerspace@hu-berlin.de.

Weitere Informationen zur Vortragsreihe Werkzeug auf der Homepage der KDH

Vortrag: A Practically Useful History of Network Visualization von Mathieu Jacomy (Aalborg University), 20.12.2023, Humboldt-Universität zu Berlin

2023年12月13日 17:37

This talk is about the science of visualizing networks. Although the field of graph drawing, as we call it, has no shortage of theoretical contributions, those have always followed practices; and with a sensible delay. Mathieu Jacomy, co-founder of the network visualization tool Gephi, will sketch the double story of the craftsmanship and the academic evaluation of representing networks as dots and lines, from Jacob Moreno’s sociograms, to Peter Eades‘ first force-driven layout algorithms, to Helen Purchase’s aesthetic criteria, and finally to the data deluge and the availability of large complex networks, paving the way to network science. This story will show how practices shape cultures in ways that escape the control of academics, at once bad and good, uninformed yet innovative, unjustified yet meaningful. Reading a large complex network is not the same as a small diagram, and the talk will provide illustrations of the ideas that had to be left behind to properly frame graph drawing as a mediation driven by technology. Which will also help you read large network maps properly.

Mathieu Jacomy is Doctor of Techno-Anthropology and assistant professor at the Aalborg University Tantlab, and MASSHINE center. He was a research engineer for 10 years at the Sciences Po médialab in Paris, and is a co-founder of Gephi, a popular network visualization tool. He develops digital instruments involving data visualization and network analysis for the social science and humanities. His current research focuses on visual network analysis, digital controversy mapping, and computational social science. He toots at @jacomyma@mas.to and blogs at reticular.hypotheses.org.

Der Vortrag ist Teil der Reihe „Werkzeug. Zur Praxis computergestützter Forschung in den Geistes- und Kulturwissenschaften“ der Kompetenzwerkstatt Digital Humanities (KDH) an der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin.

Hinweis zur Veranstaltung

Vortrag und Gespräch auf englisch.

Datum: 20.12.2023, 14-16 Uhr

Ort: Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Auditorium (Universitätsbibliothek, Geschwister-Scholl-Straße 1/3, 10117 Berlin)

Die Veranstaltung findet hybrid statt. Zugangsdaten schicken wir nach Anmeldung per Mail an ub.makerspace@hu-berlin.de.

Weitere Informationen zur Vortragsreihe Werkzeug auf der Homepage der KDH

Vortrag: Einheit in der Vielheit: Edition, Forschungsdaten und computergestützte Analysen zu Alexander von Humboldts Kosmos-Vorträgen von Christian Thomas (Berlin/Weimar), 06.12.2023, Humboldt-Universität zu Berlin

2023年11月29日 23:02

Im Rahmen der Vortragsreihe Werkzeug. Zur Praxis computergestützter Forschung in den Geistes- und Kulturwissenschaften, veranstaltet von der Kompetenzwerkstatt Digital Humanities (KDH) an der Humboldt-Universität zu Berlin, wird Christian Thomas (Berlin/ Weimar) die wichtigsten Ergebnisse seiner kürzlich an der Humboldt-Universität zu Berlin erschienenen Dissertation sowie die zu deren Erarbeitung angewandten Methoden präsentieren.[1] Der Vortrag fokussiert auf den Einsatz verschiedener Werkzeuge aus dem Bereich des Natural Language Processing (NLP) sowie im weiteren Sinne der Digital Humanities (DH) zur Bearbeitung und heuristischen Beantwortung literatur- und editionswissenschaftlicher Fragestellungen. Analysiert wird ein etwa 3500 handschriftliche Seiten umfassendes Volltextkorpus zu Alexander von Humboldts sogenannten Kosmos-Vorträgen (Berlin, 1827/28).[2] Da Manuskripte des Vortragenden nicht vollständig und nicht in ihrer ursprünglichen Form überliefert sind, stellen die im Korpus enthaltenen Mitschriften, Nachschriften und deren Abschriften aus dem Kreis der Hörerinnen und Hörer die wichtigsten Quellen zu den Inhalten der Kosmos-Vorträge dar.

