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Olá, Lisboa: DH2025 – Building Access and Accessibility, open science to all citizens

Die diesjährige Digital Humanities Konferenz fand im schönen (wenn auch ziemlich heißen!) portugiesischen Sommer in Lissabon statt. Als Brasilianerin war ich besonders froh, die DH-Community in einem portugiesischsprachigen Umfeld zu erleben, und bin mit Unterstützung eines Reisestipendiums des Verbands Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) nach Lissabon gegangen. Ich bin daher dem Dhd für die Unterstützung sehr dankbar, welche mir die Teilnahme an der Konferenz ermöglicht hat. Ohne diese Unterstützung hätte ich diese Erfahrung nicht erleben können.

Unter anderem hatte ich vor, Ergebnisse aus dem Projekt „digitale Edition von Fernando Pessoa – Projekte und Publikationen” zu präsentieren, einem Text+ Kooperationsprojekt mit Prof. Ulrike Henny-Krahmer (Universität Rostock), mit der ich 2023 zusammengearbeitet habe. Das Projekt sollte die Infrastruktur der digitalen Edition auf den neuesten Stand bringen. Da Fernando Pessoa einer der wichtigsten Autoren der Literatur in portugiesischer Sprache und ein echter Lisboeta ist, war Lissabon der perfekte Ort, um die Ergebnisse des Projekts zu teilen.

In diesem Blogbeitrag teile ich ein paar Eindrücke von der DH2025 und während wir auf das Abstract-Buch warten, möchte ich auch ein paar Eindrücke vom Programm zeigen.

DH in Lissabon

Ein gelber Straßenbahnwagen fährt durch eine sonnige Stadtstraße, umgeben von Gebäuden, Bäumen und Oberleitungen.

Unter dem Motto „Accessibility & Citizenship“ ging es bei der Konferenz darum, den Zugang zu Wissen demokratischer zu machen, das Engagement der Community zu fördern und aktuelle gesellschaftliche Probleme auf sinnvolle Weise anzugehen. Barrierefreiheit war nicht nur ein Thema, sondern hat auch die Organisation beeinflusst. Bei der Eröffnungsfeier gab es sowohl im Saal als auch beim Zoom-Livestream Gebärdensprachdolmetscher. Das hybride Format, das an sich schon ein Zeichen für Barrierefreiheit ist, baut auf den letzten Konferenzen in Graz (2023) und Washington, DC (2024) auf und versucht, die Online-Teilnahme zu verbessern. Obwohl ich vor Ort in Lissabon war, finde ich es sehr wichtig, dass unsere Community weiterhin den Möglichkeiten für DHler:innen und Interessierte, die nicht reisen können, Priorität einräumt.

Auch die Multilingualität stand im Mittelpunkt. Präsentationen in anderen Sprachen als Englisch sind auf DH-Konferenzen nichts Neues, aber in Lissabon gab es mehrere Vorträge auf Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Da die ADHO neue Mitglieder wie die Associazione per l’Informatica Umanistica e la Cultura Digitale (AIUCD) aufnimmt, sollten wir den wissenschaftlichen Austausch über Sprach- und Landesgrenzen hinweg weiter fördern. Englisch ist vielleicht die Lingua franca der Wissenschaft, aber als Geisteswissenschaftler:innen sollten wir die damit verbundenen Auswirkungen kritisch hinterfragen.

Aus einer brasilianischen akademischen Perspektive ist diese Diskussion bekannt: Englisch ist oft die gemeinsame Sprache in der Wissenschaft, aber es kann auch eine Barriere darstellen, die Leute von der Teilnahme ausschließt, und zwar selbst wenn es, z.B., auf Portugiesisch fundierte wissenschaftliche Arbeiten gibt. Für uns, bei einem Vortrag über einen portugiesischen Autor im Herzen Portugals durch eine brasilianische Forscherin, haben wir (das Team: Ulrike Henny-Krahmer, Erik Renz und ich) uns dafür entschieden, auf Portugiesisch zu präsentieren. Es war wie eine Heimkehr für Pessoas Ausgabe in seine Heimatstadt.

Ich werde hier nicht versuchen, das Problem zu lösen, aber die Anzahl der mehrsprachigen Vorträge auf der Konferenz unter dem Motto „Accessibility“ hat mich wieder an diese Fragen erinnert. Das ist es meiner Meinung nach, was ein Konferenzmotto bewirken sollte. Gut gemacht, Organisationskomitee!

Die DH-Konferenz in Lissabon war nicht nur mehrsprachig, sondern auch echt international. Die Referenten kamen aus Institutionen von 45 Ländern. Die Karte unten zeigt die Teilnahme nach Ländern, basierend auf dem Konferenzprogramm und den Angaben der Teilnehmer zu ihrer jeweiligen institutionellen Zugehörigkeit. (Die Karte zeigt das Land der Institution der Referenten, nicht ihre Staatsangehörigkeit.)

Die Grafik zeigt eine Weltkarte mit der Anzahl der Präsentationen pro Land, dargestellt durch verschiedene Farbabstufungen von hellviolett bis dunkelviolett. Je dunkler die Farbe, desto mehr Präsentationen fanden in diesem Land statt.

Bei der Eröffnung hat ADHO sein 20-jähriges Jubiläum in Erinnerung gerufen (gegründet 2005) und Italien über AIUCD als neues Mitglied begrüßt. Der Antonio Zampolli Preis 2026 wurde für das Stylo Tool und die Computational Stylistics Group verliehen, deren R-Library für stilometrische Analysen und ihr Engagement für den Aufbau einer Community gewürdigt wurden. Michael Sperberg-McQueen (1954–2024) wurde außerdem in Erinnerung gerufen und der Michael Sperberg-McQueen Digital Nachlass vorgestellt (https://dh.phil-fak.uni-koeln.de/en/research/cmsmcq), eine Initiative des Departments für Digital Humanities der Universität zu Köln zur Bewahrung seines digitalen Nachlasses unter der Leitung von Elisa Cugliana und Øyvind Eide. Das Programmkomitee unter der Leitung von Gimena del rio Riande (IIBICRIT- CONICET/ USAL) und Manuel Portela (Fachbereich für Sprachen, Literatur und Kulturen, UCoimbra) folgte mit einem lustigen Sketch über KI-„Halluzinationen” und die Schwierigkeiten des akademischen Lebens, der die Stimmung auflockerte und uns gleichzeitig auf die Themen des Jahres zurückführte: Mehrsprachigkeit, Politik, Barrierefreiheit und Wissenschaft als citizenship.

Javier Cha steht vor dem Publikum im Konferenzraum und präsentiert Folien mit Schriftzeichen, während ein Dolmetscher daneben steht.

Dann kam die Keynote von Javier Cha. Cha erzählte von seiner Karriere und seiner Sicht auf (digitale) Geschichte, von seinen ersten netzwerkbasierten Rereadings historischer Quellen bis hin zu aktuellen Anwendungen von KI, die uns helfen, Archive besser im Kontext zu lesen. Der Fokus liegt nicht darauf, mit KI das Rad neu zu erfinden, sondern anders zu lesen: mithilfe von Computern Verbindungen, Nuancen und Kontexte zu erkennen, die durch Schlüsselwörter und Häufigkeit nicht erfasst (oder erkennt) werden, während der Historiker:in die Kontrolle behält. Er bezeichnete dies als „fine-tuning the historian’s macroscope”: die Fähigkeit, das Ganze zu überblicken und die richtigen Stellen zu finden, um näher hinzuschauen und genauer zu lesen.

Überblick: Poster, Präsentationen und Panels

Ein Balkendiagramm zeigt die Anzahl der Präsentationen nach Typ. "Short paper" hat mit 218 die meisten Beiträge, gefolgt von "Poster" mit 133 und "Long paper" mit 118. Weitere Kategorien sind "Workshop" (17), "Panel" (10), "Mini conference" (8) und "SIG workshop/event" (7).

Das Programmheft ist noch nicht da, aber während wir warten, können wir uns schon mal das Programm anschauen und, um einen Begriff von Cha zu verwenden, mit unserem Makroskop die Konferenz aus der Ferne betrachten und versuchen, einen Eindruck davon zu bekommen, was unsere DH Community so treibt. Ein Überblick über die Arten der eingereichten Beiträge zeigt uns die Verteilung des diesjährigen Programms (siehe oben). Die Daten für diesen Überblick stammen aus dem Programm auf Conftool (https://dh2025.adho.org/browse-the-program-agenda/), wurden maschinell erfasst und anschließend mit Python bereinigt und analysiert.

Ein Balkendiagramm zeigt die häufigsten n-Grams. "Large language models" und "cultural heritage" sind am häufigsten, gefolgt von "machine learning" und "open source".