Editionstheoretische Überlegungen, wie mit diesem Quellenbestand in einer (Digitalen) Edition zu verfahren ist, leiten über zu exemplarischen Untersuchungen des Korpus. Dabei kommen neben ‚traditionell hermeneutischen‘ Methoden vor allem quantitative Untersuchungen und Verfahren wie automatische Kollation bzw. Plagiatssuche zum Einsatz. Es wird gezeigt, wie die eingesetzten NLP- bzw. DH-Werkzeuge helfen können, ein so umfangreiches Textkorpus zu strukturieren und für konzentrierte Lektüren zu erschließen, ohne dabei früheren – nicht nur aus heutiger Sicht inadäquaten – editorischen Ansätzen einer Reduzierung der Quellenvielfalt folgen zu müssen. Voraussetzungen zur Arbeit mit Editionen bzw. Korpora wie diesem sind einerseits die umfangreiche editionsseitige Dokumentation der Überlieferungssituation, der Quellenbasis und des Digitalisierungsprozesses, vor allem der möglichst generischen, zum Teil jedoch zwangsläufig projektspezifischen Richtlinien zur Transkription und Annotation der Volltexte sowie der Möglichkeiten zu deren Nachnutzung. Nutzer:innenseitig ist entsprechend ein höheres Maß an ‚Data & Tool Literacy‘ erforderlich, wobei gezeigt wird, wie selbst vergleichsweise einfache, anwendungsbereite Werkzeuge unter Einbezug basaler Annotationen in die Analyse effizient und zielführend eingesetzt werden können.

Eine der Leitfragen des Vortrags ist, inwieweit Humboldts berühmte Kosmos-Vorträge mit diesen Methoden und auf der Grundlage einer parallelen, gleichwertigen Digitalen Edition aller überlieferten Textzeugen rekonstruierbar sind – oder vielmehr: ob dies überhaupt ein sinnvolles und grundsätzlich erreichbares Ziel sein kann.[3] Inwiefern dies nicht der Fall ist und was dies für die Edition und Analyse von Quellen aus dieser und vielen anderen vergleichbaren Überlieferungssituationen bedeutet, ist die sehr viel interessantere zentrale Frage im Anschluss.

Christian Thomas ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Akademienvorhaben „Alexander von Humboldt auf Reisen – Wissenschaft aus der Bewegung “ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie im Akademienvorhaben „Propyläen – Goethes Biographica “ an der Klassik Stiftung Weimar. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Digitaler Editionen und Korpora.

Literatur und Forschungsdaten
[1] Christian Thomas: „… ein Gemisch von Gehörtem und selbst Zugeseztem“. Nachschriften der ‚Kosmos-Vorträge‘ Alexander von Humboldts: Dokumentation, Kontextualisierung und exemplarische Analysen. Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin: edoc-Server, Version 1.0 vom 1. November 2023. DOI: https://doi.org/10.18452/27521.
[2] Dieses Korpus wurde im Zuge des Projekts Hidden Kosmos der Humboldt-Universität durchgehend einheitlich im internationalen de facto-Standard der Text Encoding Initiative (TEI) annotiert und im Deutschen Textarchiv (DTA) der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) veröffentlicht. Siehe Hidden Kosmos—Reconstructing Alexander von Humboldt’s »Kosmos-Lectures« (2014–2016), Humboldt-Universität zu Berlin, https://www.culture.hu-berlin.de/de/forschung/projekte/hidden-kosmos/; Subkorpus „Alexander von Humboldts Kosmos-Vorträge“ im Deutschen Textarchiv, BBAW, https://www.deutschestextarchiv.de/search/metadata?corpus=avhkv.
[3] Christian Thomas: “You Can’t Put Your Arms Around a Memory: The Multiple Versions of Alexander von Humboldt’s ‘Kosmos-Lectures’ (1827/28).” In: Versioning Cultural Objects. Edited by Roman Bleier and Sean M. Winslow. Schriften des Instituts für Dokumentologie und Editorik, 13. Norderstedt: Books on Demand, 2019, pp. 77–99. https://kups.ub.uni-koeln.de/10650; urn:nbn:de:hbz:38-106501.

Hinweis zur Veranstaltung

Datum: 6.12.2023, 14-16 Uhr

Ort: Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, Auditorium (Universitätsbibliothek, Geschwister-Scholl-Straße 1/3, 10117 Berlin)

Die Veranstaltung findet hybrid statt. Zugangsdaten schicken wir nach Anmeldung per Mail an ub.makerspace@hu-berlin.de.

Weitere Informationen zur Vortragsreihe Werkzeug auf der Homepage der KDH

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