Wenn man sich die Abstracts der Vorträge im Programm anschaut (Workshops und Panels nicht mitgerechnet), zeigt das Balkendiagramm die häufigsten N-Grams, also wie oft ein Begriff in den Abstracts vorkommt. Das Thema, das ganz klar dominiert, sind „Large Language Models” (LLMs). Das zeigt, dass der Einsatz von LLMs in den Digital Humanities weiterhin ein Trend ist, der sich durchsetzt. Gleich danach kommt „cultural heritage”, was zeigt, dass GLAM und die Arbeit mit Kulturgütern nach wie vor ein zentraler Anwendungsbereich für DH sind. Methoden sind sehr präsent, vor allem KI („machine learning” und „large language models” stehen ganz oben), während „“computational Methods” und „text analysis” den methodischen Fokus verstärken. Der Fokus auf KI und LLMs ist nicht überraschend und war auch schon in der letzten DH zu sehen. Offenheit zieht sich durch das ganze Programm, wobei „open source”, „open science”, „open data” und „FAIR principles ” häufig auftauchen. Auch Wissensrepräsentation ist ein lebhaftes Thema, wobei „knowledge graphs” und „linked open data” auf Interoperabilität und semantische Anreicherung hinweisen.

Eine zweite Visualisierung zeigt, wie Themen in den Abstracts der Vorträge zusammen auftreten. In dieser Co-Occurrence-Heatmap zählt jede Zelle die Abstracts, die ein Paar der Top N-Grams im selben Text erwähnen (die Diagonale ist ausgegraut, weil Selbstpaare raus sind). Die Matrix ist ziemlich sparsam, was darauf hindeutet, dass sich viele Beiträge auf ein einziges Hauptthema konzentrieren, aber es gibt auch klare Überschneidungen. Begriffe rund um Offenheit wie “open science”, „open source”, „open data” und „FAIR principles” tauchen zusammen auf, oft in Kombination mit „research data“ und oft in Kombination mit „cultural heritage“. Methodische Themen bilden ein weiteres Cluster, insbesondere „large language models“, „machine learning“ und „computational methods“, die gelegentlich gemeinsam mit „text analysis“ erscheinen. „Cultural heritage“ zeigt Verbindungen zu mehreren dieser Bereiche, was darauf hindeutet, dass Kulturgüter häufig durch offene Praktiken, datengetriebene Ansätze und KI-gestützte Methoden in Fallstudien integriert werden.

Ein Heatmap zeigt die Co-Occurrence der häufigsten n-Grams. Dunkle Felder markieren häufige gemeinsame Vorkommen von Begriffen wie "large language models", "cultural heritage" und "open science".

Was ich mitnehme…

Die Teilnahme an der DH ist immer eine Chance, Freunde zu treffen, neue Leute kennenzulernen und viel zu lernen. Als ich Lissabon verlassen habe, hatte ich frische Ideen für LLM-basierte Methoden zum Erfassen und Analysieren von Daten im Gepäck. Wie Cha uns betonte, müssen wir uns nicht zwischen dem Überblick und den Details entscheiden; wir können zwischen beiden hin- und herwechseln und LLMs kritisch einsetzen, während wir selbst entscheiden, wann wir den Fokus auf Nuancen legen wollen. Außerdem wurde mir wieder bewusst, wie wichtig Dokumentation und Wiederverwendbarkeit sind: Unsere beste Arbeit ist für andere nur dann nützlich, wenn sie gut dokumentiert und frei verfügbar ist. Die DH2025 hat meine Neugier geweckt und mein Notizbuch mit Ideen gefüllt. Vielleicht werden wir uns 2026 in Wien zur DHd wieder treffen.

Tchau, Lisboa, até a próxima! Bis dahin hat Lissabon uns allen beigebracht, was Saudade bedeutet.

Ein Flugzeug fliegt über Lissabon bei Sonnenuntergang, die Skyline ist im Schatten sichtbar.

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DH2025: Building Access and Accessibility, open science to all citizens – Meine ersten Schritte in die Forschungswelt

Vom 14. bis 18. Juli 2025 fand in Lissabon die Digital Humanities Konferenz unter dem Motto „Building access and accessibility, open science to all citizens“ statt. Gemeinsam mit meiner Kommilitonin und Dozentin durfte ich unser Projekt als „Long Presentation“ vorstellen. Was als Kursprojekt begann, wurde zu meiner ersten internationalen Konferenzteilnahme und einer wichtigen Erfahrung für meine berufliche Zukunft. Besonders dankbar bin ich dem Verband „Digital Humanities im deutschsprachigen Raum e.V.“, der mir über das DHd-Reisestipendium die Teilnahme ermöglicht hat. Ohne diese großzügige Unterstützung wäre es mir nicht möglich gewesen, diese wertvolle Erfahrung zu sammeln.

 

Von der Studienarbeit zur internationalen Konferenz

Ich befinde mich gerade in der finalen Phase meines Masterstudiums und arbeite parallel am Institut für Digital Humanities der Universität zu Köln. Dort bekomme ich viel von den Abläufen hinter den Kulissen mit, besonders wie Promotionen und Forschungsprojekte vonstattengehen. Ursprünglich hatte ich nie vor, zu promovieren. Der Master sollte mein letzter Meilenstein sein, danach wollte ich direkt ins Berufsleben einsteigen. Die Pandemie und einige Umwege verlängerten mein Studium, wodurch ich mich unter Zeitdruck fühlte.

Doch wie so vieles in meinem Studium entwickelte sich auch diese Perspektive ganz natürlich. Dass ich überhaupt im Bereich Digital Humanities studieren würde, hätte ich mir früher nie vorstellen können. Inzwischen bin ich für neue Möglichkeiten offen. Die Konferenzerfahrung hat mein Interesse an einer Promotion geweckt.

Den Grundstein legte ein Kurs namens „Digital Humanities – Theorie und Praxis“, in dem wir als Gruppe ein Virtual-Reality-Projekt in der Spiel-Engine Unreal Engine 5 entwickelten. Mit Unterstützung unserer Dozentin wählten wir das Thema und erstellten eine Anwendung über mittelalterliche Losbücher, speziell das „Prenostica Socratis Basilei” in seinen mittelalterlichen deutschen Versionen. Diese historischen Wahrsagetexte haben ihre Wurzeln in der Spätantike und wurden vor allem vom 14. bis 16. Jahrhundert zur Zukunftsvorhersage verwendet. Typisch war dabei der Einsatz von interaktiven Ritualen wie Würfeln, um durch den nicht linearen Text zu navigieren. Als konkrete Grundlage diente uns das Losbuch Konrad Bollstatters, eine Handschrift aus dem 15. Jahrhundert, die charakteristische Merkmale dieser Textgattung zeigt.

Wir platzierten dieses Losbuch in drei virtuellen Umgebungen: einer Klosterbibliothek, einem Astrologenlabor und einer Taverne. Damit wollten wir die unterschiedlichen Nutzungskontexte der Zeit nachbilden, von spirituellen über wissenschaftliche bis hin zu unterhaltenden Zwecken.

Die von uns entwickelte VR Anwendung ermöglicht es Nutzern, das Losbuch in seinen historischen Zusammenhängen zu erleben. Dabei können sie die typischen multisensorischen Interaktionen nachempfinden, etwa das Blättern in den Pergamentseiten oder das ritualisierte Würfeln, die für die mittelalterliche Nutzung dieser Texte entscheidend waren. Schon während der Entwicklung war klar, dass wir das Projekt weiterführen und einem größeren Publikum zeigen wollten. Wir schrieben ein Paper darüber, das tatsächlich für die DH Conference akzeptiert wurde!

Die Reise nach Lissabon

Da alles sehr schnell ging, konnte nicht das gesamte Team teilnehmen. Als Studierende fehlten uns schlichtweg die finanziellen Mittel, und die Flüge und Unterkünfte waren während der Sommerzeit besonders teuer. Auch zeitliche Konflikte verhinderten, dass wir von Anfang an dabei sein konnten. Unsere Teammitglieder waren in unseren Gedanken dabei. Wir stellten sicher, dass ihre Arbeit gewürdigt wurde. Am Abend des 17. Juli landeten wir in Lissabon. Nach der Ankunft freuten wir uns sehr über das tolle Wetter. Wir nahmen die Bahn zu unserem Airbnb, das glücklicherweise nicht weit vom Flughafen entfernt lag. Unser Host war eine nette portugiesische Familie, die uns Zugang zu den meisten Räumlichkeiten gewährte.

Erste Eindrücke auf der Konferenz

Bei der Ankunft zur Konferenz war ich überwältigt von der Menschenvielfalt aus aller Welt. Nach der Anmeldung erhielten wir unsere Namensschilder mit Affiliationen. Unsere Präsentation war für Donnerstag um 14 Uhr geplant, die Slots dauerten jeweils 1,5 Stunden und begannen um 10 Uhr. Über die Whova-App konnte man sich vernetzen und für interessante Sessions eintragen. Zusätzlich gab es eine komplette Teilnehmer:innenliste und eine Messaging-Funktion für die Vernetzung. Zwei Personen mit DH2025 Konferenz-Namensschildern (Pascale Boisvert und Nadjim Noori, University of Cologne) unter einem Baum

Wir waren sehr aufgeregt, da wir uns noch nicht vollständig vorbereitet fühlten. Neue Ängste kamen auf: Was, wenn niemand oder zu wenige zu unserem Panel kommen? Was, wenn Fragen gestellt werden, die wir nicht beantworten können? Wir hatten uns zwar auf spezifische Fragen vorbereitet, aber unser Projekt würde sicherlich komplexe Fragen aufwerfen.

Ich fühlte mich etwas eingeschüchtert, denn die meisten Teilnehmenden waren Postdocs oder Promovierende. Genau deshalb wollte ich herausfinden, ob ich mir eine Karriere in diesem Bereich vorstellen kann, und suchte aktiv Gespräche in den Pausen.

Die Präsentation

Am Abend zuvor übten wir unsere Passagen und nahmen das VR-Headset für eine mögliche Live-Demo mit. Letztlich zeigten wir jedoch nur ein Video, um das Risiko technischer Probleme oder von Zeitverzögerungen zu vermeiden. Unsere Präsentationszeit war auf 20 Minuten begrenzt.

Während der Präsentation betonte unsere Dozentin, dass wir Masterstudierende seien, die zum ersten Mal in dieser Form präsentieren. Die Präsentation verlief sehr gut. Wir hielten die Zeit ein, stotterten kaum, das Englisch funktionierte, und die Diskussionsrunde war lebendig. Es gab viele Fragen, was uns freute. Kritische Stimmen gab es auch: Jemand hinterfragte unsere Methodik, doch eine andere Person wies die Kritik zurück und bezeichnete unseren Ansatz als intuitiv.

Die Konferenztage

Wir gingen relativ spät schlafen und mussten früh aufstehen. Am ersten Tag ging ich in den Pausen zu unserer Dozentin, die unsere Präsentation unterstützte und die Session moderierte. Unser Institut war schön auf der DH-Konferenz vertreten. Ich sah viele Dozent:innen und Kommiliton:innen, die ebenfalls präsentierten.

Die Mittagspause am Donnerstag war hektisch, doch ich nutzte die kurze Zeit, um etwas von Lissabon zu sehen und zu essen. Nach der Präsentation besuchten wir bis tief in den Abend weitere Sessions.

Der Freitag war viel entspannter, da der Druck weg war. Wir suchten in Ruhe interessante Sessions aus und aßen entspannt zu Mittag. Ich erlebte viele spannende Präsentationen, besonders gefielen mir die mit viel Programmierung.

Die abschließende Keynote

Am Ende des Freitags gab es die Final Keynote, bei der wir unbedingt dabei sein wollten. Roopika Risam vom Dartmouth College hielt einen Vortrag über „Digital Humanities for a World Unmade“. Sie forderte die DH-Community heraus, nicht nur technische Expert:innen, sondern auch politische Akteur:innen zu sein. Besonders hängen geblieben ist mir ihr Aufruf, digitale Forschung als Mittel für soziale Gerechtigkeit zu nutzen und marginalisierte Stimmen sichtbar zu machen.

Fachliche Einblicke und neue Horizonte

Die Sessions, die ich besuchte, zeigten die Vielfalt der Digital Humanities: von Machine-Learning-Ansätzen für Gothic Novels über Netzwerkanalysen antiker griechischer Texte bis hin zu automatisierten Text-Processing-Tools. Besonders beeindruckt hat mich der Session-Slot „Automating Text Processing with LLMs & Data Visualization Tools“. Die Präsentation zu CodeFlow” zeigte mir, wie weit wir bereits in der Automatisierung gekommen sind. Tools wie diese können digitale Geisteswissenschaften zugänglicher machen, indem sie auch weniger technisch versierten Forschenden den Zugang zu komplexen Analysemethoden erleichtern. Konferenzraum mit Teilnehmern während eines Vortrags, Blick von hinten auf das Publikum und die Präsentation vorne

Eine andere Präsentation, die mich besonders fesselte, war „Comparing Human and AI Performance in Visual Storytelling through Creation of Comic Strips“. Der Präsentierende war trotz seiner Online-Teilnahme so unterhaltsam, und die Erkenntnisse reflektierten die Vielseitigkeit und Kreativität der DH-Forschung. In der Präsentation wurde eine Studie vorgestellt, in der Menschen und KI darin verglichen wurden, einen dreiteiligen Nancy-Comic nachzustellen. Menschen mit grundlegender künstlerischer Ausbildung überzeugten durch zusammenhängende visuelle Erzählungen, während die KI trotz beeindruckender künstlerischer Replikation Schwierigkeiten hatte, eine stimmige Geschichte zu erzeugen. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen nach wie vor überlegen sind, Anweisungen in sinnvolle Geschichten umzusetzen.

Überraschende Erkenntnisse und Vernetzung

Was mich am meisten überrascht hat, war die Selbstverständlichkeit, mit der hier Geisteswissenschaftler:innen, Informatiker:innen, Bibliothekar:innen und Künstler:innen zusammenarbeiten. Die Bandbreite reichte von technischen Ansätzen bis zu konzeptuellen Reflexionen über digitale Kultur. Es war faszinierend zu beobachten, wie schnell sich Trends und Technologien im Feld entwickeln. 

Die Vernetzung war ein Höhepunkt der Konferenz. Ich konnte mich mit Forschenden aus Polen, den Niederlanden und den USA austauschen. Eine US-amerikanische Professorin zeigte großes Interesse an unserer Präsentation und wollte Einblicke für ihre Kurse, um ähnliche Projekte mit ihren Studierenden zu realisieren. Solche direkten Angebote für Kollaborationen hätte ich nicht erwartet.

Ein neuer Blick auf die Promotion

Eine meiner Hauptemotionen während der Konferenz war die Angst vor dem Ungewissen, vielleicht auch ein bisschen Imposter-Syndrom. Noch vor einem Jahr hätte ich gesagt, dass ein PhD für mich keine Option ist. Mir fehlte einfach der Anknüpfungspunkt. In meinem Umfeld kannte ich kaum jemanden, der eine Promotion anstrebte.

Die Konferenz ermöglichte mir einen Einblick in die weltweite DH-Forschung. Es gab sogar ein Online-Board mit Job- und PhD-Angeboten, und ich sprach mit vielen Gleichaltrigen über ihre Erfahrungen und ob sie eine Promotion empfehlen würden.

Die positive Resonanz auf unser Projekt gibt mir Mut, tiefer in dieses Forschungsfeld einzutauchen, und ich werde mich demnächst von meiner Dozentin beraten lassen.

Ausblick und Ratschläge

Nach der Masterarbeit stehen die PhD-Pläne im Raum. Vielleicht führt mich das sogar ins Ausland. Für unser VR-Projekt hoffen wir auf Funding. Diese Antwort musste ich während der Diskussionsrunde nach unserer Präsentation häufig geben, wenn gefragt wurde, warum wir bestimmte Aspekte nicht anders umgesetzt haben. Mit zusätzlichen Ressourcen könnten wir das Projekt für noch mehr Menschen zugänglich machen.

Anderen Masterstudierenden, die ihre erste Konferenz besuchen, würde ich raten: Lasst euch von eurer Unsicherheit nicht blockieren. Viele Menschen auf der Konferenz durchlaufen genau dasselbe wie ihr. Und nach der ersten Konferenz werden die nächsten viel leichter. Für zukünftige Präsentationen würde ich mein Zeitmanagement verbessern, um alles noch einmal in Ruhe durchzugehen, auch wenn mir bewusst ist, dass diese Konferenz für mich sehr plötzlich kam.

Fazit

Diese erste Konferenzerfahrung hat nicht nur meinen Blick auf eine mögliche Promotion verändert, sondern mir auch gezeigt, wie lebendig, vielfältig und zukunftsweisend die Digital Humanities sind. Die Begegnungen mit internationalen Forschenden und der Austausch über innovative Projekte haben mich bestärkt, meinen Weg in diesem Feld weiterzugehen.



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